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27. Mai 2009, 21:43 Uhr

Kurras schon 2003 fast enttarnt

Der ehemalige Polizist und Ohnesorg-Todesschütze Karl-Heinz Kurras wäre bereits vor Jahren beinahe als Stasi-Spitzel aufgeflogen. Offenbar verhinderte nur ein Zufall seine Enttarnung. Die Polizei kassierte unterdessen bei einer Kontrolle in Kurras' Wohnung eine Waffe und Munition ein.

Birthler, Stasi-Unterlagenbehörde, Kurass, Ohnesorg, Studentenbewegung

Wäre schon 2003 beinahe als Stasi-Spitzel aufgeflogen: der Ohnesorg-Todesschütze und Ex-Polizist Karl-Heinz Kurras© Dennis Gundlach/DDP

Der frühere West-Berliner Polizist und Todesschütze des Studenten Benno Ohnesorg, Karl-Heinz Kurras, wäre beinahe schon 2003 als Stasi-Spitzel enttarnt worden. Nach einem Bericht der Stasi- Unterlagenbehörde vom Mittwoch hatte damals eine externe Forscherin Stasi-Akten über die West-Berliner Polizei beantragt. Nachdem sie jedoch ihre Arbeit beendet hatte, ohne die Unterlagen mit Hinweisen auf Kurras einzusehen, seien die Akten Anfang 2004 ungelesen und unbearbeitet wieder ins Archiv zurückgebracht worden.

Nach Angaben der Birthler-Behörde war ein Sachbearbeiter bei der Bearbeitung der 180 Stasi-Bände über die West-Berliner Polizei in Band 13 auf einen Informationsbericht eines "Geheimen Mitarbeiters" (GM) der Stasi mit dem Decknamen "Otto Bohl" gestoßen. Das war - wie in der vergangenen Woche bekannt wurde - der Deckname von Kurras, der am 2. Juni 1967 Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Schah-Besuch erschossen hatte.

Der Sachbearbeiter habe Anfang März 2003 Nachforschungen im Archiv zu weiteren Berichten "Bohls" beantragt, um sie der Forscherin vorlegen zu können. Diese Seiten - 17 Bände mit einem Umfang von bis zu 6000 Blättern - seien im Archiv durchnummeriert, aber nicht inhaltlich bewertet worden. Im Herbst 2003 wurden die Unterlagen nach Angaben der Behörde dann an den Sachbearbeiter geschickt. Die Forscherin habe jedoch in der Zwischenzeit ihre Arbeit beendet, ohne dass die Unterlagen eingesehen worden wären.

Kurras übergab unterdessen bei einer Kontrolle in seiner Wohnung eine Waffe und Munition an die Polizei. Ein Behördensprecher teilte am Mittwoch mit, zwei Beamte der beim Landeskriminalamt angesiedelten Waffenbehörde hätten Kurras in seiner Wohnung in Berlin-Spandau aufgesucht. Er habe "die einzige Waffe, die er nach seinen Angaben im Haus hatte, den Polizisten freiwillig ausgehändigt". Es habe auch keine Durchsuchung der Wohnung oder des Hauses gegeben. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte zuvor erklärt, er wolle prüfen, ob die Waffenbesitzkarte Kurras' eingezogen werden müsse. Körting bezog sich auf Aussagen des Ex-Beamten, wonach heutige Polizisten "viel zu selten" von der Schusswaffe Gebrauch machen würden.

Wiefelspütz fordert umfassende Stasi-Überprüfung in der Bundespolitik

Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sprach sich unterdessen für eine umfassende Stasi-Überprüfung in der Bundespolitik aus. Die Birthler-Behörde müsse dafür "mit angemessener Intensität" den Aktenbestand erforschen, sagte der Bundestagsabgeordnete dem "Handelsblatt". "Ich möchte, dass kein Bereich ausgespart wird. Der FDP-Antrag springt viel zu kurz", wurde der Politiker zitiert. Am Freitag entscheidet der Bundestag über einen Antrag der FDP, nach dem der Einfluss der DDR-Staatssicherheit auf den Bundestag für den gesamten Zeitraum zwischen 1949 und 1989 untersucht werden soll. Zudem soll die Bundesregierung über die Tätigkeit ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in den Bundesbehörden aufklären. Der Kulturausschuss lehnte den Antrag bereits vor zwei Wochen ab. Wiefelspütz sprach von einem "Quatsch-Antrag", weil er dem Umstand nicht gerecht werde, dass die Stasi ein wichtiges Machtinstrument gewesen sei, mit dem alle gesellschaftlichen Bereiche unterwandert worden seien. "Daher bin ich für einen umfassenden Ansatz, der auch die Bundespolitik mit einschließt."

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Gisella (28.05.2009, 10:53 Uhr)
Na, Utospatz-
herzlichen Glückwunsch-nachträglich. Und nicht aufregen-hier ist "Hopfen und Malz" verloren. Eines ist sicher- dessen Pension ist zu hoch, wenn ich daran denke, was andere nach 40jährigem Arbeitsleben bekommen.Und was die Waffe anbelangt-nur eine ausgehändigt.???
Sternobyl (28.05.2009, 10:30 Uhr)
Hallo, wo sind wir jetzt ...
... sieht so die originäre FDP-Liberalität aus?

Seit wann ist politische Einflussnahme in Deutschland nicht mehr erlaubt?
 
Falls es wirklich eine Gesetzesgrundlage gibt, bitte zuerst die Lobbyisten aus Berlin entfernen, die die aktuelle Politik beeinflussen.

Wenn das dann abgearbeitet ist, können wir prüfen, inwieweit das neu entdeckte Gesetz auch auf die Vergangenheit angewendet werden kann und dann entsprechend verfahren.
ganzbaf (28.05.2009, 09:42 Uhr)
Wenn ich nach Timbuktu auswandere...

kann ich von dort Schiffsladungen voll an Waffen aller Art in Deutschland ordern.
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Vielleicht sollte der Waffenexport-Weltmeister Deutschland hier auch mal etwas tun?
traldors (28.05.2009, 08:49 Uhr)
Also wer jetzt noch glaubt (...)
das die "Spielregeln" für Alle gelten mag sich dieses durchlesen:
Die FDP beantragt (aktuell) die "Berliner Riege" also unsere aktiven Politiker auf deren Vergangenheit und Stasibezug hin zu untersuchen!
Zitat: "Die Unionsfraktion wird den Antrag aus rechtsstaatlichen Gründen ablehnen", sagte der CDU-Abgeordnete Wolfgang Börnsen. Auch aus der SPD-Fraktion hieß es, man werde mit Nein stimmen.
Hallo? Jemand da in Berlin? Mental bereits schallisoliert oder mit 20 gestorben und vergessen worden zu beerdigen!?
Schön zu Lesen, das den Politikern es nur recht und billig ist, wenn es andere "trifft". Eine Schande ist das (...)
kabelmann (28.05.2009, 08:37 Uhr)
Ich frage mich....
... was man jetzt eigentlich damit erreichen will? Was für eine Geschichte soll da bitte umgeschrieben werden? Die Studentenbewegung lief schon weit VOR Ohnesorg an, die Kritik am System hätte sich auch ohne diese Tat weiter verschärft.
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Also was soll das Ganze? Möchte man sich bis auf die Knochen blamieren? Sollte Kurras wieder vor Gericht landen und würde ihn ein anderes Urteil erwarten als damals, dann muss man sich echt fragen, ob die Gleichheit vor dem Gesetz noch gilt. Denn Stasi oder nicht sollte dort nicht von Belang sein.
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Abgesehen davon wäre es ja hochpeinlich, wenn man ihn damals gewollt oder ungewollt hat laufen lassen. Man hat einen Stasispitzel vor dem Gesetz geschützt. Das ist weit komischer, als man angesichts der Tragik verkraften kann.
traldors (28.05.2009, 07:57 Uhr)
Ganz klar (...)
die "Kleinen" versucht man zu "hängen" die "Großen" lässt man laufen mit dem Hinweis, das Unterlagen eines "Unrechtsregimes" nicht verwendet werden dürfen und faselt was von "Persönlichkeitsrechten" und schwadroniert über rechtliche Besonderheiten.
Gleichbehandlung ist dem Staat nicht recht, schon gar nicht, wenn publik würde, wer und was noch alles mit der ehemaligen DDR "gedealt" hat. Das würde ganz klar das Vertrauen in unseren Rechtsstaat nachhaltig beeinträchtigen (sofern auf der Leite nach unten noch Sprossen vorhanden sind) insofern habe ich Verständnis dafür das die westdeutschen Politiker damals wie heute nicht behelligt werden.
Countryjoe (28.05.2009, 05:58 Uhr)
Lächerlich
Anstatt mal die richtigen Bonzen anzugehen, die heute in Machtpositionen sitzen entläd sich der gesamte Politpopulismus in kleinliche Aktionen gegen einen 81 jährigen. Pass aber eigentlich ganz gut zu dem, was die Politikbonzen auch sonst abliefern.
Elisabeth_Rosing (28.05.2009, 02:13 Uhr)
Antwort auf Kommentar 1
Es sind viel zu Viele und sie sitzen überall!
HIER:
http://schreie-aus-der-deutschen-hoelle.blogspot.com/
finden Sie Tatsachen darüber!
utospatz (27.05.2009, 23:36 Uhr)
Schon wieder wiederholt sich die Geschichte!
Ich bin am 23.Mai, am Tag des Grundgesetzes geboren, sozusagen am Tag der Geburt dießer sogenannten demokratischen Republik. Jedoch kam ich zu spät, weil die perfektesten Ex-Nazis schon in höchsten politischen, und juristisch verankerten Ämtern saßen, Pensionen kassierten ohne Maß! Ist dieß nicht ein Abklatsch der Geschichte? Oder schon wieder eine Wiederholung?
Ach du schöne Demokratie! Jetzt hängen sie sich an einem 81jährigen Arschloch auf. Wie viele jüngere Armleuchter dießer Art sind tatsächlich noch unterwegs? In welchen Ämtern sitzen Sie?
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