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22. Dezember 2011, 09:00 Uhr

Viel Wirbel um wenig

In Deutschland belegt Bundespräsident Wulff mit seiner Affäre um Privatkredit und Unternehmerkontakte seit Tagen die Schlagzeilen. In der Schweiz und Österreich sieht man die Vorkommnisse gelassener. Ein Blick in die Zeitungen.

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Kickern unter Freunden: Christian Wulff, damals Ministerpräsident Niedersachsens, mit Carsten Maschmeyer© Jochen Lübke/DPA

Kurz vor Weihnachten belegt Christian Wulff weiterhin die Titelseiten der Tageszeitungen. Auch im deutschsprachigen Ausland wird die Äffäre um den Bundespräsidenten zum Thema - allerdings mit einem anderen Fokus. Ein kurzer Blick nach Österreich und in die Schweiz:

"Die Presse" aus Wien/Österreich

Die konservative Tageszeitung "Die Presse" aus Wien erinnert ihre Leser an die "deutsche Tugend, aus eigenem Fehlverhalten Konsequenzen zu ziehen":

"Solange die Frage nicht geklärt ist, ob die Verstrickungen Wulffs mit diversen Unternehmern ein klarer Fall von Freunderlwirtschaft oder lediglich politischer Kurzsichtigkeit geschuldet sind, gilt für das Staatsoberhaupt die Unschuldsvermutung. [...] Sollte sich herausstellen, dass Wulff in der Sache den niedersächsischen Landtag hinters Licht geführt hat, wäre er nicht mehr zu halten."

Allerdings, so schließt der Kommentator nicht völlig ironiefrei, müsse ein Rücktritt noch nicht das Ende für Christian Wulff bedeuten. "Reuige Sünder bekommen oft eine zweite Chance". Ein "leuchtendes Vorbild" liefert der Schreiber auch gleich mit: Karl-Theodor zu Guttenberg.

"Neue Zürcher Zeitung" aus der Schweiz

Die "Neue Zürcher Zeitung" aus der Schweiz glaubt, dass mit den Attacken gegen den Bundespräsidenten eigentlich jemand anders getroffen werden soll:

"Das Problem in der Affäre Wulff besteht darin, dass die deutsche Landespolitik viel mehr als die Bundespolitik in einem engen Geflecht von Wirtschaftsinteressen und politischem Handeln stattfindet. Oft ist dabei die Grenze zwischen Erwünschtem und Unerlaubtem unscharf. Aber eine Entourage von einflussreichen Wirtschaftsfiguren ist allein noch kein staatsgefährdendes Risiko. Aus den bis jetzt erkennbaren Vorwürfen lässt sich ein solches auch kaum nachweisen.

Man wird den Eindruck nicht los, dass mit der reichlich trivialen Affäre um den Bundespräsidenten letztlich seine politische Mentorin, die Bundeskanzlerin, getroffen werden soll. Es spricht für diese, dass sie sich bis jetzt aus diesem vorweihnächtlichen Theater herausgehalten hat."

jwi/DPA
 
 
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