28. Mai 2010, 18:08 Uhr

Sozialausgleich doch über höhere Beiträge

Wie können Ungerechtigkeiten bei der geplanten Kopfpauschale im Gesundheitssystem ausgeräumt werden? Gesundheitsminister Philip Rösler setzte bisher auf einen Sozialausgleich aus Steuermitteln. Nun scheint er doch auf höhere Beiträge für Besserverdienende zu setzen.

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Gesundheitsminister Rösler denkt angeblich bei der Kopfpauschale um: Der Sozialausgleich soll doch nicht aus Steuermitteln kommen©

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will den Sozialausgleich für die geplante Kopfpauschale einem Pressebericht zufolge nun doch nicht aus Steuermitteln finanzieren. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag sieht Röslers Konzept zur Gesundheitsreform einen Anstieg der Einkommens-Obergrenze vor, bis zu der Beiträge gezahlt werden müssen. Die Opposition kritisierte Röslers Pläne.

Derzeit liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei 3750 Euro. Somit müssten Versicherte mit einem darüber liegenden Einkommen höhere Beiträge bezahlen, um den Sozialausgleich für die Kopfpauschale zu finanzieren. Dem Bericht zufolge will Rösler die Kopfpauschale bereits im kommenden Jahr einführen. Die Höhe sei noch unklar. Sie könnte laut "SZ" je nach Kasse zwischen 15 und 30 Euro pro Monat liegen. Der Beitragssatz bliebe dabei unverändert bei 14,9 Prozent.

Beratung mit der CSU steht aus

Rösler will sein Konzept den Angaben zufolge am kommenden Montag CSU-Parteichef Horst Seehofer in München vorstellen. Ziel des Ministers sei es, mit der Pauschale das für das kommende Jahr erwartete Defizit in der gesetzlichen Krankenversicherung abzudecken. Hier geht das Bundesversicherungsamt von etwa zehn Milliarden Euro aus. Es könnte aber auch geringer ausfallen, wenn die Koalition Sparmaßnahmen ergreift.

Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte den Bericht nicht. Er sei Teil einer Reihe von Spekulationen, sagte ein Sprecher Röslers vor Journalisten in Berlin. Rösler berate seine Vorstellungen von einer Gesundheitsreform mit den Partei- und Fraktionschefs, danach werde das Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt. Unklar ist nach Angaben des Sprechers noch, wann die zuständige Regierungskommission zu ihrer nächsten Sitzung zusammenkommt. Der ursprünglich geplante Termin 2. Juni könne sich nach hinten verschieben.

Kritik von FDP und Opposition

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ulrike Flach, schloss Mehrbelastungen für die Versicherten aus. "Es wird keine Beitragserhöhungen geben", sagte sie der Tageszeitung "Die Welt". Es gebe auch keine Steuererhöhungen. "Wir sind nicht dafür gewählt worden, zusätzliche Belastungen einzuführen."

Rösler versuche sich als "Verpackungskünstler", kritisierte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in Berlin. "Eine höhere Beitragsbemessungsgrenze ist dabei reine Augenwischerei, denn privat Versicherte und Gutverdiener bleiben verschont. Durchschnittsverdiener werden gegen Geringverdiener ausgespielt." Die Bundesregierung wolle die Kopfpauschale offenbar sogar noch ungerechter machen und verabschiede sich vom steuerfinanzierten Sozialausgleich.

Rösler verabschiede sich nur scheinbar von seinen radikalen Plänen, erklärte der Linken-Gesundheitsexperte Harald Weinberg. Denn das "Kopfpauschälchen von 15 bis 30 Euro pro Monat" wirke jetzt zwar klein, werde aber wachsen. Es sei für Rösler "ein Offenbarungseid erster Güte, wenn er jetzt seinen zuvor heftig beworbenen Plan, einen Sozialausgleich über Steuermittel zu finanzieren, über Bord wirft", erklärte Grünen-Chefin Claudia Roth. Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hielt Rösler vor, seine Pläne zielten in Wirklichkeit auf die große Kopfpauschale ab, "bei der die Sekretärin so viel zahlen muss wie der Vorstandschef".

AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Daneel (31.05.2010, 15:17 Uhr)
Was bleibt?
Egal, wie man zu der Kopfpauschale steht, wenn er davon abrückt, den Ausgleich über Steuermitteln (sprich von allen Menschen, nicht nur von gesetzlich Versicherten) zu finanzieren, ist die letzte noch so fadenscheinige Begründung dafür weg, dass es nicht doch um den Anfang amerikanischer Verhätnisse geht.
Maddux (31.05.2010, 13:54 Uhr)
Was sind das für Lösungen ?
Sparen heißt für unsere Politker anderen mehr Geld abzuknöpfen. Das muß doch der kleinsten Kartoffel klar sein, dass auch dieser Weg irgendwann zu Ende ist. Schlanker, effizienter und konsequentes Handeln ohne Lobby, wer macht das endlich ?
tannebaum (31.05.2010, 10:09 Uhr)
@SethusCalvisius
wenn die beitragsbemessungsgrenze wieder angehoben wird, können gutverdiener schlechter in die privaten "entschwinden" und müssen in den gesetzlichen bleiben. und dort müssen sie dann mehr zahlen als alle anderen, weil sie mehr verdienen. somit bleiben mehr gutverdiener in der gesetzlichen und spülen gleichzeitig geld in deren kassen.
das entlastet dann untere einkommen...

ob das gerecht ist? ich sage nein! denn es muss auch mal schluss sein, dass man meint, permanent muss jeder gutverdienende zigfach gemolken werden.
wer gut verdient hat dafür auch sicher viel an bildung zu sich genommen, hat studiert und was erreicht. meist sicher auch mit mehr als mit einem acht-stunden-tag.

aber wir tun ja alle gerne so, als sei jeder besserverdiende gleich bankchef und somit eine kapitalistensau. dabei fragt aber nie einer, was die mal tun könnten, die nihts einzahlen, um auch der gesellschaft einmal dienlich zu sein...
sportartmakler (30.05.2010, 20:10 Uhr)
@ottob - sie leigen insofern falsch
als das sie von der pflichtversicherungsgrenze sprechen (welche richtigerweise jedes jahr verschärft wird), es im artikel aber um die beitragsbemessungsgrenze geht.

und diese ist schon immer unsozial gewesen und gehört abgeschafft. getroffen werden als erstes nicht die reichen, sondern halt auch schon die einkommensgruppen ab 3700?.....tut weh, muß aber sein.

wegen mir können auch die prozentsätze in immer höheren einkommensklassen auch wieder fallen....wenn sie dafür
tannebaum (29.05.2010, 19:24 Uhr)
der witz ist doch...
...das die spd, als sie an der macht war, jeden mit 80.000 als reich darstellten und abkassieren wollten und nun diese gruppe als durchschnittsverdiener präsentiert.

wenn wir uns also einig werden, was reich ist, dann kann man ja auch mal ernsthaft über gerechtigkeit reden.

im ernstfall ist für die politik alles reich was geld hat...
tannebaum (29.05.2010, 19:21 Uhr)
@OttoB
was für ein mist.... schade, dass sie den sinn des artikels nicht erfassen.
OttoB (29.05.2010, 17:50 Uhr)
Eine Frechheit der FDP
Hiermit versucht der Herr Rösler die Besserverdienenden die freiwillig in der gesetzlichen Kasse versichert sind seiner Klientel der privaten Versicherung zuzuspielen in dem er die die freiwillig in der gesetzlichen bleiben bestraft.
Ein übler Trick und ich glaube nicht das ein "Tannenbaum" das nicht begreift.
graudenker (29.05.2010, 15:45 Uhr)
Das passt ins Krankheitsbild
Weg mit der Regierung !!
Schießt die Politiker in den .......... !

Steuerfinanziertes Gesundheitswesen, mit Gesundheitszentren. Auch die Ärzte haben kein Anrecht darauf, in ihrem Berufsleben Millionöre zu werden. Auch wenn sie von Ihrem Standesdünkel davon ausgehen.

Deutscher Michel erhebe dich !!!
Corazito3333 (29.05.2010, 12:41 Uhr)
Rösler.....er finanziert über Besserverdienende
aber Jungchen....die sind doch alle privat krankenversichert die Besserverdienenden.
Kopfpauschale.....richtig, dann erwischt es wieder den kleinen Mann, wir wissen doch, Kleinvieh macht mehr Mist!!!
SethusCalvisius (29.05.2010, 12:04 Uhr)
@tannebaum
Es betrifft eben nicht die Spitzenverdiener. die sind gar nicht in der GKV und können damit auch nicht über höhere Beiträge belastet werden.
Es geht doch Herrn Rösler nur darum, aus Prinzip irgendwie die Kopfpauschale durchzudrücken. dabei nimmt er auch in Kauf, dass er seine Begründung dafür, der Sozialausgleich müsste über Steuern und nicht innerhalb der Krankenversicherung stattfinden, beerdigen musste.
Aber Hauptsache, er kann nachher sagen, er habe seinen Plan umgesetzt.
Es geht nur noch ums Prinzip: Der Beitrag bleibt bei 14,9 %, aber alle zahlen mehr.
Da wundern Sie sich, dass die Leute sich vera..... vorkommen?
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