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12. April 2007, 10:41 Uhr

Deutschland wird zur Raucherhölle

Noch werden Raucher in Deutschland als normale Menschen akzeptiert. Doch das hat bald ein Ende: Wer gegen Verbote verstößt, wird gesteinigt, Straßen werden nach Raucher und Nichtraucher getrennt, beerdigt werden die Qualmer auf Raucherfriedhöfen. Eine Polemik eines rauchenden und frustrierten stern.de-Lesers. Von Reinhard Siemes

Ein Haufen Zigaretten: In Deutschland geht es Rauchern bald an den Kragen© Stephanie Pilick/dpa

Noch ist Deutschland gedanklich und faktisch durchseucht von Nikotin und Teer. Allen Nichtrauchern zur Hoffnung hat die Initiative "Sauberes Deutschland" einen Maßnahmen-Katalog ausgearbeitet und der Bundesregierung zur Prüfung vorgelegt. Ein Ausschuss wird beraten, inwieweit folgende Vorschläge bis zur Bundestagswahl 2009 realisierbar sind.

Jeder Hausmeister wird zum Nichtraucherschutz-Blockwart ernannt. Er hat einen Rauchsensor und kann prüfen, ob in Häusern gegen die Vorschriften geraucht wird. Die Geräte sind so empfindlich, dass sie auch nach einer Woche noch Rauchbestandteile registrieren können. Verstöße von Mietern haben die sofortige Kündigung zur Folge. Sie werden in Rauchdistrikte umgesiedelt: Vorstädte mit alten Plattenbauten, deren Fassaden einen karzinomschwarzen Anstrich bekommen. Um die Distrikte herum wird ein 100 Meter breiter Grenzstreifen mit Zäunen angelegt. Häuser, die in diesem Grenzstreifen liegen, werden abgerissen.

Vor Bahnhöfen und Flughäfen werden Schranken mit Atemprüfgeräten aufgestellt, die registrieren, ob jemand noch Restrauch in den Lungen hat und darum andere Fahr- oder Fluggäste belästigen und schädigen kann.

Raucher dürfen ihre Kleider nicht mehr in normale Reinigungen bringen, sondern nur noch in ANVK-Stellen abgeben (Annahmestellen für nikotinverseuchte Kleidungsstücke). Weil die Arbeit in diesen Stellen normalen Menschen nicht zugemutet werden kann, werden bevorzugt Hartz IV-Empfänger mit Lungenkrebs eingestellt.

Raucher werden auf speziellen Raucherfriedhöfen beerdigt, damit ihre Leichen nicht mehr die Körper von Nichtrauchern kontaminieren.

Raucher bekommen eigene Straßenseite

Das Rauchen auf öffentlichen Straßen und Plätzen wird stark eingeschränkt. Auf Plätzen ist es ganz verboten. Die Bürgersteige der Straßen, besonders solche mit starkem Verkehr, werden nach Raucher und Nichtraucher getrennt. Die Raucherbereiche finden sich grundsätzlich auf der Straßenseite mit dem höheren Abgasaufkommen.

Raucher, die mehr als dreimal gegen bestehende Rauchverbote verstoßen, müssen einen "Raucheraufkleber" tragen. Dieser zeigt einen Kreis mit 120 mm Durchmesser, der in der Mitte eine qualmende Zigarette zeigt.

Raucher, die mehr als zehnmal gegen bestehende Rauchverbote verstoßen, werden öffentlich gesteinigt. In Berlin zum Beispiel auf dem Gendarmenmarkt. Die Steine sind Ascher in verschiedenen Ausführungen: Billiges Steingut aus China, Granit aus dem Harz oder weißer Carrara-Marmor aus der Toscana. Das Steinigen mit Aschern aus Aluminium wird bestraft.

"Smoking-Tours" unter staatlicher Aufsicht

Um die Raucher nicht völlig in die Illegalität zu treiben, werden unter staatlicher Aufsicht "Smoking-Tours" erlaubt. Das sind Busfahrten zu den Hallen verlassener Chemiewerke, in die Schächte stillgelegter Bergwerke mit Uranabfällen und zu ehemaligen Truppenübungsplätzen (vermint).

Aus allen Filmen, in denen geraucht wird, müssen die entsprechenden Szenen raus geschnitten werden. Es sei denn, dem Filmverleih gelingt es, die Szenen so zu überarbeiten, dass die Protagonisten an einer Salzstange knabbern. Bücher, in denen Raucher auftreten, werden verbrannt. Das nachträgliche Schwärzen der entsprechenden Stellen würde sie unbezahlbar machen. Besonders für Nichtraucher. Gemälde, auf denen geraucht wird, etwa die rote Frau von Otto Dix, werden von Restauratoren sorgfältig entnikotinisiert. Statt der Zigarettenspitze hält die Dame ein Magnum von Langnese zwischen den Fingern.

Die schätzungsweise 18.000 Bundesbürger mit dem Familiennamen Rauch müssen sich umbenennen lassen. "Nichtrauch" ist gebührenfrei. Für allen anderen Namen wird eine Bearbeitungsgebühr von 133,00 Euro fällig.

Weil dem Staat jährlich 25 Milliarden Euro pro Jahr fehlen (Tabaksteuer und Mehrwertsteuer auf Tabakwaren) werden folgende Produkte und Dienstleitungen besteuert: Süßwaren, Tütensuppen, Balkonpflanzen, Campingkocher, Brustvergrößerungen und Zoobesuche. Die Alkoholsteuer wird nicht erhöht, weil 15 bis 20 Prozent der Bundestagsabgeordneten einen erhöhten Bedarf an entsprechenden Getränken haben.

Reinhard Siemes lebt in Berlin, hat in der Werbung gearbeitet, ist Gründer und Betreuer der Texterschule im Internet und war Beirat Sprache des Goethe-Institut. Heute ist er vorwiegend als Dozent und freier Journalist tätig. Er raucht seit seinem 16. Lebensjahr, heute rund 30 bis 40 Zigaretten am Tag.

Ihre Meinung

Entwickelt sich Deutschland wirklich zur "Raucherhölle"?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (78)
Von Reinhard Siemes
 
 
KOMMENTARE (10 von 78)
 
lenitas (13.04.2007, 16:31 Uhr)
Danke, dass Sie hier rauchen
Ich habe in seriösen Berechnungen gelesen, dass Rauchen erheblich das Leben verkürzt. Da ich nicht rauche, sehe ich hier die einzige Chance, die letzten 20 Lebensjahre noch eine auskömmliche Rente und Krankenversicherung zu beziehen. Raucherkrebs und Herzinfarkt kosten zwar ein wenig, aber raffen den Betroffenen relativ schnell dahin. Es lohnt sich für die Sozialversicherung eindeutig, betrachtet man die restlichen Lebensjahre zwischen 70 und 90. Schließlich brauchen die Raucher keine Brille, Hörgerät, Hüftgelenk und Rente mehr. Ich schon.
Also:
kostenlose Zigaretten für alle; Rauchgenusskurse in der Schule; Zwngsabgabe für alle, die mit 40 noch nicht rauchen und staatliche Förderung der Raucherwerbung.
Alpoehi (13.04.2007, 15:34 Uhr)
Enduring Freedom
Es liegt doch in der persönlichen Verantwortung eines jeden Nichtrauchers einen Raucher höflich auf allfällige Störung des Luftraums aufmerksam zu machen. Ebenso wie es die Aufgabe von Familienmitgliedern wäre für mehr Nicht-Rauch(er) zu sorgen (Grossmütter mit Bestechung, Freundin mit Kussverbot etc.) Oder man gründet eine Asso-ciation wie z.B. in Amerika die DMADONES (Drunk Mothers Against Driving Of their Nappyheaded elementary schoolkids)
Ich hoffe dass viele Deutsche aus der Geschicht gelernt haben und für Ihre persönliche Freiheit zuerst a) den Job künden bei Rauchverbot und b) auswandern bei totalem Raucherverulkungsverbot
Aber dann gelten plötzlich die Raucher als Nicht-Deutsch und bevor man sich's versieht wird man vom Luftvergaser selbst zum Vergasten!
Alex64 (13.04.2007, 14:39 Uhr)
Ironie und Sarkasmus....
... versteht komischerweise der Großteil der sich selbst und - selbstlos alle anderen - schützen wollenden (hurmorlosen?) "Militanten" nicht... - oder echauffieren sich, wie so ein "armer kranker Suchtl" sich erdreisten kann, sowas zu schreiben ... - warum nur lass ich mich lieber von rauchenden mitmenschen einnebeln und habe sogar noch Spass dabei?
Bestätigt auch mal wieder mein Menschenbild, das ich von so manchem verbohrten Gesundheitsfanatiker habe.
Früher habe ich ja zu den höflichen Rauchern gehört; habe immer brav gefragt, ob ich in Gemeinschaftsräumen (trotz aufgestellter Aschenbecher)jemanden mit meiner "Sucht" störe oder auch gleich bewusst darauf verzichtet, wenn ich gewusst habe, dass jemand empfindlich ist. Aber - Leute, das Thema ist für mich durch. Erstens werde ich den Staat - wo immer es legal geht - nicht mehr durch die Bezahlung der deutschen Tabak- oder Mehrwertsteuer auf entsprechende Produkte unterstützen.
Zweitens werde ich - wo immer Rauchen erlaubt ist - definitiv niemanden mehr nach seiner Meinung fragen - oder, wenn den geäussert, diese geflissentlich ignorieren.
Und drittens wünsche ich allen Nichtrauchern viel Spass in den restlichen, noch verbliebenen ungemütlichen Restaurants (sofern ihr euch denn die Preise für´s Essen leisten könnt, das der Wirt nicht mehr über die in gemütlicher Runde konsumierten Getränke finanzieren kann). Und kommt mir jetzt nicht wieder mit "in anderen Ländern funktioniert´s auch" - WIE das funktioniert und wieviele Restaurants und Kneipen dicht gemacht haben, habe ich bei vielen längeren Aufenthalten in entsprechenden Ländern gesehen.
Also - viel Spass denn weiterhin in eurem gesunden Leben. Und denkt an uns, wenn IHR vielleicht später mal den Staat über die erwähnten höheren Steuern auf Süssigkeiten, Fast Food und andere als "gesellschaftlich störende und belastende Produkte" identifizierte Dinge finanzieren dürft....
Diary (13.04.2007, 14:31 Uhr)
@E_Hoppe-Schultze
Zitat: "Im Übrigen hat der Gesetzgeber das Privatvergnügen „Abbrennen von Silvesterartikeln“ auf wenige Tage im Jahr beschränkt, warum kann sich jeder selbst überlegen."
Hmmm... vielleicht, weil es irgendwie unschlüssig wäre, zu Ostern mit Silvesterböllern zu hantieren?
Nur so als Überlegung von einem humorigen Raucher ;o)
E_Hoppe-Schultze (13.04.2007, 12:27 Uhr)
Freiheit vor Tabakrauch!
Wir wollen nichts weiter als unsere Freiheit vor der alltäglichen Zwangsbestinkung!
Würden Sie, verehrte Hardcore-Raucher, gerne neben einem Schweinestall wohnen wollen? Nein? – Warum nicht?
Jahrzehnte hat man die Nichtraucher glauben gemacht, das erzwungene Passivrauchen dulden zu müssen wie ein Naturgesetz. Nachdem sich sie sich jetzt endlich vehement wehren, reißen viele Raucher erstaunt die Augen auf und lamentieren wie kleine Kinder, denen man die nervige Töte wegnimmt.
Höfliche Menschen rauchen nicht: Ohne die Mitmenschen zu fragen, in Anwesenheit von Nichtrauchern, in Anwesenheit von Kindern, ...
Im Übrigen hat der Gesetzgeber das Privatvergnügen „Abbrennen von Silvesterartikeln“ auf wenige Tage im Jahr beschränkt, warum kann sich jeder selbst überlegen.
HarryKraxenberger (13.04.2007, 11:03 Uhr)
Raucherhölle
Lassen wir doch unseren Rauchern ihre Satire und Sarkasmus. Richtiger müßte es ja heissen: "Nichtraucherhölle", durch die jeden Tag die gehen, die unter dem Zigaretten- und Zigarrenrauch leiden und das sind beileibe nicht wenige. Wären unsere Mitbürger Raucher mit mehr Rücksicht und Toleranz ausgestattet, wären Diskussionen und Gesetze überflüssig. Da die Zigarette mittlerweile aufgrund ihrer Beschaffenheit als Droge gilt die auch Passivraucher enorm schädigen, sind sehr wohl gesetzliche Regelungen angebracht, nein, absolut nötig, um die Mehrheit der nichtrauchenden Bevölkerung zu schützen.
Lady_Sniper (13.04.2007, 10:12 Uhr)
Spießbürger?
Lustig, mit was für Attributen wir Nichtraucher belegt werden. Wir sind also eine Spießbürgergesellschaft, weil wir die Sucht anderer Leute nicht ausbaden wollen? Ich bin 23 und habe ein Jahr meines Lebens verraucht und es geschafft, wieder aufzuhören. Ich bin u.a. für Nichtraucherschutz, weil ich Asthma habe und deswegen nicht so oft und so lange weggehen kann, wie ich es gerne möchte.Weil die Raucher zu faul sind, draußen zu rauchen, werde ich verpestet und in meiner Entscheidungsfreiheit eingeschränkt.
Weil ich Wert darauf lege, nicht an einem durch Passivrauchen verursachten Krebs oder durch einen Asthmaanfall zu sterben, bin ich ein Spießbürger?
zett (13.04.2007, 09:00 Uhr)
Ach Gott, die ARMEN entrechteten Raucher!
Es ist wirklich bizarr, auf was für eigenartige geistige Ausflüsse und höchst abwegige Ideen Raucher kommen, nur weil sie ihrer Drogensucht demnächst nicht mehr immer und überall nachgehen dürfen. Man stelle sich vor, ein Heroinabhängiger hätte einen ähnlichen Text verfasst, um gegen das BTM-Gesetz zu polemisieren. Man hätte ihn vermutlich einer intensiven psychiatrischen Begutachtung unterzogen.
Werter Herr Siemens, damit Sie es auch mal lernen: Rauchverbote sind Umweltschutzgesetze. Mehr nicht.
Ich wiederhole: Rauchverbot = UMWELTSCHUTZ!
Ihr Versuch den Raucher (also den Verursacher der erheblichsten Umweltverschmutzung in Innenräumen) als armes, von einer gnadenlosen "moral majority" (vulgo: "Nichtrauchertaliban")diskriminiertes und unterjochtes Wesen darzustellen, geht leider voll in die sprichwörtliche Hose. Im Grunde wiederholen Sie ja auch nur gedankenlos die billige Polemik, die Sie sich aus den verschiedenen Raucherforen des WWW gesaugt haben. Foren, wo mehrheitlich eher weniger intelligente Menschen ihren Frust über die Rauchverbote mit Verweisen auf mehr oder weniger sinnfreie Menetekel zu kompensieren versuchen, die sie, Schreckensbildern gleich, an die von Nikotin vergilbte Wand malen. Da wird vom allumfassenden "Verbotsstaat" fabuliert, vom "nanny state" und anderer Mist mehr. Und nur weil man demnächst Tabakdrogensüchtigen unetrsagt, fortan immer und überall die Luft in Innenräumen mit ihren giftigen und krebserzeugenden Gasen anzureichern. Das ist doch nur lächerlich! Dieses ganze Auftreten von Ihnen und Ihren Kollegen erzeugt höchstens noch Mitleid.
Tipp: Meine Herren (Damen liest man da eher weniger, vielleicht weil Frauen doch vernunftbegabter sind als Männer?): Lassen Sie die Kirche im Dorf!
Und dass Sie uns zum Schluss Ihres wirklich lausig geschriebenen und jeden Humor entbehrenden Artikels auch noch die Milchmädchenrechnung vom "sozialverträglichen Frühableben" des Rauchers präsentieren, der sich mit seinem Tabakdrogenkonsum für die Gesellschaft aufopfert und daher gerne den Freitod wählt, nehme ich Ihnen besonders übel. Sie beleidigen dadurch nämlich meine Intelligenz.
Wenn Ihnen Ihr "sozialverträgliches Frühableben" so bedeutsam als Rettung der Volkswirtschaft durch die Raucher erscheint, wäre die Frage zu stellen, ob ein baldiger Selbstmord nicht eine Alternative wäre (zum Wohle der Gesellschaft, versteht sich).
Aber ich kann sie beruhigen: Ich habe viele Menschen kennengelernt, die das "sozialverträgliche Frühableben" durchaus als Argument für das Rauchen ins Feld geführt haben. Diese einstmals so vehement vorgetragene Überzeugung ließ allerdings schlagartig nach, als dieses Thema aufgrund schwerster Erkrankung infolge Tabakonsum (ich schreibe absichtlich nicht "Tabakgenuss") plötzlich real zur Debatte stand. Da wären diese Menschen gerne bereit gewesen, anderen erst einmal den Vortritt zu lassen.
Und so wirkt auch, um zum Ende zu kommen, Ihr Text auf mich: Unreflektiert, großmäulig und letztlich über alle Maßen dumm. Billige Raucherpolemik eben.
Ich denke J. W. Goethe hatte doch Recht, als er fomulierte "Das Rauchen macht dumm, es macht unfähig zum Dichten und Denken..."
Josef2 (13.04.2007, 07:54 Uhr)
Pleite
Leute, diskutiert nicht, hört auf zu rauchen, dann geht der Staat pleite und es wird neu überlegt!!!
Kristina_25 (12.04.2007, 23:36 Uhr)
In anderen Ländern klappts ja auch
Wird Zeit Marijuana zu legalisieren.. in den Niederlanden klappts ja auch :)
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