. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
26. August 2008, 18:32 Uhr

Gabriel macht sich auf den richtigen Weg

Endlich eine lobenswerte Reformidee: Sigmar Gabriel möchte, dass dort Steuern gezahlt werden, wo die Umwelt belastet wird. Die Mehrwertsteuer für umweltschonende Produkte könnte auf sieben Prozent gesenkt werden. Was dagegen spricht? Nichts! Nur wird wohl die Lobbyistenarmada dagegen Sturm laufen. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Debatten und Streitereien in der Koalition sind bei Gabriels Vorschlag programmiert© Axel Schnidt/AP

Die unsinnigste steuerpolitische Reform der letzten Zeit ist leicht zu benennen: Es war die Senkung der Mehrwertsteuer für Bergbahnen von 19 auf sieben Prozent. Durchgesetzt von der CSU. Wer sich daran erinnert, wie oft in der deutschen Steuerpolitik darüber gefaselt wird, dass Umweltpolitik über das Steuersystem gemacht werden müsse, muss sich über dieses Geschenk an die Bergbahnbetreiber an den Kopf fassen. Oder will jemand darauf beharren, dass Bergbahnen dem Umweltschutz dienen?

Weil dergleichen Unsinn problemlos möglich ist hierzulande, kann sich leicht ausmalen, auf welchen Widerstand der politische Vorschlag von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel treffen wird, der auf breiter Front Steuerreformen mit ökologischer Zielrichtung fordert. Ein derartiger ökologischer Umbau des deutschen Steuersystems ist - endlich einmal - ein bemerkenswerter steuerpolitischer Reformansatz. Was spricht denn dagegen, die Mehrwertsteuer für umweltfreundliche Produkte generell auf sieben Prozent zu senken, sie jedoch bei allen die Umwelt belastenden Produkten auf 19 Prozent zu hieven? Nichts. Die Politik müsste dann allerdings den Mumm aufbringen, zum Beispiel die Wut aller Hunde- und Katzenfreunde auszuhalten, die dann fürs Futter den vollen Mehrwertsteuersatz bezahlen müssten. Dass es wilde Debatten und Streitereien darüber geben würde, was ökologisch etwas wert ist und was nicht, steht bei den Vorschlägen Gabriels auch außer Frage.

Unternehmenssteuer nach ökologischen Kriterien

Nichts spricht jedoch dagegen, dass die Unternehmenssteuern künftig nach ökologischen Kriterien ausgerichtet werden, wie Gabriel es vorschlägt. Nichts spricht dagegen, den Unternehmen, die umweltfreundliche Investitionen vornehmen, die Kosten dafür abschreiben zu lassen. Und weshalb sollten die Atomkraftproduzenten nicht einen Cent pro erzeugte Kilowattstunde Strom in die Kasse des Staats abführen, der das Geld in den ökologischen Umbau der Industriewelt investieren könnte? Die derzeitige Steuerbefreiung von Flugzeugbenzin ist absurd. Dass fette Geländewagen mit hohem Spritverbrauch und massivem Schadstoffausstoß steuerlich voll als Dienstwagen begünstigt werden, ist ökologisch durch nichts zu rechtfertigen. Eine Regierung, die Kleinverdienern die Pendlerpauschale gestrichen hat, sollte wenigstens dazu den Mut haben. Die Bahn fährt im Nahverkehr zum reduzierten Mehrwertsteuersatz, weshalb muss sie dann im Fernverkehr den vollen bezahlen? Und schließlich ginge es in Ordnung, wenn Agrarsubventionen nur noch der klimafreundlichen Produktion zukommen würden.

Der richtige Weg ist angedacht

Es glaube aber keiner, dass die Bundesregierung der Großen Koalition in die von Gabriel vorgeschlagene Richtung gehen wird. Sämtliche Lobbyisten der Republik werden dagegen unverzüglich mobil machen. Dabei denkt dieser Reformvorschlag durchaus den richtigen Weg einer ökologischen Reformpolitik an. Und dies noch nicht einmal mit der wünschenswerten Konsequenz. Eine rundum ökologische Steuerpolitik würde durchgängig Energien steuerlich freisetzen, aber die damit verbundenen Emissionen besteuern. Auf der Hand liegendes Beispiel: Man besteuert nicht mehr das Benzin, sondern den Schadstoffausstoß der Autos. Das Ziel muss sein: bei verminderten Schadstoffen verringert sich die Steuer, schadstofffreie Energieerzeugung muss steuerfrei sein. Gabriel hat diesen Systemwechsel im Blick. Von heute auf morgen ist er nicht umsetzbar. Aber der richtige Weg ist angedacht.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
susiwolf (27.08.2008, 10:46 Uhr)
Pferdebild und WolfsGeheul
hevosenkuva bringt es auf den Punkt....und
UmsatzSteuer im nordöstlichsten Land Europas...22 %
UmweltBewußtsein... nahe 0 %
ZielRichtung EnergieErsparnis...ansteigend schon etwas über 0 % wegen rapide steigender Kosten.
ergo Herr Gabriel
reiten sie VOR in Deutschland mit dieser/ Ihrer Vision,
damit Finnland hinterher reiten kann;
aber bitte im Galopp, damit das Geheul der
Lobbyisten nur noch aus weiter Ferne ertönt.
( bei PISA ist's ja alles umgekehrt )
Eisenbaer (27.08.2008, 09:58 Uhr)
@utospatz
Das von Ihnen angeführte Beispiel taugt nichts. In Hornberg soll es wie folgt zugegangen sein:

Geplant war den Einzug des Landesfürsten mit Salutschüssen zu feiern.
1. Schießen: Ein große Staubwolke nähert sich der Stadt, das Schießen beginnt, es stellt sich aber heraus, dass sich nur ein Kaufmannstroß nähert.
2. Schießen: Größere Staubwolke als das erste Mal. Erneutes Schießen, diesmal für eine Kuhherde.

Als dann der Fürst kommt, haben die Hornberger all ihr Pulver verschossen.

Herrn Gabriel geht es nicht so. Ganz im Gegenteil, er wartete den genau richtigen Moment ab.
esteleas (27.08.2008, 04:40 Uhr)
(teil 2 , Verusch 2)
(sorry, irgendwie wurde mein erster Kommentar etwas durcheinandergewürfelt und vorzeitig abgeschnitten; und ich hoffe nun funktioniert es, args)
...
Und selbst wenn grenzwertig unter der Grenze zu "nicht mehr umweltfreundlich" produziert wird und dadurch ein wenig die Umweltbelastung reduziert wird, so folgt das dem simplen ökonomischen Anreischema (Grenz)Kosten kleinergleich (Grenz)Erlös. Die Unternehmen werden desto mehr auf umweltfreundliche Produktion umsteigen, je größer die (finanziellen) Anreize sind.
Irgendwie scheinen viele Menschen nicht zu verstehen, dass Staat (inklusive Steuern) und (auch wirtschaftlicher) Liberalismus keine Gegensätze sind. Nicht nur schafft der Staat erst die Grundlage für eine liberale Ordnung, sondern es obliegt nunmal auch dem Staat, dafür zu sorgen, dass (wie es so schön heißt) "kollektive und individuelle Rationalität" nicht auseinander fallen - dann nämlich wird die These der "invisible hand" obsolet und wir haben es mit dem zu tun, was man als Marktversagen bezeichnet. - Und eine zugrunde gerichtete Umwelt kann man denke ich durchaus als Marktversagen bezeichnen. Irgendwie scheint es nur bei einiges nocht nicht angekommen zu sein, dass Staatlichkeit die Nachhaltigkeit der Wirtschaft gewährleistet (wenn sie es denn tut), gewissermaßen gewährleisten muss.
Aber ok, man kann seine Augen wohl auch vor der (ökologischen) Verwantwortung und den (ökologischen) Herausforderungen verschließen...
esteleas (27.08.2008, 04:25 Uhr)
Grandiose Kommentare...
... hier zu lesen, von manchen Nutzern. Warum ein, wie ganz richtig angemerkt, Durchlaufposten für Unternehmen(spreise) auch nur eine einzige neue Stelle im Finanzministerium bedingen sollte, ist mir ein Rätsel?
Und auch die Tatsache, dass es ein Durchlaufposten, sehe ich nicht als Problem - Unternehmen werden in seinem solchen Maße die Produktion auf umweltfreundlicher umstellen, wie es sich für sie Lohnt. - Solange also, wie die geringeren Mehrwertsteuerabgaben die Vermeidungskosten übersteigen... Insofern ist das wahrscheinlich die dynamischste Lösung - weil sich die Gesamhöhe des Mehrwertsteuererlasses (die Preise werden wohl auch bei Mehrwertsteuernachlass nicht fallen) genau wie die Vermeidungskosten direkt nach Produktion/dem Absatz des Unternehmens richten.
Und was Kommentare, wie der von august51 sollen, weiß ich auch nicht - kann man sich nicht wenigstens bemühen, sachliche Argumente zu bringen, statt seine Ahnungslosigkeit, mit Verlaub mitunter sogar Dummheit, derart platt und beleidigend zu äußern?
Wenn sie dem Vorschlag nichts abgewinnen, ist das ja eines Jeden gutes Recht, aber außer Beleidungen an den Autor des Artikels müsste es auch nocht andere Begründungen geben, oder? - Und selbst wenn grenzwertig unter der Grenze zu "nicht mehr umweltfreundlich" produzierte wird und dadurch ein wenig die Umweltbelastung reduziert wird, so folgt das dem simplen ökonimischen Anreischema (Grenz)Kosten
koj4511 (27.08.2008, 00:30 Uhr)
Grandiose Idee
Nach der sozialen Gerechtigkeit führen wir die ökologische Gerechtigkeit mit Hilfe eines neuen Steuersystems ein. Die Behörden und die zugehörigen Kommissionen, die zur Umsetzung nötig werden, bieten vielen verdienten Parteifreunden für etliche Jahre gute Einkommen. Durch die Regelungen wird keiner mehr durch blicken aber das macht ja nichts, der Bürger / die Unternehmen sollen ja nur zahlen - nicht ökologisch sondern in Euro - damit wir uns Politiker wie Herrn Gabriel auch in Zukunft leisten können.
SethusCalvisius (26.08.2008, 23:30 Uhr)
Bemerkenswert
Dieser Artikel ist schon allein deshalb bemerkenswert, weil er einen Vorschlag gegen den politischen Zeitgeist verteidigt. Das erlebt man in der heutigen Presselandschaft ja leider sehr selten. Ob die Ideen auch praxistauglich sind, kann man als Außenstehender sicher nicht beurteilen, die Richtung stimmt aber. Denn es macht Sinn, erwünschtes Verhalten steuerlich besser zu stellen als unerwünschtes.
Leute wie august51, die jeden als "Öko-Faschi" bezeichnen, der das Wort "Umweltschutz" nur in den Mund nimmt, solte man in diesem Zusammenhang gar nicht ernst nehmen. Was der Artkel mit Faschismus zu tun haben soll, oder für wen Herr Schütz "Lobbyist" sein soll, würde mich aber doch mal sehr interessiern.
ELGE (26.08.2008, 21:46 Uhr)
Erstaunlich
es ist das erste Mal, dass ich Herrn Schütz für einen seiner doch sonst sehr neoliberal/konservativen Kommentare loben muß.Solches würde ich von ihm häufiger lesen wollen.
Ernst_Derlage (26.08.2008, 21:41 Uhr)
Vorschlag an den Gesetzgeber
Die gegenwärtig geltende Umsatzsteuer pflegt ihre Perversionen: das Grundnahrungsmittel des Menschen (Wasser) wird mit 19 % besteuert. Das Grundnahrungsmittel des Hundes (Chappi) mit 7 %. Immerhin haben Hunde und Multi-Millionäre eine Gemeinsamkeit. Auch das Grundnahrungsmittel der letztgenannten Gattung (Kaviar) wird mit 7% besteuert. Für diese Steuervergünstigung ist es aber keinesfalls erforderlich, dass man Kaviar aus dem Napf frisst. Hier ist eine gesetzliche Nachbesserung geboten!
knilch_59 (26.08.2008, 21:38 Uhr)
So ein Quatsch!
Nicht noch ein Bürokratiemonstrum als Beschäftigungstherapie für die Ministerialbürokratie des Finanzministers. Keine Zeit und kein Geld für diese geistige Onanie. Alle Erfahrung zeigt, dass eine derartige Regelungswut mehr Ungerechtigkeit als Gerechtigkeit schafft und die Kosten zur Verwaltung den Nutzen bei Weitem überschreiten!
.
Wer das System des Vorsteuerabzugs einigermaßen durchschaut, erkennt die Idiotie des Vorhabens: Die Mehrwertsteuer wird nur vom Verbraucher gezahlt, für Firmen ist sie nur ein durchlaufender Posten. Für Firmen spielt es also nur eine Rolle, ob das Endverbraucher-Produkt öko-MWst-priviligiert ist oder nicht, weil nur das preisrelevant ist. Es wird also darum gehen, so grenzwertig wie möglich zu produzieren, nur um gerade noch unter den niedrigen Steuersatz zu fallen (siehe heute Ü-Eier - Lebensmittel zu 7% oder Spielsache zu 19%?)
.
Aber so ist das mit dem Herrn Schütz: Dem ist die Blauäugigkeit schon auf den ersten Blick anzusehen, und mit kritischen Journalismus im Sinne von selbst recherchieren und nachdenken hat er sowieso nichts am Hut: Meinung statt Wissen, Glauben statt Fakten – so leuchtet sein Stern heutzutage am Journalismushimmel!
hevosenkuva (26.08.2008, 20:17 Uhr)
Wer viel Geld hat, zahlt weniger Steuern.
Denn sein sind die Macht und die Lobbyisten und die Berater in Ewigkeit, Amen.
Minister und Staatsbeamte zählen auch nicht zu den Geringverdienern. Den Kontakt zu kleinen Leuten haben sie normalerweise längst abgebrochen und bewegen sich in gehobenen Kreisen.
Es ist alles eine Frage der Perspektive. Um so bemerkenswerter, wenn doch mal wieder ein guter Vorschlag kommt. Aber... (siehe oben)
MEHR ZUM ARTIKEL
Biosprit-Beimischung Union drängt auf Steuerhilfen für Biosprit

Da viele Autos eine höhere Beimischung von Biosprit nicht vertragen, muss Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zurückrudern und die festgelegten Quoten senken. Die Union will nur zustimmen, wenn gleichzeitig die Steuern auf Biosprit gesenkt werden. Das politische Geschacher beginnt. mehr...

Energie-Debatte Gabriel keilt gegen Glos' Atompläne

Neuer Zoff in der Großen Koalition: Wirtschaftsminister Michael Glos will die Laufzeiten der deutschen Atommeiler offenbar um acht Jahre verlängern. Umweltminister Sigmar Gabriel passt das gar nicht. Er findet, Glos habe den falschen Beruf gewählt, seine Pläne seien unverantwortlicher Lobbyismus. mehr...

Steuerreform Das ist seit 2000 passiert

Die Reform der Unternehmenssteuern von 2008 an gehört zu den wichtigsten Vorhaben der großen Koalition. stern.de dokumentiert Pläne und Beschlüsse der vergangenen Jahre. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe