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18. November 2008, 19:06 Uhr

Tempolimit auf Autobahnen?

Weniger Unfälle, weniger Emissionen: Die Vernunft spricht für ein allgemeines Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf den Autobahnen. Auch die Linkspartei will es einführen. stern.de prüfte, welche Chancen es gibt, diese Forderung - gegen den Widerstand der Industrie - umzusetzen.

Runter vom Gas: Die Linkspartei fordert ein Tempolimit auf Autobahnen© David Hecker/DDP

Beim Wort genommen

"Ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen wird eingeführt." (100-Punkte-Programm der Linkspartei)

Die Sicht der Linken

Freie Fahrt für freie Bürger? Oder mehr Sicherheit und Umweltschutz? Dorothée Menzner, verkehrspolitische Sprecherin der Linkspartei, sagt zu dieser Frage im Gespräch mit stern.de: "Ein Tempolimit auf Autobahnen trägt zu einer geringeren Zahl von Unfällen, Verkehrstoten und Verletzten bei. Das zeigen die Erfahrungen, die auf Autobahn-Abschnitten mit Geschwindigkeitsbeschränkungen bereits gemacht wurden. Ein weiteres Argument für ein Tempolimit ist das Kyoto-Protokoll. Darin hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, ab 2013 deutlich weniger Treibhausgas in die Luft zu pusten. Kluge Autofahrer wissen es: Bei Reisegeschwindigkeiten zwischen 110 und 120 Kilometer pro Stunde kann der Treibstoffverbrauch durchaus um ein Drittel niedriger sein als bei Tempo 140 - und damit auch der Ausstoß klimaschädlicher Gase."

Michael Gehrmann

Michael Gehrmann Bundesvorsitzender des Verkehrsclub Deutschland (VCD) "Deutschland ist das einzige Land weltweit, in dem auf Autobahnen noch unbegrenzt gerast werden darf. Angesichts von Klimawandel und viel zu hohen Unfallzahlen ist das ein unverantwortlicher Anachronismus. Denn die unbestreitbaren Vorteile eines generellen Tempolimits liegen auf der Hand: Bei einer Begrenzung auf 120 Stundenkilometer würden sofort über drei Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart, das überfällige Downzising der Autopalette zugunsten leichter und sparsamer Fahrzeuge würde beschleunigt. Außerdem reduziert ein Tempolimit Unfallgefahr und -folgen nachweislich. Weniger Unfälle und gleichmäßigerer Verkehrsfluss durch ein Tempolimit sind obendrein wirksame Anti-Stau-Maßnahmen. Deshalb ist es gut und richtig, dass nach SPD und Grünen auch die Linke das Tempolimit auf Autobahnen in ihr 100-Punkte-Programm aufgenommen hat."

Maximilian Maurer

Maximilian Maurer Sprecher des ADAC "Der ADAC hält ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen nicht für erforderlich. Die Autobahnen in Deutschland sind bei weitem die sichersten Straßen. Auf ihnen wird rund ein Drittel der Verkehrsleistung abgewickelt. Der Anteil der Unfälle mit Personenschäden ist hingegen mit 6,2 Prozent ebenso wie der Anteil der Verunglückten mit 7,5 Prozent unterdurchschnittlich. Ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen ist im internationalen Vergleich nicht feststellbar. Die Zahl der Getöteten auf Autobahnen pro eine Milliarde Fahrzeugkilometer liegt in Deutschland bei 2,99 - mit fallender Tendenz. Zahlreiche Länder mit genereller Geschwindigkeitsbeschränkung schneiden schlechter ab als Deutschland, zum Beispiel Belgien, Österreich, Slowenien, Tschechien, USA. In Österreich, wo generell Tempo 130 gilt, ist die Getötetenrate auf Autobahnen etwa 1,5 mal höher."

Andreas Reich

Andreas Reich Anwalt für Straßenverkehrsrecht, Bremen "Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen von 120 oder 130 Stundenkilometern ist dringend erforderlich. Die Unfallstatistiken belegen, dass es deutlich weniger Unfälle gäbe, wenn nicht mehr so gerast werden dürfte. Somit macht sich jeder Politiker, der ein Tempolimit ablehnt, mitschuldig an vielen Verkehrsopfern. Es ist unverständlich, dass es in ganz Europa, nur in Deutschland kein Tempolimit gibt. Außerdem wäre es eine leicht umsetzbare Maßnahme, die sofort Sprit sparen und damit auch den CO2-Ausstoß senken würde. Die Kompetenz, das umzusetzen, liegt beim Bundesverkehrsminister, der hier gefordert ist."

Fazit

Fazit Gute Realisierungschancen Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes tragen Autofahrer, die schneller als mit 130 Stundenkilometern unterwegs sind, bei einem Unfall eine Mitschuld. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Politik gegen den ADAC und die Autolobby durchsetzt.

Markus Baluska
 
 
KOMMENTARE (10 von 37)
 
ockhams.razor (21.11.2008, 22:13 Uhr)
erstaunlich,
dass ein tempolimit (auf deutschen autobahnen) so schwer durchsetzbar ist, dabei wäre es nur der erste schritt: der zweite wäre eine strikte einschränkung der abgas- und co2- werte von pkw während ihres betriebs inklusive einer extremen untergrenze von energie- bzw. ressourcenverbrauch bei der herstellung sowie hohe steuern auf anschaffung und verbrauch und der dritte schritt wäre ein konsequentes verbot individualisierten kraftverkehrs!!! hört sich zunächst drastisch an, im sinne des kant`schen imperativs (sinngemäß und volkstümlich formuliert: es darf nur erlaubt sein, was allgemein verträglich ist) führt weltweiter automobilismus (indien, china sind dabei, europa und u.s.a zu folgen) umwelt,- verkehrs- und gesundheitspolitisch zum kollaps. also, liebe autoraser, stellt euch um - so bald und so konsequent wie möglich, bedenkt: es gibt kein grundrecht auf uneingeschränktes tempo und auf automobilität!
übrigens: die (relativ) geringe zahl an verkehrstoten deutschlandweit berücksichtigt nur die innerhalb von 30 tagen infolge eines verkehrsunfalls verstorbenen! wer z.b. 31 tage überlebt (unsere moderne apparatemedizin machts ja möglich), gilt nicht mehr als verkehrstoter!!! - seltsame statistik... -und wer sich das heer der irreversibel verkehrsunfall-versehrten vorstellen kann, die zahl geht in die zehn-und hunderttausende jährlich deutschlandweit, dazu dann addiert die feinstaub-lärm-abgas- usw. -geschädigten, dazu dann die beton/asphaltoberflächenversiegelungen unseres lebensraumes, die ressourssenverschwendung bei herstellung und entsorgung der blechkisten... hallo, hallo - und da ist selbst ein tempolimit noch fraglich? henry ford, adolf hitler, daimler, porsche, volkswagen & co. haben uns perfekt konditioniert scheint es...
F.W. (21.11.2008, 21:26 Uhr)
Testen!
Einfach mal ein gutes Stückchen Autobahn fahren in Ländern, die 130er Limit haben. Das ist ein dermaßen entspanntes Reisen (mit erstaunlich wenig Staus). Zähfliessender Verkehr aus heiterem Himmel kommt nämlich oft genug nur vor, weil die Firmenwagenfraktion mit Tempo 180 in die Eisen steigt, wenn sich einer traut, mit 140 zu überholen ;-)
Karliheinz (21.11.2008, 20:43 Uhr)
Tempolimt ???
Tempolimit,Raser und was man noch alles dem Autofahrer zur Last legen will,es gibt wichtigeres in Deutschland !
Wo bitte kann man eigentlich in Deutschland schneller als 140-150 km/h fahren ?
Man steht doch fast ständig auf dem Bremspedal und testet im Minutentakt die Gangschaltung,ebenso ist mein Tempomat kaum zu gebrauchen,auf 140 km/h eingestellt komme ich keine 4-5 Kilometer weit,dann pendelt sich die Tachonadel bei 80 km/h ein weil ich abbremsen mußte,aber nicht nur bei LKW´s !
Sich mit dem Tempolimit auf 130 km/h zu beschäftigen (Politik) ist lächerlich,auf die Tube zu drücken läßt der Verkehr schon lange nicht mehr zu und ich bin ja schon froh,wenn sich im Stau die Räder ganz langsam drehen !!!
raskas (21.11.2008, 20:36 Uhr)
Die Raserei
auf deutschen Straßen gefährdet mehr Menschenleben als der Terrorismus, gegen den Herr Schäuble mit immer abstruseren Gesetzen zu Felde zieht. Ein Tempolimit jedoch ist mit der Regierung nicht zu machen, obwohl es nicht nur Menschenleben retten würde, sondern auch gut fürs Klima wäre (weniger Verbrauch), das sich die Kanzlerin doch angeblich auf die Fahnen geschrieben hat. Zudem kostet ein Tempolimit keinen Cent und wäre sofort durchsetzbar.
SethusCalvisius (19.11.2008, 18:42 Uhr)
Da hört der Spaß auf!
Onlineschnüffelei? ok
Bundeswehr im Inneren? wenn's sein muss
Kriegseinsätze am Hindukusch? was soll's!
Tempolimit auf Autobahnen: Nicht mit uns! Revolution!!! Leute, geht auf die Straße, hängt die, die uns unser Spielzeug wegnehmen wollen!
JePi (19.11.2008, 11:17 Uhr)
Realitätsfern
auf welchen BAB's Deutschlands kann man denn noch rasen? Dank steigender Abzocke der Autofahrer durch den Staat und der sträflichen Vernachlässigung der Autobahnpflege durch den Verkehrsminister ist man doch schon froh, wenn man mal 100 Km/h fahren kann. Ich wohne im Ruhrgebiet und lade gern jeden Politiker einmal ein, mit seinem Privatfahrzeug und nicht mit Strassensperre und Eskorte, die Verkehrsadern der Ruhrregion mal morgens und späten Nachmittag auszuprobieren. Alles Gerede von Tempolimit ist "grünes" Hausfrauengewäsch.
knilch_59 (19.11.2008, 10:25 Uhr)
Tempolimit als Kulturindikator?!
Wir sind das einzige Land, das dieses Limit nicht hat. Die Debatte betrifft nur einen winzigen Bruchteil unserer Straßen, nur den kleinsten Teil der Zeit – meistens kann man sowieso nicht schneller fahren. Aber wir schreiben uns über diese Lächerlichkeit die Finger wund und reden uns die Köpfe heiß – ein merkwürdiges Spiegelbild unserer Befindlichkeit!
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Es gibt nicht DAS schlagende Argument dafür oder dagegen, sämtliche Argumentationsketten sind letztlich Pseudologik. Aber sie beleuchten unseren Umgang mit „Freiheit“ und „Obrigkeit“, unser Verhältnis zu Regeln und Normen. Da wird geschrieben, dass LKW die Plage auf deutschen Straßen sind und damit implementiert, dass die Autobahnen (vielleicht mit Ausnahme der rechten Spur) den PKW gehören – wieso eigentlich? Adolf wollte die Dinger haben, um Truppen und Militärgüter besser befördern zu können! Da wird der Fahrstil zum Ausdruck individueller Freiheit – sind Autos und Autobahnen wirklich die Institutionen, über die wir uns definieren wollen?
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Uns allen täte ein rationalerer Umgang mit dem Beförderungsmittel Auto gut. Es geht um den Nutzwert individueller Mobilität. Würde die durch ein Tempolimit eingeschränkt? Nein. Würden sich tatsächliche Fahrtzeiten relevant verlängern? Nein. Würde die Umwelt zusätzlich belastet? Nein, im Gegenteil. Würde es die Unfallzahlen steigern? Ebenfalls Nein. Es gibt – außer dass es keinen Spaß macht – kein Argument für einen nationalen Alleingang.
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Wie wäre es mit einem gesetzlich vorgeschriebenen Versuch: Für ein Jahr das Tempolimit einführen, in Folgejahr definitiv – erstmal – wieder abschaffen. Rigorose Kontrollen im Versuchszeitraum, keine Schonfristen oder Straferleichterungen, sondern wirklich so tun, als hätten wir es. Das zweite Jahr wird genommen, um anhand der tatsächlichen Erfahrungen zu diskutieren. Versuch macht klug. Und dann sehen wir weiter!
nightmare_online (19.11.2008, 09:51 Uhr)
Logik
Aus der Argumentationskette der Tempolimit-Gegner lässt sich nur ein logischer Schluss ziehen: Wir sollten alle Tempolimits abschaffen! Auch innerorts und erst recht in verkehrsberuhigten Zonen. Einerseits erhöht das weder das Unfallrisiko, andererseits erhöht das nicht den CO2-Verbrauch (oder aber nur so marginal, das man es getrost vergessen kann). Die Vorteile hingegen liegen klar auf der Hand: Es lohnt sich endlich auch innerorts wieder, sich anstelle eines 150-PS-PKW's einen 250-PS-PKW zu kaufen, der Druck auf die Autobauer noch höhere Sicherheitsstandards zu entwickeln wird erhöht. Und nicht zuletzt sorgt die generelle Abschaffung der Tempolimits dafür, das der Bürger endlich seine in allen anderen Bereichen fwhlende Freiheit auch innerorts ausleben kann. Für Tempo 200 in Fussgängerzonen!
kaisergarten (19.11.2008, 09:27 Uhr)
Warum nicht 140?
Wenn erst ab dieser Geschwindigkeit der CO2 Ausstoß signifikant steigt?
kaisergarten (19.11.2008, 09:24 Uhr)
? Scheindebatte?
Wie immer. Tempolimit rettet die Umwelt? Bla, bla. Weniger Unfälle durch Tempolimit? Glaub ich nicht. Bin jede Woche unterwegs und was ich da sehe ist der totale Wahnsinn. Unabhängig von der Klasse (auch so ein Märchen) wird rücksichtslos gefahren. Das eine ist der klassische Raser - der größte Teil sind allerdings gedankenlose Fahrer die völlig losgelöst von den Vorgängen um sie herum fahren (mal links, mal rechts ausscheren, mit Tempomat, Blinker gibt es keinen, Sommerreifen auch im Winter, etc...). Unfälle gibt es bei der Kombi meist wenn noch der LKW dazukommt - die ECHTE Plage auf dt. Straßen. Im übrigen ist bei jedem vierten Unfall Alkohol im Spiel - da bringt Tempolimit auch nix. Weniger als 17 % der Verkehrstoten auf der Autobahn - die meisten auf den Temporeduzierten Landstraßen. Tempolimit macht die Leute auch nicht zu besseren Fahrern.
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