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6. Februar 2008, 15:24 Uhr

Die CSU köchelt

Wirtschaft? Innere Sicherheit? Familienpolitik? Was soll die Union im Wahlkampf 2009 plakatieren? Der politische Aschermittwoch der CSU hätte die Entwürfe liefern können. Aber Beckstein und Huber lieferten eine nur durchwachsene Performance ab. Von Lutz Kinkel

Was ist bloß los mit der CSU? Ministerpräsident Beckstein verzichtet in seiner Rede in Passau auf politisches Rabaukentum© Matthias Schrader/DPA

Es sind die kleinen Szenen, die hängen bleiben. Das griesgrämige, auf die Hand gestützte Gesicht Edmund Stoibers, als ihn sein Nachfolger Günther Beckstein dafür preist, dass er überhaupt gekommen ist. Peter Ramsauers pflichtschuldiges Klatschen - Beckstein hatte ihn in seiner Rede nicht erwähnt, Berlin ist von München aus betrachtet weit, weit weg. Oder auch Becksteins Geste des Triumphs: Der bayerische Ministerpräsident hebt vor laufenden Kameras den Bierkrug, deutet ein Nippen an, er muss aber nicht schlucken. Vielleicht ist sowieso nur Tee drin.

Politischer Aschermittwoch in Passau: Was ist bloß los mit der CSU? Wo bleibt das politische Rabaukentum? Wo sind die Volkstribune, die klar machen, dass die kleinste Partei die größte ist und den Takt des konservativen Lagers in ganz Deutschland vorgibt?

Biertrinken ist Pflicht

6000 Besucher sind nach CSU-Angaben in die Dreiländerhalle nach Passau gekommen, es dürften weniger sein, einige Plätze sind nicht besetzt. Schon vor Veranstaltungsbeginn haben die Helfer begonnen, die Maßkrüge zu füllen, Biertrinken ist Pflicht. Eine der erfolgreichsten Aussprüche des neuen CSU-Chefs Erwin Huber dreht sich folgerichtig ums Bier. "Auf Ihrem Tisch sind die Maßkrüge unterschiedlich voll", hat Huber in seinen Redetext geschrieben. "Da ruft die SPD: Skandal! Sozial ungerecht! Obacht, jetzt kommt die Umverteilung: Ein staatlicher Bier-Umverteiler schüttet das Bier so lange hin und her, bis alle Maßkrüge wieder gleich voll sind. Ergebnis: Das Bier ist dann so fad wie das Leben im Sozialismus." Gejohle und Pfeifen im Saal.

Huber hätte noch viel öfter Gejohle und Pfeifen hören wollen. Doch er schafft es nicht. Der CSU-Vorsitzende trägt Anzug, Krawatte und ein fein gestreiftes Hemd mit weißem Kragen. Sein Vortragsstil ist gehemmt, selten sitzt eine Pointe. Weil er merkt, dass ihm das Publikum von der Fahne gehen könnte, kürzt Huber seinen Redetext spontan drastisch herunter. Grußworte weg, Differenzierungen weg, lieber noch einen Spruch mehr.

Eingeübte Ressentiments funktionieren

Natürlich funktionieren die eingeübten Ressentiments: Türkei in die EU? Nie! Kriminelle Ausländer? Raus! Claudia Roth? Eine Nervensäge! Die Linkspartei? Alles Kommunisten. Aber wie ist es mit dem großen, beherrschenden Megathema? Mit einem Politikentwurf, der über Bayern hinaus trägt? In den letzten Wochen schien es, als wollte Huber die Auseinandersetzung mit der Linken zum Leitthema machen, Parole: "Zukunft statt Sozialismus".

Doch nach den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen - und kurz vor den Kommunalwahlen in Bayern - scheinen Huber und Beckstein vorsichtig geworden zu sein. Sie bieten ihrer Partei eine Art Baukasten an. Die Konservativen dürfen ein wenig mit Ausländerkriminalität und Kommunistenangst köcheln, aber nicht so heiß wie zuvor der hessische Ministerpräsident.

"Der bayerische Löwe hat gebrüllt"

Den Liberalen verspricht Huber, die Steuern zu senken, sowohl den Eingangssteuersatz als auch die Steuerprogression. Dies soll 2009 geschehen, die CSU hatte schon vor diesem Aschermittwoch angekündigt, gemeinsam mit der Union ein Konzept vorzulegen. Die sozial orientierten Parteigänger beglückt Huber mit der Ankündigung, die Pendlerpauschale wiedereinzuführen und den Familien mehr Geld zukommen zu lassen - und nicht etwa Sachleistungen, wie von der SPD gefordert.

Das Schlusswort spricht Christine Haderthauer, die neue CSU-Generalsekretärin. "Der bayerische Löwe hat gebrüllt", sagt sie, "und zwar so laut, dass man es bis nach Berlin hören konnte." In Passau nehmen sie diesen Satz wie ein Aufputschmittel zu sich, sie johlen und klatschen, ein letztes Mal nach einem emotional eher wenig bewegenden Vormittag. In Berlin dürfte dieser Satz kaum Eindruck hinterlassen. Beckstein hatte in seiner Rede gesagt, es könne sich niemand mit der manchmal "beleidigenden Kraft" eines Franz Josef Strauß messen. Wie wahr.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
bernie-abg (06.02.2008, 21:42 Uhr)
Tja, jetzt trauern...
...sie dem Ede nach.
Dabei war dessen Rethorik auch nicht besser, aber die Versprecher eindeutig lustiger.
erichmonika (06.02.2008, 17:59 Uhr)
Abziehbilder
Naja, haben sie ihren Biertempfel mal wieder nach dem Maul gebrüllt. Beim Beckstein war es wohl eher ein nach dem Maul gequacke unddem Huber konnte man schon gar nicht zu hören. Diese albernen Rituale sollten sie sich schenken. Nicht nur die von der CSU sondern die anderen auch. Albern!
ganzbaf (06.02.2008, 17:06 Uhr)
Schnapsnase...

im Größenwahn...
Die heutigen "Brüller" mußten sich von einer Pauli den Weg an die Spitze freiräumen lassen.
;-Pp
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