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3. Mai 2010, 10:34 Uhr

Schreiber soll neuneinhalb Jahre in Haft

Die Staatsanwaltschaft hat für den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber eine Gefängnisstrafe von neuneinhalb Jahren gefordert. Es sei zweifelsfrei erwiesen, dass der Angeklagte insgesamt 7,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen habe. Die Verteidigung plädiert dagegen auf Freispruch.

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Karlheinz Schreiber berät sich im April mit seinem Anwalt Jens Bosbach© Stefan Puchner/DPA

Im Prozess gegen den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber hat die Staatsanwaltschaft am Montag eine Haftstrafe von neuneinhalb Jahren für den Angeklagten gefordert. Schreiber habe sich in sechs besonders schweren Fällen der Steuerhinterziehung schuldig gemacht, sagten die Vertreter der Anklage in ihren Plädoyers vor dem Landgericht Augsburg. Die Strafmaßforderung fiel überraschend hoch aus, nachdem im Verlauf des Prozesses eine Reihe von Vorwürfen fallen gelassen oder gemildert werden mussten. Die Verteidigung forderte dagegen Freispruch. Sie sieht keinen Vorsatz bei Schreiber. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hinterzog Schreiber von 1988 bis 1993 insgesamt 14,67 Millionen Mark (7,5 Millionen Euro) an Steuern und bestach den früheren Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls (CSU) mit 3,8 Millionen Mark (1,95 Millionen Euro). Die nicht versteuerten Einnahmen sowie das Schmiergeld hatte er demnach bei Rüstungsgeschäften als Provisionen kassiert. Insgesamt soll Schreiber 64,75 Millionen Mark (33,1 Millionen Euro) erhalten haben, ohne sie in seiner Steuererklärung anzugeben. Das Geld verwaltete er über Scheinfirmen auf Tarnkonten. Laut Verteidigung ist er für dieses System aber nicht der "wirtschaftlich Berechtigte" gewesen. Zudem seien - wenn überhaupt - umgerechnet nur 1,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen worden.

Schreiber zeige keinerlei Schuldeingeständnis

Schreiber war ursprünglich wegen Steuerhinterziehung in Höhe von umgerechnet 12,3 Millionen Euro angeklagt worden. Das Gericht hatte im Verfahren aber zugunsten Schreibers die Finanztransaktionen auf dessen System aus Tarnkonten neu berechnen lassen, wodurch sich der hinterzogene Betrag um fast fünf Millionen Euro verringerte.

Dass die Anklage für den 76-Jährigen dennoch solch eine lange Haftstrafe forderte, begründete Staatsanwalt Marcus Paintinger damit, dass dieser "Maßlosigkeit und persönliche Raffgier" an den Tag gelegt habe. Außerdem habe dieser bis heute keinerlei Schuldeingeständnis gezeigt und noch nicht mal seine Steuerschuld beglichen. "Zu seinen Gunsten spricht nur, dass er nicht vorbestraft ist und 76 Jahre alt ist", sagte Paintinger.

Den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue ließ die Anklage fallen, zuvor war bereits im Prozessverlauf der Vorwurf der Beihilfe zum Betrug weggefallen. Den ursprünglich erhobenen Vorwurf der Bestechung wandelte die Anklage in die milder geahndete Vorteilsgewährung um.

AFP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
detlefd (05.05.2010, 01:51 Uhr)
Steuerhinterziehung
Hier wird es einen Kompromiss geben, Schreiber schweigt und kommt nach eine Schamfrist aus dem Knast. Wenn Schreiber auspackt : Heißt dann noch unser Finanzminister Wolfgang Schäuble ???
Richtig übel an der Sache ist, das mit den Waffen die das System Schreiber/Schäuble gehandelt haben jetzt Deutsche soldaten am Hindukusch erschossen werden.
Prologo (03.05.2010, 19:02 Uhr)
Es sah doch lange so aus, dass eigentlich keine Seite großes Interesse hatte,.....

.....an einer umfassenden Aufklärung in der Sache Schreiber. Schreibers vollmundige Drohungen sind offensichtlich verpufft.

Allerdings ist noch ein kleines Restrisiko für alle damals Beteiligten vorhanden, so sieht es aus? Denn wenn Schreibers offensichtlicher Plan nicht aufgeht, nämlich dass er in der Sache als freier Mann davon kommt, wenn er nichts weis, und er kann sich mit seinen gebunkerten Millionen keinen süßen Lebensabend in Südamerika erfüllen, ......

......dann kann es noch sehr gefährlich für alle Beteiligten von damals werden.
Denn wenn er seinen Lebensabend im Knast verbringen muss, dann ist gar nichts mehr sicher.

Deshalb sollte man Schreiber unter 24 Stunden Haftaufsicht stellen. Nur damit er sich selbst nicht verletzen kann.

MfG,
T.
Corazito3333 (03.05.2010, 16:12 Uhr)
7,3 Millionen hinterzogen....
der Zumwinckel wurde nicht eingesperrt
- Verfahrensfehler -
vielleicht wird man an Hr.Schreiber ein Exempel statuieren????? 76 Jahre alt...naja, ist wahrscheinlich gar nicht haftfähig???
Preston (03.05.2010, 15:42 Uhr)
Für 9 Jahre kann ein knapp 21jähriger jemanden umbringen
- und kommt nach 6 Jahren (also als 27jähriger) wieder raus.
Für einen 76jährigen Steuerhinterzieher sind neun Jahre praktisch die Todesstrafe.
(Und das hat die Staatsanwaltschaft wohl auch beabsichtigt.) Niemand darf lebend davonkommen, der die deutsche Justiz herausgefordert hat -denn das ist viel schlimmer, wie jemanden umzubringen...
GustavMahler (03.05.2010, 15:17 Uhr)
Offensichtlich ist aus H. Schreibers
vollmundigen Ankündigungen, Umstände und Personen zu nennen, nichts geworden. Es verbleiben erhebliche Steuerhinterziehung und Bestechung. Und dafür ist das Strafmass - falls es nicht doch über eine Hintertür aufgeweicht wird - angemessen.
endbenutzer (03.05.2010, 13:44 Uhr)
Würde mich nicht wundern, wenn....
...auch in diesem Fall wieder mal ein krummer Deal zustandekommt. Das Ding ist viel zu brisant, als dass man Schreiber zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. In diesem Fall hätte er nämlich nichts mehr zu verlieren und würde eventuell auch über seine politischen Kontakte Auskunft geben. Das werden Kohl, Schäuble und Konsorten niemals zulassen...
erichmonika (03.05.2010, 12:54 Uhr)
Worauf läuft das hinaus?
Da wird Herr Schreiber wohl wegen Steuerhinterziehung verurteilt, wen er aber bestochen hat, bleibt schön im Dunkeln, darauf läuft das hinaus.
ESELSDRIEVER (03.05.2010, 11:32 Uhr)
Das Urteil
was der gute Mann kassiert intressiert mich nur am Rande.Ich bin auf die weiteren Ermittlungen gespannt die sich durch seine Aussagen ergeben.Da könnten einige prominente Köpfe im nachhinein rollen.Wünschenswert wäre es wenn der korrupte Sumpf wenigstens etwas trocken gelegt wird.
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