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28. Juli 2007, 12:03 Uhr

"Zypries gefährdet die Sicherheit"

Bayerns designierter Ministerpräsident Günther Beckstein und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries liegen sich wegen den geforderten Online-Durchsuchungen in den Haaren: Beckstein wirft ihr vor, sie gefährde die Sicherheit in Deutschland, die Ministerin gibt Kontra.

Die gute Laune ist Zypries und Beckstein vorerst vergangen - zumindest was die Sache betrifft, haben sich beide in den Haaren© Fritz Reiss/AP

Der Streit über heimliche Online-Durchsuchungen wird immer erbitterter geführt. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein warf Bundesjustizministerin Brigitte Zypries jetzt vor, mit ihrer Ablehnung die Sicherheit in Deutschland zu gefährden. Das Internet sei zum wichtigsten Medium für Terroristen geworden, sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse".

"Verhalten von Frau Zypries unvertretbar"

Beckstein kritisierte, dass sich die SPD-Ministerin offenbar zunehmend als vermeintliche Hüterin des Rechtsstaates profilieren wolle. "Ich halte das Verhalten von Frau Zypries für unvertretbar, weil dadurch eine Lücke im Sicherheitsnetz entsteht, die für uns in Deutschland sehr gefährlich sein kann", sagte der designierte bayerische Ministerpräsident. Nach seinen Worten soll die Durchsuchung nur angewendet werden, wenn es um schwerste Straftaten geht und ein konkreter Tatverdacht vorliegt. Außerdem müsse ein Richter die Maßnahme genehmigen.

Auch SPD-Chef Kurt Beck äußerte sich skeptisch über das Vorhaben. Er signalisierte zwar seine Bereitschaft, über die Vorschläge von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu diskutieren. Er äußerte aber Skepsis. "Wir müssen sorgfältig abwägen, ob es nötig und ob es juristisch überhaupt möglich ist", so Beck in der "Bild am Sonntag". Die Betroffenen müssten sich etwa gegen die Durchsuchung juristisch wehren können: "Es geht um einen ganz sensiblen Bereich der Privatsphäre."

"Selbstmord aus Angst vor dem Tod"

Beck räumte aber auch ein, dass die Bedrohung größer geworden sei. "Aber wir haben schon eine Menge zu unserem Schutz getan." Man dürfe nicht nach dem Motto "Selbstmord aus Angst vor dem Tod" die Freiheit aufgeben. Ähnlich äußerte sich Zypries. Eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze würde nur Unsicherheit schüren, schreibt die SPD-Politikerin in der "Frankfurter Rundschau". Nicht die Verteidigung der Bürgerrechte, sondern deren Einschränkung bedürfe einer Rechtfertigung. Wer dem Staat mehr Macht geben wolle, müsse "den Zugewinn an Sicherheit ins Verhältnis zu den Eingriffen in Freiheitsrechte stellen", so Zypries.

Dies gelte auch für die Nutzung persönlicher Daten. Eine Lehre aus der Terrorismusbekämpfung der 70er Jahre besage: "Weniger ist mehr. Schließlich ging damals im Datenmüll der Rasterfahndung der entscheidende Tipp eines Bürgers verloren, wo der entführte Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer gefangen gehalten wurde." Eingriffe des Staates dürfen nach den Worten der Ministerin nur bei konkretem Verdacht und akuter Gefahr zugelassen werden. Eine moderne Bürgerrechtspolitik müsse deshalb klare Grenzen setzen. Dazu gehöre auch: "Kein Einsatz der Bundeswehr im Inneren, Beibehaltung der Trennung von Polizei und Nachrichtendiensten und keine Relativierung von Menschenwürde und Folterverbot."

Schäuble will nun doch nicht eingelenkt haben

Am Freitag hatte es in Berlin Verwirrung im Dauerstreit über Online-Durchsuchungen gegeben: Während Zypries ein Einlenken Schäubles verkündete, erklärte dieser, dass er zu keinen Zugeständnissen bereit sei. Die Union warf Zypries vor, gezielt eine Falschmeldung verbreitet zu haben. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann forderte eine schnelle Lösung des Streites. "Wenn es keine Einigung gibt, dann kann man auch nicht in den Urlaub gehen", sagte der CDU-Politiker der "Netzeitung". "Es ist absolut notwendig, dass die Sommerpause für die Innenpolitiker verschoben oder unterbrochen wird." Schünemann versicherte, dass die Länder das Vorhaben mit großer Mehrheit positiv begleiten würden: "Aus Unionssicht wird es jedenfalls in der Länderkammer keine Blockade geben."

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
Countryjoe (30.07.2007, 06:34 Uhr)
Nationale Sicherheit...
Da outed sich gerade ein Provinzpolitker als Verfechter eines totalitären Überwachungsstaates.
Wer dagegen ist gefährdet die (nationale) Sicherheit. Da zeigt sichauch mal wieder die Amerikahörigkeit und Ideenlosigkeit mancher Politfunktionäre.
Laßt den mal in Bayern an der Weißwurst horchen. Besser ist das.
Guenter1 (29.07.2007, 23:49 Uhr)
Onlindurchsuchung
Wenn Schäuble mit semem Rollsuhl als Bundestrojaner denkt er kan durch meinen PC rasen dann hat er sich geschnitten. Ich sage wie zu DDR zeiten meine Meinung und a krieche ich auch vor einem Innenminister nicht. Er würde am liebsten selbst eine Bombe werfen um seine -gesetze duch zu kriegen(Reichstagsbrand).
Nostradamus (29.07.2007, 16:57 Uhr)
@Uli99: Ich bin
gemessen an Ihrer Größe Nichts.
Nostradamus (29.07.2007, 16:09 Uhr)
@Leondriel: Weiterhin
stimme ich Dir jedoch zu, was die Aussage anbelangt, dass jene, die im Visier der Behörden sind, nämlich jene die wie echte "Islamisten" aussehen, eher das geringere Problem sind.
Das größere Problem sind die Moslems, die schön integriert sind und daher in keines der Muster passen. Früher nannte man sowas "Schläfer".
Atta und andere sind die, die ich bisher als "falsche Freunde" bezeichnet habe und zwar schon vor nine eleven.
Dies ist ein weiterer Grund die Onlinedurchsuchung und anderes als Quatsch abzulehnen. Wenn ich nicht will, dass der Staat bei mir mitliest wird er auch nicht mitlesen und was ich ihn mitlesen lasse, das ist was er lesen soll.
Daher ist und bleibt das was Herr Schäuble und seine Leute planen wirkungsloser und teurer Unsinn.
Es ist sehr einfach parallel zum Internet auch weltweite Netze aufzubauen.
Heute bekommt man von fast allen Telefongesellschaften auch Flat Rates in die gesamte Welt.
Man braucht in jedem Land nur ein paar Vertrauensleute und baut sich ein paralleles WEB auf und die depperten Beamten suchen sich mit Millionen Aufwand einen Wolf im Internet und finden nix, außer Urlaubsfotos und Dummgelaber im Stern Forum.
Es müssen nicht mal pseudo Standleitungen sein. Mit einfachen Modems und dial in sites auf z.B. fido net Technologie (z.B. FrontDoor) basierend lassen sich mit sehr geringen Kosten sehr effizient weltumspannende Netze aufbauen, von denen Herr Schäuble nur träumt.
Auch Packet Radio auf der Basis von UKW Funkt wäre gut geeignet, auch wenn man dort zur Tarnung z.B. harmlose Bilder mit steganographisch kodiertem Inhalt versendet.
Schäuble und seine Amatateurberater haben keine Ahnung was heute alles möglich ist, um Terrornetzwerke aufzubauen.
Das Internet benutzen jedenfalls nur Anfänger und daher sehe ich hinter all den geplanten Maßnahmen entweder exorbitante Dummheit bzw. Naivität oder aber den Versuch die Deutschen Bundesbürger zu gängeln, denn alle anderen werden über derartige Maßnahmen nur lachen!
Nostradamus (29.07.2007, 15:45 Uhr)
@mramorak : ???
Warum immer das Augenmerk in die Ferne richten, wenn der Mist bereits vor der eigenen Tür dampft?
Wie sieht es mit Herrn Kurnaz aus? Wie mit dutzenden, die mit deutscher Billigung über deutsche Flughäfen in Foltergefängnisse oder nach Guantanamo Bay verschleppt wurden und dort im Gegensatz zu den Bulgaren in Lybien nichtmal vor ein ordentliches Gericht sondern vor Militärtribunale gestellt wurden und dort schon seit Jahren im rechtsfreien Raum leben.
Deine Sorgen teile ich nicht. Es ist immer leicht mit dem Finger auf andere zu zeigen.
Ab und zu sollte man auch mal in den Spiegel schauen!
Nostradamus (29.07.2007, 15:26 Uhr)
@Leondriel:
Widerstand war noch nie dadurch gekennzeichnet, dass die Masse dahinter stand. Die Masse sind Opportunisten, die immer hoffen nicht selbst die betroffenen zu sein, die hoffen, dass der Kelch an ihnen vorbeigeht. Das sind Menschen, die sich ihre Nischen suchen, um den Ball flach haltend ihr Leben zu fristen.
Dass ich wenig Zustimmung habe sehe ich rein gar nicht. Allein der geringe und gleichfalls unqualifizierte Widerspruch ist für mich eher ein Zeichen der Zustimmung. Die die mir "Widersprechen" schwafeln inhaltsloses Zeugs.
Daher ist Dein Fazit falsch.
Von Dir habe ich bisher was gelesen noch gesehen, dass Dir jemand zustimmte.
Im Übrigen gilt der Spruch: Fresst Scheisse! Millionen Fliegen können nicht irren.
mg007 (29.07.2007, 12:41 Uhr)
Urlaubszeit
Was einfach wieder auffällt ist dieser Satz:
"Es ist absolut notwendig, dass die Sommerpause für die Innenpolitiker verschoben oder unterbrochen wird."
Am liebsten diskutiert man über solche Themen, wenn halb Deutschland nicht mehr da ist...
Die eigentliche Gefahr kommt nicht von außen, sie kommt von innen. Schwarz, weiß Denken wie vor gar nicht allzu langer Zeit. Die guten Regierungen kämpfen gegen die bösen Terroristen. Wer auch immer Terrorist sein soll...
Evtl. ist künftig jeder Terrorist wer gegen die Regierung (EU etc.) ist ?!
Oder wie es früher geheißen hat... "Wer Jude ist bestimmen letztlich wir..."
Wirklich tolle Gesetze die da kommen. Nach 6 Jahren Gehirnwäsche vor einer gestiegenen Terrorwahrscheinlichkeit in Deutschland, bekommt man scheinbar langsam jedes Gesetz durch.
Da wird doch mal wieder gelogen was das Zeug hält. Man wiederholt tausend Mal eine Lüge, von wegen gestiegener Terrorgefahr, bis es in den Köpfen der Bürger zur Realität wird. Laufende Wiederholungen haben früher gewirkt und wirken heute immer noch genau so.
Anstatt sich um Frieden und somit mehr Sicherheit im Land zu kümmern, wird Angst um Misstrauen verbreitet. Scheinbar haben die Meisten seit dem 2. WK vergessen, wie das Wort Terror tatsächlich bedeutet und wer dafür verantwortlich war.
Ein faierer Kampf gegen Kriminalität wäre, wenn Behörden aller Länder das Internet nutzen würden, um aktuelle Erkenntnisse auszutauschen (dazu wäre keine Einschränkung von Bürgerrechten notwendig).
Aber nein... unsere Regierung braucht einen Bundestrojaner, um sämtliche Bürger (denn wer genau ist eigentlich Terrorverdächtig? Wer bestimmt das nach welchen Kriterien?)legal bespitzeln zu können.
Im Rahmen meiner Tätigkeit als Bankangestellter, muss ich z.B. bei jeder Bareinzahlungen (Zahlscheine) auf ein Konto welches nicht in meiner Bank geführt wird, im Rahmen der Geldwäschebekämpfung prüfen ob mein gegenüber ein mutmaßlicher Terrorist ist. Dazu muss ich seinen Namen in ein System eingeben, welches überprüft ob diese Person bereits als terrorverdächtig eingestuft ist. Laut Arbeitsanweisung aber nur wenn mir an der Einzahlung etwas verdächtig vorkommt. Als Gründe ab wann eine Situation verdächtig ist, werden folgende genannt: Ausländer, Leute mit Turban, schlechte Deutschkenntnisse usw. Nicht einmal Betragsgrenzen gibt es für diesen Vorgang.
Und das Beste... wenn ich dies am Schalter nicht tu, und es stellt sich später heraus dass jemand bei mir illegal Geld verschoben hat, riskiere ich persönlich eine Anzeige wegen Beihilfe zur Geldwäsche.
Wenn unsere neuen Gesetze genau so "gut definiert" (schwammig) werden, wie diese Arbeitsanweisungen... na dann gute Nacht Deutschland.
Mein Misstrauen gegen diese Politiker ist groß. Leute wie Schäüble die Angst predigen, gehören überall hin... aber nicht in eine Regierung. Das ist jedenfalls meine Meinung dazu, und wenn die Gesetze so schwammig werden wie ich befürchte, gehöre ich sogar selbst bald mit gesetzlicher Rechtsgrundlage zum Lager der Terroristen.
PPSS (29.07.2007, 12:25 Uhr)
Ermächtigungsgesetz
Hier kann jeder Interessierte die Paralleln zwischen den Ermächtigungsgesetzen und den Plänen von W.i.b.a.S. nachlesen.
http://www.algorithman.de/freedom/schaeuble.htm
braincopy (29.07.2007, 11:34 Uhr)
Wer gefährdet hier welche Sicherheit?????
Also mal ehrlich, wenn hier in deutschland Onlinedurchsuchungen auf verdacht selbstverständlich werden, dann haben die Deutschen hier nix mehr zu lachen, denn man stelle sich mal vor, dass es in anderen Länderen ja auch Hacker gibt die damit beschäftigt sind deutsche Technik und Erfindungen auszuspionieren.
Was würde nun passieren wenn so einer rausbekommt wie der Bundestrojaner funktioniert??
Nicht auszudenken was für folgen das ganze Spiel für unsere Wirtschaft hätte.......
Übrigens welche Terroristen haben denn schon einen eigenen PC in der Wohnung mit Internet? PC= JA , Internet= Nein, das heisst, dass die einfach in ein Internetcafe´gehen und da ist nix mit Bundestrojaner, vielleicht sollte man auf Grund dieser erkenntnis ja einfach mal (wenn es nach Herrn Schäuble geht) alle Haushalte ohne Internetanschluss durchsuchen , natürlich nur auf verdacht!!
Könnte ja was bei rauskommen!!
So ein schwachsinn Herr Schäuble, Sie lassen sich auf ein Spiel ein was nicht zu gewinnen ist.
Nicht einmal große Softwarefirmen schaffen es ihre Software zu schützen und sie wollen unsere Wirtschaft gefährden und die Menschenrechte mit Füßen treten.
Solche Politiker sollten aus dem Verkehr gezogen werden, denn es werden nicht mehr die Interessen der Deutschen vertreten.
mramorak (29.07.2007, 11:06 Uhr)
Foltern und Menschenrechte
Im Lande des Vaters des Terrorismus, wurden die bulgarischen Krankenschwestern und besonders der palestinensische Arzt 8 Jahre gefoltert. Ich warte immer noch auf ein Wort der Menschenrechts-Heuchler, die hier Kommentare geschrieben haben. Aber die sind ja blind, wie der STERN, führ das wirkliche Leden in unserer Welt. Heuchler, wann sagt Ihr mal was zu der Gaddafi-Foltermaschine?
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