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18. November 2008, 15:05 Uhr
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Auf die Lehrer kommt es an!

Der Jubel über die schlauen Sachsen kann ein zentrales Ergebnis der Pisa-Studie nicht überdecken: Ein Viertel der Jugendlichen in Deutschland hat eine sehr ungünstige Prognose für die Ausbildungskarriere. Um das zu ändern, müssen nicht nur Schüler gefördert werden, sondern vor allem Lehrer. Ein Kommentar von Ingrid Eißele

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Der Erfolg von Schülern hängt vor allem von guten Lehrern ab: Ein Mädchen bei einem Vorlesewettbewerb in Saarbrücken© Picturealliance

An einer Hauptschule in Baden-Württemberg rückte neulich ein 15- jähriger Junge mit seinem Problem heraus. Der schwergewichtige Denis* war zuvor immer wieder durch Wutausbrüche aufgefallen, einmal rannte er mitten im Unterricht aus der Schule, ein andermal bedrohte er einen Mitschüler mit einer Schere. Er fühlte sich von seinen Klassenkameraden gehänselt, "Ärgerspiele" nannten sie das. Sie verulkten Denis wegen seines Nachnamens, sie stichelten ihn wegen seines Körpergeruchs. Einer versprühte demonstrativ Deo im Raum, wenn Denis herein kam. Die Hänseleien dauerten an, bis der Schulsozialarbeiter das Thema vor die Klasse brachte. "Ich will, dass man mich respektiert", sagte Denis dann.

Dass Kinder gehänselt werden, ist an vielen Schulen Alltag. Dass sich ein Schüler vor die Klasse stellt und sagt, was ihm das Lernen vermiest, das ist alles andere als normal. Die Klasse hörte Denis zu - es gab eine ehrliche Aussprache und zum Schluss eine Lösung. Der Deal: Denis und seine Widersacher müssen sich nicht mögen, aber respektieren. Sein ärgster Gegner verpflichtete sich, Denis zu helfen, wenn er gepiesackt werden sollte. Seitdem kann Denis wieder lernen.

Die Lernbedingungen interessieren kaum

Die Pisa-Studie misst, was Schüler können, lernen und wissen. Doch in dieser Diskussion um Prozentpunkte und erste Plätze im Ranking spielt kaum eine Rolle, dass viele Kinder erst gar nicht zum Lernen kommen, weil Steine im Weg liegen. Wer kann konzentriert arbeiten, wenn er in seinem Rücken abschätzige Blicke spürt? Wer hat den Kopf frei für kreative Lösungen, wenn er sich leer und traurig fühlt? Jahrzehntelang haben Lehrer weggeschaut, immer noch interessiert sie vor allem, was ihre Schüler lernen, nicht wie sie lernen. Auch die Bildungspläne der Gymnasien nehmen kaum Rücksicht auf die Verfassung der einzelnen Schüler. Hineinstopfen, so viel nur rein geht, lautet die Devise seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums.

Pisa kann man auf zweierlei Arten verstehen: Als sportlichen Wettbewerb, bei dem um den besten Platz in den Disziplinen Naturwissenschaften, Mathematik oder Leseverständnis gerungen wird. Es ist letztlich aber nur für Bildungspolitiker wichtig, wie sich das Ranking zwischen den Bundesländern verschoben hat - bei den meisten nämlich nur graduell. Zentral ist eine andere Botschaft der Studie: Ein Viertel der Jugendlichen in Deutschland hat eine "sehr ungünstige Prognose" für die weitere Schule- und Ausbildungskarriere.

Eine Schande für uns alle

Dies ist, liebe Lehrer, liebe Bildungspolitiker, liebe Eltern, eine Schande für uns alle und darüber können auch leichte Fortschritte nicht hinwegtäuschen. Es gibt Sätze, die sollte man in Marmor meißeln und in jeder Schule und in jedem Kultusministerium aufstellen: "Unser Land braucht alle Schüler. Wir können es uns nicht leisten, auch nur eine einzige Begabung ungenutzt zu lassen." Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat das mal gesagt, vor sechs Jahren. Was ist der Stand heute, wie wird die einzelne Begabung gefördert? Nur etwa ein Prozent der Lehrer weiß, wie man bei den wichtigsten Lernstörungen helfen kann, schätzt der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie. Immerhin zehn bis zwanzig Prozent der Kinder leiden unter schweren Lernproblemen, die aber mit professioneller Unterstützung gemildert werden können. Vergangenes Jahr haben fast 80.000 Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss verlassen. Es sind nicht nur Schüler mit geringer Intelligenz, die aus dem System geworfen werden.

Erfolg liegt nicht am Geld allein

Bei vielen liegen eben Steine im Weg. Sie haben Sprachschwierigkeiten und verstehen deshalb komplizierte Texte nicht, andere werden gemobbt wie Denis, sie leiden unter den Konflikten der Eltern, sie haben eine Legasthenie, sind hyperaktiv, schüchtern oder depressiv. Wenn aber jedes Kind zählt, dann braucht auch jedes, besonders die Schwächeren, gebührende Aufmerksamkeit. Die kostet Geld, aber sie kommt nicht durch mehr Geld allein. Hamburg und Bremen beispielsweise, die Schlusslichter der aktuellen Studie, liegen bei den Bildungsausgaben im oberen Bereich. Auch die Klassengröße ist nicht der Generalschlüssel zur guten Schule, ebenso wenig die Systemform, ob dreigliedrig oder zweigliedrig. Wer den Grund finden will, muss in die besten deutschen Schulen gehen und wird immer wieder auf dasselbe Phänomen stoßen: Auf die Haltung der Lehrer. Sie heißt: Wertschätzung und Ermutigung. Diese uralte pädagogische Tugend ist es, die Kindern Flügel wachsen lässt und die jeder kennt, der selbst gute Lehrer hatte, die einen spüren ließen: "Ich weiß, was in Dir steckt. Und ich helfe Dir, es zutage zu fördern - egal, aus welcher Familie du kommst." Das ist kein Geschenk. Es ist ein Recht, verbrieft in den Schulgesetzen der Länder. Besonders schön ausformuliert hat es Berlin, das auf den hinteren Plätzen der aktuellen Studie gelandet ist: "Jeder junge Mensch hat ein Recht auf zukunftsfähige schulische Bildung und Erziehung, ungeachtet seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Herkunft ... und der wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Stellung seiner Erziehungsberechtigten."

* Name geändert.

Ein Kommentar von Ingrid Eißele
KOMMENTARE (10 von 33)
 
Dr.IvoKuchenbecker (19.11.2008, 09:01 Uhr)
@sportmakler
Der Vergleich mit verlorenen Kriegen war nicht gemeint, dass ein Volk deshalb dumm ist, weil seine Soldaten
schwach wären und im Feld militärisch besiegt wurden. Die Soldaten sind nur das letzte und schwächste Glied in einem Krieg.
Intelligenz zeigt sich auch dann in der Erkenntnis, dass man nur dann Kriege beginnt, die man auch gewinnen
kann. Dumme Völker und deren Führer beginnen Kriege, die sie verlieren werden. Gewissermaßen hat das auch was mit Schach-Strategie zu tun (richtige Bündnispartner, Strategie etc.). Dumme Völker leisten sich eben dumme Führer.
Und in dieser Hinsicht waren die Sachen schon immer dumm, wie das Geschichtsbuch zeigt. Sachsen hat fast immer die Kriege verloren. Wie man also die Sachsen heute als besonders helle hinstellen kann, ist mir deshalb schleierhaft.
Allerdings würde dieses Kriterium europaweit im letzten Jahrhundert auch auf ganz Deutschland gelten.
Wer zwei Weltkriege beginnt und sie verliert, der ist besonders dumm.
Ein Beispiel: Italien hat im 2. WK wohlweislich die Fronten gewechselt und stand zum Schluss als Gewinner da. Deutschland hatte die A...karte gezogen.
Wissen, Intelligenz und Raffinesse sind verschiedene Paar Schuhe. Was also PISA testet, muss man erstmal definieren.
Margrit1 (18.11.2008, 19:04 Uhr)
Die KMK ist hinderlich und ein Lachverein
Es sind viel zu viele unfähige Leute die über unsere Kinder in den Schulen bestimmen wollen. Angefangen von jeder Menge unfähiger Lehrer bis hin zu tatenlosen Schulleitern.
Alle Kinder müssen ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden, kein Kind wird dumm geboren.
Früher war es mal eine ganz normale Sache, dass, wer die Mittelschule (so hieß die Realschule früher) hatte, machte eine Lehre im mittleren Berufsbereich (Bank, Kaufmann, Versicherung etc.) und hatte ein gutes humanistischen Grundwissen und auch eine wirkliche gute Allgemeinildung, was heute nicht mehr der Fall ist. Aber genau dahin müssen wir zurück. Es ist ja geradezu aberwitzig, dass man heute das Abi braucht um Bürogehilfin zu werden.
Auch müssen Lehrer während ihrr Ausbildung viel mehr Pädagogik lernen um Kinder besser einschätzen zu können. Denn es gibt auch das Problem andersrum. Die etwas mehr begabten. Ich will gar nicht von Hochbegabung reden, aber es gibt Kinder denen fällt alles einfach so zu und die tun sich genau so schwer, denn da sie sich oftmals im Unterricht langweilen, da sie völlig unterfordert sind, werden sie sie zu Störenfrieden. Hätte ein guter Lehrer das Problem bei uns schon in der Grundschule erkannt und evtl. mal angeregt eine Klasse zu überspringen, wäre mir und meinem Sohn viel Kummer erspart geblieben. Erst im Gymnasium in der 9. Klasse als mir der Kragen platze und ich einen Schulwechsel vornahm, änderte sich das. Eine Schule mit hervorragenden Lehrern die nach ein paar Wochen wußten was los war und meinen Sohn dann dementsprechend behandelten und forderten. Er fand wieder Spaß an Schule und ging im wahrsten Sinne des Wortes mit einam Achselzucken ins Abi nach dem Motto "was kostet die Welt" das gleiche machte er im Studiumn und legte nach vier Jahren ein Prädikatsexamen hin.
Dies sage ich jetzt nicht zur Beweihräucherung sondern ganz einfach zum Aufzeigen, dass wir endlich wieder gute und bestausgebildete Lehrer brauchen. Denn beide Sorten von Kindern leiden.
Es müssen auch wieder mehr männliche Lehrer an die Schulen, die Weiberwirtschaft ist auch nicht immer gut. Gerade lassen mir viel Jungen und dann noch im schlimmen Alter von 14 bis 15 brauchen männliche Lehrer, sie haben einfach mehr Respekt vor ihnen
Was aber unabdingbar für gutes Gelingen ist, sind wieder mehr Disziplin und Anstand und hier muß man auch endlich einmal die Eltern in die Pflicht nehmen.
SethusCalvisius (18.11.2008, 18:30 Uhr)
So viel
anders war Schule vor 30 Jahren auch nicht. Auch bei uns gab es Kinder wie "Denis". Bei uns waren sie nicht dick, sondern rothaarig und sommersprossig, hatten Blähungen oder waren schüchtern... Natürlich konnte man zu seinem Lehrer gehen, der sagte dann: "Ihr seid alt genug, das unter euch zu regeln." Oder er sagte den Mobbern grinsend: "Lasst doch den Quatsch" Das war's dann. Soweit zu den guten, alten Zeiten.
Was anders ist als früher, ist natürlich das Verhalten der Schüler, die sich deutlich respektloser zeigen als früher. Auch ist der Druck auf die Lehrer gewachsen. Denn früher machten Eltern ihre Kinder für schlechte Noten verantwortlich, heute sind die Lehrer schuld. Ein weiteres Problem ist, dass heute nur noch das Abitur zählt. "Hauptschulabschluss" ist zum Schimpfwort geworden. D.h., dass ein Hauptschüler gar kein Erfolgserlebnis mehr haben kann, da er ja schon durch die Schulwahl zum Versager gestempelt ist.
Politix (18.11.2008, 17:49 Uhr)
@auwei
ich bin da ganz bei ihnen, auwei! Vor allen Dingen bei der positiven Motivation.
Verstehen Sie mich bitte richtig: "Namen tanzen" verwende ich nur als Synonym für einen Erziehungsstil, der Jungs ab einem gewissen Alter die falsche Reflektionsfläche bietet, nämlich weibliche Lehrerinnen, die vom "Mann-werden" nicht viel wissen, schon gar, wenn sie in ihrer eigenen Schulzeit entsprechende Erfahrungen mit pubertierenden Jungs gemacht haben und auf Grund dieser Erfahrungen diese Verhaltensweisen sofort und mit unverhältnismäßigen Schritten unterbinden.
Wenn ich vom Mann-werden spreche, dann meine ich nicht das Ergebniss eines miserablen Selbstbewußtseins von jungen Männern, wie es uns heute buchstäblich entgegenschlägt. Sondern ich meine, dass in unserem männlichen Gehirn (im Limbischen System)andere Programme zum Überleben abgespeichert sind als bei Mädchen/Frauen.
Wenn nun aber ein Junge nicht entsprechend seinem Programm behandelt wird, sondern ihm ständig gesagt wird, dass „selles und jenes“ an seinem Verhalten nicht ok ist, weil von der Lehrerin kein Raum dafür geschaffen wurde, dann fängt dieser Knabe an zu glauben dass seine Gefühle und wie diese zu Tage treten, nicht gebilligt werden und ER damit nicht gebilligt und gewünscht ist. Das Resultat nicht-erwünschter Kinder kennen wir bereits in Jungs, die sich von nichts und niemandem etwas sagen lassen und in marrodierenden Gruppen durch die Straßen ziehen und grundlos um sich prügeln, weil sie nie gezeigt bekommen haben, wo bei einer körperlichen Auseinandersetzung die Grenzen liegen.
Ich finde man muss Jungen in ihren genderspeziefischen Verhaltensweisen positiv motivieren UND maßregeln durch klare Ansagen und Regeln. Genauso wie auch Mädchen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Wertschätzung der eigenen Persönlichkeit und dazu gehört von der ersten Sekunde unseres Lebens unser Geschlecht dazu, es schaffen kann, die richtige Umgebung und das richtige Selbstbewusstsein zu schaffen, dass es entsprechende Resultate in der Schule und dann im späteren (Berufs)-Leben gibt.
Es ist ja auch gut, dass in diesem lymbischen System unterschiedliche Programme abgespeichert sind: Schließlich sind diese Programme perfekt aufeinander abgestimmt und bei genauer Betrachtung ergeben beide Programme zusammen eine perfekte Symbiose zum Überleben. Mann und Frau eben… .
auwei (18.11.2008, 17:08 Uhr)
@politix
Ihren ersten Kommentar (mit den Zitaten) habe ich leider nicht verstanden. Ihren zweiten schon - aber die Genderfrage ist doch nur ein Nebenkrigsschauplatz. Namen tanzen - wenn es weiter nichts ist, das unser Bildungssystem beschwert... Viel schädlicher ist das Mobbing - das ist nicht männlich, sondern bescheuert und hindert am Lernen (war vor 30 Jahren übrigens nicht anders). Aber darum geht es im Kern doch gar nicht. Es geht darum, dass Kinder positiv motiviert werden müssen. Und es geht darum, dass wir uns Verlierer nicht leisten können - wir brauchen jeden Einzelnen. Das schmeckt Konservativen nicht, schon klar - aber danach fragt keiner!
Unschuld (18.11.2008, 16:57 Uhr)
Weg mit der KMK und den Schulleitern
ich bin leid ! 3 Jahre als ex. Wissenschaftler und Unternehmer in der deutschen (Auslands)schulbildung an drei verschiedenen Schulen ... es sind überwiegend nicht die Lehrer !!! Es sind die hierachischen deutschen Strukturen und unfähige Schulleitungen !!! Fortschritt unter Anwendung von methodischer Unterdrückung im System gibt es nicht !!! An drei Schulen sagen eh. DDR Lehrer, die wirklich gute pädagogische Ansätze haben, ... das ist hier schlimmer als in der DDR !!! Das muss in der Tat zu Denken geben ... wirklich kreative Lehrer passen nicht ins System und müssen schnell um die Vertragsverlängerung fürchten. Schulleiter fühlen sich meist schon als zuk. Bildungsminister und verkehren gerne im Lions- oder Rotary Club ... und warten auf den Image fördernden Besuch des Aussenministers ! SO WIRD DAS NIE WAS !!!
Politix (18.11.2008, 16:51 Uhr)
@auwei
wir können uns keine "Durchfaller" leisten??? Aber noch weniger können wir uns ein Bildungssystem leisten, welches die Anforderungen absenkt, damit die lieben Kleinen keine Depression bekommen, wenn sie schlecht sind. Dann sind wir nämlich ganz schnell wieder da, wo wir vor fünf Jahren waren: auf den hinteren Rängen der Pisa-Studie.
Dagegen hilft nur eine Lern-Umgebung, wo lernen auch Spaß macht. Und das ist bestimmt keine in der morgens zur Begrüßung die Namen getanzt werden. Da wird Jungs echt ganz anders, die haben darauf so ziemlich garkeine Lust. Für Mädchen mag das toll sein, für Jungs ist das die Hölle. Da beginnt der Tag mit einer gehörigen Portion Scham und das ist wahrlich die schlechteste Vorraussetzung für gutes Lernen!
knilch_59 (18.11.2008, 16:47 Uhr)
Hauptsache anders
Wir brauchen neue Lehrer und neue Eltern und am Besten auch gleich neue Schüler. Das, was wir momentan haben, treten wir in die Tonne!
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Schule heute ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft – von Morgen. Dort treten die Probleme zuerst auf, und wir müssen endlich aufhören den Anspruch aufzugeben, dass die Lehrer das schon hinkriegen, unsere Kinder zu dem werden zu lassen, was wir gerne geworden wären – nur anders, von wegen der modernen Zeiten. Irgendwo muss es einmal aufhören, alles „den Lehrern“ aufzuhalsen, was wir als Gesellschaft nicht hinkriegen.
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Wenn wir Toleranz fordern und unsere eigene Toleranz gegenüber anderen Kulturen darin besteht, sie so weit wie möglich zu ignorieren, dann bekommen wir Kinder, für die Ignoranz und Toleranz dasselbe ist. Und da hilft auch kein Lehrer.
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Zuerst müssen wir für uns einige Fragen beantworten:
1.) Für wie viel – außer der Stoffvermittlung – sollen Lehrer zuständig sein?
2.) Davon abhängig: was muss der private Bereich, das Elternhaus, zur Bildung beisteuern?
3.) wiederum davon abhängig: Wie gehen wir damit um, wenn Eltern Punkt 2 nicht leisten?
3.1) Kind „bestrafen“ mit schlechten Noten, Klassenwiederholung, niedrigerer Schulabschluss?
3.2) Eltern bestrafen – wie?
3.3) Wer könnte das reparieren, mit welchem Zeit- und damit Kostenbudget
4.) Sind die Lehrpläne und Schulalltage noch zeitgemäß und wer vermittelt deren Unabdingbarkeit an Kind und Elternhaus?
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Wenn diese Fragen – im breiten gesellschaftlichen Konsens – beantwortet sind, dann können wir auch damit anfangen, die Rolle der Lehrer neu zu definieren. Das sind Beamte – Staatsdiener – die aber momentan völlig orientierungslos rumwerkeln, irgendwo zwischen Sozialarbeit und Stoffplan, Animateur und Dompteur. Für alles zuständig, für nichts verantwortlich. Von allen Seiten angefeindet und nur wenig anerkannt.
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Und dann kommen wir zwangsläufig zur alles entscheidenden Frage: Ist die Schule als Lernort in der heutigen Aufstellung des Schulsystems geeignet, diese Aufgaben zu erfüllen?
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Die Antwort ist klar. Weil jede Änderung Geld kostet, ist doch alles prima. Wir machen weiter wie beisher. Die nächste PISA-Studie, der nächste Aufreger, aber auch dieses Gewitter zieht vorbei. Unsere Lernfähigkeit, als Bürger, Steuerzahler und Demokraten, ist nämlich gleich Null.
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Wir werden es nicht verhindern können, dass die Eine oder der Andere trotzdem noch einen ordentlichen Abschluss hinlegt. Diese Leute nehmen sich selbst als Positivbeispiel dafür, dass das System funktioniert und eben nicht von der Pike auf reformiert werden muss. Das Gute ist, dass das Scheitern in der Regel auch dazu führt, dass man auf solche Looser nicht hören muss.
MMSterling (18.11.2008, 16:43 Uhr)
Kinder wie den "schwergewichtigen Denis"
gab es vor 30 Jahren auch schon. Damals reichte es, wenn Denis sich an den Lehrer wandte. Der hat sich dann erst die hänselnden Schüler, ggf. im 2. Anlauf ihre Eltern vorgenommen. Das hat - zumindest auf meiner Schule - gereicht.
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Wenn heute 12-14 Jährige nachts auf der Strasse aufgegriffen werden, teils im Vollrausch, oder vormittags von der Polizei aus den Spieleabteilungen der Kaufhäuser eingesammelt werden, wenn Eltern (oder zunehmend Alleinerziehende) achselzuckend dastehen und sich mit der Erziehung der Kinder hoffnungslos überfordert fühlen, wenn beim Elternabend eh nur die Eltern erscheinen, deren Kinder allenfalls schulische Probleme haben, hat das nichts mit priveligiert sein oder der Qualität der Lehrer zu tun. Ja, das ist nicht der Regelfall, aber die Kinder in Deutschland sind ja nicht um Längen schlechter als andere. Wir haben offenbar nur eine größere Gruppe als andere Länder, die den Durchschnitt nach unten ziehen.
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Natürlich gibt es auch einzelne unmotivierte Lehrer. Aber ganz ehrlich, wenn ich die Wahl zwischen Hauptschullehrer in Kreuzberg oder Arbeitslosigkeit hätte, würde ich mich schon mal näher mit Hartz IV befassen.
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Der Staat kann nur Geld, Schulen und Lehrer zur verfügung stellen. Für die Teilnahme am Unterricht müssen schon noch die Eltern sorgen.
Politix (18.11.2008, 16:40 Uhr)
@auwei
- bitte genau lesen, dann nachdenken und dann reden bzw. Kommentare schreiben! Anscheinend haben Sie etwas nicht verstanden!
Wer glaubt, dass die richtige Ansprache für Kinder die ist, die nicht geschlechterspeziefisch fördert und fordert, ist auf dem falschen Dampfer!
.....Wer den Grund finden will, muss in die besten deutschen Schulen gehen und wird immer wieder auf dasselbe Phänomen stoßen: Auf die Haltung der Lehrer. Sie heißt: Wertschätzung und Ermutigung. Diese uralte pädagogische Tugend ist es, die Kindern Flügel wachsen lässt und die jeder kennt, der selbst gute Lehrer hatte, die einen spüren ließen: "Ich weiß, was in Dir steckt. Und ich helfe Dir, es zutage zu fördern - egal, aus welcher Familie du kommst." Das ist kein Geschenk. Es ist ein Recht, verbrieft in den Schulgesetzen der Länder. Besonders schön ausformuliert hat es Berlin, das auf den hinteren Plätzen der aktuellen Studie gelandet ist: "Jeder junge Mensch hat ein Recht auf zukunftsfähige schulische Bildung und Erziehung, ungeachtet seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Herkunft ... und der wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Stellung seiner Erziehungsberechtigten."
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