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20. September 2008, 13:36 Uhr

Niederlage eines Selbstdarstellers

Bei seinem Kampf um ein CDU-Bundestagsmandat ist Oswald Metzger vor allem an eigenen Fehlern gescheitert. Den Delegierten am Bodensee war er einerseits zu unsozial, andererseits zu opportunistisch. Dabei hätte Ministerpräsident Günther Oettinger ihn gerne im Bundestag gesehen. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Auch in Überlingen am Bodensee konnte Parteiwechsler Oswald Metzger die Delegierten nicht überzeugen© Patrick Seeger/DPA

Originell ist die Erklärung Oswald Metzgers, weshalb er zum zweiten Mal beim Kampf um ein CDU-Bundestagsmandat baden ging: Das seien vermutlich die Delegierten badischer Herkunft im neuen Bodensee-Wahlkreis gewesen, die ihn als geborenen Württemberger verhindert hätten. Doch dass der Regionalismus-Streit der "Badenser" mit den "Sauschwaben" in Baden-Württemberg eine reale politische Rolle gespielt hat, das ist mindestens 50 Jahre her. Aber natürlich ist das Ego des Oswald Metzger viel zu groß, als dass er sein zweites Scheitern um eine Karriere in der CDU mit eigenen Fehlern interpretieren möchte.

Zu wenig Solidarität mit den Schwachen

Die gibt es durchaus. Am Bodensee ist bis heute eine original christdemokratische Kundschaft zu Hause, die sehr wohl noch auf ihre christliche Herkunft achtet und weiß, wofür das "C" im Parteinamen steht. Ein Politiker, der wie Metzger über sozial Schwache herzieht und Hartz-IV-Empfängern unterstellt, dass sie vorwiegend vor der Glotze hängen und sich mit Alkohol und Kohlenhydraten zustopfen, macht bei diesen Christdemokraten keine Punkte. Solidarität mit den Schwachen gehört hier, anders als in weiten Teilen der Republik, noch zum CDU-Programm. Die hören es zwar gerne, wenn der Redner ihren Dialekt spricht. Dass er aber sagt, es gefalle ihm nicht, dass die Sozialhilfeemp-fänger "de Arsch nemme hochkriaget," damit gewinnt man ihre Sympathie nicht.

Nicht unbemerkt dürfte von diesem Publikum auch geblieben sein, dass Metzger sich auch gut auf opportunistische Kehrtwendungen in seinen politischen Ansichten versteht. Metzger hat sich früher in großer ordoliberaler Pose gegen das Branntweinmonopol gefallen, das den kleinen Brennern am Bodensee über-haupt ihr wirtschaftliches Überleben auf ihren Streuobstwiesen erlaubt. Wären die EU-Subventionen gestrichen worden, wie von Metzger gefordert und von ihm als volkswirtschaftlich unsinnige Ausgabe bezeichnet, wären die Kleinbrenner am Ende gewesen. Jetzt plötzlich hat sich Metzger in seinem Wahlkampf für die Erhaltung der Subventionen eingesetzt. Der Eindruck ist eindeutig: Der Mann wechselt seine Überzeugungen so schnell wie seine Hemden und Parteien. Metzger war inzwischen in der SPD, bei den Grünen und ist jetzt in der CDU. Glaubwürdigkeit hat der Selbstdarsteller, dessen wichtigstes Programm "Metzger" heißt, auf Dauer nirgendwo erworben.

Das Kanzleramt hoffte mit

Sein erneutes Scheitern hat indessen auch eine weiter reichende politische Bedeutung. CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger hat nichts getan, um seiner Berliner Landsmannschaft den Überläufer Metzger zu ersparen. Er war so von dessen unbestreitbarer wirtschaftspolitischer Kompetenz beeindruckt, dass er ihn ganz gerne im Bundestag für die CDU/CSU gesehen hätte. Dort wäre dann endlich mal wieder ein Baden-Württemberger zu hören gewesen, der mehr als das wirtschaftliche Einmaleins beherrscht. So einen "Vorredner" könnte Oettinger sehr gut gebrauchen, nachdem er selbst im Wirtschaftsbereich auch von Parteifreunden gerne überhört wird. Es ist kein Zufall gewesen, dass der CDU-Ministerpräsident mit keinem Wort die konkurrierende Kandidatur des Sprechers der baden-württembergischen CDU unterstützt hat.

Selbst im Kanzleramt hoffte man insgeheim auf einen Erfolg Metzgers. Auf einen, der die Union wieder gut im Parlament hätte darstellen können. Der vielleicht im Falle einer schwarz-gelb-grünen Koalition als ordentlicher Schwarz-Grüner zu verkaufen gewesen wäre. Doch das Experiment ist nun gründlich gescheitert.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
wilko0070 (21.09.2008, 14:49 Uhr)
Tja, Metzger, so schnell kann's gehen ...
... und auch dein Marktwert für die INSM fällt jetzt ins Bodenlose.
Der nächste Flop wird wohl dein Buch werden (Metzger, wer war das noch mal?). Und dann gehörst du am Ende auch zu denen, deren Lebenssinn darin besteht, "Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen."
wmebh (21.09.2008, 10:46 Uhr)
Metzger
dieser Metzger will den Sozialstaat schlachten.
SethusCalvisius (21.09.2008, 01:41 Uhr)
Merkwürdig,
dass Metzger immerhin zum Polit-Star hochgepuscht wurde. Jetzt hat er sich endgültig entzaubert. Bei soviel Undankbarkeit der CDU-Basis steht doch jetzt bestimmt der nächste Parteiwechsel an. (Ich glaube, die FDP fehlt noch in seiner Sammlung). Oder er tut sich mit Sarazzin zusammen und gründet eine neue neoliberale Partei.
Übrigens ist Metzger auch Mitglied ion der INSM, einem Institut, dass z.B. per Schleichwerbung seine neoliberalen Standpunkte in der Vorabendserie "Marienhof" platzierte.
Reality (20.09.2008, 20:29 Uhr)
Eine Möglichkeit gäbe es da noch...
Sucht nicht die hochverschuldete Nachbarstadt Aulendorf einen neuen Bürgermeister ?
Wie wär´s mit dieser Stelle ?
Zumindest könnte man dort beweisen was man wirtschaftlich drauf hat.
frank77777 (20.09.2008, 19:53 Uhr)
Lieber bernie-abg
Tanzen kann er bestimmt auch nicht :)
bernie-abg (20.09.2008, 19:13 Uhr)
Nicht verzagen Herr Metzger...
...für gescheiterte Ex-Politiker die auch in der Wirtschaft niemand will, gibt es ja noch "Let's Dance" bei RTL.
bodidahrma (20.09.2008, 19:08 Uhr)
"Evangelist des Marktes" fällt vom Glauben ab
Oswald Metzger ist ein einfaches CDU-Mitglied. Vor seinem Parteiaustritt war er seit 2002 einfacher Landtagsabgeordneter in BW. Wieso tritt der neoliberale Populist in den Medien so häufig auf und warum berichtet der Stern darüber das ein Politiker aus der 3.Reihe scheitert?
Die politische Bedeutung von Herrn Metzger basiert vor allem auf seiner Tätigkeit als Vertreter der vom Arbeitgeberverband GesamtMetall NRW finanzierten INSM. Diese mächtige Netzwerk vermittel Kontakte zwischen Politik, Wirtschaft und Medien um die "Reform"-bereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen.
Die neoliberale Marktgläubigkeit vereint alle Botschafter und Vertreter der INSM: "Der Markt ist schlauer", Deregulierung, Flexibilisierung, Privatisierung usw. lautet das Mantra der "Evangelisten des Marktes". Erstaunlich ist nun, dass Herr Metzger, der ja all zu gern von opportunistischen Politikern spricht, seine neoliberale Brille einen Moment ablegt und für ein staatliches (Brandwein-)Monopol eintritt. In Zeiten in denen auf den internationalen freien und deregulierten Finanzmärkten eine Kernschmelze (Star-Ökonom Rubini)droht ist auch in BW mit dem alten neoliberalen Dogmen kein Staat zu machen.
undueberhaupt (20.09.2008, 18:38 Uhr)
Vorbei!
Vorbei die Zeiten, wo er in Talkshows herumgereicht wurde, vorbei die Zeiten im Bundestag, vorbei die Zeiten bei den Schwarzen?
Und nicht einmal als Rechtsanwalt kann er, wie alle anderen, wenns halt vorbei ist.
ritchie (20.09.2008, 17:49 Uhr)
Endlich die rote Karte für Metzger
Das ausgerechnet eine konservative Partei dem Opportunisenkönig wegen sozialer Kälte die Karte zeigt ist bemerkenswert. Ich bin kein CDU-Wähler, aber Respekt. Metzger ist ein eiskalter Schwätzer, der die die sowieso schon am Boden in unserer Gesellschaft liegen noch unter die Grasnarbe treten möchte; persönlich dabei natürlich abgesichert finanziell bis in die Steinzeit.
klarenn (20.09.2008, 17:42 Uhr)
Dumpfbacke
Männlein mit gepflegtem Halbwissen1
Selbstdarstellerich, was er auch nicht richtig kann, von seinem Wissen und Können Eingenommen und dabei fern der Realität!
Wenn solche Personen für den Rest Sozialstaat nicht so Gefährlich wären könnte man sie negieren.
Allerdings bleibt er eine politische und wirtschaftliche Flachzange!
Danke der Basis!!!
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