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Du hast keine Chance, aber nutze sie

In den Tiefen der Wahlforschung lagern überraschende Erkenntnisse. Daraus leiten sich gute und schlechte Nachrichten für Peer Steinbrück ab. Wir sortieren mal.

Von Andreas Hoidn-Borchers

  Lag ziemlich oft richtig: Forsa-Chef Manfred Guellner

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Die gute Nachricht ist: Noch ist nichts entschieden. Es sind schließlich noch drei Wochen bis zur Wahl. Ausreichend Zeit, um Stimmen zu erkämpfen. Es geht um jene 10,1 Millionen Bürger, die 1998 noch SPD gewählt haben - und 2009 nicht mehr. Die will Steinbrück zurückgewinnen. Zumindest einen ordentlichen Teil von ihnen.

Die schlechte Nachricht ist: Es könnte vergebliche Müh' beim Liebeswerben sein. Bei allen Bundestagswahlen seit 1998 stand im Grunde am Anfang des Wahljahres fest, wie es im Herbst ausgehen wird für die SPD. Die größte Abweichung gab es noch 1998. Umfrage im Januar: 39 Prozent. Am Wahltag: 40,9. Seither gab es nur noch Veränderungen von maximal einem halben Prozentpunkt. So, und jetzt, zur schmerzhaften Erinnerung, Tusch, der SPD-Wert Anfang Januar 2013: 25 Prozent.

Was bringt das TV-Duell?

Die gute Nachricht ist: Am Sonntag misst sich Steinbrück im Fernsehen mit der Kanzlerin. Da wäre noch mal was zu reißen. Gerhard Schröder hat 2005 mit seinem Auftritt beim TV-Duell mit Angela Merkel satte 2,3 Millionen Unentschlossene für sich und die SPD gewonnen - und seine Partei im Wahlkampfendspurt fast auf Augenhöhe mit der Union gehievt.

Die schlechte Nachricht ist: Das war Schröder. Das Tier. Den die Menschen mochten, irgendwie. Und es war die Angela Merkel von 2005. Die Frau. Die den Menschen nicht ganz geheuer war. Jetzt geht sie mit ungeheurem Kanzlerinnen-Bonus in die Fernsehschlacht mit Steinbrück, den die Wähler im Vergleich zur Merkel anno 2013 ungefähr so schätzen wie ein indisches Nagelbrett. Selbst Norbert Röttgen stand vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen etwas höher im Kurs. Und das will was heißen.

Was zeigt die Kompetenzzumessung?

Die gute Nachricht ist: Zwischen die SPD und ihren Kandidaten passt echt kein Blatt. Die Wähler schätzen Steinbrück wie seine Partei ziemlich gleich ein. Um es etwas wissenschaftlich auszudrücken: Die Korrelation bei der Kompetenzzumessung ist sehr stark. Was man vom Gegner nicht behaupten kann. Bei der Union und Merkel geht die Kurve weit auseinander.

Die schlechte Nachricht ist: Von der Kompetenz der SPD und der Kompetenz Steinbrücks haben die Wähler zwar denselben Eindruck - der ist aber leider ziemlich mies. Beide ziehen sich gegenseitig runter, während Merkel die Union nach oben zieht.

Was bedeuten Siege bei Landtagswahlen?

Die gute Nachricht ist: Nachdem sie 2009 im Bund so fürchterlich eins auf die Mütze bekommen hatte, ist es der SPD bei den folgenden Landtagswahlen gelungen, Boden gut zu machen und mehr Wähler zu mobilisieren - im Schnitt elf Prozent mehr als bei der Bundestagswahl. Geht doch. Da ist was zu holen.

Die schlechte Nachricht ist: Das klingt viel, reicht aber hinten und vorne nicht - zumindest nicht für ein anständiges Wahlergebnis. Denn selbst wenn es am 22. September gelänge, genau diese elf Prozent Wähler wieder für die SPD zu werben und die 23 Prozent Wähler von 2009 zu halten, brächte das die SPD auf gerade mal 25 Prozent und ein paar zerquetschte Zehntel hinterm Komma. Kommt Ihnen bekannt vor. Richtig: Das ist, siehe oben, der fingerzeigende Umfragewert vom Januar.

Ist die Union überschätzt?

Die gute Nachricht ist: Die Union wird überschätzt. Sie ist komplett ausmobilisiert und in den Umfragen derzeit wahrscheinlich sogar überbewertet. Ein Ergebnis von mehr als 40 Prozent ist nicht zu erwarten; realistisch sind 40 Prozent minus X.

Die schlechte Nachricht ist: Dieses X hilft der SPD gar nichts, sondern kommt ziemlich haargenau der FDP zugute. Die kann auf einen Sockel von 5 bis 5,5 Prozent Wählern bauen, die sich durch nichts und niemanden in den vergangenen vier Jahren von einer Wiederwahl der Freidemokraten abschrecken lassen. Das X kommt dazu. Zusammen kann Schwarzgelb also ein Ergebnis von 45 bis 46 Prozent erreichen. Soviel erreichen SPD, Grüne und Linke möglicherweise zusammen auch - so dass sich die SPD als Juniorpartner in eine Große Koalition retten könnte. Fragt sich nur, ob das eine gute oder schlechte Nachricht wäre.

Welche Tücken haben Umfragewerte?

Die letzte gute Nachricht ist auf jeden Fall: Diese Erkenntnisse muss die SPD nicht mal ignorieren. Sie stammen allesamt aus dem Datenschatz von Forsa-Chef Manfred Güllner, dem die Sozialdemokraten herzlich misstrauen, seit die Umfragezahlen, die er erhebt, nicht mehr so doll für sie sind.

Die letzte schlechte Nachricht aber ist: Der Mann hat in der Vergangenheit ziemlich oft ziemlich richtig gelegen.

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