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Piraten-Politiker macht sich über schwerverletzte Polizistin lustig - nun zerlegt es die Partei

"So ein Tag, so wunderschön wie heute" - so kommentierte ein Politiker der Piratenpartei in Brandenburg die Schussverletzungen einer Polizistin in Unterföhring. Der Piraten-Landesverband zog jetzt eine drastische Konsequenz.

Ein Werbeluftballon der Piratenpartei

Nach dem Geschmacklos-Tweet ihres Bundestagskandidaten Thomas Goede ist die Luft bei der Piratenpartei in Brandenburg endgültig raus

Der geschmacklose Tweet eines Piraten-Politikers zur Schießerei in Unterföhring Anfang der Woche lässt die Selbstzerstörung der Partei voranschreiten:

Wie diverse Medien berichteten, hatte der Potsdamer Pirat Thomas Goede nach den schweren Schussverletzungen einer Polizistin in Unterföhring Anfang der Woche via Twitter verlauten lassen: "So ein Tag, so wunderschön wie heute. Ich mach mal den Champus (sic!) auf". Goede war für die Piraten Kandidat auf der Landesliste für die Bundestagswahl im September.

Empörung über Tweet von Thomas Goede

Die Freude Goedes, dass ein Mensch von einer Kugel lebensgefährlich getroffen wurde, löste postwendend Empörung aus, auch seine Partei sah sich zu einer Stellungnahme veranlasst: "Die Polizei hat eine für die Gesellschaft überaus wichtige Funktion und wie in diesem Fall wieder tragisch deutlich wurde, ist diese nicht ungefährlich. Das Mindeste, was die Polizeibeamten erwarten dürfen, die sich für unsere Sicherheit in Gefahr begeben, ist Respekt für ihren Dienst. Genau dies fehlte völlig in der heute getätigten Aussage eines Parteimitglieds; im Gegenteil, die schwer verletzte junge Frau wurde von ihm verhöhnt. Dies verurteilen wir auf das Schärfste", teilten der Landesverband Brandenburg und der Stadtverband Potsdam mit. Zudem wurden "satzungsgemäße Ordnungsmaßnahmen" gegen Thomas Goede angekündigt.

Offenbar Austritt aus der Piratenpartei

Seinem Parteikollegen Patrick Schiffer zufolge soll der Potsdamer allerdings seinen Austritt bei den Piraten mitgeteilt haben:

Auf stern-Anfrage äußerte sich Thomas Goede bislang nicht zu seinem Tweet. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" ermittelt inzwischen der Staatsschutz wegen des Twitter-Eintrags.

Guido Körber, Mitglied im Brandenburger Landesvorstand der Piraten ergänzte später, dass die Partei den Fall nicht auf sich beruhen lassen werde - jetzt folgte die überraschende Konsequenz aus dem Tweet des Bundestagskandidaten: In einer weiteren Mitteilung kündigen die Piraten an, ihre im Januar gewählte Landesliste für die Bundestagswahl zurückzuziehen. "Es gilt hier ein Zeichen zu setzen, dass wir Piraten uns deutlich von den Äußerungen eines Listenkandidaten distanzieren", so Körber. "Die getätigten Aussagen verstoßen derart gegen alles, wofür wir stehen, dass keiner der anderen Listenkandidaten weiterhin in dieser Zusammensetzung kandidieren will. Menschenverachtende Bemerkungen müssen Konsequenzen haben - auch wenn sie schmerzhaft sind."

Die gemeinsame Entscheidung des Landesvorstands und der Listenkandidaten solle in Kürze der Brandenburger Landeswahlleitung offiziell mitgeteilt werden. Bis zum 17. Juli haben die Parteien in Brandenburg noch die Gelegenheit, ihre Listen einzureichen. Laut RBB werden die Piraten ohne Landesliste ins Rennen ziehen. Im Jahr 2013 erhielt die Landesliste der Partei 2,2 Prozent der Stimmen.

Der prominente Berliner Ex-Pirat Christopher Lauer (jetzt SPD) kommentierte die jüngsten Ereignisse spöttisch:


Anmerkung: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, dass die Piraten zur Bundestagswahl 2013 ohne Landesliste angetreten sind. Diese Information war falsch und wurde inzwischen korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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