Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Die Anti-Islam-Front wächst - warum das gefährlich ist

Zuerst gingen nur wenige Menschen montags gegen eine Islamisierung Deutschlands auf die Straße. Inzwischen kommen tausende - und es werden immer mehr. Was wollen diese Leute? Und wer steckt dahinter?

Von Katharina Grimm

  Pegida-Anhänger bei einer ihrer Montagsdemos in Dresden

Pegida-Anhänger bei einer ihrer Montagsdemos in Dresden

Seit Wochen gehen in Dresden Menschen auf die Straße, um gegen religiösen Fanatismus zu demonstrieren. Die "Spaziergänge", wie die Initiatoren diese Kundgebungen nennen, die zuächst nur mit einigen hundert Demonstranten begannen, ziehen inzwischen mehr als 7000 Leute an - und jede Wochen kommen mehr Menschen. Aber welche Ziele hat das Bündnis, das sich knackig "Pegida" nennt? Wer sind die Verantwortlichen? Und gegen was oder wen richten sich die Demos genau? Fünf Fakten zu dem Phänomen.

1. Was ist Pegida

Die Abkürzung Pegida steht für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Ähnlich, wie schon die Hogesa, also die "Hooligans gegen Salafisten", stehen auch hier drei Silben für eine anti-islamische Haltung. Die Demonstranten richten sich gegen vermeintliche "Glaubens- und Stellvertreterkriege auf deutschem Boden".

Nach den Montagsdemos und den Demos der Hooligans ist die Pegida nun die dritte Veranstaltungsreihe im Dunstkreis nationalistischen Gedankenguts.

2. Sind das Nazis?

Offiziell distanzieren sich Pegida von rechten Überzeugungen. Allerdings seien der islamische Extremismus und der Linksextremismus die "größten aktuellen Probleme in diesem Land", wie die Pegida auf ihrer Homepage schreiben. Die starke Kritik an Linksextremen - aber eben nicht an Rechtsextremen - ist eine gängige Spielart von rechten Bündnissen. Auch der einschränkende Hinweis, dass man "integrierte und heimatliebende Einwanderer" zur Teilnahme an den Demos einlädt, lässt auf rechte Tendenzen schließen. Auch Worte wie "Vaterland", "Heimatliebe" oder "Heimatschutz" erinnern an das Vokabular von Rechten. Auf einer der Demos in Dresden schimpft der Treiber der Bewegung, Lutz Bachmann, gegen "Heime mit Vollversorgung" für Flüchtlinge, obwohl sich Rentner in Deutschland kaum noch ein Stück Stollen leisten könnten. Auch "Überfremdung" durch Asylsuchende und Flüchtlinge prangern die Sachsen an. Dabei sind nur 0,4 Prozent der Bewohner Dresdens Muslime, in ganz Sachsen sind es nur 0,1 Prozent.

3. Wer macht da mit?

Die Hogesa-Demo in Köln sei eine Initialzündung gewesen, sagte Simone Rafael vom Internetportal "Netz-gegen-Nazis.de" der "taz". Schon seit Jahren wird im Netz gegen Ausländer, Flüchtlinge und Asylsuchende gepestet, rechte Gruppierungen sind gerade in den sozialen Netzwerken sehr aktiv. Und die Zahl der Flüchtlinge steigt: Zur Zeit der Jugoslawienkriege in den 1990ern kamen besonders viele Flüchtlinge nach Deutschland. Danach reduzierte sich die Zahl. Nun steigen die Asylsuchendenzahlen wieder aufgrund von Kriegen und Konflikten, beispielsweise in Syrien.

Die aktuelle Situation bringt ein Mischmasch aus Menschen auf die Straße: Zum einen das rechte Spektrum gewaltbereiter Hooligans, klassische rechte Parteien wie die NPD (Die mit dem Slogan "Mit Pegida den Volkswillen auf die Straße tragen" wirbt), aber auch die sogenannten besorgten Bürger - Familien, Rentner und Frauen - tummeln sich bei den Demos. Rafael spricht vom "aufgeladenen Wutbürgertum".

4. Warum gibt es Angst vor Überfremdung?

Es wird wenig dafür getan, den Menschen die aktuelle Flüchtlingssituation zu erklären, um Ängste gar nicht erst entstehen zu lassen. Die stark steigende Zahl der Asylanträge und auch von Flüchtlingen, die ohne Asylantrag im Schatten der Gesellschaft leben, stellen Kommunen und Städte vor Herausforderungen, die nicht überall erfolgreich gemeistert werden. Die Rufe der Städte, die dem Ansturm an Flüchtlingen, auch wegen fehlender finanzieller Mittel, nicht gewachsen sind, schüren die Angst: Kommen zu viele Menschen? Kann Deutschland das verkraften? Verändert sich nun die Gesellschaft? All das sind Fragen, die vor allem wegen fehlender Infomationen aufkeimen. Und sich zu einem Brei vermischen, aus Unwissen und Misstrauen, aus Angst und Enttäuschung. Die Pegida gibt diesem Gefühl eine Stimme. Und auch CSU-Chef Horst Seehofer, der dringend vor Armutszuwanderung warnt, entschärft die Situation sicher nicht.

5. Wie geht's jetzt weiter?

Die Asylproteste haben sich inzwischen ausgeweitet. Am Montag wird es eine ähnliche Demo auch in Düsseldorf geben. In Kassel gehen bereits Menschen auf die Straße. Unter "Legida" ist ein Zweig der Pegida in Leipzig entstanden. Und auch in anderen Städten bilden sich erste kleine Ableger.

Aber auch Gegendemos gibt es: Am vergangenen Montag wurde die Pegida-Veranstaltung mit einer Protestaktion von verschiedenen Bündnissen und Parteien gestoppt. Im Internet sammelt die Facebook-Gruppe Pegida-Watch alle Aktivitäten gegen das Bündnis.

"Die Partei" von EU-Politiker und Berufsspaßvogel Martin Sonneborn mischte sich unter die Pegida-Veranstaltung in Dresden und trug ein Banner mit der Aufschrift: "Heimat-Orientierte marschieren oeffentlich für sächsisch-teutonisches Engagement", abgekürzt: Homofürsten.

  Die Spaßpartei "Die Partei" kaperte dem Marsch der Pegida-Anhänger mit einem Plakat

Die Spaßpartei "Die Partei" kaperte dem Marsch der Pegida-Anhänger mit einem Plakat

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools