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Forderung nach einheitlichen Promotionsregeln

Annette Schavan bleibt hart: Ihre Doktorarbeit sei kein Plagiat. Trotzdem wurde ein Verfahren gegen sie eröffnet. Aber auch die Universitäten müssen sich neuen Fragen zu ihren Regeln stellen.

  Die Dissertation von Annette Schavan hat eine Debatte über einheitliche Promotionsregeln entfacht

Die Dissertation von Annette Schavan hat eine Debatte über einheitliche Promotionsregeln entfacht

Die Plagiatsaffäre um Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat die Debatte über die Standards für Hochschulabschlüsse neu entfacht. Der Ruf nach einheitlichen Regeln für die Überprüfung von Promotionen wird lauter.

Nach Ansicht der Grünen-Bildungspolitikerin Krista Sager sollten die Hochschulen ihre Standards vereinheitlichen. "Wir haben die Situation, dass an deutschen Universitäten in diesen Fragen unterschiedliche Verfahrensregeln gelten", sagte sie am Mittwoch im Deutschlandfunk. "Es war zum Beispiel reiner Zufall, dass (der frühere Verteidigungsminister Karl Theodor ) zu Guttenberg sich in Bayreuth nicht strafbar gemacht hat", sagte Sager. An der Uni München wäre er dagegen wegen Meineids angeklagt worden.

Die Philosophische Fakultätsrat der Uni Düsseldorf hatte am Dienstagabend beschlossen, eine "ergebnisoffene" Überprüfung der Doktorarbeit Schavans einzuleiten. Am Ende könnte auch ein Entzug des Doktortitels stehen. Schavan werden bei ihrer 1980 eingereichten Doktorarbeit Plagiate, unkorrektes Zitieren und die Vernachlässigung wissenschaftlicher Standards vorgeworfen.

Plädoyer für eine Verjährungsfrist bei Plagiatsvergehen

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), verwies darauf, dass der Bund auch nach der Föderalismusreform für die Sicherung der Hochschulabschlüsse zuständig sei. So könne er einheitliche Rahmenvorgaben machen, wenn die Wissenschaft sich nicht selbst darauf verständigen könne, sagte Burchardt. Dies gelte sowohl für die Garantie der Qualität beim Abschluss wie auch für Kontrollverfahren beim Verdacht von Verfehlungen.

Der Historiker Paul Nolte (FU Berlin) plädierte für eine Verjährungsfrist bei Plagiatsvergehen. Auch 1980 habe man gewusst, was ein korrektes Zitat ist, sagte Nolte im Deutschlandradio Kultur. Nach so vielen Jahren sei es aber für ihn "ein sehr fragwürdiges Verfahren, so mit dem Leben eines Menschen umzugehen". Für Schavan werde es in jedem Fall "eng". Allein wegen der Einleitung des Verfahrens sei ihre Integrität beschädigt. Sie müsse sie sich fragen lassen "ob sie als Bildungsministerin noch länger amtieren kann".

Ausmaße einer "griechischen Tragödie"

Für den Präsidenten der Uni Hamburg, Dieter Lenzen, hat der Fall Schavan inzwischen die Ausmaße einer "griechischen Tragödie": "Es gibt nur Verlierer. Der eine ist die Ministerin natürlich (...). Und die Wissenschaft als Ganzes, die plötzlich da steht, als ob sie ein Haufen von Betrügern sei." Tatsächlich aber gebe es bei jährlich rund 150.000 Examensarbeiten nur schätzungsweise knapp 100 Fälle von Fehlverhalten, betonte Lenzen im Deutschlandradio Kultur.

Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer forderte die Uni Düsseldorf auf, "endlich unabhängigen Expertenrat einzuholen". Im Hauptverfahren müsse "auch die berechtigte Kritik aus der Wissenschaft am bisherigen Vorgehen beachtet werden".

Schavan nahm am Vormittag an der Sitzung der Bundesregierung in Berlin teil und wurde nach Teilnehmerberichten von ihren Kabinettskollegen freundlich begrüßt. Das zum Entzug ihrer Doktorarbeit eingeleitete Verfahren habe in der Sitzung keine Rolle gespielt.

kave/DPA/DPA

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