. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
12. Januar 2011, 21:28 Uhr

Weg mit dem Ehegattensplitting!

Frauenfeindlich und teuer

Die SPD will dem Steuervorteil für verheiratete Paare den Garaus machen. Motive dafür gibt es genügend - Widerstände auch. An vorderster Front für den Erhalt des Ehegattensplittings kämpft die CSU. Dabei gehört es längst abgeschafft. Von Monika Dunkel

Opposition macht mutig. Die SPD fordert im Entwurf ihres neuen Fortschrittprogramms eine Reform des Ehegattensplittings. Angesichts der Vielfalt von Lebensentwürfen fernab der klassischen Ein-Personen-Versorger-Ehe sei das Splitting nicht mehr zeitgemäß, heißt es dort.

Aus der CSU folgte prompt Widerstand. In der rot-grünen Regierungszeit scheiterte die Abschaffung des Ehegattensplittings allerdings noch an den Genossen selbst. Kanzler Gerhard Schröder fürchtete seinerzeit die Wut des Wahlvolks. Dass das Ehegattensplitting bis heute besteht, führt die Verfassungsrechtlerin Ute Sacksofsky darauf zurück, dass die "politische Elite zu erheblichen Teilen Nutznießer der Förderung ist".

Aus Sicht der Frankfurter Verfassungsjuristin gehört das Splitting abgeschafft. Die Maßnahme benachteilige Frauen, zementiere überholte Familien- und Geschlechterbilder und fördere vor allem gut verdienende Männer, deren Frauen zu Hause blieben oder Teilzeit arbeiten. Sie fordert eine konsequente Individualbesteuerung. Auch der Jurist Joachim Wieland hält das Ehegattensplitting für überholt. Die "Financial Times Deutschland" nennt sechs Gründe für seine Beendigung.

Das Splitting ist keine Familienförderung

Das Ehegattensplitting begünstigt die amtlich registrierte Ehe von Mann und Frau. Kinder spielen für die Förderung keine Rolle. Rund 40 Prozent der begünstigten Ehen sind laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung kinderlos. Eltern ohne Trauschein und deren Nachwuchs - etwa ein Drittel der Geburten - ignoriert das Splitting, ebenso Alleinerziehende oder Homosexuelle mit Kindern. Rund ein Viertel aller Kinder leben inzwischen außerhalb von Ehen. Sie werden von finanziellen Entlastungen ausgeschlossen.

Zudem werden verheiratete Elternpaare sehr ungleich gefördert, denn die steuerliche Förderung hängt allein von Höhe und Unterschied zwischen den Einkommen der Eheleute ab, nicht von der Kinderzahl. Sind beide Ehepartner mit Kindern berufstätig und verdienen etwa gleich viel, ist die Entlastung gleich null. Die kinderlose, nicht berufstätige Zahnarztgattin hingegen steigert das Nettoeinkommen ihres Mannes monatlich um einige Tausend Euro.

Das Ehegattensplitting ist teuer

Laut Familienministerium kostet es rund 20 Mrd. Euro jährlich. Es gehört damit zu den größten familienpolitischen Leistungen, die sich auf rund 185 Mrd. Euro belaufen. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will zwar bis 2013 alle familienpolitischen Leistungen evaluieren. Dass sie am Ehegattensplitting rüttelt, gilt aber als ausgeschlossen. Schon ihre christdemokratische Vorgängerin Ursula von der Leyen war daran gescheitert.

Das Splitting ist frauenfeindlich

Der Splittingvorteil führt dazu, dass sich für Frauen mit gut verdienenden Ehemännern das Arbeiten nicht lohnt. Dies ist mitverantwortlich dafür, dass die Erwerbsquote von Frauen und ihr Einkommensniveau im OECD-Vergleich hierzulande niedrig sind.

Zudem steht die steuerliche Entlastung in Ein-Verdiener-Ehen rechtlich nur der erwerbstätigen Person zu. Die Verfassungsrechtlerin Sacksofsky bemängelt zudem einen "eklatanten Widerspruch politischen Handelns".

Einerseits fordere der Staat mehr Eigenverantwortung von Frauen, indem er ihre Unterhaltsansprüche reduziere. Andererseits setze er mit der steuerlichen Förderung der Ehe Anreize für Frauen, sich in wirtschaftliche Abhängigkeit zu begeben.

Das Splitting ist überholt

Hinter dem Splitting steckt ein veraltetes Familien- und Geschlechterbild, das dem Familienvater die Berufsarbeit und der Frau die unbezahlte Haus- und Erziehungsarbeit zuordnet. Ursprünglich erdacht hat sich die Prämie 1934 Hitlers Finanzstaatssekretär Fritz Reinhardt zur "Erzeugung nationalsozialistischen Nachwuchses".

Profitieren sollten nur Paare, die innerhalb von fünf Jahren Kinder liefern würden. Sonst fiel das Paar in die schlechtere Steuerklasse eins zurück.

Das Splitting fördert den Westen

93 Prozent des Splittingvolumens fließen in die alten Bundesländer. Der Osten profitiert kaum, da die Erwerbsbeteiligung der Frauen höher und die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen niedriger sind.

Das Splitting ist verfassungsrechtlich nicht vorgeschrieben

Das Grundgesetz schreibt nur den Schutz von Ehe und Familie vor. Das Splitting sei lediglich eine freiwillige Subvention der Ehe, so Wieland und keineswegs vorgeschrieben.

MEHR ZUM ARTIKEL
Pro und Contra zur Frauenquote Nicht nur Frauensache

Skandinavien hat sie schon, Deutschland diskutiert noch. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt sie ab, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen befürwortet sie. Was bringt eine Frauenquote? Auf stern.de streiten sich zwei Männer. mehr...

Ursula von der Leyen und Kristina Schröder Zwei Frauen debattieren über die Quote

Die eine will 30 Prozent, die andere appelliert an die Freiwilligkeit: Einig sind sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Familienministerin Kristina Schröder nur darin, dass es eine Frauenquote geben soll. Die EU-Kommission schlägt sich eindeutig auf eine Seite mehr...

Zehn Jahre Frauen in der Bundeswehr Der lustvolle Kampf gegen Matsch und Männer

Seit dem 1. Januar 2001 dürfen Frauen überall in der Bundeswehr dienen. Viele haben sich durchgesetzt, doch es gibt auch nach zehn Jahren Probleme. Sie sind oft hausgemacht. mehr...

Statistisches Bundesamt Westdeutsche Frauen bekommen später Babys

Frauen in Ostdeutschland bekommen früher Kinder als in Westdeutschland und sind beim ersten Kind meist ledig. mehr...

Parteireform CSU verpasst sich Frauenquote

Die CSU versucht sich zu reformieren und so ihren Abwärtstrend zu stoppen. Die Mitglieder sollen mehr mitreden - und Frauen 40 Prozent der Ämter besetzen. Parteichef Horst Seehofer gesteht aber ein, dass die Frauenquote schwer erreichbar ist. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe