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25. September 2008, 21:13 Uhr

CSU wird im Bundestag vorgeführt

Es war ein Fest für die Opposition. Im Bundestag brachte sie zwei Anträge ein: die Wiedereinführung der Pendlerpauschale und das Verbot von gentechnisch veränderten Pflanzen. Die CSU, die beides fordert, sah sich genötigt, die Anträge abzulehnen. Von Markus Baluska

Kein guter Tag für seine Partei: CSU-Chef Erwin Huber© Michael Gottschalk/ddp

Großes Theater im Bundestag. In der Hauptrolle: die CSU.

Erster Akt: die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale.

Wie allseits bekannt, fordert die CSU lauthals, die alte Pendlerpauschale wieder einzuführen. Die Fraktion der Linkspartei griff diesen Gedanken genüsslich auf und legte ihn als Antrag im Bundestag auf den Tisch - wohl wissend, dass sie die CSU damit in die Klemme manövrieren würde, denn sie ist in die Disziplin der großen Koalition eingebunden. Die ist sich indes uneinig: Die SPD würde mitziehen, aber die CDU nicht. In solchen Fällen verlangt der Koalitionsvertrag, dass sich die Parteien nicht gegeneinander ausspielen dürfen.

Also ließ die CSU im Bundestag erwartungsgemäß wissen, den Linken gehe es gar "nicht um die Sache, sondern um ein durchsichtiges taktisches Manöver". Der linke Abgeordnete Klaus Ernst konterte, die CSU-Taktik sei es, den Wählern in Bayern etwas zu versprechen und im Bund das Versprechen nicht zu halten. Triumphierend präsentierte Ernst ein Wahlplakat der CSU mit der Aufschrift: "Pendlerpauschale jetzt!" Unter Gejohle fragte er, "Wann ist denn jetzt?"

"Huber und die Tuba"

Auch die Liberalen überschütteten die CSU mit Hohn und Spott. Der Abgeordnete Volker Wissing lästerte: "In Bayern bläst Huber auf die Tuba, in Berlin ist mit Glos nix los." CSU-Chef Erwin Huber hatte in Bayern sogar eine Unterschriftenaktion für die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale veranstaltet. Als ein Redner darauf hinwies, dass die CSU die Ergebnisse erst nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag veröffentlichen wolle, lachten sich viele Abgeordnete kringelig. Dem CSU-Parlamentarier Albert Rupprecht fiel schließlich die undankbare Aufgabe zu, die Position seiner Partei zu verteidigen. "Die CSU will die Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer", sagte er. Aber: "Wir brauchen zur Umsetzung eine Mehrheit im Bundestag." Wieder schallendes Gelächter - denn die Mehrheit wäre durchaus möglich, wenn CSU und SPD nur gewollt hätten.

Gegen Ende des ersten Aktes waren die Ränge gut gefüllt. Fast 550 Abgeordnete waren im Saal. Aber nicht, weil sie das Stück so imposant fanden, sondern weil die Die Linke eine namentliche Abstimmung gefordert hatte. Der Zweck der Übung: So kann sie im bayerischen Landtagswahlkampf jeden CSU-Vertreter blamieren, der nun gegen die Pendlerpauschale stimmen würde. Erwartungsgemäß stimmte die große Koalition inklusive der CSU geschlossen gegen den Antrag der Linken.

"Bin ich nur von Sekten gewöhnt"

Zweiter Akt: das Verbot gentechnisch manipulierter Pflanzen.

Diesmal waren es Bündnis 90/Die Grünen, die der CSU ein Schnippchen schlagen wollten. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer proklamiert in Bayern seit langem, die Bauern würden nicht dazu gezwungen, gentechnisch manipulierte Pflanzen auf ihren Äckern zu nutzen. Die SPD hätte diese Position gerne schon auf die politische Agenda gesetzt, scheiterte aber am Widerstand der CDU. Also legten nun die Grünen nach - mit einem Antrag, der den galant formulierten Titel trägt: "Gentechnikfreie Regionen stärken - Bundesregierung soll Forderungen aus Bayern aufnehmen und weiterentwickeln."

Die Debatte über diesen Antrag, die ursprünglich eine halbe Stunde dauern sollte, zog sich über eine Stunde hin. Der Grund: zahlreiche Zwischenfragen und wechselseitige Beschimpfungen. Zentrale Frage war, wer wann und wo dafür plädiert hatte, gentechnisch veränderten Mais anbauen zu lassen. Da es dabei auch zu Unterstellungen kam, zürnte der SPD-Politiker Ulrich Kelber: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich in diesem Deutschen Bundestag eine solche Menge an Lügen und Verdrehungen kennenlernen musste. Ich war das bisher von Sekten und extremistischen Parteien gewöhnt, sonst von niemandem." Das ging selbst seiner Parteigenossin, der Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner, zu weit. Sie sprach Kelber eine Rüge aus.

Auf Wiedervorlage

Zu einer Abstimmung über den Antrag kam es - zum Glück für die CSU - nicht. Die große Koalition will das Thema erst mal in den Ausschüssen beraten. Und zwar nach der Landtagswahl in Bayern. Damit der Wähler nicht merkt, dass die CSU in Bayern etwas fordert, was sie in Berlin nicht unterstützt.

Von Markus Baluska
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
tripex (27.09.2008, 07:54 Uhr)
unabhängige Berichterstattung
@EStolze
Diese Nicht-Berichterstattung ist Teil des Problems, warum, wieder und wieder diese Parteien gewählt werden. Der überwiegende Teil der Wählerschaft bekommt von dieser und anderer Farcen nämlich gar nichts mit.
Westerle.Merkwelle (26.09.2008, 18:13 Uhr)
Noch ein Beispiel für Demagogie: Seehofer verspricht CSU-Wählern Äcker ohne Gentechnik
Im Grunde ist die gentechnische Position der CSU klar. Seit langem zieht ihr Agrar- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer durchs bayerische Bauernland und verspricht den bislang treuesten CSU-Wählern, sie würden auf keinen Fall zur Akzeptanz von Gentechnik auf ihren Äckern gezwungen. Dazu hat er allen Grund. Denn die kriminellen Praktiken der Firma Monsanto, z.B. gegen Farmer in USA, Mexiko und Indien geben Grund zu grösster Sorge. ( Siehe den Film beim ARD Sender Phönix: „Monsanto - Mit Gift und Genen“ http://www.arte.tv/de/wissen-entdeckung/Monsanto-mit-Gift-und-Genen/1912794.html )
Im Bundestag will die CSU allerdings nicht dafür kämpfen. Dort wollte die SPD einen Antrag vorlegen, mit dem die entsprechende Weiterentwicklung des europäischen Gentechnikrechts bekräftigt werden sollte. Das Papier enthält alle Seehofer-Positionen zu diesem Thema. Doch als die SPD den Antrag in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion präsentierte, lehnte der CDU-Abgeordnete Peter Bleser, Sprecher für die Agrarpolitik in der Fraktionsführung, knallhart ab. "Wir machen das nicht. Punkt und Schluss", dröhnte er die Genossen an. Als die widersprachen, erklärte er den Vorgang Gentechnik zur Koalitionsfrage. Wenn das geschieht, darf gegen den Willen einer Seite keine parlamentarische Aktion erfolgen. Auch der CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer hat akzeptiert, dass nicht geschieht, was den bayerischen Bauern vielfach versprochen worden ist.
(Quelle: Stern)
Gegen diesen Populismus gibt es ein Mittel. Keine Stimme am Sonntag für die CSU!
Westerle.Merkwelle (26.09.2008, 18:10 Uhr)
Populismus der CSU hat sich selbst entlarvt
Die CSU-Landesgruppe wies den Antrag der Linksfraktion zur Wiederherstellung der alten Pendlerpauschale am Donnerstag im Deutschen Bundestag zurück. Dies sei ein "durchsichtiges, taktisches Manöver" und ein "Politikspektakel", heißt es in einer Erklärung der Landesgruppe. Ungeachtet dessen halte die CSU an ihrer Forderung fest, zur alten Regelung der Pendlerpauschale ab dem 1. Kilometer zurückzukehren.
Soviel Arroganz und Demagogie gehört abgestraft. Am Sonntag gibt es dazu eine Gelegenheit. Keine Stimme für die CSU!
utospatz (26.09.2008, 17:19 Uhr)
So ist's denn in Bayern
christlich, sozial, des Hubers,-Becksteins Konto egal, so zieht denn einer von beiden als Verwaltungsrat ein in die bayrische Landesbank, zum Vorstand berufen, da er im Vorgarten hat eine Sitzungsbank! Und die restliche Bevölkerung lacht sich krank, schließlich haben wir einen pekuniärischen Eunuchen, auf dießen Posten berufen! So hat er denn sein Maß, hat vergessen was er früher denn mal as. Und so lachte schon im Mittelalter ein jeder Kreuzritter kaputt!
EStolze (26.09.2008, 16:34 Uhr)
Herrlich,....
...wie die CSU hier vorgeführt wurde! Vor der Wahl gegen das eigene "Wahlziel" stimmen: Klasse! Was für ein Heuchlerverein diese verfilzte Bayernpartei doch ist! Komisch nur, dass BILD und WELT nicht von dieser Sternstunde im Bundestag berichten. Aber man weiß ja, dass man unabhängige Nachrichten vom Springer-Verlag nicht erwarten darf...
utospatz (26.09.2008, 16:23 Uhr)
Ich habe noch niemals bei
deun bayrischen Holzschraubenköpfen einen Huber oder Beckstein als Zuchtbullen mit Nasenring gesehn!
laeppe (26.09.2008, 15:15 Uhr)
Sommer - Sonne - Bayern - CSU
So sehen Wahlplakate in Bayern aus
da vergisst man als Wähler glatt die
Forderung der Pendlerpauschale -
Petitesse.
laeppe (26.09.2008, 15:09 Uhr)
Hier fehlt mir was - Lügilanti ect.
Man wird wie ich feststelle richtig süchtig - wie werden uns fegefranz
und Freunde diese Glanzstück verkaufen wollen ?
Eine Unverschämtheit der Linken
so einen Antrag zu stellen weil das
ja schon Pseudo Wahlforderungen der
CSU waren ? Schuld sind Lafontaine
und natürlich Frau Ypsilanti !!!!
Mit Spannung wartend
laeppe (26.09.2008, 15:00 Uhr)
Veröffentlichung nicht verhindert
Die CSU wird schwächer. FJS hätte wie
damals den Scheibenwischer die
Veröffentlichung dieser Posse verhindert mit einem Verbot.
Der Byerische Rundfunk hat sich damals zumindest brav daran gehalten
statt Scheibenwischer gab es einen
Heimatfilm für Bayern.
Demokratie a la DDR !
knilch_59 (26.09.2008, 12:36 Uhr)
Ganz, ganz schlimm!
Dieses Gezackere demonstriert deutlich die politische Situation in Deutschland im Jahr 2008: Nur weil die falsche Partei den Antrag stellt, wird er abgelehnt, obwohl man ihn für richtig hält. So die Mindestlöhne 2006 und jetzt die Pendlerpauschale.
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Anscheinend kommt es nicht mehr darauf an, das richtige zu tun, sondern wer – angeblich – das Richtige tut. Nicht die Ideen zählen, sondern das Parteibuch – peinlich für den Zustand unserer parlamentarischen Demokratie.
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Peinlich, der Linkspartei so viel Raum zu geben, damit sie mit solchen Spielchen Öffentlichkeit erlangt. Katastrophal, zu glauben, dass aus der Wiedereinführung der Pendlerpauschale eine Entlastung der Bürger entstehen würde oder mehr soziale Gerechtigkeit entstehen könnte. Unerträglich, dass sich gewählte Volksvertreter hinter den Roben der Bundesverfassungsrichter verstecken.
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Ein schwarzer Tag für unsere Demokratie, zeigte er doch deutlich, dass es nur darum geht, Probleme heraufzureden, anstatt Lösungen zu suchen! Hierfür sollte sich der Deutsche Bundestag beim Volk förmlich entschuldigen!
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