14. September 2008, 14:45 Uhr

Schmidts Hitler-Vergleich empört Linke

Alt-Kanzler Helmut Schmidt hat Oskar Lafontaine mit Adolf Hitler verglichen und sich damit den Unmut der Linkspartei zugezogen. Petra Pau sprach von einem Tabu, Gregor Gysi von einem unglücklichen Vergleich. Schmidt hatte den Linksparteichef in einem Atemzug mit dem Nazi-Führer genannt und ihn auf eine Stufe mit dem französischen Rechtspopulisten Jean Marie Le Pen gestellt.

Nimmt wie eh und je kein Blatt vor den Mund: Alt-Kanzler Helmut Schmidt©

Politiker der Partei Die Linke haben entrüstet auf die Äußerungen von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) reagiert, der ihren Vorsitzenden Oskar Lafontaine mit Adolf Hitler und Jean Marie Le Pen verglichen hatte. Petra Pau, Mitglied des Linken-Fraktionsvorstandes, kritisierte, es gebe Vergleiche, die für Demokraten schon im Ansatz tabu sein sollten, weil sie letztlich das NS-Regime verharmlosten und Millionen Opfer verhöhnten.

Auch der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, wies Schmidts Vergleich mit alten und neuen Rechtspopulisten zurück. Gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" sagte Gysi an die Adresse des Alt-Kanzlers: "Er ist auch ein charismatischer Redner. Charismatische Redner sollten sich ihre Fähigkeit nicht untereinander vorwerfen und schon gar nicht so unglückliche Vergleiche anstellen, die sie gegenseitig nicht benötigen."

Schmidt hatte Lafontaine zuvor in einem Zeitungsinterview ungewöhnlich scharf angegriffen. Man dürfe nicht vergessen, "dass Charisma für sich genommen noch keinen guten Politiker ausmacht", sagte das SPD-Urgestein der "Bild am Sonntag". Auch "Adolf Nazi" sei ein charismatischer Redner gewesen. "Oskar Lafontaine ist es auch", so der Alt-Kanzler. Zudem verglich er Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Le Pen. "Der eine ist links, der andere ist rechts. Aber vergleichbare Populisten sind Lafontaine und Le Pen schon", sagte Schmidt dem Blatt.

Erfolg der Populisten bereitet Schmidt Sorge

Schmidt zeigte sich in dem Interview zudem besorgt über den Erfolg von populistischen Parteien. Damit meine er nicht allein die Linkspartei, sondern "ebenso die NPD und ähnliche", sagte er. Es sei kein Zufall, dass solche Gruppierungen "gerade in den Teilen Deutschlands ihre Wahlerfolge feiern, in denen es den Menschen wirtschaftlich nicht so gut geht. Also vor allem in den sechs neuen Bundesländern", sagte Schmidt. Dazu zählte er auch die Hauptstadt Berlin, die er als "die Hauptstadt der Arbeitslosigkeit, die Hauptstadt der Hartz-IV-Empfänger" bezeichnete.

Der Populismus sei jedoch kein spezifisch deutsches Problem, sagte Schmidt: "Das finden sie auch in Holland, Belgien, in Frankreich: rechte Populisten wie Le Pen und Konsorten."

joe/AFP
 
 
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KOMMENTARE (10 von 138)
 
nightmare_online (15.09.2008, 11:58 Uhr)
Bigotterie
Zu den Kommentaren:
Hier offenbart sich mal wieder das was alle Konservativen kennzeichnet: Bigotterie als primäre Charaktereigenschaft.
Wie war das noch: Stoiber sprach von "durchrasster Gesellschaft". Rüttgers wollte lieber "Kinder statt Inder". Koch wurde mit einem klar ausländerfeindlichen Wahlkampf Ministerpräsident. Dann gabs da noch die "blühenden Landschaften" des Bimbeskanzlers, das Ehrenwort von Barschel, die jüdischen Spender von Kanther & Koch etc. pp.
Aber Lafo ist ein gaaanz böser Populist. Ja nee, schon klar.
babylon (15.09.2008, 11:24 Uhr)
ganzbaf
"Und Mörder waren sie natürlich schon aber übermäßig feige agierten sie nicht. Ihre Opfer waren zumeist besonders geschütze Prominente."
Wer diese Meinung vertritt sollte nie wieder über Nazis und andere subversive Elemente schimpfen!
Unglaublich! Also waren diese Leute zum Abschuß freigegeben. Typisch Line mit Scheuklappen diskutiert es sich halt nur in die eigene Richtung.
ganzbaf (15.09.2008, 09:44 Uhr)
Die "Diskrepanz...
zwischen Rhetorik und politischer Leistung" ist allerdings auch bei Schmidts Schnauze nicht von schlechten Eltern... ;-Ä
brandenburger (15.09.2008, 09:35 Uhr)
Ein Vergleich...
Die meisten Menschen verstehen Vergleiche nicht, habe ich die Erfahrung gemacht. Schmidt hat nicht Lafontaine mit Hitler verglichen, sondern lediglich auf die Diskrepanz zwischen Rhetorik (die allerdings auch zwischen ganz unterschiedlichen Menschen wissenschaftlich vergleichbar ist!) und politischer Leistung hingewiesen. Wo liegt also das Problem für all die Kritiker von Schmidt?
starmax (15.09.2008, 09:24 Uhr)
Huch, er hat "Autobahn" gesagt
Unglaublich, war Hitler wirklich so gut im Reden wie Lafontaine ? Aber so harmlos doch wohl nicht ...(Ironie)
Ein elder statesman darf auch mal daneben liegen - elder Herman durfte es nicht.
nightmare_online (15.09.2008, 09:23 Uhr)
Och wie süss ...
die Sozen mal wieder.
Nu warten wir mal in Ruhe ab, bis irgend ein Fuzzi von der SPD Lafo mit dem Teufel höchstpersönlich vergleicht. Das ganze hat inzwischen einen Grad von Lächerlichkeit erreicht, ich könnt mich kringeln. Schmidt ist nach dieser Äusserung schlicht nicht mehr ernst zu nehmen. Leise rieselt der Kalk, vermute ich.
universal1909 (15.09.2008, 09:09 Uhr)
aus: Feynsinn http://feynsinn.org/
Die großen Antifaschisten:
Meine Lebensgefährtin mag Hunde. “Seltsam”, dachte ich heute, “genau wie Hitler!”.
Lafontaine hat einen französischen Vornamen, genau wie Le Pen. Goebbels, Gorbatschow und Gysi fangen mit “G” an. Das kann doch alles kein Zufall sein!
Wir alle sind übrigens “charismatische Redner”. Also meine Frau und ich und die anderen da oben. Bei Le Pen würde ich allerdings Abstriche machen, sein Deutsch ist miserabel und seine Reden plump und inhaltslos, aber mei, was soll’s, irgendwas wird schon dran sein, wenn der Herr Schmidt das sagt. Der Herr Schmidt konnte seine eigene Partei kaum je überzeugen. Als er noch in Amt und Würden war, mußte ein gewisser “Seehemeir Kreis” ständig verlautbaren, was er doch für ein Toller sei, und auf der anderen Seite disziplinierte ein Ex-Kommunist seine Fraktion mit härtesten Bandagen - immer im Sinne der Demokratie, versteht sich.
Verstanden hat das damals trotz aller Nachhilfe nicht einmal die SPD, danach kamen deshalb 16 Jahre Kohl. Den haben die Leute besser verstanden.
Noch besser haben die Leute allerdings den Herrn Schröder verstanden. Vor allem die Leute von der Wirtschaft und den Medien. Der hat zwar viel versprochen und einige höchst publikumswirksame Versprecher gemacht, vor allem vor Bundestagswahlen. Das war allerdings kein Populismus, denn er wollte ja nicht dem “Populus”, dem Volk, gefallen, sondern seinen vielen wichtigen Freunden. Es ging ihm nicht darum, beliebt zu sein, sondern das Richtige zu tun. Da hat er sich vom Volk nix erzählen lassen, genau wie der Herr Schmidt dunnemals vor ihm. Populistisch war hingegen der Herr Brandt gewesen. Der konnte nicht nur reden, der ist sogar auf die Knie gefallen. Ein Bundeskanzler auf den Knien, das geht gar nicht. Auf den Knien, das ist für Koksnutten in Ordnung, aber nicht für einen Bundeskanzler.
An solchen Vergleichen sollte sich eine gute Politik unbedingt orientieren und vor allem natürlich der Wähler. Darum erklärt man ihm ja auch den Lafontaine. Dem sollte man tunlichst nicht zu zuhören, sonst wirkt das Charisma mit dem Populismus und vernichtet Arbeitsplätze.
Die Entwicklung der meisten Parteien in Deutschland ist von daher sehr positiv zu beurteilen. Charsima und Redetalent, die dunklen Künste, sind dort absolut tabu. Die wahren Antifaschisten erkennt man an sinnlosem Genuschel, ödem Geschwafel und einer Rhetorik, die einem Versicherungsvertreter die Schamesröte ins Gesicht triebe. Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und wollen der Nachwelt einen Schwur leisten:
Von deutschem Boden soll nie wieder eine überzeugende politische Rede ausgehen!
ganzbaf (15.09.2008, 08:23 Uhr)
Außerdem...

wie gesagt, Schmidt war Gründungsvater der unseligen Seeheimer. Somit ist der Simpel auch mitverantwortlich für den heutigen Niedergang der Partei.
Denn die Seeheimer haben die SPD zu einem CDU`-Devirat verkommen lassen!
.
Nicht die Linken, Ypisilanti oder Wowereit, loooooooosen die Partie! Sondern die fehlgeleiteten, rechten Konservennaiven! )-:
ganzbaf (15.09.2008, 08:15 Uhr)
Die "schweren Zeit"

der RAf-Terroristen bestand aus 10-20 ernsthaften Leuten, du meine Güte... (-;
Für eine gepimte Staatsmacht kein Gegner.
Und Mörder waren sie natürlich schon aber übermäßig feige agierten sie nicht. Ihre Opfer waren zumeist besonders geschütze Prominente.
guenti2477 (15.09.2008, 07:59 Uhr)
@babylon
Meine volle Zustimmung !!!!
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