Die deutschen Autofahrer müssen sich oft in Geduld üben, manche Autobahnen sind chronisch überlastet. Wo es ganz besonders schlimm ist, zeigt ein neuer Stau-Atlas. Während manche Bundesländer freie Fahrt bieten, droht in einem Bundesland der Verkehrs-Kollaps.
Rund 1000 Kilometer Autobahnen in Deutschland sind aus Sicht der Wirtschaft völlig überlastet. Bei weiterer Zunahme des Verkehrs drohe der Infarkt, warnte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in Berlin. Die Mittel für den Straßenbau aus den Konjunkturpaketen sollten deshalb nicht wie geplant für Umgehungsstraßen, sondern für die Beseitigung der Autobahn-Engpässe verwendet werden. "Der DIHK-Stau-Atlas zeigt die Prioritäten auf, wo zügig ausgebaut werden muss, damit der Verkehr auch künftig noch rollt", mahnte DIHK-Chef Ludwig Georg Braun.
Konkret weist der Stau-Atlas 976 Autobahnkilometer aus, auf denen der Verkehr mehr stockt als rollt - acht Prozent des Gesamtnetzes von 12.531 Kilometern. Auf 215 Kilometern des Autobahnnetzes bestehe schon jetzt die Gefahr eines Verkehrsinfarktes.
Neuralgische Punkte sind dem Stau-Atlas zufolge vor allem die großen Ballungszentren. In Baden-Württemberg sind es zum Beispiel die A5 bei Karlsruhe und Heidelberg sowie die A8 um Stuttgart, in Bayern die Autobahnen rund um München und um Nürnberg, in Berlin die Stadtautobahn. Eng wird es darüber hinaus rund um Bremen und Hamburg sowie im Rhein-Main-Gebiet und vor allem im Ruhrgebiet. Dort weist der Stau-Atlas in dem ohnehin dicht geäderten Autobahnnetz zahlreiche rote Stellen aus, die bedeuten: "gravierende Überlastung" und über 40 Prozent höhere Verkehrsdichte als der Durchschnitt.
Doch werde der Verkehr weiter zunehmen. Bis 2025 werde mit einem Wachstum des Personenverkehrs um 19 Prozent und des Güterverkehrs um 70 Prozent gerechnet. Staus verursachten der Wirtschaft erhebliche Kosten, weil Zeit verloren gehe oder zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt werden müssten. Produktionsprozesse, die eine pünktliche Anlieferung erfordern, würden erschwert, warnte der DIHK. Das erwartete Verkehrswachstum sei mit dem vorhandenen Autobahn-Netz nicht zu bewältigen, warnte der Wirtschaftsverband, der den Stau-Atlas an Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee übergab.
Für die Verkehrsinfrastruktur sind nach Angaben des Verkehrsministeriums im laufenden Jahr allein 11,2 Milliarden Euro eingeplant, so viel wie nie zuvor. 5,75 Milliarden Euro sollen in Bundesfernstraßen fließen. Verkehrsminister Tiefensee stellte im Dezember in dem Zusammenhang 44 neue Straßenbauprojekte vor. Der DIHK erklärte jedoch, man fürchte, dass die geplanten Investitionen des Konjunkturprogramms in die falsche Richtung gingen.
stern.de zeigt Ihnen in der linken Spalte, in welchen Bundesländern welche Autobahnabschnitte besonders belastet und damit stauanfällig sind.
AP/web
