Die SPD will dem Steuervorteil für verheiratete Paare den Garaus machen. Motive dafür gibt es genügend - Widerstände auch. An vorderster Front für den Erhalt des Ehegattensplittings kämpft die CSU. Dabei gehört es längst abgeschafft. Von Monika Dunkel
Opposition macht mutig. Die SPD fordert im Entwurf ihres neuen Fortschrittprogramms eine Reform des Ehegattensplittings. Angesichts der Vielfalt von Lebensentwürfen fernab der klassischen Ein-Personen-Versorger-Ehe sei das Splitting nicht mehr zeitgemäß, heißt es dort.
Aus der CSU folgte prompt Widerstand. In der rot-grünen Regierungszeit scheiterte die Abschaffung des Ehegattensplittings allerdings noch an den Genossen selbst. Kanzler Gerhard Schröder fürchtete seinerzeit die Wut des Wahlvolks. Dass das Ehegattensplitting bis heute besteht, führt die Verfassungsrechtlerin Ute Sacksofsky darauf zurück, dass die "politische Elite zu erheblichen Teilen Nutznießer der Förderung ist".
Aus Sicht der Frankfurter Verfassungsjuristin gehört das Splitting abgeschafft. Die Maßnahme benachteilige Frauen, zementiere überholte Familien- und Geschlechterbilder und fördere vor allem gut verdienende Männer, deren Frauen zu Hause blieben oder Teilzeit arbeiten. Sie fordert eine konsequente Individualbesteuerung. Auch der Jurist Joachim Wieland hält das Ehegattensplitting für überholt. Die "Financial Times Deutschland" nennt sechs Gründe für seine Beendigung.