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17. Juni 2010, 12:53 Uhr

Wehrpflicht abschaffen?

Pro und Contra

Wehr- und Zivildienst dauern ab Juli nur noch sechs statt bisher neun Monate. Das hat der Bundestag heute beschlossen. Doch es könnte noch radikaler kommen: Wegen leerer Staatskassen steht die Wehrpflicht längst komplett infrage. Richtig so, meint Hans Peter Schütz. Vergesst es, sagt Lutz Kinkel.

Einige unserer Volksvertreter, zumeist in der CDU/CSU oder auch in der SPD politisch zuhause, haben als kleine Jungs offenbar zu lange mit Zinnsoldatchen gespielt. Die Kriegsspielchen von einst lähmen heute erkennbar ihre Kraft, vernünftig über die Abschaffung der Wehrpflicht nachzudenken. Dass jetzt schnell noch ein Gesetz über die Wehrdienstverkürzung auf sechs Monate in den Bundestag eingebracht wurde, das ist so sinnvoll, wie wenn die Bundeswehr am Horn von Afrika im Ruderboot auf Piratenjagd ginge.

Die Wehrpflicht hat doch ausgedient. Gehört ausgemustert wg. Untauglichkeit. Aus mehreren Gründen:

Erstens. Der Kalte Krieg ist seit 20 Jahren beendet. Als die Panzerdivisionen des Warschauer Pakts an der deutschen Ostgrenze aufgereiht waren, war die Wehrpflicht Gebot der demokratischen Sicherheit der Republik. Am Hindukusch werden wir bekanntlich nur von Freiwilligen "verteidigt". Der Wehrpflicht fehlt damit hierzulande die sicherheitspolitische und demokratische Legitimation. Ringsum ist die Bundesrepublik umgeben von europäischen Freunden und Verbündeten.

Zweitens. Wehrgerechtigkeit ist inzwischen unerreichbar und sie ist das zentrale Argument für die Verteidigung der Wehrpflicht. Dienen muss doch heute fast nur noch, wer nicht clever genug ist, sich davor zu drücken. Oder zufällig noch nicht weiß, was er künftig machen will. Wie gerecht ist ein Wehrpflichtsystem, bei dem nur noch zwölf Prozent eines Jahrgangs zum Dienst eingezogen werden? Das ist keine Wehrpflicht, das ist willkürliche Wehr-Schikane.

Drittens. Nach sechs Monaten Wehrpflicht ist man kein moderner Soldat. Kriegsgerät und Kriegsführung von heute setzen hoch spezialisiertes Expertentum voraus. Aus den Knarren in der Hand des Infanteristen sind längst technisch hoch komplexe Waffensysteme geworden. Und wird die Bundeswehr wie geplant aus Kostengründen bis 2014 auf 150.000 Mann abgespeckt, indem man 40.000 Berufs- und Zeitsoldaten einspart, dann ist eine vernünftige Ausbildung der Wehrpflichtigen überhaupt nicht mehr möglich. Absoluten Vorrang muss die Ausbildung für Auslandseinsätze haben.

Es gibt ein gewichtiges Argument, das gerne für die Beibehaltung der Wehrpflicht benutzt wird: Mit ihrer Aufhebung verliere das ohnehin unterfinanzierte Sozial- und Gesundheitssystem mit einem Schlag zehntausende Wehrdienstverweigerer, die dann als billige Arbeitskräfte wegfallen. Das lässt sich nicht bestreiten. Aber verfassungsrechtlich lässt sich damit nicht argumentieren. Denn ein viel gewichtigeres Argument im Sinne unserer Verfassung ist doch, dass sich die persönliche Einengung eines Bundesbürgers durch die Wehrpflicht nur rechtfertigen lässt, wenn ohne sie eine militärische Gefährdung der Demokratie droht. Und das ist nicht der Fall.

Also: Mustern wir die alte Bundeswehr aus. Her mit der Berufsarmee, die wirklich beherrscht, was heutzutage operativ notwendig ist. Auch wenn es von den Volksvertretern Müller, Maier, Schulze, die alle nicht der FDP, den Grünen und der Linkspartei angehören, den Verzicht auf eine Kaserne in ihrem Wahlkreis erfordert.

KOMMENTARE (10 von 18)
 
Dr.Tonklin (18.06.2010, 12:28 Uhr)
@Takapuna
"Viele junge Menschen, die sowohl Zivildienst als auch Wehrdienst leisten lernen Dinge, die sie im späteren Leben anwenden können. Teamgeist, Selbstständigkeit, Verantwortung fallen nicht vom Himmel. Viele wissen erst nach diesen Erfahrungen (ob nun schlecht oder gut) was sie anschließend wirklich machen wollen."

Viele junge Menschen verfügen bereits über genau diese Fähigkeiten, die sie deshalb nicht noch einmal durch den Staatsdienst neu erlernen müssen. Und nicht weniger junge Menschen wissen bereits nach der Schulausbildung sehr genau, was sie später machen wollen - was sie auch gerne sofort danach machen WÜRDEN. Ich hätte nach meiner Schulzeit, in der ich genug Teamgeist, Selbständigkeit und Verantwortung erlernt habe, das sie für's Leben reicht, auch lieber gleich mit dem Studium angefangen, vor allem weil man dann noch im richtigen Rhythmus und im besten geistigen Alter ist. Der Wehr-/Zivildienst wird dagegen für sehr viele junge Männer zu einer regelrechten Bremse. Auch nur ein halbes Jahr von oftmals stupidem und geistig anspruchslosem Dienst kann da Spuren hinterlassen.
Takapuna (18.06.2010, 11:03 Uhr)
Pro Wehrpflicht
Das die Wehpflicht z.Zt. nicht gerecht ist, kann man wirklich nicht behaupten.
Die Wehpflicht abzuschaffen ist aber keine Lösung.
Eine teurere Berufsarmee ist aber keine wirkliche Alternative.
Wir alle wollen keine isolierte Streitkräfte, die sich am Rande der Gesellschaft als der hässliche und ungeliebte Hund befindet.
Dann kann man gleich eine Söldnerarmee anheuern, die man ggf. bei jeder Gelegenheit verklagen kann.
Die Berufsarmee kostet mehr Geld (es sei denn diese wird billig ausgestattet), und die Kosten im Sozialsystem werden auch steigen wenn die Zivis wegfallen.
Die Freiheiten, die wir in Deutschland genießen scheinen mittlerweile selbstverständlich zu sein. Das sich Gegebenheiten schneller ändern können als gedacht, sollte man zumindest aus den WK II gelernt haben.
Das Wahnsinnige wie Hitler sich nicht mit Sitzblokaden, Sanktionen, Transparenten oder Empörungen aufhalten lassen, sollte auch jeder wissen.
Die einzige Pflicht der Bürger scheint sich auf das Zahlen von Steuern zu reduzieren.
Man kann den Faden auch so weit spinnen, dass die Polizei ebenfalls privatisiert wird, um Gelder zu sparen;
die Feuerwehren werden ebenfalls privatisert.

Viele junge Menschen, die sowohl Zivildienst als auch Wehrdienst leisten lernen Dinge, die sie im späteren Leben anwenden können. Teamgeist, Selbstständigkeit, Verantwortung fallen nicht vom Himmel. Viele wissen erst nach diesen Erfahrungen (ob nun schlecht oder gut) was sie anschließend wirklich machen wollen.

Satyros (18.06.2010, 09:02 Uhr)
Praktkantenarmee
In sechs Monaten lernt der Rekrut ja kaum, wie er sich selbst in den Fuss schiesst...
Die Verteidigung des Vaterlandes ist in Deutschland ein hoechst unwahrscheinlicher Eventualfall geworden. Die Hindukuschfront zaehlt da fuer mich nicht mit! Somit ist die einzige Loesung eine gut bezahlte Profitruppe. Wie in den USA kann man dort die dafuer geeigneten Rambo-Typen einstellen, einschliesslich Hell's Angels, Fussballrowdies etc. Auf europaeischer Ebene waere es noch viel besser und kostenguenstiger.
michianso (18.06.2010, 08:48 Uhr)
Oh weh
Ein Staat im Staat. Klar, wenn es sich um die Armee eines totalitären Staates handeln würde, wenn wir in Nordkorea wären, ja, dann würde ich auch gewisse Tendenzen sehen, gewisse Risiken.

Aber bei uns? Geradezu lächerlich. Dann wären auch der BND, die Freimaurer, ja sogar die Bayern ein Staat im Staat.

Fakt ist, dass man bei nur 6 Monaten Wehrdienst in machen Positionen wahrlich nicht mehr eingesetzt werden kann.

Ich habe meinen Zivi als Rettungssanitäter beim DRK absolviert. Und ich bin froh das gemacht zu haben. Hier hat Herr Kinkel tatsächlich Recht: Man lernt etwas, man geht anders aus den X Monaten Wehrdienst heraus, als man hineinging.

Aber gerade für einen solchen Einsatz sind 6 Monate viel zu wenig. Allein die Ausbildung dauert 1 Monat (eigentlich erschreckend, oder, wie schnell man auf Schwerverletzte losgelassen wird), wie der Hase läuft, weiss man aber erst etliche weitere Wochen später. Hinzu kommen die üblichen Ferien, also ca. 2 Wochen.

Somit bleiben noch 4.5 Monate, die man dem DRK zur Verfügung steht. Man verlässt den Laden also gerade zu dem Zeitpunkt, zu dem man so richtig drin ist, zu dem man fit ist.

Das macht wirklich Sinn!

Somit bleiben nur zwei Möglichkeiten: Abschaffen oder nicht kürzen, bzw. auf ein Mass verlängern, das den Einsatz von Zivis rechtfertigt und möglich macht.

Meine Meinung: Abschaffen und die jungen Leute früher mit ihrer Ausbildung beginnen lassen. Das spült ein zusätzliches Jahr Beiträge in die Rentenkasse.

Und die freigewordenen Jobs kann man mit Langzeitarbeitslosen besetzen, die sich bislang gekommt um die Annahme eines Jobs gedrückt haben (nicht diejenigen, die sich trotz grösster Bemühungen nicht etablieren können). Damit spart man also auch einen dicken Batzen an Sozialbeiträgen.
basti411 (18.06.2010, 08:33 Uhr)
Teure Berufsarmee
Das man in Zeiten von knappen Haushaltskassen gerne an der Wehrpflicht sparen möchte ist auf den ersten Blick ja gar nicht mal so blöd...
Aber man sollte mal drüber nachdenken, was so eine Entscheidung für Folgen haben könnte:
Andere Armeen in anderen Ländern haben gezeigt, dass der Übergang zur Berufsarmee langfristig eher mehr Kosten verursacht als weniger.
Denn wir deutschen rekrutieren einen Großteil unserer späteren Zeit- und Berufssoldaten aus den Reihen der Wehrpflichtigen heraus, die während ihres (zur Zeit noch) 9-Monatigen Dienstes ein Interesse für die Bundeswehr entwickeln.
Fällt nun die Wehrpflicht weg müssen wir den nötigen Nachwuchs auf andere Art und Weise zur Bundeswehr holen. Und zwar über teuere Nachwuchs-Kampagnien und über mehr finanzielle Anreize für den Dienst an der Waffe.
Denn es wird sich kaum noch einer für einen Beruf entscheiden von dem er nicht weiß was ihn erwartet, ohne dass er das Gefühl bekommt für seinen, oftmals gefährlichen, Einsatz entsprechend bezahlt zu werden.
cocoa_magazin (18.06.2010, 07:57 Uhr)
Abschaffen EU-wei
Ich bin für die komplette Abschaffung aller Bundeswehren in der EU. Lieber sollte eine EU-Truppe von 200.000 Spezialisten gebildet werden. Was würde das an Geld sparen. Und das Ergebnis wäre um einiges besser als, hunderttausende Wehrpflichtige, die man zwingt.
Turmfalke (18.06.2010, 07:56 Uhr)
Wehrpflicht abschaffen
6 Monate Wehrpflicht sind ein Witz, was will man da jemandem beibringen ?
Alles unter 1 Jahr ist sinnlos, also entweder
eine Berufsarmee oder mindestens 1 Jahr
dienen.
In Anbetracht der Lage plädiere ich für eine Berufsarmee, immer mehr Auslandseinsätze sind für " Amateure " nicht tragbar.
Aber unsere verlogene Politikerkaste hält wie immer am falschen fest.
tepes (18.06.2010, 07:34 Uhr)
sellten so ein, aus der Nase gezogenen, Kommentar gelesen,der absolut nichts wahres beinhaltet Herr Kinkel
wenn einem nichts anständiges einfällt, sollte man das Schreiben einfach lassen...Klar, Rambos in die Bundeswehr und diese gründen ein Staat im Staate(ich weiß nicht ob ich lachen sollte oder weinen!) Und die Schützenvereine im Lande gründen dann Freikorps und die Geschichte wiederholt sich. Wie geschrieben: Selten so ein Schwachsinn gelesen!!
DLpro (18.06.2010, 06:22 Uhr)
Die Überschrift....
sollte heißen :WEG MIT DIESER IDIOTENREGIERUNG !!!.So schaut´s aus.
Papayu (18.06.2010, 04:37 Uhr)
Bundeswehr
Gegen wen wehrt sich der Bund????
Ganz abschaffen? Geht doch nicht, denn wer blaest dann Andrea den Marsch?? Vielleicht war Horst Koehler der letzte, dem der Marsch geblasen wurde.
Macht es doch wie die Schweiz, die hatten frueher ihre Knarre zu hause ueber der Tuer, dann haben sie die Fahrradkompanien abgeschafft.
Und wenn einer Soldat spielen will, kann er sich beim Papst melden, kriegt ne uralte
Uniform mit ner neuen Knarre und dient dem Papst und Gott.
Ich stell mir das lustig vor, die Ehrengarde in den alten Uniformen (Karneval in Venedig)
spielt den Zapfenstreich. Wie im dreissigjaehrigen Krieg. Ich krieg mich nicht mehr.
PS. Ein ganzen Ministerium faellt weg, was fuer eine Kostenersparnis!!!!
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