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Niederlage eines Selbstdarstellers

Bei seinem Kampf um ein CDU-Bundestagsmandat ist Oswald Metzger vor allem an eigenen Fehlern gescheitert. Den Delegierten am Bodensee war er einerseits zu unsozial, andererseits zu opportunistisch. Dabei hätte Ministerpräsident Günther Oettinger ihn gerne im Bundestag gesehen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Originell ist die Erklärung Oswald Metzgers, weshalb er zum zweiten Mal beim Kampf um ein CDU-Bundestagsmandat baden ging: Das seien vermutlich die Delegierten badischer Herkunft im neuen Bodensee-Wahlkreis gewesen, die ihn als geborenen Württemberger verhindert hätten. Doch dass der Regionalismus-Streit der "Badenser" mit den "Sauschwaben" in Baden-Württemberg eine reale politische Rolle gespielt hat, das ist mindestens 50 Jahre her. Aber natürlich ist das Ego des Oswald Metzger viel zu groß, als dass er sein zweites Scheitern um eine Karriere in der CDU mit eigenen Fehlern interpretieren möchte.

Zu wenig Solidarität mit den Schwachen

Die gibt es durchaus. Am Bodensee ist bis heute eine original christdemokratische Kundschaft zu Hause, die sehr wohl noch auf ihre christliche Herkunft achtet und weiß, wofür das "C" im Parteinamen steht. Ein Politiker, der wie Metzger über sozial Schwache herzieht und Hartz-IV-Empfängern unterstellt, dass sie vorwiegend vor der Glotze hängen und sich mit Alkohol und Kohlenhydraten zustopfen, macht bei diesen Christdemokraten keine Punkte. Solidarität mit den Schwachen gehört hier, anders als in weiten Teilen der Republik, noch zum CDU-Programm. Die hören es zwar gerne, wenn der Redner ihren Dialekt spricht. Dass er aber sagt, es gefalle ihm nicht, dass die Sozialhilfeemp-fänger "de Arsch nemme hochkriaget," damit gewinnt man ihre Sympathie nicht.

Nicht unbemerkt dürfte von diesem Publikum auch geblieben sein, dass Metzger sich auch gut auf opportunistische Kehrtwendungen in seinen politischen Ansichten versteht. Metzger hat sich früher in großer ordoliberaler Pose gegen das Branntweinmonopol gefallen, das den kleinen Brennern am Bodensee über-haupt ihr wirtschaftliches Überleben auf ihren Streuobstwiesen erlaubt. Wären die EU-Subventionen gestrichen worden, wie von Metzger gefordert und von ihm als volkswirtschaftlich unsinnige Ausgabe bezeichnet, wären die Kleinbrenner am Ende gewesen. Jetzt plötzlich hat sich Metzger in seinem Wahlkampf für die Erhaltung der Subventionen eingesetzt. Der Eindruck ist eindeutig: Der Mann wechselt seine Überzeugungen so schnell wie seine Hemden und Parteien. Metzger war inzwischen in der SPD, bei den Grünen und ist jetzt in der CDU. Glaubwürdigkeit hat der Selbstdarsteller, dessen wichtigstes Programm "Metzger" heißt, auf Dauer nirgendwo erworben.

Das Kanzleramt hoffte mit

Sein erneutes Scheitern hat indessen auch eine weiter reichende politische Bedeutung. CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger hat nichts getan, um seiner Berliner Landsmannschaft den Überläufer Metzger zu ersparen. Er war so von dessen unbestreitbarer wirtschaftspolitischer Kompetenz beeindruckt, dass er ihn ganz gerne im Bundestag für die CDU/CSU gesehen hätte. Dort wäre dann endlich mal wieder ein Baden-Württemberger zu hören gewesen, der mehr als das wirtschaftliche Einmaleins beherrscht. So einen "Vorredner" könnte Oettinger sehr gut gebrauchen, nachdem er selbst im Wirtschaftsbereich auch von Parteifreunden gerne überhört wird. Es ist kein Zufall gewesen, dass der CDU-Ministerpräsident mit keinem Wort die konkurrierende Kandidatur des Sprechers der baden-württembergischen CDU unterstützt hat.

Selbst im Kanzleramt hoffte man insgeheim auf einen Erfolg Metzgers. Auf einen, der die Union wieder gut im Parlament hätte darstellen können. Der vielleicht im Falle einer schwarz-gelb-grünen Koalition als ordentlicher Schwarz-Grüner zu verkaufen gewesen wäre. Doch das Experiment ist nun gründlich gescheitert.

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