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9. Januar 2012, 17:19 Uhr

Frau Wulff zu Gast bei "Freunden"

Trotz der Mailbox-Affäre mit der "Bild"-Zeitung: Die Kanzlerin rückt nicht von Christian Wulff ab. Seine Frau kassiert Lob für einen Besuch beim Springer-Konzern.

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"Eine Souveränität, die man bei ihrem Mann derzeit leider sehr vermissen muss": Bettina Wulff im Springer-Verlagshaus© Christian Charisius/DPA

Während sich die Causa Wulff weiter um die Mailbox-Affäre mit der "Bild"-Zeitung" dreht, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Bundespräsidenten erneut den Rücken gestärkt: Sie rechne nicht mit einem Rücktritt Christian Wulffs und sehe keine Veranlassung über eine Nachfolge nachzudenken, teilte Sprecher Steffen Seibert in Berlin mit.

Merkel werde am Donnerstag an der Spitze des Kabinetts am Neujahrsempfang Wulffs teilnehmen und freue sich auf das Wiedersehen mit dem Bundespräsidenten bei dieser Gelegenheit. Seibert betonte erneut, es gebe keine Absprache der Koalitionspartner für den Fall eines Rücktritts Wulffs.

Trotz der Auseinandersetzung ihres Mannes mit der "Bild"-Zeitung besuchte Bettina Wulff am Montag das Springer-Verlagshaus in Hamburg. Zur Überraschung vieler prominenter Gäste zeigte sie sich beim Neujahrsempfang des zu Springer gehörenden "Hamburger Abendblatts". Sie mischte sich unter die rund 1000 Gäste und bahnte sich selbstbewusst ihren Weg durch die Menschenmenge. Die Mailbox-Affäre ihres Mannes wollte sie nicht kommentieren: Dazu sei alles gesagt, zitiert abendblatt.de Bettina Wulff. Die Springer-Medien berichteten recht zurückhaltend über den Besuch. "Welt Online" und "Bild.de" griffen auf Agenturmaterial zurück, berichteten nicht selbst über den Blitzbesuch der Präsidentengattin. Die fing sich ein Lob von Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, ein: "Ich bin sehr überrascht, dass Frau Wulff heute hier ist. Das zeugt von einer Souveränität, die man bei ihrem Mann derzeit leider sehr vermissen muss."

Unterdessen ergab eine aktuelle Umfrage, dass sich 55 Prozent der Bürger von Bundespräsident Christian Wulff nicht gut vertreten fühlen. Dass das Staatsoberhaupt Gefälligkeiten von Freunden angenommen hat, stört dagegen nur eine Minderheit: 52 Prozent der vom Forschungsinstitut YouGov Befragten teilen die Auffassung Wulffs, dass man sich von Freunden ohne Probleme Geld leihen können muss.

Wulff widerspricht "Bild" widerspricht "Wulff"

Wulffs Anwalt Gernot Lehr widersprach am Montag erneut der "Bild": Der Präsident habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann den kritischen Artikel in dem Blatt lediglich verschieben, aber nicht verhindern wollen, sagte der Jurist im Deutschlandfunk. Es sei ärgerlich, dass der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur Nikolaus Blome diese Behauptung erneut aufgestellt habe.

Wulff sei in höchster Sorge gewesen, dass die Berichterstattung der "Bild" die Privatsphäre der Unternehmergattin und Kreditgeberin Edith Geerkens belasten würde. "Und deshalb bat er dringend darum, dass er die Chance bekommt, die Sache noch einmal mit der Redaktion zu besprechen", sagte Lehr.

Ob der Wortlaut von Wulffs Mailbox-Nachricht veröffentlicht werde, sei Sache der Medien. "Bild" hatte Wulffs Zustimmung dazu erbeten, die dieser aber nicht erteilte. "Es ist nicht richtig, dass hier eine große Angst besteht vor einer Veröffentlichung, aber es ist Angelegenheit der "Bild"-Zeitung, diesen Tabubruch zu begehen", sagte Lehr. Bei dem Telefonat habe es sich um ein Vier-Augen-Gespräch gehandelt.

"Der Präsident ist aufs Ganze gegangen"

"Bild"-Mann Blome hatte am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Günther Jauch" gesagt: "Der Bundespräsident hat vielleicht das Verschieben als Etappe gesehen, das Verhindern ganz eindeutig als Ziel."

Wulff hatte dagegen in der vergangenen Woche in einem Interview von ARD und ZDF erklärt, es sei ihm nur darum gegangen, dass die Berichterstattung um einen Tag verschoben wird, bis er von seiner Auslandsreise zurück sei, um darüber miteinander reden zu können.

Blome sagte in der ARD, Wulff sei ein enormes politisches Risiko eingegangen, indem er sich auf der Mailbox verewigt habe. "Der Präsident ist aufs Ganze gegangen mit einem politischen Risiko, weil er das Ganze wollte, nämlich diesen Bericht zu verhindern."

fw/DPA/Reuters
 
 
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