Hans-Peter, der Neofeminist

28. Juni 2013, 11:45 Uhr

Bundesinnenminister Friedrich, CSU, also der Hans-Peter, findet Frauen "super", ist selbst auch "Neofeminist" - und sein Job ist eine "coole Sache". Ist das jetzt locker - oder einfach nur peinlich? Von Katharina Grimm

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Innenminister Friedrich, oder auch Hans-Peter, outet sich als Neofeminist.©

Bei Sommerfesten und Weihnachtsfeiern verschwimmen ja bekanntlich die Hierarchien. Da wird aus dem Chef nach drei Gläschen Prosecco "der Michael" und aus der zickigen Abteilungsleiterin "die Gudrun". Tilo Jung, Blogger und Initiator der Youtube-Reihe "Jung & Naiv", nutzt diesen Effekt – und spricht Bundesminister und Politgrößen konsequent mit "du" an. Aus einem Interview wird ein Plausch unter Kumpels. Das gilt auch für den Bundesinnenminister.

"Ich bin Hans-Peter und Innenminister. Also nicht nur hier in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Coole Sache", antwortet Friedrich sichtlich gut gelaunt in Kamera und Mikro des Bloggers. Das hat er nicht wirklich geantwortet, möchte man schreien. Auf Twitter lachen sich die User schlapp: Der Innenminister betritt Neuland. Doch der glaubt fest daran, sich jung und cool und lässig zu geben – oder lässt sich zumindest von Jung dazu hinreißen, genauso sein zu wollen.

Jung ist diesmal unterwegs, um zu fragen, wie weiblich denn das Internet sei. Eine spannende Frage, sicherlich – aber nahezu zweitrangig. Es geht um Wirkung, nicht um Worte. Und Friedrich dreht auf. Frauen seien diszipliniert, fleißig, gut. Soweit, so richtig. Ob das denn schlimm sei, fragt Jung. "Nein, das ist super. Ich bin ja Neofeminist und begeistert davon, dass die Frauen so gut auf dem Vormarsch sind", sagt Friedrich. Das hat er nicht wirklich gesagt? Doch, hat er. Frauen, Fortschritt, Führung - das ist ja so ein großes Thema. Mit Zukunft. Gerade in der CDU/CSU. Nein, mit verbindlichen Quoten hat es die Union nicht so, das durfte nicht Gesetz werden, sondern wurde ins Wahlprogramm verbannt. Aber Frauen und Technik - das muss man fördern. Und drüber sprechen. Denn das Thema finden die Medien toll, und dieses Twitter. Das ist hip – coole Sache.

Was war doch gleich Neofeminismus?

Neofeminismus hingegen fiel bisher nicht in den Kernkompetenzbereich des Innenministers. Das "Neo" vor dem Feminismus ist das Neue nach Alice Schwarzer und der Frauenbewegung der 1970er. Es geht nicht mehr um die Unabhängigkeit von Ehemännern, die Selbstbestimmung über das Kinderkriegen. Keine lila Latzhosen mehr. Neofeministinnen sind junge Frauen, die sich zusammenschließen gegen Diskriminierung, gegen Sexismus und für die Chancengleichheit. Der nackte Protest der Femen-Frauen ist neo-feministisch, die Forderung nach einer Frauenquote ist es auch. Und einige halten Charlotte Roche für ein Aushängeschild dieser Bewegung, die in ihren Büchern ausschweifend über Selbstbefriedigungserlebnisse und Intimrasur schreibt. Da Friedrich bei der Frauenquote nicht so aktiv war, bleiben immerhin noch Bücher à la Roche oder vielleicht ein Auftritt bei den Femen-Ladys. Coole Sache?

Tilo Jung ist übrigens nicht rotzfrech und dreist – alle Politiker wurden vorab von ihm aufgeklärt, wie das Format funktioniert. Und da hat er sie gesiezt. Er selbst sagt, dass er für "Jung & Naiv" in eine Rolle schlüpft. Der Innenminister hat hingegen keine Rolle gespielt, sondern eindrucksvoll gezeigt, wie weit entfernt die Welt der Netzaktiven, Blogger und Twitterer für ihn noch ist. Ein "du" macht noch keinen Kumpel, Fleißige-Frauen-Sprüche noch keinen Neofeministen. Sorry, Herr Minister, ganz ehrlich: uncoole Sache!

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