. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
21. August 2010, 08:30 Uhr

Aufmarsch der Bürgerwehren

Revolte gegen das Milliardenspiel. Ob gegen den geplanten Bahnhof in Stuttgart oder gegen Olympia: Bürger begehren gegen Großprojekte auf, mit denen sich die Politik ein Denkmal setzen will. Von Sebastian Kemnitzer

Stuttgart 21, Bahnhof, Tanja Gönner, Oberbürgermeister, Proteste, Schweigemarsch, Mediaspree, Olympia, Olympiabewerbung, Elbphilharmonie, Initiative, Özdemir, Künast

Immer mehr Bürger demonstrieren gegen den neuen Bahnhof, das Projekt Stuttgart 21© Uwe Anspach dpa/lsw

Drastisch klingt der Aufruf auf einem Flyer: "Wir warnen vor Stuttgart 21 - wie im Mittelalter vor der Pest gewarnt wurde: in schwarzer Kleidung, mit schwarzer Kopfbedeckung und mit weiß geschminktem Gesicht." Mit diesen Worten haben Gegner des umstrittenen Großprojekts Stuttgart 21 nun zu einem Schweigemarsch einladen. Mehr als 20.000 Bürger folgten dem Aufruf. In der Woche zuvor bildeten an gleicher Stelle 18.000 Bürger eine Lichterkette, ein wahres Lichtermeer erhellte die Abenddämmerung. Was nächste Woche kommt, weiß noch keiner, sicher ist nur: Der Druck steigt auf alle Beteiligten.

Der Protest gegen Umbau und Tieferlegung des Stuttgarter Bahnhofs ist bürgerlich. Es gibt wenig Krawall, kaum Autonome, keinen schwarzen Block. "Wir demonstrieren gewaltfrei und fröhlich", sagt Gangolf Stocker von der Initiative "Leben in Stuttgart" stern.de. "Viele von uns haben sogar auf den Jahresurlaub verzichtet", so der 66-Jährige. Rentner verbünden sich mit Studenten, Kreative demonstrieren mit Konservativen. Was sie antreibt sind Nostalgie, architektonische Besitzstandswahrung, manchmal schlicht die Ablehnung des Fortschritts. Aber auch finanzielle Überlegungen. Denn Stuttgart 21 wird Milliarden kosten. Geld, das an anderer Stelle fehlen könnte. Deshalb formieren sich Tausende von Davids, die sich gegen die Geld-Goliathe auflehnen. Nicht nur in Stuttgart. Auch in Berlin und Garmisch-Partenkirchen.

Erfolg in Berlin

In der Bundeshauptstadt setzten sich die Bürger vor zwei Jahren durch: Bei einem Bürgerentscheid stimmten knapp 90 Prozent für die Vorschläge der Initiative "Spreeufer versenken". Vorausgegangen waren jahrelange Debatten um neue Bürogebäude, Hotels und Lofts am Ufer der Spree. Die Stadt versprach sich davon hohe Millioneneinnahmen. Die Initiative hielt dagegen, unter anderem forderte sie eine Mindestfreifläche am Ufer von 50 Metern. Freiflächen und Kultur statt Architektur und Kommerz, so denken viele Bürger im linken Friedrichshain-Kreuzberg. Da der Bürgerentscheid keine bindende Wirkung hatte, gehen die Proteste weiter - erst kürzlich demonstrierten die Bürger gegen einen neuen Bürokomplex am Ufer. Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält sich in der Debatte zurück, Wirtschaftssenator Harald Wolf sagt, dass "es wirtschaftlich sinnvoller sein kann, von einer überdimensionierten Planung, für die sich kein Investor findet, Abstand zu nehmen".

Die Politiker im Süden wollen keinen Abstand vom Projekt nehmen, sie wollen Stuttgart 21. Der Oberbürgermeister von Stuttgart, Wolfgang Schuster, erklärte erst vor wenigen Tagen, dass der neue Bahnhof definitiv gebaut werde. Die zuständige Ministerin Tanja Gönner sagt stern.de, dass die Verträge rechtskräftig unterzeichnet wurden. Allerdings gibt sie zu, dass es momentan schwierig sei, "mit Sachargumenten durchzudringen, schon weil bei einer Bauzeit von etwa zehn Jahren der persönliche Nutzen schwer darstellbar ist".

Seite 1: Aufmarsch der Bürgerwehren
Seite 2: Bei Prestigebauten explodieren die Kosten
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
"Stuttgart 21" Millionenauftrag ermöglichte umstrittenen Umbau

Die baden-württembergische Landesregierung soll mit einem unzulässigen Großauftrag für die Deutsche Bahn das Projekt "Stuttgart 21" auf die Schiene gebracht haben. mehr...

Münchens Bewerbung um die Winterspiele 2018 Garmisch rebelliert gegen Olympia

Für die bayerische Politprominenz ist die Olympia-Bewerbung Münchens das Prestigeprojekt schlechthin. Doch es steht auf der Kippe. Bauern und Bürger leisten Widerstand - mit Aussicht auf Erfolg. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe