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18. November 2008, 10:29 Uhr

Forscher plädieren für Leseförderung

Die Leistungen der Schüler gegenüber dem ersten Pisa-Test vor sechs Jahren haben sich insgesamt verbessert. Doch es gibt im Bildungssektor noch viel zu tun: Eine systematische Leseförderung auch für ältere Schüler fordert der deutsche Pisa-Koordinator Manfred Prenzel. Der Glaube, dass man Lesen nur in der Grundschule lerne, sei falsch. Beim jüngsten Test hatte Sachsen triumphiert.

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Die neue Studie zeigt, die Schüler der ostdeutschen Länder drängen nach vorn© Armin Weigel/DPA

Der Wissenschaftler Manfred Prenzel hat die Leistungsunterschiede der Schüler zwischen den 16 Bundesländern als nach wie vor zu groß bezeichnet. Er fordert eine systematische Leseförderung auch für ältere Schüler. Der Glaube, dass man Lesen nur in der Grundschule lerne, sei völlig falsch, sagte Prenzel bei der Vorstellung des neuen Pisa-Bundesländervergleichs am Dienstag in Berlin.

Die Pisa-Disziplin Lesen- und Textverständnis gilt als die wichtigste Basiskompetenz für das weitere Lernen. Prenzel sagte, insgesamt hätten sich aber die Leistungen der Schüler gegenüber dem ersten Pisa-Test vor sechs Jahren verbessert.

Beim jüngsten Pisa-Test hatte Sachsen triumphiert. Das Land erreichte in allen drei Disziplinen den ersten Platz und verwies den bisherigen Sieger Bayern auf den zweiten Rang. Der Bundesländervergleich zeigt, dass die ostdeutschen Länder stark nach vorn drängen.

Der Deutsche Lehrerverband hält das gute Abschneiden ostdeutscher Länder beim Pisa-Test für nicht überraschend. Die fünf neuen Länder hätten im Vergleich mit Westdeutschland kleinere Klassen zu bieten, sagte Verbandspräsident Josef Kraus am Dienstag im Südwestrundfunk (SWR). Auch gebe es im Osten weniger sogenannte Risikoschüler, da dort weniger Migranten lebten. Diese Gruppe mit auffallend schlechten schulischen Leistungen sei erfahrungsgemäß unter Migrantenkindern besonders häufig. Ostdeutschland habe bei diesem Pisa-Test zudem von einer jahrzehntelangen Tradition profitiert. Die Naturwissenschaft, auf die in dieser Studie der Schwerpunkt lag, werde in den neuen Ländern heute immer noch so stark gefördert wie zu Zeiten der DDR.

Auch der Deutsche Philologenverband hat die Ergebnisse des PISA-Bundesländervergleichs als insgesamt erfreulich und positiv bewertet. "Fast alle Bundesländer haben sich zum Teil sogar signifikant verbessert", erklärte der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger am Dienstag. Er nannte ähnliche Gründe wie der Vertreter des Deutschen Lehrerverbandes.

Die Stagnation und leichten Rückschritte einzelner Bundesländer in Teilbereichen führte Meidinger auch darauf zurück, dass gerade im Süden und Westen der Bundesrepublik der Lehrermangel und der Unterrichtsausfall im Testzeitraum "dramatische Ausmaße" angenommen hätten. Auch habe sich "manche hektisch durchgepeitschte Reform" nicht immer als leistungsfördernd ausgewirkt.

Sachsen und Bayern liegen in allen drei untersuchten Disziplinen - Naturwissenschaften, Mathematik sowie Lese- und Textverständnis - vorn. Das Schlusslicht bildet in allen drei Bereichen das Land Bremen. An der zusätzlichen deutschen Bundesländeruntersuchung zum internationalen Pisa-Test 2006 nahmen 57.000 Schüler an 1500 Schulen teil.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Gisella (18.11.2008, 21:20 Uhr)
Franzoesin
-leider nichts mehr dran zu ändern-habe vor 30 Jahren mit Elan und Freude einen kleinen 6 jährigen "übernommen"-und alles , aber auch alles versucht. Heute ist er fast 37 Jahre alt, und ich habe abgegeben- und er ist stolz auf diese kleine Tochter, die so erwachsen redet. Zumindest hat sie in einem speziellen Kurs gelernt, ihren Namen zu trommeln. Mehr brauche ich wohl nicht zu sagen.Und da ich ja auch nicht die leibliche Mutter, Grossmutter bin- habe ich keinerlei Einfluss auf dieses Familienproblem.Aber, ich kann erkennen, was aus diesen Kindern wird.
Franzoesin (18.11.2008, 15:33 Uhr)
Gisella
Es freut mich, dass Sie mir zustimmen - aber, so leid es mir tut, dass ich es sagen muss: "Ihre" Kinder sind nicht anders "gestrickt"- sie sind nicht erzogen unfd unkultiviert ( so wie Sie sie darstellen)!
Und leider muss ich sagen, entschuldigen Sie bitte, aber wenn Sie sagen :"wir sind sprachlos" - ist dieses missratene 5-Jährige die Frucht "Ihrer" Nicht-Erziehung.Sie sollten so schnell wie möglich Verpasstes nachholen und endlich mit der Erziehung anfangen - bei IHREN KINDERN - ehe es für Ihr Enkelkind zu spät ist.
knilch_59 (18.11.2008, 15:32 Uhr)
Kommt mal auf den Teppich!
Wir reden hier nicht darüber, ob die Lehrpläne und die Lerninhalte okay sind. Das Problem ist, dass zu viele Kinder dabei nicht mehr mitkommen. Es sind komischerweise die gleichen Kinder, denen gleichzeitig mangelnde Lesekompetenz nachgesagt wird, die aber gleichzeitig 150 Pokemons kennen und in WOW Level 68 spielen. Die sind also nicht doof, sondern lernen nur das Falsche, weil keiner da ist, um ihnen zu sagen, was richtig ist und wie es geht. PISA misst zwar die Kinder, aber letztlich geht es um die Lehrleistung des Umfeldes, bestehend aus Schule UND Familie. Unser Schulsystem setzt ein einigermaßen funktionierendes Elternhaus voraus, um Defizite aufzuarbeiten, aber zu viele Kinder haben dieses Elternhaus einfach nicht.
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Lehrer haben die Aufgabe, Leistungen festzustellen und zu bewerten. Sie entscheiden damit über Versetzung oder Wiederholung, Schulwahl und Karriere. Im beschränkten Umfang können sie sicherlich auch Einzelfälle bearbeiten, aber Lehrer sind zuerst für die Klasse da!
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Klar muss die Lesekompetenz gestärkt werden. Und die Medienkompetenz, Präsentationstechniken, Teamarbeit, Naturwissenschaften, Fremdsprachen, Sozialkompetenz, Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen, Manieren, kultureller Austausch und religiöse Werte, Toleranz. Und mit Rückschlägen umgehen. Darf es sonst noch was sein? Das alles auf Basis der gleichen Stundentafeln wie 1960 – es gibt nicht mehr Unterricht und es gibt noch die gleichen Schulformen.
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Aber wie hat sich die Gesellschaft seitdem verändert? Berufsmobile Elternhäuser erzwingen Schulwechsel, auch über die Landesgrenzen hinaus. In die Schulen drängen vermehrt Schüler, deren Muttersprache nicht deutsch ist. Die Großeltern als Unterstützer innerhalb der Familie spielen kaum noch eine Rolle. Die Eltern konkurrieren beruflich mit Nicht-Erziehenden und deren Möglichkeiten zu Flexibilität. Vielfach besteht „das Elternhaus“ nur aus einer Person. Früher wurden Kinder „in der Sippe“ groß, eingebettet in Familie mit Eltern und Geschwistern, Onkeln, Tanten, Großeltern und in einem heimatlichem Umfeld, in dem „man sich kennt“. Da gab es vielfältige Rückmeldungen und Hilfen, und das alles auch in einem in etwa vergleichbaren Umfeld. Und heute? Unsere Gesellschaft ist kinderfeindlich geworden. Ganz viele wissen das und bekommen einfach keine Kinder mehr. Da wächst die demografische Bombe immer weiter heran.
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Die Antwort kann nur sein, dass wir Schule neu erfinden: Orientiert an den neuen gesellschaftlichen Erfordernissen, in der immer weniger Familien tatsächlich ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag erfüllen können. Wer das nicht schafft, macht das nicht mit Absicht, sondern braucht Hilfe! Nicht vom Sozialamt auf dem Antragsweg, sondern spätestens mit dem Schulbeginn: professionell, begleitend, diskriminierungsfrei. Leseförderung funktioniert in Haushalten, in denen gelesen wird. Beim Rest sollen die Kids Pech gehabt haben? Oder wollen wir den Eltern-TÜV, wonach nur demjenigen, der sich in einer bestimmten Art und Weise gesellschaftskonform verhält, die Erlaubnis zur Reproduktion erteilen?
Gisella (18.11.2008, 14:14 Uhr)
Alles,
was Franzoesin beschrieb ist super.Leider ist die Umsetzung in Deutschland nicht möglich-weil die Eltern, nämlich unsere Kinder anders "gestrickt" sind.Kinder sind nicht unsere Freunde, sondern Kinder,die absolut erzogen werden sollten. Eine 5 jährige ,die sagt-dass alle Männer Schweine sind-das ist doch Erziehung, oder??? Und beide Elternteile freuen sich über ihre "intelligente" Tochter-und wir sind sprachlos.
kralli19 (18.11.2008, 13:53 Uhr)
Tragisch...
Wenn ich mir das neue Lernsystem an den Grundschulen anschaue, denke ich eher, das die Meßlatte enorm nach unten geschraubt wurde und deswegen so "gute" PISA-Ergebnisse erzielt wurden.
Da wird gerade die nächste PISA-Generation herangezogen mit "Schreib-wie-du-es-hörst" und "mach-dir-deinen-Wochenplan-selber".
Dann doch lieber Fu ruft Uta und ein Lehrer, der vorne steht und ansagt, was gemacht wird.
johnniedeamonic (18.11.2008, 13:33 Uhr)
wozu Leseförderungen...
..wenn man doch die NAmen von allen 150 Pokemon kennt......
*arghs*
Kroko (18.11.2008, 12:59 Uhr)
Bis zur antiautoritären
Erziehung--alleine der Begriff tut schon weh--war das in Deutschland ähnlich.Bislang hat man in Frankreich besser erzogen. Jetzt fangen die Franzosen leider an , die Deutschen zu imitieren. Das Eziehungssystem und seine Grundsätze werden dort auch aufgeweicht.
Liebe Französin: Die von Ihnen beschriebenen Zustände waren vor 10-15 Jahren aktuell. Bis auf einige Eliteschulen hat sich das deutlich gewandelt----leider.
Trotz Ecole maternelle (Da sollten wir mal was von übernehmen):
Als Vorbild taugt Frankreich in zunehmendem Maße immer weniger.
Gruß Kroko
SirDidimus (18.11.2008, 12:48 Uhr)
Franzoesin
und jetzt? sollen wir hier das französische system einführen? andere sagen, dass finnische wäre auch gut. das ist ihre meinung, dass die franzosen das richtig machen. ist o. k. aber eine lösung ist das nicht. vor allem ist das wieder mal so ein luxusproblem. deutschland steht lt. pisa-studie momentan auf platz 8. ist das wirklich so schlimm. sind die anderen wirklich so gut. allein schon der vergleich nrw - sachsen ist wie ein vergleich von äpfeln und birnen. hier in nrw gibt es ein dreigliedrieges in sachsen ein zweigliedriges schulsystem. was soll überhaupt diese vergleicherei? wer ist besser??? das ist wie der grand prix der schlagermusik. man kann doch nicht die kinder nebeneinander legen und sagen der ist besser, oder der ist besser. man lernt unterschiedlich. ich bin sehr dafür, dass für die bildung der kinder nichts zu teuer sein darf, auch sollten die klassen klein sein aber wenn wir anfangen alle einheitliche systeme einzuführen, in dem stur nach lehrplan gelernt wird, wird überall ein einheitswissen vorliegen. gucken sie sich mal die fußgängerzonen in deutschland an. ist ein ähliches problem. in jeder city gibt es einen kaufhof, einen karstadt, einen fielmann, einen saturn. vielfalt ist durch nichts zu ersetzten. das wird bei der vergleicherei allzugerne vergessen.
Ampelmann (18.11.2008, 12:44 Uhr)
@Franzoesin
Stimme ich zu. In Deutschland ist halt die antiautoritäre Erziehung ganz wichtig geht vor allem anderen
herdubreid (18.11.2008, 12:42 Uhr)
@franzoesin
Bei diesem Beitrag kann man jedes Wort unterschreiben, genauso ist es.
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