Brüderle schwärmt für Lafontaine

26. Dezember 2012, 15:15 Uhr

Politisch liegen zwischen beiden Lichtjahre. Der eine ist ein Linker, der andere ein Bürgerlicher. Trotzdem sind sie in enger Freundschaft verbunden.

Brüderle, Lafontaine,

Wer hätte das gedacht? FD-Man Brüderle ist ganz dick mit Oskar Lafontaine©

Dass Oskar Lafontaine mit Gerhard Schröder nicht kann und wegen ihm die SPD verließ, ist bekannt. Dass Lafontaine, Galionsfigur der West-Linken, mit Gregor Gysi, Galionsfigur der Ost-Linken, nur aus der Not heraus auf Harmoniekurs ist, ist ebenfalls bekannt. Es gibt viele Fälle von mehr oder weniger tiefer Zerstrittenheit innerhalb einer Partei. Natürlich gibt es auch viele Freundschaften unter politischen Weggefährten – auch über die Parteigrenzen hinweg. Lafontaine und Wolfgang Schäuble zum Beispiel. Sie sind seit etlichen Jahren dicke miteinander. Oder auch Lafontaine und Rainer Brüderle. Der frühere SPD-Vorsitzende und sein Duz-Freund von der FDP gaben der „Zeit“ ein gemeinsames Interview zum Thema, in dem sie ihr Verhältnis beschrieben, aber sich auch allgemein zu dem Thema äußerten.

Lafontaine klagte: "Innerhalb einer Partei sind die Auseinandersetzungen oft stärker und auch personalisierter als außerhalb." Es gehe um politische Richtungsentscheidungen, um Rivalitäten um Posten und um Macht. Aus Sicht des Saarländers gilt das für alle Parteien. Es entstünden manchmal Verletzungen, die nicht mehr heilten. "Das kann man nicht leugnen, das ist so", sagte Lafontaine und meinte damit garantiert Gerhard Schröder. Beide hatten maßgeblich zum Sieg der SPD bei der Bundestagswahl 1998 beigetragen, gerieten dann aber sehr schnell in die Wolle. Im März 1999 legte Lafontaine alle politischen Ämter und sein Bundestagsmandat nieder. Drei Tage später begründete er dies mit dem „schlechten Mannschaftsspiel“ in der Regierung. Auch wenn er den damaligen Kanzler in der Mitteilung nicht erwähnte, so war klar, dass er ihn meinte.

Freunde in der Not

Brüderle wiederum berichtete, wie Lafontaine ihm beistand, als er vor etwa eineinhalb Jahren eine "schwierige Situation" als Wirtschaftsminister durchlebte. Damals drängte ihn die FDP, den Posten, der für Brüderle durchaus ein Traumjob war, aufzugeben und Fraktionschef zu werden. Das Amt des Wirtschaftsministers hatte sich der damals neue FDP-Vorsitzende Philipp Rösler ausgeguckt, der heute selbst täglich damit rechnen muss, gestürzt zu werden. Nach der Erinnerung Brüderles gehörte Lafontaine in jener Zeit zu den ersten, die sich bei ihm meldeten und ihm Mut machten.

Lafontaine habe ihm gesagt, er solle weiterkämpfen, weitermachen, sich nicht rausdrängen lassen, solle den Kopf oben behalten. "Das war eine unheimlich nette Geste, über die ich mich sehr gefreut habe", sagte der FDP-Politiker. "Oskar Lafontaine hätte es nicht machen müssen, aber er hat es gemacht." Nach Worten Brüderles sind Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen durch die Parteizugehörigkeit nicht zulässig. Da hat er vermutlich Recht. Denn politisch liegen Brüderle und Lafontaine Lichtjahre auseinander.

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