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7. Juni 2010, 11:45 Uhr

Sparpaket birgt sozialen Sprengstoff

Das gigantische Sparpaket der Bundesregierung ist noch nicht einmal offiziell verkündet, da hagelt es bereits Kritik von allen Seiten. Gewerkschaften und Opposition sehen den sozialen Frieden gefährdet und wollen massiven Widerstand leisten.

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Das von Schwarz-Gelb geschnürte Sparpaket sieht vor allem Kürzungen im Sozialbereich vor© Patrick Pleul/DPA

Kurz vor Abschluss der Sparklausur der Regierung haben Gewerkschaften und SPD vor Einschnitten im Sozialsystem und bei den Arbeitslosen gewarnt. Eine "plumpe Rotstift-Politik" würde die soziale Schieflage verschärfen, erklärte am Montag Verdi-Chef Frank Bsirske.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung wolle einseitig die Schwachen in der Gesellschaft belasten, statt starke Schultern angemessen zur Finanzierung des Gemeinwesens heranzuziehen, kritisierte Bsirske. "Einschnitte bei den Rentenbeiträgen für Langzeitarbeitslose, Abstriche beim Elterngeld, Kürzungen bei den Fördermitteln für Erwerbslose, Arbeitsplatzabbau im öffentlichen Dienst - gerecht geht anders", meinte der Verdi-Chef. Stattdessen sollten große Vermögen und reiche Erben steuerlich stärker herangezogen werden.

Auch wenn das Sparpaket noch nicht offiziell unter Dach und Fach ist, so sind die Eckdaten bereits durchgesickert: Insgesamt peilt die Regierung Einsparungen für den Haushalt 2011 von rund 11 Milliarden Euro an. In den Folgejahren sollen bis 2016 jeweils etwa 8 Milliarden Euro folgen. Das größte Sparpaket in der bundesdeutschen Geschichte umfasst damit nach bisherigen Informationen etwa 51 Milliarden Euro.

Vor allem Familien, Arbeitslose und Unternehmen müssen sich auf schmerzhafte Einschnitte gefasst machen. Zur Debatte steht eine lange Streichliste mit Kürzungen, unter anderem beim Eltergeld und bei den Ausgaben für Arbeitslose. Außerdem erwägt die Regierung eine neue Brennelementesteuer für Atomkraftwerke sowie einen massiven Stellenabbau beim Bund.

SPD sieht sozialen Frieden in Gefahr

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB), Michael Sommer, sagte im Südwestrundfunk, statt im Sozialetat zu kürzen könne Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble relativ einfach zu 30 Milliarden Euro an Mehreinnahmen kommen. Zwölf Milliarden seien über eine Vermögensabgabe zu erzielen, sechs Milliarden über eine höhere Erbschaftssteuer und noch einmal zwölf Milliarden über eine Finanzmarktsteuer.

Die SPD kündigte massiven Widerstand gegen die Sparpläne der Bundesregierung an. Das Hauptproblem seien die geplanten Kürzungen bei denen, die sich kaum wehren könnten, sagte Generalsekretärin Nahles auf NDR-Info. Auf der anderen Seite traue sich die Bundesregierung nicht, zum Beispiel Spekulanten zu besteuern, um so die Einnahmesituation zu verbessern. In den Gewerkschaften, den Sozialverbänden und Umweltverbänden habe die SPD Verbündete.

Wie Verdi-Chef Bsirske, sieht auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, den sozialen Frieden in Deutschland gefährdet. Seine Partei werde mit den Gewerkschaften eine gemeinsame Front bilden, um einen "neuen Lastenausgleich" zwischen Arm und Reich zu organisieren, sagte er im Deutschlandfunk. Es gehe um eine solidarische Lastenverteilung.

Opposition plant "breites Widerstandsbündnis"

Auch die Linke will ein "breites Widerstandsbündnis" auf die Beine stellen. "Jetzt werden die Arbeitnehmer, Rentner und Familien für die Zockerei der Banken zur Kasse gebeten", sagte Parteichef Klaus Ernst. "Dagegen wird es Riesenproteste geben." Wenn die Regierung gegen das Volk regiere, dann hätten die Bürger das Recht, sich zu wehren.

Die Grünen kritisierten, die Handschrift der Koalition sei die Kürzung bei den Schwachen. Eine höhere Belastung der Vermögenden in Deutschland scheue Schwarz-Gelb wie der Teufel das Weihwasser, sagte Fraktions-Geschäftsführer Volker Beck.

APN/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 99)
 
Administrator (07.06.2010, 18:07 Uhr)
Liebe User,
wir schließen die Diskussion an dieser Stelle. Bitte diskutieren Sie hier weiter:

http://www.stern.de/politik/deutschland/haushaltskrise-koalition-beschliesst-rekord-sparpaket-1572176.html

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
miwen (07.06.2010, 17:49 Uhr)
Senfzugabe - richtig so....
Klasse Senfzugabe, dass ist ein guter Schritt und sollten auch andere gehen. Nicht nur hier schreiben
sondern auch mal eine Nachricht dorthin
senden. Sowas mache ich ab und zu auch
mal, auch wenn sich nicht viel ändern wird. Vielleicht wird sich was ändern, wenn mehrere eine Mail dorthin schicken

http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Service/Kontakt/kontakt.html

Lasst Euch einfach nichts mehr gefallen, es geht einfach nur um Gerechtigkeit.
miwen (07.06.2010, 17:43 Uhr)
gutesfeechen - Recht hast DU...
Genau so wird es sein. Alle Erhöhungen in der Wirtschaft trifft die, die in der Wirtschaft ihr Geld ausgeben. Die, die das Geld ausgeben, damit überhaupt die Wirtschaft funktioniert.

Es wird alles teurer werden, die Befürchtung habe ich auch. Somit trifft es die, die kein Geld haben doppelt so stark.

Das geht doch echt nicht. Wie kann man so ein Sparpaket mit einem Lächeln beschließen ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken.

Das ist doch echt krass und ungerecht vom Feinsten.... ich glaub ich kriege Plaque...

Die Oposition findet es AUCH so unsozial... aber was hätte denn die SPD gemacht, wäre sie an der Macht? Ich glaube uns hätte es genau so hart getroffen, uns, die Bevölkerung, die Schicht der normalen Bürger, die einfach nur Leben, arbeiten, essen und etwas Spass haben will.

Aber so ist der Spass schon lange vorbei.

Das ist ERNST UND FIES UND UNGERECHT......

Und genau da ist langsam aber auch mal der Punkt erreicht, wo sich kein Bürger, aber auch keiner sich das noch gefallen läßt.

Wäre alles anders in diesem ja so ausgeglichen Land, wo alle ja so glücklich und zu frieden sind ( das ist nicht ernst gemeint ) wären wesentlich weniger Arbeitslose vorhanden.

Weniger Steuern - bessere Preise - mehr Geld - mehr Ausgaben - mehr Ausgaben - und es wird mehr produziert - mehr Produktion - mehr Arbeitsplätze - weniger Steuern - mehr Lohn und so weiter....

einfach mal drüber nachdenken liebe Poitiker...

Und eines sage ich..... dieses mal stehe ich mit auf der Straße... die Ungerechtigkeit muss endlich ein Ende haben.... BITTE....
Senfzugabe (07.06.2010, 17:43 Uhr)
Meinungen direkt an den Verursacher
Ich habe mich jetzt mal entschlossen, meine Meinung direkt an die Giftmischer des Sparpakets zu senden. Vielleicht hat ja der Ein oder Andere auch Lust :-)

http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Service/Kontakt/kontakt.html
Senfzugabe (07.06.2010, 17:38 Uhr)
Lieber einmal zuviel...
...als einmal zu wenig. Erinnerung an unsere verfassungsmäßigen Rechte:

Artikels 20 GG

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
gutesfeechen (07.06.2010, 17:29 Uhr)
Faires Sparpaket...
laut Hn. Westerwelle, wenn dieses nicht so sehr traurig wäre, könnte man über diese Aussage herzlich lachen.

Brennstäbesteuer nun ja, diese Steuer wird an den Bürger weiter gegeben

Transaktionssteuer nun ja, diese Steuer wird an den Bürger weitergegeben

wie auch Elterngeldkürzung etc.

Wo steht die Börsenumsatzsteuer, die Vermögenssteuer. die Rücknahme der Hoteliers Steuersenkung ....

Fazit dieses Sparpaketes von CDU/CSU und FDP
-der Bürger zahlt die Zeche-

Es ist eine ungeheuerliche Crux, wie sich die derzeitige Regierung verhält, ganz zu Schweigen von der Schwäche Merkels.

Senfzugabe (07.06.2010, 17:21 Uhr)
@mats123
halten Sie mich bitte nicht für naiv. Natürlich kommt die Opposition jetzt mit dem strategischen Gegenwind. Das ist ja auch ihr Job. Ihrer Verteidigung der Reichen fehlt aber ein kleiner, aber wichtiger Punkt: Sie holen sich das Geld über die Steuer wieder! Schauen wir uns doch nur die Steuer für die Atomwirtschaft an. Da gibt es doch Mittel und Wege für diese Konzerne, das locker über andere Steuergeschenke und melken der Verbraucher wieder reinzuholen.
Die Reichen juckt das alles nicht, wir werden nicht nur durch das Sparpaket, sondern auch durch Preiserhöhungen bluten.
stefan1507 (07.06.2010, 16:48 Uhr)
der soziale Friede ist gefährdet
Angela Merkel und die von ihr geführte Bundesregierung setzt mit dem heute verabschiedeten Sparpaket den sozialen Frieden in Deutschland aufs Spiel. Es ist längst unumstritten, dass wir alle sparen müssen. Das ist längst nicht nur eine Frage der Generationengerechtigkeit. Doch wer im sozialen spart und die Vermögenden davon kommen lässt, setzt den sozialen Frieden bewusst aufs Spiel.
Für die Zockerei in den Banketagen, für den labilen Euro weil andere EU-Länder nicht haushalten können, werden jetzt die Arbeitnehmer, die Familien, die Rentner und die sozial Schwächsten in unserem Land zu kasse gebeten. Wer den sozialen Frieden seines Landes aufs Spiel setzt, der muss mit allen legalen Mitteln, die uns unsere Verfassung vor sieht bekämpt werden. Gewerkschaften, Sozialverbände, Kirchen, wir alle sind aufgerufen jetzt Flagge zu zeigen für ein gerechtes soziales Deutschland ohne den Einfluss von Marktradikalen aus Union und FDP.
TubaLibre (07.06.2010, 16:33 Uhr)
@stefan1507
Vor allem ist erst einmal der einzelne Bürger aufgerufen, sich zur Wehr zu setzen und gegen die skandalöse Einseitigkeit und den Zynismus dieses angeblichen "Sparpaketes" auf die Straße zu gehen.

Es gibt da ein tolles Lied, das so beginnt... "Ich sprüh's an jede Wand..." und die Monsters of Liedermaching singen's in ihrem Lied "Wellensittich" auch so: "Angela Merkel geh' nach hause... [...] Angela, wir wissen, wo Dein Auto steht - es ist noch nicht zu spät".

Nicht, dass das eine Anleitung sein soll... Aber es gibt genug öffentliche Anschlagplätze, Litfasssäulen, Tabakautomaten & Co, die man für Protestbekundungen nutzen kann. Es ist völlig legal und ohne Voranmeldung möglich, sich mit einem gebastelten Sandwichplakat durch die Städte zu bewegen und zu protestieren. Im Internet kann man sich kostenlos Blogs und ganze Webseiten einrichten.

Dabei sollte nur eins bedacht werden: Ohne mehr Geld in der Staatskasse geht's nicht. Da muss was passieren. Aber gegen einseitige Belastungen zur Last derer, die tagtäglich die durchfüttern, die über Besitz, Amt oder höhere Positionen verfügen und das Trampeln auf dem Rücken derer, die überwiegend ohne eigenes Verschulden auf Hartz IV und Grundsicherung angewiesen sind, das MUSS ein Ende haben. Wir brauchen hier in der Tat einen Lastenausgleich und vor allem echte Solidarität.
stefan1507 (07.06.2010, 16:24 Uhr)
Sparpaket der Bundesregierung
dieses heute von der Bundesregierung verabschiedete Sparpaket ist mit allen legen mitteln der Demokratie zu bekämpfen. Gewerkschaften, Sozial-Verbände und Opposition sind hier aufgerufen sich als Anwälte und als Stimme des Volkes zu beweisen.
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