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Merkel und muntere Menschen

Schöne heile CDU-Welt: Die Merkel-Partei setzt bei der ersten Plakatwelle auf fröhliche Familien und knappe Claims. Die Kanzlerin gibt es zunächst nur in Miniformat, dafür millionenfach.

Von Katharina Grimm

  Zunächst nur in Berlin, ab kommender Woche bundesweit: 300.000 Plakate will die CDU aufstellen.

Zunächst nur in Berlin, ab kommender Woche bundesweit: 300.000 Plakate will die CDU aufstellen.

Kurz und knackig könnte man es nennen: "Gemeinsam erfolgreich" oder "Sichere Arbeit" oder auch "Solide Finanzen". Weiße Schrift auf orange-farbenem Grund. Die CDU setzt bei ihrer Wahlplakatstrategie auf Reduktion: wenig Text, keine Gesichter, klare Aussage. Zumindest bei den kleinen Plakaten. Die großen Querformate, die wie die kleinen Plakate ab dieser Woche in Berlin und Brandenburg und ab kommender Woche in ganz Deutschland am Ortseingang, an Kreuzungen und auf Grünstreifen aufgebaut werden, zeigen eine heile CDU-Welt.

Dort prosten sich Oma und Enkelin mit dem Puppengeschirr zu, irrsinnig gut gelaunte Familienväter wenden Pfannkuchen mit der Tochter und eine Blondine mit Flechtfrisur beugt sich mit dem väterlichen Ausbilder über ein Klemmbrett, während man im Hintergrund einen Neuwagen erahnt. Darüber stehen immer inhaltskryptische Sätze, wie beispielsweise: "Solide Finanzen sind wichtig. Weil wir an morgen denken."

Ein glückliches Deutschland ohne NSA-Affäre, Staatsschuldenkrise oder Kitaplatz-Suche. Dass die Wahlplakate inhaltsleer seien, weist CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bei der Präsentation der Kampagne zurück. "Plakatwerbung bleibt ein wichtiger Baustein im Wahlkampf", sagt er. Aus wissenschaftlicher Sicht hat er damit Recht. "Die pure Präsenz von Wahlplakaten wirkt schon. Experimente in der Werbeforschung zeigen, dass Menschen eine Sache schon allein dadurch positiver bewerten, dass man sie immer wieder damit konfrontiert", erklärt Guido Zurstiege vom Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen in einem Interview.

Auf den Schildern findet sich die Bundeskanzlerin nur ein einziges Mal. Sollte die CDU etwa auf ihre Gallionsfigur im Wahlkampf verzichten? Selbstredend nicht. Die am Montag veröffentlichte Plakatwelle ist nur die erste von dreien. Insgesamt 20 Millionen Euro exklusive Bayern lässt sich die CDU den Wahlkampf kosten. Rund sieben Wochen vor der Bundestagswahl beginnt die Union, das Land zu plakatieren: Insgesamt 300.000 Plakate sollen aufgestellt und eine Million Regierungsprogramme unters Volk gebracht werden. Und: Über eine Million Broschüren über Angela Merkel – als A5-Büchlein oder im handlichen Mini-Faltformat – werden auf der Wahlkampftour verteilt.

Merkel ganz von ihrer privaten Seite

Also doch Angela Merkel. Dort soll der Wähler der mitunter spröde wirkenden Kanzlerin ungewohnt nahe kommen. Sie spricht über ihre "schöne Kindheit" im brandenburgischen Templin, die erste Ehe in den Studentenjahren, die "leider nicht lange gehalten" hat und darüber, dass sie gerne Kartoffelsuppe oder Rouladen kocht. "Mein Mann beschwert sich nur selten", lässt sich die Kanzlerin in der Broschüre zitieren. Nur wenn es um Kuchen geht, gerät der Haussegen bei Frau Merkel und Herrn Sauer in Schieflage. Ihm seien immer zu wenig Streusel auf dem Kuchen. Nun ja.

Dieses persönliche Merkel-Heftchen kann also als Vorschau auf die noch zwei weiteren Plakatwellen gesehen werden: Angela Merkel als Mensch und Mutter der Nation. Und sie ist dann auch auf den Plakaten zu sehen, vielleicht mit ähnlichen Motiven wie in der Broschüre: Fotos aus früher Jugend, im Fußballstadion oder einer in Arbeit versunkenen Kanzlerin. Durch die aktuelle Kampagne erfährt der potenzielle Wähler zwar wenig über die möglichen Maßnahmen der Union zum Kita-Ausbau, der Mietpreisexplosion oder einer Förderung der Frauen in Führungspositionen. Aber das Angela Merkel gerne Gemüse im Garten anbaut oder klassische Musik mag. Eine Strategie, so banal sie klingen mag, die aufgehen könnte. "Dinge, die man kennt, mag man lieber als Dinge, die man nicht kennt. Wenn Parteien das unentschlossenen Wählern nicht anbieten können, haben sie bei der konkreten Entscheidung in der Wahlkabine womöglich das Nachsehen", sagt Medienwissenschaftler Zurstiege. Bleibt abzuwarten, ob bald auch Peer Steinbrück die Wähler über sein Lieblingsessen und seine schönsten Sommerferien aufklärt.

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