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18. Januar 2010, 12:53 Uhr

Schreiber beteuert seine Unschuld

Jahrelang hatte sich Karlheinz Schreiber der deutschen Justiz entzogen. Jetzt steht der Ex-Waffenlobbyist in Augsburg wegen Steuerhinterziehung sowie Beihilfe zum Betrug vor Gericht. Zum Prozessauftakt erklärte der 75-Jährige, an seinen Geschäften seien führende Politiker beteiligt gewesen.

Karlheinz Schreiber, Waffenlobbyist, Bestechung, Prozess, Parteispenden

"Kein Auftrag ohne Gegenleistung": Karlheinz Schreiber im Landgericht Augsburg© Matthias Schrader/AP

Der wegen Steuerhinterziehung und Bestechung angeklagte Waffenhändler Karlheinz Schreiber hat vor dem Landgericht Augsburg seine Unschuld beteuert. "Der Anklage trete ich vollumfänglich entgegen und bestreite die Vorwürfe", heißt es in einer schriftlichen Erklärung des 75-Jährigen, die sein Verteidiger zum Auftakt des Verfahrens am Montag verlas.

Politiker wie der verstorbene CSU-Chef Franz Josef Strauß seien an seinen Geschäften maßgeblich beteiligt gewesen, erklärte Schreiber. Die Provisionen habe er oft nur erhalten, um sie an andere weiterzuverteilen. Der Angeklagte war mit einer geheimen Millionenspende auch eine zentrale Figur in der CDU-Parteispendenaffäre der 1990er Jahre.

Staatsanwalt spricht von Lügengebäude

Die Staatsanwaltschaft warf Schreiber vor, von 1988 bis 1993 insgesamt 24 Millionen Mark Steuern hinterzogen zu haben. Als Vermittler bei der Lieferung von Fuchs-Spürpanzern an Saudi-Arabien, von Airbus-Flugzeugen an Fluggesellschaften in Kanada und Thailand sowie bei der Lieferung von Hubschraubern an die kanadische Küstenwache habe er über Briefkastenfirmen 64,5 Millionen Mark kassiert und auf Treuhandkonten in Panama, Liechtenstein und der Schweiz vor dem deutschen Fiskus versteckt.

Schreiber habe "ein für die Finanzbehörden undurchschaubares Lügengebäude" errichtet, sagte der Staatsanwalt. Der Geschäftsmann habe seine Kontakte zu Politikern und in die Industrie genutzt. Bei der Lieferung der Fuchs-Panzer aus Bundeswehr-Beständen habe er Beihilfe zum Betrug durch überhöhte Provisionen geleistet und den damaligen Bonner Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls bestochen. Außerdem habe er zwei Managern der Panzerschmiede Thyssen-Henschel Provisionen weitergereicht und damit Beihilfe zur Untreue geleistet.

"Kein Geschäft ohne Politiker"

Schreibers Verteidiger erklärte, ein Großteil der Anklage sei nach den inzwischen abgeschlossenen Prozessen gegen Mitbeschuldigte überholt. Die Bestechung sei verjährt, und die Beihilfe zur Untreue und zum Betrug werde "nicht zu halten sein". "Es geht heute im Kern lediglich noch um den Vorwurf der Steuerhinterziehung", sagte er. Allerdings sei "nicht einer der genannten Steuerbeträge korrekt". Der Verteidiger kündigte umfangreiche Beweisanträge an.

Schreiber erklärte zu seiner Lobbyarbeit: "Es hat keinen Auftrag ohne Gegenleistung gegeben, und es hat kein Geschäft gegeben, ohne dass Politiker mitgemischt haben." Als kleiner Geschäftsmann habe er nicht einfach zwischen Staaten hin- und herspazieren und Großaufträge vermitteln können. Ohne politische Unterstützer wäre er von den maßgeblichen Leuten nicht einmal empfangen worden.

Viele Gelder habe er nur verteilt, sagte der Verteidiger in Schreibers Namen und fügte vage hinzu: "Ein anderer Gesichtspunkt ist Parteienfinanzierung." Aber für viele Zahlungen habe er keine Belege. Auch Pfahls, Bundesminister Wolfgang Schäuble, der damalige CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep oder der frühere kanadische Premierminister Brian Mulroney hätten keine Quittungen unterschrieben. Die Staatsanwaltschaft habe noch nie mit einem der maßgeblichen Entscheidungsträger gesprochen und wisse vieles nicht, ließ Schreiber im Gericht erklären und behielt sich weitere Aussagen zu einem späteren Zeitpunkt vor.

Schreiber drohen bis zu 15 Jahre Haft

Nach einer Durchsuchung seines Hauses im oberbayerischen Kaufering im Oktober 1995 hatte sich Schreiber zunächst in die Schweiz abgesetzt und war dann weiter nach Kanada geflüchtet. Im August 2009 wurde er von dort nach Deutschland ausgeliefert und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das Verfahren ist zunächst mit 25 Verhandlungstagen bis Mitte Mai angesetzt. Unter den Zeugen ist auch Pfahls, der von Schreiber rund zwei Millionen Euro Schmiergeld angenommen hatte und dafür 2005 rechtskräftig zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden war. Schreiber drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Prologo (18.01.2010, 22:59 Uhr)
Schluß mit der Traumtänzerei!!
Dieses Gewürge mit dem Schreiber ist ja nicht mehr auszuhalten.

Nachdem Strauß in der Sache involviert war, brennt da gar nichts mehr an!
Schreiber wurde so geschmiert, dass der die Fresse hält bis zum Tod.

Und wenn das nicht so wäre, und Gefahr für die CDU/CSU durch Schreiber drohen würde, dann wäre Schreiber so Tod wie Barzel!! Kapito??

MfG,
T.
Johann58 (18.01.2010, 16:24 Uhr)
Waere es nicht schoen
wenn Schreiber mit der Justiz einen Deal macht, er wirklich umfassend und vollstaendig auspackt ojne Ruecksicht auf Amt und Personen und er von mir aus fuer den rest seines Lebens mit Fussfessel Hausarrest bekommt aber endlich mal alle die zur Rechenschaft gezogen werden, die das Volk aufs Schamloseste hintergangen haben.

Inklusive unseres ex Bimbeskanzlers.
laeppe (18.01.2010, 15:31 Uhr)
Werden wir von einer Art Mafia regiert ?
Ich bin geneigt das zu glauben.
Demokratischer Rechtsstaat - es darf gelacht werden genau so wie öffentlich rechtliches Fernsehen.
Politiker bestimmen was wir sehen und was uns präsentiert wird - reines Staatsfernsehen.
laeppe (18.01.2010, 15:28 Uhr)
Es kann nichts rauskommen
die Festplatte von Max Strauss ist nicht mehr auffindbar auch sonst hat die Staatsanwaltschaft - die ja weisungsgebunden ist- sehr umsichtig gehandelt - da wurden Durchsuchungstermine rechtzeitig bekannt gegeben ect ect.
Lt. Spiegel soll ein Anwalt jede Menge Dokumente in Lichtenstein abgeholt haben.
AttaTroll (18.01.2010, 14:59 Uhr)
Enthüllungen
Schreiber hat schon wiederholt großspurig "Enthüllungen" über führende Politiker angekündigt, die angeblich "die Republik erzittern" lassen würden. Wo bleiben die denn?
Wo bleiben die (nachweisbaren) Anschuldigungen gegen Schäuble? Gibt es keine Beweise, oder hält Schreiber diese zurück, um hinter den Kulissen einen deal für sich auszuhandeln? - Ich persönlich bin überzeugt, dass Schäuble tief mit drinsteckt, aber ohne Beweise kann man ihm halt nun einmal nicht am Zeug flicken.
Wenn Schreiber diese Beweise nicht beibringen kann, sollte er besser schweigen anstatt permanent heiße Luft zu verbreiten-
rynaldo (18.01.2010, 14:56 Uhr)
Den Zeitpunkt seiner Abschiebung
haben mit Sicherheit andere bestimmt. Die ganze Zeit wurde doch nur genutzt, um zu eruieren, ob er bestimmten Politikern schaden könne und welcher Partei er gefährlich werden konnte. Da werden einige Akten durch diverse Schredder gewandert sein. Kein Politiker wird sich erinnern können, jemals mit Herrn Schreiber zusammengekommen zu sein. Höchstens, es gibt so dumme Fotos oder Filmaufnahmen.
johnwayne1477 (18.01.2010, 14:41 Uhr)
...die anderen kann man ja nicht mehr...
...zur Rechenschaft ziehen. Die sind nämlich entweder schon tot, oder haben soviel für Deutschland getan, dass man ihnen nix kann.

Fragt sich nur, warum immer dieser Altkanzler sich vor Leuten wie Pfahls stellt.
RDUKE7777777 (18.01.2010, 14:32 Uhr)
Da wird nichts bei rauskommen...
...seien Sie sich sicher. Jetzt in diesem Moment, in dieser Sekunde, kümmern sich Dutzende Leute darum, dass alles so bleibt, wie es ist. Es werden Telefonate geführt, Akten geschreddert und es wird gespitzelt. Bis niemand "wichtiges" mehr etwas zu befürchten hat.

Und jetzt sage bitte Einer, dass er dass nicht auch glaubt.
jetrabbit (18.01.2010, 14:21 Uhr)
schreiber soll bestraft werden
was ist mit dem haufen politiker, für die er zur verfügung stand. er hat ja schliesslich direkt für seine kunden (politiker) gearbeitet.
Tom3 (18.01.2010, 14:11 Uhr)
klar,...
...weil er nix gemacht hat, hat er sich auch jahrelang mit allen Mitteln gegen seine Abschiebung aus Kanada gewehrt...

...wenn der redet, dann hat er schon beim nachdenken gelogen...
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