5. Oktober 2009, 15:58 Uhr

SPD-Vorstand nominiert Gabriel als Parteichef

Die SPD-Spitze hat die Weichen für einen personellen Neuanfang gestellt. Der Vorstand nominierte Umweltminister Sigmar Gabriel offiziell zum neuen Parteichef. Zuvor hatte bereits das Parteipräsidium Gabriels Kandidatur ohne Gegenstimmen bei einer Enthaltung unterstützt.

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Wenn die Basis mitzieht, wird er Mitte November neuer SPD-Chef: Sigmar Gabriel©

Der SPD-Vorstand hat am Montag den bisherigen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel offiziell zum neuen Parteichef nominiert. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa bekam der 50-Jährige 28 Ja-Stimmen. Vier Vorstandsmitglieder stimmten mit Nein, vier enthielten sich. Dies entspricht einer Zustimmung von 77 Prozent.

Zuvor hatte auch das SPD-Präsidium das Konzept für die künftige Parteispitze gebilligt. Gabriel soll auf dem Parteitag im November die Nachfolge von Franz Müntefering antreten, der nicht mehr kandidieren will. Das neue Personalkonzept wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ohne Gegenstimme gebilligt. Die einzige Enthaltung kam von der früheren hessischen SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti.

Neue Generalsekretärin soll demnach die Parteilinke Andrea Nahles werden. Dazu kommen vier stellvertretende Parteivorsitzende: Die SPD-Landeschefin in Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der bisherige Arbeitsminister Olaf Scholz und Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig. Der Europapolitiker Martin Schulz wird in herausgehobener Funktion Beauftragter des SPD-Vorstands für EU-Angelegenheiten. Endgültig gewählt werden soll die neue Spitze auf einem Parteitag Mitte November in Dresden.

Die SPD zieht mit dem personellen Umbau die Konsequenzen aus ihrem Debakel bei der Bundestagswahl, bei der sie elf Prozentpunkte verloren hatte und für die nächsten vier Jahre in die Opposition verwiesen wurde.

Parteiführung will "Ausschlusseritis" beenden

Die neue SPD-Führung will sich vorsichtig in Richtung Linkspartei öffnen. Die SPD-Landeschefin in Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, sagte am Montag, die bisherige "Ausschlusseritis" bringe die Sozialdemokraten nicht weiter. Koalitionspartner müssten künftig danach ausgewählt werden, ob die SPD eigene Inhalte durchsetzen könne und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich sei.

Kraft sagte mit Blick auf die anstehende NRW-Landtagswahl im Mai, derzeit wäre eine Koalition mit der Linkspartei auf Landesebene nicht denkbar. "Mit denen jetzt, so wie ihr Programm ist und ihr Personal ist, sind sie nicht regierungs- und nicht koalitionsfähig. Da müssen die Linken noch ein Stück an sich arbeiten", sagte sie im ZDF. Grundsätzlich dürfe man in einem Fünf-Parteien-System aber nicht alles ausschließen.

Zum Thema Neuausrichtung der SPD sagte Kraft, die Sozialdemokraten müssten klären, wo das Vertrauen der Menschen auf der Strecke geblieben sei. "Und an den Punkten müssen wir ganz gezielt nacharbeiten." Beispielsweise sei die Eröffnung von mehr Möglichkeiten bei der Leih- und Zeitarbeit "gut gemeint" gewesen, um Leute in Arbeit zu bringen, "aber am Ende sehen wir jetzt, dass das sehr oft eingesetzt wird von den Unternehmen, um damit Lohndumping zu betreiben. Das müssen wir wieder zudrehen, da müssen wir die Schranken wieder runter machen."

Stegner fordert mehr Zusammenhalt

Trotz der verlorenen Landtagswahl will Schleswig-Holsteins SPD-Vorsitzender Ralf Stegner weiterhin in der Parteiführung mitarbeiten. "Ich werde wieder für den Vorstand und das Präsidium der SPD kandidieren", kündigte Stegner im "Hamburger Abendblatt" an.

Angesichts des Richtungsstreits in der Partei forderte Stegner die SPD zu mehr Zusammenhalt auf. "Wir müssen stärker miteinander arbeiten und uns nicht in Flügelkämpfen aneinander abarbeiten", sagte er. Er warnte seine Partei zugleich davor, sich voreilig von den Reformen der Regierungsjahre zu verabschieden. "Es kann keine Lösung sein, alles rückgängig zu machen oder mit der Linkspartei einen Wettbewerb um die höchste sozialpolitische Forderung zu veranstalten", sagte Stegner. Die SPD müsse eine Politik entwickeln, die die Menschen auch subjektiv gerecht fänden.

Am Wochenende hatte der neue Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier seine Genossen vor einem Linksruck gewarnt. Der designierte Partei-Vize Klaus Wowereit verlangte aber, eine Koalition mit der Linkspartei im Bund nicht länger zu tabuisieren. Bei der Wahl am 27. September hatten die Sozialdemokraten nach einem beispiellosen Absturz nur noch 23 Prozent der Stimmen erzielt.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
sandraberlin (05.10.2009, 18:01 Uhr)
@utasieg
was wurde bei engholm, scharpng, lafo, schroeder, beck, münte I und münte II geschrieben.
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Dank an Willy Brand und HaJo Vogel.....danach kam nicht mehr viel, sorry, ausser karrieristen gar nichts. In diese Reihe reiht sich PanikGabriel ohne Probleme ein !!!!!
Glück auf, der Stümper kommt !!!!!
utasieg (05.10.2009, 17:49 Uhr)
Gabriel
ist der einzig Richtige als Parteivorsitzender.
Nur er ist in der Lage die Partei auf dem jetzigen Niveau zu halten.
butcher99 (05.10.2009, 17:38 Uhr)
diese nicht endende
Namensdiskussion ist Selbstmord par exellence, nur Besinnung auf Inhalte zur Klärung einer politischen Richtung einer geleuterten SPD brächte empowering durch neue Gesichter, aber dazu ist diese verfilzte Partei nicht mehr in der Lage, RIP SPD
knilch_59 (05.10.2009, 17:14 Uhr)
Schon gut, ich habs kapiert
Die SPD will meine Stimme gar nicht. Aber dazu muss man doch nicht erst so einen Mist verzapfen, einfach "wählt die Anderen" auf die Plakate schreiben, hätte auch gereicht.
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In der nächsten Stufe wird jedes SPD-Mitglied automatisch Vize im Parteivorstand. Erstens, weil der Mitgliederschwund so weitergeht und zweitens, weil das ja auch viel fairer und ausgewogener ist.
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Die Entscheidungen werden sowieso woanders getroffen, das hat man wieder einmal deutlich gesehen.
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Tschüß SPD! Weil ich Sozialdemokrat bin, werde ich Euch vorläufig nicht mehr wählen und mir auch die weiteren Kommentare sparen.
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"Wenn Du ein totes Pferd reitest, steig ab!"
Aquarius2 (05.10.2009, 17:09 Uhr)
Warum werden die SPD-Mitglieder nicht zu den Kernthemen befragt?
Offensichtlich hat die Führung der SPD Angst vor der Wahrheit. 200.000 Austritte sind ja bereits deutlichste Signale. Irgendwie erinnert das Verhalten der SPD-Funktionäre an das das Verhalten der SED-Funktionäre vor 20 Jahren. Es soll nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Augen zu und durch. Hoffentlich sorgen die "Jungen Wilden", die noch Ideale haben, rechtzeitig dafür, dass der SPD ein vergleichbares Ende erspart bleibt. Den Agenda-Schröderianern scheint inzwischen alles egal zu sein. Hauptsache es muss nicht zugegeben werden, dass man sich geirrt und etwas falsch gemacht hat. Zum Schluss reisen dann die letzten einsamen Agenda-Funktionäre (wie derzeit Egon Krenz) einsam zu Lesungen ihrer Memoiren über die Ungerechtigkeit der vielen ehemaligen SPD-Mitglieder...
nightmare_online (05.10.2009, 16:44 Uhr)
Die werden es nie merken
Als Schröder den Agenda-Quatsch verkündete, dachte ich ja noch, die SPD sei lernfähig. 5x bei Landtagswahlen einen auf den Deckel, und die Agenda2010 verschwindet im Mülleimer. Dachte ich. Es wurden 16 aufeinanderfolgende Niederlagen (und hätten Beck bzw. Ypsilanti die Serie nicht unterbrochen, wären es wohl über 30 in Serie). Und hatte keinerlei Effekte. 200.000 Mitglieder liefen der SPD weg. Ohne Effekt.
Dann hoffte ich auf ein so drastisches Ergebnis in einer Landtagswahl, das die Sozen keine Wahl hätten, als sich auf ihre Tradition als linke Volkspartei zu besinnen. Und dann holten sie in Sachsen 8.9%. Hatte aber auch lerntechnisch keine Effekte
Die SPD braucht nen richtigen Denkzettel bei Bundestagswahlen, dachte ich dann. Dann kamen die Wahlen vor ner Woche. Und? Nun wollen sie Gabriel, einen Seeheimer, zum Vorsitzenden machen. also den Bock zum Gärtner.
Diese Leute werden nicht lernen, weil sie es nicht können. entsprechend wird die SPD logischerweise in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Und seien wir ehrlich: Wer braucht die Agenda-SPD? Sozialdemokratie geht jedenfalls anders.
wohliver (05.10.2009, 16:25 Uhr)
Trugschluss
Das Gros der Wählerschaft wird eine Öffnung zur Links-Partei hin nicht honorieren. Hat man denn aus Hessen nichts gelernt? Die SPD wird wohl allmählich in der Versenkung verschwinden. Schade, denn dahin hätte man sich am ehesten die Sozialisten aus der Links-Partei gewünscht.
kunoo (05.10.2009, 15:31 Uhr)
Fleisch vom Fleische
Die SPD scheint in ihrer maßlosen Verblendung immer noch nicht zur Kenntnis zu nehmen (wollen), dass sich - zumindest die westdeutsche - Linke fast ausschließlich aus ehemaligen SPD-Mitgliedern rekrutiert. Wer in der SPD weiterhin rechte und/oder neoliberale Politik machen will, der soll sich doch der CDU oder FDP anschließen. Ein Herr Clement hat doch auch kein Problem damit, nachdem ihm die SPD jahrzehntelang die eigene Karriere und Pründe gesichert hat, ihr in den Arsch zu treten. Echte Besinnung auf die ursprünglichen Ziele und Bereinigung von personellem rechten Ballast sind die einzigen Chancen, die diese Partei noch hat, um ihre Stamm-Mitglieder evtl. zurückzugewinnen und wieder eine ernstzunehmende politische Kraft zu werden.
Robbespierre (05.10.2009, 15:03 Uhr)
Ausschlusseritis muß weitergehen...
... und zwar von den Seeheimer U-Booten. Letztlich kann sich die gereinigte SPD nur mit der Linken vereinigen, wenn sie überleben will. Und diesem Prozess sollten alle Steine aus dem Weg geräumt werden.
Rainhelt (05.10.2009, 15:00 Uhr)
Solange..
sich die SPD damit beschäftige, mit welcher anderen Partei man will, anstatt sich mit sich selbst auseinander zusetzen, wirds nicht besser...
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