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4. April 2008, 12:42 Uhr

Huber allein zu Haus

Loyal bis in die Haarspitzen und einer, der für die CSU immer alles gemacht hat, was von ihm verlangt wurde - das ist Erwin Huber. Doch seit sein einstiger Dienstherr Stoiber weg ist und er sein Amt übernommen hat, scheint der Parteichef auf verlorenem Posten. Besonders das Chaos bei der BayernLB bringt ihn in Bedrängnis. Von Gabriele Rettner-Halder

CSU-Chef Erwin Huber hat schon bessere Zeiten erlebt© Oliver Lang/DDP

"Huber? Sie meinen den Verfassungsgerichtspräsidenten". Zwei CSU-Abgeordnete stehen im Flur des bayerischen Parlaments in München und feixen über ihren eigenen, hintersinnigen Humor. Der Vorsitzende der CSU, Erwin Huber soll nicht bekannter sein als irgendein Karrierebeamter? Tatsächlich gibt es in Bayern viele Hubers, aber dem Erwin aus Reisbach in Niederbayern haben die Christsozialen nun mal die Führung ihrer Partei anvertraut. Größeres Vertrauen gibt es eigentlich nicht. Die Reaktion auf den Namen Huber ist insofern eine nett verpackte Gemeinheit.

Schon damals in Kreuth im Januar 2007 war das mit dem Huber eine schnell beschlossene Sache. Die Führungsriege der Partei stellte akuten Personalmangel auf der Topetage fest. Huber und Günther Beckstein sollten eine Doppelspitze bilden, trotz all der schlechten Erfahrungen im Umgang mit solchen Personallösungen. Sonst war keiner da, der sich als "natürlicher" Nachfolger Edmund Stoibers angeboten hätte. Außer Horst Seehofer natürlich, der jedoch die CSU-Moral der geschlechtlich gemischten Betschwesternfraktion durch einen außerehelichen Liebesakt mit Folgen aufs Äußerste strapaziert hatte.

Bayerische Landesbank Hubers Achillesferse?

Huber ist einer, der für die CSU immer alles gemacht hat. Der 61-jährige Finanzfachmann, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, hat im Auftrag seines Herrn Edmund Stoiber Kabinettsmitglieder rausgeschmissen wie weiland die Sozialministerin Barbara Stamm. Huber hat Stoiber bei einer Verwaltungsreform in der Bürokratie des Staatsapparats den Rücken freigehalten, er hat sich mit den Kommunen angelegt, als dort Gelder gestrichen werden mussten. Und Huber managte, als der Filmhändler Leo Kirch vor zehn Jahren einen Kredit in Höhe von 1,6 Millionen Mark brauchte, um bei Bertelsmann den Abosender Premiere herauszukaufen. Welch' ein Zufall, dass die Bayerische Landesbank, mit der Huber das damals bewerkstelligte, auch heute wieder für Schlagzeilen sorgt - und Huber zwangsläufig auch. Die BayernLB, Hubers Achillesferse?

Die Bayern-Opposition aus SPD und Grünen hat vergangenen Donnerstag im Parlament in München einen Untersuchungsausschuss durchgesetzt. Erste Worte in Richtung Huber, den bayerischen Finanzminister: "Nehmen sie ihren Hut." Verletzbar ist die "Allzweckwaffe" Huber, wie er sich gerne selbst nennt, geworden, ein Achill ist er nicht. Tapferer Krieger zwar, aber einer, der immer verfügbar ist und sich nie verweigert. Stoiber profitierte von Hubers Loyalität. Nun ist der Chef weg und Huber allein im CSU-Haus. So auf sich gestellt wirkte Huber fast verloren, als die Opposition diese Woche wegen der Landesbank über ihn herfiel. Da war nichts zu bemerken vom strahlenden CSU-Vorsitzenden, dem Inhaber des höchsten Amts, das die CSU zu vergeben hat. Höchstens vom Ausputzer der Altlasten seines Vorgängers Stoiber und dessen Finanzministers Kurt Faltlhauser. Statt 1,8 Milliarden Euro sind es nun 3,4 Milliarden Euro geworden, die die BayernLB, die in Schönschrift eine Bank zur Förderung des Mittelstands heißt, als sogenannte Wertberichtigung in ihre Bilanz schreiben muss.

"Zu ehrgeizig" und "nicht genug sensibel"

Unberechenbarer US-Hypothekenmarkt, kein Analyst da, der es besser gewusst hätte, andere Banken, die auch daran glauben mussten, die Milliarden vor einem Verkauf noch kein realer Verlust, usw. Da kann man einen Huber beobachten, der viel und hart trainiert hat, damit die Fakten stimmen. "Huber will immer alles richtig machen", sagt der CSU-Parlamentarier Walter Eykmann. Wie ein Bankprofi hilft sich Huber diesmal mit Erklärungen, die mit einem Freispruch in eigener Sache enden. Huber kannte schon bessere Zeiten. Als Finanzminister hat er sich wegen seines Fachwissens immer unschlagbar gefühlt. Ausgerechnet dort muss er nun Trümmer der Vorgänger beseitigen. Die Landesbank-Krise ist auf ihn übergeschwappt. CSU-Abgeordnete zählen bereits seine Mankos auf: Er sei "zu ehrgeizig" und "nicht genug sensibel". Ihm fehle es an "Feinfühligkeit im Umgang mit anderen". Fehler einzugestehen, müsse er noch lernen. "Huber muss leiden, um wieder Bodenhaftung zu bekommen", meint der CSU-Parlamentarier Hermann Imhof. Zu lange habe er "bedingungslosen Gehorsam" erlebt, "das färbt ab".

Ausputzer von Altlasten: Huber vor der Bayerischen Landesbank in München© Frank Mächler/DPA

Es mag an einer Berufskrankheit liegen, dass Huber nach den vielen Jahren der Dienerschaft für Stoiber vergessen hat, dass es noch anderes gibt als "mir an mir" oder "Augen zu und durch". Dass es nicht nur ums Fingerhackl'n geht und im Ernstfall darum, vermeintliche Feinde oder Störenfriede einen Kopf kürzer zu machen. Eigentlich ist Huber ja ein netter Kerl. Alle gestehen ihm große analytische Fähigkeiten zu, Fleiß und die Gabe, zuzuhören. Seine Generalsekretärin Christine Haderthauer sagt über ihn: "Huber ist wahnsinnig verlässlich und effektiv. Auch unkompliziert. Er ist jemand, der sich selbst vernachlässigt und nicht an sich denkt". Haderthauer meint, Huber passe zur "modernen Auffassung von Menschen über Politik". Das Merkwürdige ist nur, dass in der CSU die Achtung vor dem anderen nie sehr ausgeprägt war, wenn es um Machterhalt ging. Und das war Hubers Metier, das hat er von der Pike auf gelernt. Sein Lehrmeister hieß Franz Josef Strauß, der ihn 1987 zum stellvertretenden Generalsekretär machte.

Neue Zeiten, neue Köpfe

Auf dem mit dem Buchstaben S markierten Stuhl sitzt er jetzt und leidet darunter, dass ihm Vorzüge zu Nachteilen geraten. Zum Beispiel seine Detailkenntnis, sein Provinzialistentum. Wie bayerische Dörfer schöner gemacht werden, weiß Huber immer noch am besten. Sein Auftritt bei der Bundeswehr in Afghanistan war dagegen kein glänzender. Neue Zeiten, neue Köpfe: Die Wähler zögen Politiker vor, die nicht vollkommen sind und Fehler zugeben, meint Haderthauer. Solche Selbstverständlichkeiten werden bei der CSU gewürdigt wie ein neu entdecktes Kapitel der Bibel. "Wir sind froh, dass der autoritative Stil vorbei ist", atmet Reinhold Bocklet, vormals Minister unter Stoiber, tief durch.

Seit dem letzten Kurzurlaub zu Ostern ist Hubers Haarpracht auf einen Zentimeter geschrumpft und er sieht noch kantiger aus als ehedem. Am Wochenende wird in Wildbad Kreuth wieder einmal hinter verschlossenen Türen getagt, Ehrengast: Edmund Stoiber. Da wird Huber das antrainierte Hartsein brauchen können. Es geht - wieder einmal - um die Zukunft der CSU. Das ist auch Hubers Zukunft.

Von Gabriele Rettner-Halder
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
ritchie (06.04.2008, 20:01 Uhr)
Die CSU kann gut mit Geld umgehen?
Transrapid, komplettes Versagen in der Landesbank etc. Hieß es nicht immer die Sozis könnten nicht mit Geld umgehen? Huber ist nur einer der Politiker, die sich in Aufsichtsratssitzungen mit Kaffee und Plätzchen zufriedengeben und offensichtlich die gezeigten Charts plus Datenmaterial nullkommanull verstehen bzw. fachlich gar nicht hinterfragen können. Die werden doch vom Vorstand in angenehmer Atmosphäre quasi im Stehen auf der Treppe verarscht.
ganzbaf (04.04.2008, 22:30 Uhr)
Tja, jetzt haben sie auch keine Pauli mehr...

Nun geht es an die Substanz ;-=DELIKATESS - MAYONAISE! ;-PP
tibopa (04.04.2008, 16:17 Uhr)
Neue Zeiten, neue Köpfe
Müssen diese zwei Suppenkasper von CSU was darstellen für die Politik?
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