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28. Oktober 2008, 15:13 Uhr

Richter misstrauen Wahlcomputern

Die Richter des Bundesverfassungsgerichts zweifeln an der Sicherheit und Zuverlässigkeit von Wahlcomputern. Solche Geräte waren bei der Bundestagswahl 2005 zum Einsatz gekommen. Zwei Bürger hatten jedoch dagegen geklagt, weil für sie nicht nachvollziehbar sei, was mit ihrer Stimme per Knopfdruck geschehe.

Die Verfassungsrichter zweifeln an der Sicherheit von Wahlcomputern© Edgar Schoepal/AP

Der Einsatz von Wahlcomputern in Deutschland ist bei den Richtern des Bundesverfassungsgerichts auf Skepsis gestoßen. Zweifel an der Zuverlässigkeit und Sicherheit der Geräte, wie sie bei der Bundestagswahl 2005 eingesetzt wurden, ließen die Mitglieder des Zweiten Senats am Dienstag in einer Anhörung über zwei Wahlprüfungsbeschwerden mit kritischen Nachfragen erkennen.

Computer nicht ausreichend vor Manipulationen geschützt

Die beiden Beschwerdeführer halten eine Wahl "per Knopfdruck" für intransparent, weil der Wähler nicht nachvollziehen kann, was mit seiner Stimme im Inneren des Computers geschieht. Außerdem seien die Computer nicht ausreichend gegen Eingriffe von außen gesichert, wie Erfahrungen aus dem Ausland zeigten: "Die Geräte sind nicht fälschungssicher, sie sind manipulierbar", sagte der Rechtsbeistand der Kläger, der Hamburger Professor Ulrich Karpen.

Geklagt hatten der Physiker Ulrich Wiesner und sein Vater Joachim Wiesner, ein emeritierter Politikwissenschaftler. Ein Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet. Dass in den betroffenen Wahlkreisen nachgewählt werden muss, gilt aber als unwahrscheinlich.

Aus Sicht von Carl-Christian Dressel (SPD), Vize-Vorsitzender des Wahlprüfungsausschusses, sind die Geräte dagegen nicht unsicherer als das herkömmliche Wahlverfahren: "Auch eine Wahlurne kann ausgetauscht werden." Wahlgeräte verschiedener Bauart würden in Deutschland seit mehr als vier Jahrzehnten eingesetzt, ohne dass je eine Manipulation bekanntgeworden wäre. Zudem rechneten Computer zuverlässiger als Menschen.

Professor kritisiert "Kontroll-Vakuum"

Namens der Kläger kritisierte der Bonner Professor Wolfgang Löwer, dass die Wähler auf "blindes Vertrauen" gegenüber den elektronischen Urnen angewiesen seien. "Wir haben es mit einem Kontroll-Vakuum nach der Stimmabgabe zu tun." Dadurch sei der Grundsatz der Öffentlichkeit der Wahl gefährdet. Bei der Urnenwahl können die Bürger während der Auszählung im Wahllokal anwesend sein. Verfassungsrichter Rudolf Mellinghoff, als Berichterstatter federführend in dem Prozess, erkundigte sich nach der Möglichkeit, die Computerwahl durch einen ausgedruckten Wahlzettel nachvollziehbarer zu machen.

Aus Sicht von Experten können zwar Manipulationen an der Software in aller Regel nachträglich entdeckt werden. Veränderungen der Hardware - also am Gerät selbst - seien dagegen nur schwer aufzudecken, sagte Jörn Müller-Quade vom Europäischen Institut für Systemsicherheit.

Chaos Computer Club berichtet von Pannen

Im konkreten Fall geht es um den Einsatz von mehr als 1800 elektronischen Wahlgeräten der niederländischen Firma Nedap bei der Bundestagswahl 2005; rund zwei Millionen Wähler haben dabei ihre Stimme per Knopfdruck abgegeben. Bereits 2002 haben etwa 1,3 Millionen Menschen elektronisch gewählt. Erstmals wurden solche Wahlcomputer in Deutschland bei der Europawahl 1999 eingesetzt, zuletzt in diesem Jahr bei der Landtagswahl in Hessen sowie bei der Kommunalwahl in Brandenburg. Nach Beobachtungen des Chaos Computer Clubs soll es dabei zu zahlreichen Pannen gekommen sein, berichtete Mellinghoff zum Auftakt der Verhandlung.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
jetrabbit (29.10.2008, 18:31 Uhr)
alter hut mit neuem kopf
gang und gebe in den USA. warum sollte das bei uns anders sein. schade das wir nicht schon vor 8 jahren darüber berichtet haben.
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das macht aber nichts... wenn man weiss wozu regierungen fähig sind.
tripex (29.10.2008, 10:32 Uhr)
Transparenz
An alle die, die hier fragen, warum brauchen wir Wahlcomputer? Warum brauchen wir Kameras, elektronisches Geld, Fingerabdrücke auf unseren Pässen und Ausweisen, Abhöranlagen, Bundestrojaner, automatische Maut, Nacktscanner auf Flughäfen, Vermummungsverbot, Demonstrationsverbot, Versammlungsverbot... Es ist der Plan der globalen Elite, uns zu kontrollieren. Wahlcomputer brauchen sie für später, um direkte Demokratie auf effektive Weise zu verhindern. Nichts ist einfacher, eine digitale Information zu fälschen oder einfach zu löschen. Daher: Wahlen müssen transparent bleiben! Auch wenn Wahlcomputer als noch so sicher eingestuft werden, sie sind niemals transparent.
kralli19 (29.10.2008, 02:28 Uhr)
@LaoLu
Genau deswegen wollen einige Politiker hier ja die Wahlcomputer: WEIL sie manipulierbar sind, einfacher, als es die Papierurne je sein wird. Und das Beste daran: die Manipulation wird bei Wahlcomputern schwerer nachzuweisen sein als bei Zetteln.
LaoLu (28.10.2008, 23:33 Uhr)
Wer braucht Wahlcomputer???
Es gibt ein maximal fälschungssicheres Wahlsystem:
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Stimmzettel und Schreiber!
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Warum Computer?
Wegen der schnelleren Auswertung?
Müssen wir zum Zug?
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Und wenn 3,5m Stimmzettel für 16 panaschier- und was-weiß-ich-bare Stimmen manuell nicht mehr auszuwerten sind, dann muß man die Wahl auf den ursprünglich mal vorgesehenen Umfang zurückführen und alle erwünschten basisdemokratischen Erweiterungen abschmettern.
sotospeak (28.10.2008, 20:01 Uhr)
@RegiFecht
Hmm. Ich habe nichts anderes behauptet, oder?. Natürlich sind Computer manipulierbar. Ich weiß das auch, bin selber in der Branche. Ich habe nur Herrn Dressels merkwürdige Argumentation und seine offensichtliche Ahnunglosigkeit kritisiert.
RegiFecht (28.10.2008, 19:33 Uhr)
@sotospeak
Computer sind immer manipulierbar! Das Zählergebnis ist nie nachvollziehbar. (CCC)
csyas (28.10.2008, 19:19 Uhr)
kleiner Vorgeschmack auf die US-Wahl...
...www.youtube.com/watch?v=ra0auEa6rEs
;)
Clibanarius (28.10.2008, 17:47 Uhr)
Selbst die...
...Niederlande haben die Wahlcomputer abgeschafft, obwohl der Hersteller NEDAP ein niederländisches Unternehmen ist. Bei uns sind die, die sich für Wahlcomputer eingesetzt haben, anscheinend genügsamer was Schmiergelder betrifft.*zyn*
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Und diese recht euphemistisch genannten "Pannen" sollten doch lieber näher beschrieben und betrachtet werden: http://tinyurl.com/579trx
Malt (28.10.2008, 17:38 Uhr)
Man sollte...
...bei den Verfechtern der Computerwahl mal überprüfen, ob diese nicht mit der Firma, die die Computer herstellt, in irgend einer geschäftlichen Beziehung stehen.
sotospeak (28.10.2008, 15:59 Uhr)
Herr Dressel ...
... hat sich, falls er diese Aussagen wirklich gemacht haben sollte, als total ahnungslos und naiv geoutet. Also, (1) "Wahlcomputer sind besser weil noch keine Manipulation entdeckt wurde". Merkwürdige Logik. Mit 200 km/h durch die Stadt zu brettern ist auch sicher, solange ich keinen Unfall baue. (2) "Computer rechnen besser als Menschen". OK, Herr Dressel braucht mal eine Einführung in Computertechnik, und zwar auf dem alleruntersten Level.
 
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