stern.de für unterwegs
. .
Politik in Deutschland
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

 
1. Dezember 2008, 20:06 Uhr

Die CDU, Merkels Machtmaschine

Sie brüskierte den Wirtschaftsflügel. Sie zwang ihre Partei, alle politischen Optionen offen zu lassen. Sie hielt eine uninspirierte Rede. Dennoch wurde Angela Merkel mit knapp 95 Prozent zur Vorsitzenden gewählt. Warum? Weil die CDU wieder da ist, wo sie unter Kohl schon mal war - ein Kanzlerwahlverein. Ein Kommentar von Lutz Kinkel

Zoom

Bundeskanzlerin und Parteichefin Angela Merkel hat ihre CDU fest im Griff© Sascha Schürmann/DDP

Bravo, Angie, bravo! 94,83 Prozent der Delegierten auf den Parteitag in Stuttgart wählten sie zur Parteivorsitzenden - das Ergebnis ist noch einen Prozentpunkt besser als vor zwei Jahren in Dresden. Angela Merkel bekam einen großen Blumenstrauß, winkte den Kameras zu, und legte die Blumen schnell zur Seite. Mission completed. Nächster Tagesordnungspunkt, bitte.

Die Beobachter rieben sich verwundert die Augen. Moment mal: Hat sich die CDU nicht wochenlang über Merkels Wirtschaftskurs gestritten? Und hat Merkel nicht gerade eine völlig uninspirierte Rede gehalten? Hat sie die Partei nicht faktisch aufgefordert, ihr einen Blankoscheck für die Regierungsarbeit ausstellen? Ja, so war es. Der Applaus während ihrer Rede war matt. Als Generalsekretär Ronald Pofalla kurz danach auftrat, um den Leitantrag zu präsentieren und Merkels Position noch mal zu verdeutlichen, drohten die Delegierten wegzunicken.

Auf den ersten Blick war Merkel alles andere als der Darling dieses Parteitags. Der Eindruck verschärfte sich, als Friedrich Merz ans Pult trat und Merkel mal eben die Hausaufgaben diktierte. Zwingen Sie die Banken per Gesetz unter den Rettungsschirm! Fusionieren Sie die Landesbanken mit den Sparkassen! Quälen Sie die Industrie nicht mit dem CO2-Zertifikatehandel! Schaffen Sie die kalte Progression ab! Berufen Sie einen Wirtschaftsexperten der CDU! Jetzt! Merz bekam viel Beifall, er sprach dem Wirtschaftsflügel, den Merkel machtpolitisch an die Wand gedrückt hat, aus der Seele.

Doch Friedrich Merz ist ein Solist, ein letzter Aufrechter, der offen für seine Meinung kämpft. Weil er damit schon vor Jahren an Merkel gescheitert ist, wird er nicht mehr für den nächsten Bundestag kandidieren. Die wirklich wichtigen Player, vor allem die CDU-Ministerpräsidenten, hat Merkel schon vor dem Parteitag auf Linie gebracht. Egal, ob sie Jürgen Rüttgers, Günther Oettinger, Roland Koch oder Christian Wulff heißen - auf dem Parteitag gaben sie Merkel Rückendeckung. Auch weil sie wussten, dass es zum eigenen Schaden sein kann, sich gegen die Principessa zu profilieren. Auf dem Parteitag in Dresden 2006 waren sie dafür bei der Wahl zum stellvertretenden Parteivorsitz abgestraft worden.

Nun, bei der Wiederwahl in Stuttgart, wurden sie für ihren Opportunismus reichlich belohnt. Koch bekam 88,76 Prozent (plus 20 Prozent), Wulff 78,92 Prozent (plus 12 Prozent), Jürgen Rüttgers 77,51 Prozent (plus 20 Prozent). Nur Annette Schavan schnitt mit 73,95 Prozent etwas schlechter als vor zwei Jahren ab (minus 4,5 Prozent).

Sofort waberten Interpretationen durch den Raum, diese Ergebnisse seien als Votum gegen Merkel zu verstehen. Immerhin hat ihr alter Rivale Roland Koch, der seit Jahrzehnten auf Kanzler lernt, am besten abgeschnitten. Und ihre Vertraute Annette Schavan am schlechtesten. War dies ein Ventil, um die Unzufriedenheit mit Merkel auszudrücken, ohne sie direkt zu beschädigen? Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Plausibler ist die Erklärung, dass die Delegierten Roland Koch mit einem satten Vertrauensvotum in den hessischen Wahlkampf schicken wollten. Und Schavan wegen des erfolglosen Bildungsgipfels einen auf die Mütze gaben.

Merkel jedenfalls kann mit diesem ersten Tag des Stuttgarter Treffens vollauf zufrieden sein. Die Partei hat wie gewünscht reagiert. Sie hat ihr ein blendendes Ergebnis beschert und einen völlig verwaschenen Leitantrag abgenickt, der nicht darauf angelegt ist, die Linien künftiger CDU-Politik zu definieren, sondern der Bundeskanzlerin Angela Merkel möglichst großen Handlungsspielraum zu belassen. Damit begibt sich die CDU in einen Zustand, den sie schon zu Zeiten Helmut Kohls angenommen hat - sie mutiert zum Kanzlerwahlverein.

Das mag der Kanzlerin Angela Merkel kurzfristig helfen. Der CDU jedoch wird es langfristig schaden. Denn wofür die Partei steht, ist seit heute noch weniger zu erkennen.

Ein Kommentar von Lutz Kinkel
KOMMENTARE (10 von 31)
 
GrundlRoland (03.12.2008, 07:36 Uhr)
Merkel
Die hauptsächlliche Machtmaschine Merkels sind die gleichgeschalteten Medien. Von Bertelsmann, Springer, Burda,auch der Stern gehört dazu, sowie sonstigen konservativen Blättern singen alle mehr oder weniger Hosianna für die Dame. Das ist doch bekannt das diese nur ihr Machterhalt interessiert. Und der im Hintergrund agierenden Wirtschaft ist es egal, Hauptsache man hält die SPD klein, grenzt die Linken aus, solange Schwarz-Gelb nicht möglich ist. Auch hier agieren die einschlägigen Medien mit.
Skillet4 (03.12.2008, 02:07 Uhr)
TÄTÄTÄTÄÄÄÄÄ
UND JETZT ALLE MAL DIE PAPPNASEN AUFGESETZT:
TÄTÄTÄTÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ
nightmare_online (02.12.2008, 17:03 Uhr)
Stasi- und Diktatur-Vergangenheit aufarbeiten!
Solange die CDU ihre Vergangenheit als Teil der diktatorischen Regimes nicht aufarbeitet, eventuelle Stasi-Zugehörigkeiten ihrer Funktionsträger nicht klärt, solange in der CDU ehemalige Funktionsträger des DDR-Regimes sitzen, die Dreck am Stecken haben, sollten die Schwatten den Ball mal gantz flach halten mit Beschuldigungen anderer.
Aber das hat ja System bei der "Union". Schliesslich war - wenn man Oettinger glauben darf - Alt-Nazi Filbinger auch ein "Gegner des NS-Regimes".
Das ist immer das selbe mit den Schwatten. Nen Mammutbaum im eigenen Auge, aber immer schön auf den Zahnstocher im Auge des anderen zeigen.
universal1909 (02.12.2008, 14:38 Uhr)
@Vegefranz, na dann mal bitte..
... die Augen auf, aktuell auf dem CDU-Parteitag verabschiedet:
"Die CDU bekennt sich zu ihrer Vergangenheit als Blockpartei in der DDR. Zum Abschluss des Parteitags verabschiedeten die Delegierten einstimmig einen Antrag zur deutschen Einheit mit einem entsprechenden Zusatz. Darin wird eingeräumt, dass die CDU in der DDR "im totalitären System der SED-Diktatur mitgewirkt" hat. Die Thüringer Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski hatte zuvor betont, Blockparteien seien keine Oppositionsparteien. Wer das nicht wisse, habe das System einer Diktatur nicht verstanden."
Jetzt ist es an der Zeit, dass Sie ihren täglichen Werbespot mit "CDU" ergänzen oder Sie machen sich absolut lächerlich und unglaubwürdig. D. h., Sie würden sich nach Ihrer Ansicht auf derselben Stufe wie Frau Ypsilanti befinden.
SethusCalvisius (02.12.2008, 13:19 Uhr)
@vegefranz
Solange Merz nur seine abweichende Meinung formuliert, wird er keine Probleme bekommen. Würde er aber eines Tages dazu aufrufen, die CDU unter Merkel nicht zu wählen, würde er genauso Schwierigkieten bekommen wie Clement. Aber das können oder wollen Sie ja nicht verstehen.
DasBertl (02.12.2008, 12:10 Uhr)
Von Blockflöten, Propagandasekretärinnen und Stasispitzeln
1. Wie war das noch? Die BlockCDU war bei einer der letzten Parlemntssitzungen der DDR strikt dagegen, die Stasispitzel im Parlament öffentlich nennen zu lassen. Am Schluss wurden diese zwar dem Parlament bekannt gegeben, aber hinter verschlossenen Türen.
2. Unsere Bundesmerkel war immerhin Sekretärin für Agitation und Propaganda in der FDJ wenn auch nur als Kreismitglied. Und "Im Jahr 1986 konnte Angela Merkel für mehrere Tage in die Bundesrepublik reisen; für DDR-Bürger war dies in der Regel nur bei vorheriger Prüfung auf prinzipielle Staatstreue möglich." (Quelle de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel) Was muss man da noch dazu sagen.
Das die OstCDU nur zur Show gegründet wurde sei mal nur so eben am Rande erwähnt.
"Als Blockpartei rechtfertigte die CDU natürlich auch den Mauerbau. Sie wurde andererseits mit Vermögen ausgestattet." (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Christlich-Demokratische_Union_Deutschlands_(DDR))
"Auf der letzten Sitzung der freigewählten Volkskammer vom 28. September 1990 wurde die Verteilung der Stasimitarbeiter bekannt: Die CDU führte mit weitem Abstand (35), es folgten die FDP und PDS (11), Grüne (2)." (Quelle TAZ Nr. 3223 Seite 2 vom 29. September 1990 und wikipedia)
Verlogener CDU-Sauhaufen (persönliche meinung^^)
Gisella (02.12.2008, 11:16 Uhr)
Faru Merkels
Freunde-Bush weg, Blair weg, Kohl weg-hoffentlich ist sie nicht für alle Zeit unsere Kanzlerin. Reisefreudig, Spargelkochend und mitlerweile als "Eiserne Lady" bekannt-nur nicht am Volk interessiert und immer abwesend-ist es das, was wir 2009 wieder in den Thron hieven wollen???? Neeee, Danke.
Benkku (02.12.2008, 11:00 Uhr)
@knilch, Sie blicken nicht durch!
"Die ist, wie sie ist, weil wir so sind, wie wir sind. Der Deutsche Michel ..."
.
Halt, nicht weiter, das ist nur die halbe Wahrheit !!! Ich bin gar nicht damit einverstanden, daß dieser Mißbildungszustand ("so zu sein, wie wir sind") auch noch aus machtpolitischen Gründen befördert wird. Und das wird er: Desinformation und planmäßige Informations-Unterschlagung sind daran schuld, daß große Teile des Volkes nicht aufgeklärt werden, um sich ein reelles Bild über die Vorgänge im Staat zu machen. Es fängt mit der Verhinderung der längst überfälligen einheitlichen Bildungsreform in Deutschland an, weil große Teile der Bevölkerung leichter mit Halbwahrheiten abzuspeisen sind, wenn sie nur über einen beschränkten Bildungsgrad verfügen. Es ist doch hinreichend bewiesen, daß es eine knetbare Masse gibt, die sich verführen läßt und deshalb von der CDU mißbraucht werden kann.
.
Fazit: Warum kann sich der gesamte Politklan denn so viel erlauben, was sich gegen das Volk richtet? Weil er über einen ausgeklügelten Stab verfügt, der den Leuten Sand in die Augen streut und zusammen mit den synchronisierten Medien davon profitiert, daß große Teile der Bevölkerung geistig unterbelichtet bleiben. Es scheint nur so, als wären "die Deutschen" schuld an dem, was sich da zur Zeit oben abspielt.
.
Einzig der Linken ist es zu verdanken, daß mehr Menschen das Falschspiel unserer Volksverführer durchschauen und keine Angst mehr vor längst überfälligen Veränderungen haben. Hoffentlich ziehen die Wähler bei der nächsten Wahl daraus die Konsequenzen. An dem starken Zulauf besonders in den "alten" Ländern sieht man, daß die Aufklärung durch die Linke enorme Früchte trägt.
keinheiliger (02.12.2008, 10:50 Uhr)
@Iphitos
Sie mussen entweder Banker sein oder in der Automobilindustrie taetig, oder aber katholisch. Haben sie eigentlich mitbekommen, das angeblich fehlende Inhalte der LINKE sogar von Teilen der CDU/CSU propagiert wurden. MfG
Nursery (02.12.2008, 10:33 Uhr)
Unverbindlich
Sie ist wie sie schon immer war,wenn es drauf ankommt dreht und windet sie sich.Sie ist typisch für die CDU
Kadavergehorsam und Schwanz einziehen.Pfründe dürfen nicht in Frage gestellt werden.Was die CDU zur Partei der beliebigkeit ausmacht konnte mann in Stuttgart sehr gut nachvollziehen.Die SPD schaffte es in der Vergangenheit zumindest Königsmörder an ihr Ziel zu bringen.
Das Jahr 2009 wird aber ein Schicksalsjahr für die doch so erfolgreichen Volksparteien.Dann wenn sich das ganze Debakel der Globalisierung und Flexibilisierung zeigt.Sie haben keine Antworten auf die Probleme der Zukunft und retten sich mit kleinen Strohfeuern vor der Warheit.Diese wird den meisten Bürgern viele Opfer und Verluste bereiten.Diese Parteien sind nicht wählbar.
MEHR ZUM ARTIKEL
CDU-Parteitag Merz provoziert die eiserne Merkel

Niedrigere Steuern? Von wegen. Auch in ihrer Rede auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart ist Kanzlerin Angela Merkel eisern geblieben, trotz aller Schelte nicht von ihrem wirtschaftspolitischen Kurs abgewichen. Nicht verhindern konnte sie jedoch, dass der angriffslustige Friedrich Merz ihr unter viel Beifall die Leviten las - und damit unerbittlich die größte Schwachstelle der CDU offenbarte. mehr...

CDU-Parteitag Merkel als CDU-Vorsitzende bestätigt

Angela Merkel ist mit ihrem bislang zweitbesten Ergebnis als CDU-Vorsitzende wiedergewählt worden. Beim CDU- Bundesparteitag in Stuttgart erhielt die Kanzlerin 94,83 Prozent der Delegiertenstimmen. Nur bei ihrer ersten Wahl in Essen im Jahr 2000 hatte sie mit 95,94 Prozent besser abgeschnitten. mehr...

Steuer-Debatte Merkel hält sich alle Optionen offen

Zum Auftakt nichts Neues: Auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Ruf nach Steuersenkungen eine Absage erteilt - vorerst jedenfalls. Denn zur Bewältigung der Wirtschaftskrise hielt sich Merkel ausdrücklich "alle Optionen" offen. mehr...

 
stern.de in Social Networks
 
Mobil
 
Widgets
 
 
Adobe Flash Player