16. Oktober 2012, 06:17 Uhr

Doktorvater lobt Arbeit von Schavan

Unterstützung für Annette Schavan aus berufenem Munde: Ihr Doktorvater hat die Dissertation als "beachtliche Leistung" bezeichnet. Weitere Wissenschaftler kritisieren das Prüfverfahren scharf.

Annette Schavan, Bundesbildungsministerin, Doktorarbeit, Plagiatsvorwürfe, Fälschung, Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Schwere Tage für Bildungsministerin Annette Schavan. Immerhin stärkt ihr Doktorvater ihr den Rücken©

Der Doktorvater von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat deren in der Kritik stehende Dissertation als "sehr beachtliche Leistung" bezeichnet. "Die Arbeit entsprach absolut dem wissenschaftlichen Standard", sagte der Pädagogikprofessor Gerhard Wehle der "Rheinischen Post" vom Dienstag. Schavan habe in ihrer 1980 verfassten Dissertation einen interdisziplinären Ansatz gewählt, der damals für eine junge Studentin ein "Wagnis" gewesen sei. Die Analyse sei "gelungen" gewesen.

Internet-Plagiatsjäger hatten Schavan vorgeworfen, in ihrer Arbeit zum Thema "Person und Gewissen" weite Passagen nicht korrekt mit Quellenangaben versehen zu haben. Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf leitete auch auf Bitte der Ministerin eine Prüfung ein. Ein Gutachter stellte nun "eine leitende Täuschungsabsicht" fest, wie Medien unter Berufung auf einen vertraulichen Entwurf berichteten. In Schavans Arbeit sei das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" erkennbar.

Schavans Doktorvater Wehle sagte der Zeitung, er habe sie als einen "ehrlichen Menschen" kennen gelernt. Im Übrigen dürfe eine Arbeit aus dem Jahr 1980 nicht ausschließlich nach heutigen wissenschaftlichen Maßstäben bewertet werden, sagte er. "Das ist nicht verhältnismäßig." Das nun in Teilen bekannt gewordene Gutachten der Universität kenne er indes nicht. "Die Universität hat bisher nicht mit mir gesprochen."

"Schwere Fehler" im Prüfverfahren

Der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sprach in der "Süddeutschen Zeitung" von "schweren Fehlern" in dem Prüfverfahren und forderte eine Untersuchung durch einen zweiten Gutachter. Es sei "skandalös", dass die Öffentlichkeit vor der Betroffenen von den Vorwürfen erfahren habe, sagte Schwarz. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, und der Chef der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, reagierten mit ähnlichen kritischen Worten.

Der frühere DFG-Präsident Wolfgang Frühwald sagte der Zeitung, nach der Veröffentlichung des Gutachtens könnten die Gremien der Universität nun nicht mehr frei entscheiden. "Sie stehen nun unter öffentlichem Druck." Zum Inhalt sagte er, "weder der Vorwurf des Plagiats noch der Vorwurf der bewussten Täuschung ist durch die Untersuchung gedeckt". Vielmehr gehe es um "handwerkliche Fehler", die nicht so gravierend seien, dass von einem Plagiat gesprochen werden könne.

Martin Morlok, Parteienrechtler an der Düsseldorfer Universität, bezeichnete es im "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Dienstag als "klaren Vertrauensbruch" und als "äußerst bedauerlich", dass das Gutachten vor Abschluss des Verfahrens an die Presse gelangt sei.

dho/AFP
 
 
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