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Leben, Tod und Korruption

Wer muss warten auf eine neue Leber, wer bekommt sie? Dafür braucht es klare Regeln und Verantwortlichkeiten. Gesundheitsminister Bahr muss endlich handeln.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

  Das Operationsfeld der Organverpflanzungen bleibt weiterhin im Dunkeln

Das Operationsfeld der Organverpflanzungen bleibt weiterhin im Dunkeln

Man muss sich ungeschminkt klar machen, welche menschliche und moralische Dimension die wachsende Zahl der Transplantations-Skandale wie jener an der Uni-Klinik Leipzig hat: Da entscheiden Ärzte über Leben und Tod. Dem einen Patienten wird ein Organ zugeschanzt, das einem anderen deswegen nicht zur Verfügung steht.

Schummeln die beteiligten Ärzten, wird gar Geld genommen, wie dies womöglich 2012 in Göttingen der Fall war, wo der Chefarzt von reichen ausländischen Patienten Zusatzzahlungen kassiert haben soll, dann ist das Organhandel der schlimmsten Art. Kein medizinisches Kavaliersdelikt, sondern eine Form der Korruption, die mit der schieren Existenz anderer Menschen Geld verdient. Im aktuellen Fall deutet derzeit zwar nichts darauf hin, aber allein die Möglichkeit erschüttert das Vertrauen in das System, das Leben retten soll.

Das tödliche Warten

Allein in der Bundesrepublik stirbt alle acht Stunden ein Mensch, weil er die Wartephase bis zum Eintreffen eines passenden Spenderorgans nicht überlebt hat. Und jedes Jahr werden unter Aufsicht der für Organverpflanzungen zuständigen Behörde, der Eurotransplant, 7000 Lebern, Herzen, Lungen, Nieren und Bauchspeicheldrüsen transplantiert.

Wie kann es sein, dass dieses so dramatische Operationsfeld weithin im Dunkeln bleiben darf? Dass sich die Bundesärztekammer dafür missbrauchen lässt, es der Kontrolle der Justiz zu entziehen? Das kann so nicht bleiben, wie die Vorgänge in Leipzig, Göttingen, Regensburg und Berlin belegen.

Spendebereitschaft sinkt

Es darf keinen juristischen Schummelschutz bei der Organvergabe geben. Auch deswegen, weil das Vertrauen in das System der Organspende aufgrund der Skandale sinkt - mit verheerenden Auswirkungen: Immer weniger Menschen wollen spenden für einen "Markt", der von "Verteilungskämpfen" geprägt ist. Das Gesetz muss uns vor eigenmächtigen, womöglich korrupten Medizinern schützen. Ein Kreuzchen in der Computer-Maske, die den Befund einer Leberuntersuchung protokolliert, kann über Leben und Tod entscheiden. Dafür braucht es klare Regeln und Verantwortlichkeiten.

Die juristischen Konsequenzen, die sich aufdrängen, sollten indes für das gesamte medizinische System durchgesetzt werden. Schluss mit Grauzonen, Schluss mit der Korruption, die vor allem über Geschenke der Pharmaindustrie betrieben wird. Dies ist ein Uraltthema der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die seit Jahren erfolglos versucht, die Politik unter Druck zu setzen. Die GKV fordert, insbesondere die freiberuflichen, niedergelassenen Ärzte von der Versuchung zu befreien, vorrangig bestimmte Medikamente zu verschreiben oder "Fangprämien" für die Überweisung in ein bestimmtes Hospital zu kassieren. Auch das ist keine Form der Kooperation, sondern eine geschönte Form der Korruption.

Gegen die Willkür

FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr prüft, wie er vorsichtig sagt, den "Handlungsbedarf". Er sollte lieber unverzüglich handeln, auch wenn es seine notleidende Partei zusätzliche Stimmen bei den niedergelassenen Ärzten kosten könnte. Wichtiger als die FDP sind die Menschen: Sie dürfen nicht zu Versuchskaninchen erniedrigt oder willkürlich handelnden Medizinern ausgeliefert werden.

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