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Ein Bürgermeister schaut Pornos - und alle drehen durch

Wie peinlich ist es, wenn sich ein Bürgermeister in seiner Freizeit Pornos ansieht? Überhaupt nicht. Das sieht der Betroffene, der Amtsinhaber in Quickborn, genauso. Er steht zu einer Panne, die aktuell im Internet die Runde macht.

Eine Verteidigung von Jenny Kallenbrunnen

Im Job Bürgermeister von Quickborn, in seiner Freizeit ein Mann: Thomas Köppl.

Im Job Bürgermeister von Quickborn, in seiner Freizeit ein Mann: Thomas Köppl. 

Ein Mann hat sich im Urlaub Pornoclips angesehen. Darauf könnte man den gesamten Sachverhalt um Thomas Köppl, der aktuell im Internet kursiert, reduzieren. Ja, dieser Mann ist Bürgermeister von Beruf, er amtiert in Quickborn, Schleswig-Holstein. Aktuell weilt er im Skiurlaub.

Auch dort ist er an Politik interessiert: Als auf einer offiziellen Facebook-Seite der Stadt Quickborn eine Debatte über die rechtspopulistische Partei AfD losbricht, meldet sich auch der urlaubende Bürgermeister zu Wort: "Nein, die AfD ist keine Partei mehr wie jede andere, nach dem Rausdrücken der Demokraten um Lucke und Co. steht diese Partei nicht mehr auf dem Fundament unseres Grundgesetzes", schreibt er - und stützt seine Aussage mit einem Screenshot von einem Auszug des Grundgesetzes auf seinem Computerbildschirm.

Doch der eigentliche Inhalt von Köppls Kommentar gerät schnell in den Hintergrund. Denn wie im Internet so üblich, schauen die Nutzer der sozialen Medien sich den Screenshot ganz genau an - und entdecken einige offene Tabs. Allem Anschein nach handelt es sich dabei um Internetseiten mit - oh, Schock! - pornografischem Inhalt. "German Slut punished", steht da unter anderem. Das ist dann freilich gleich exorbitant wichtiger als der lebendige politische Austausch davor, an dem sich der Bürgermeister in seinem Urlaub beteiligt hatte.

Peinlich? Eigentlich nicht, nein

"Peinliche Porno-Panne im Internet", titelt dann auch die "Bild" zu der Aktion. AfD-Freunde und Moralapostel ersticken fast an ihrer Schadenfreude und jagen die Screenshots durchs Netz. Aber jetzt mal ehrlich, wo liegt das Problem? "Peinlich" und "Porno" passen im Jahr 2016 doch nicht mehr wirklich zusammen. Da hat sich ein Mann in seiner Freizeit Pornos angesehen und war zwischendurch auf Facebook unterwegs. So, wie Millionen andere auch. Viel peinlicher erscheint da die Aufregung darüber. Der Mann ist doch verheiratet, zwei Kinder hat er auch noch. Und so jemand sieht sich Pornos an!

Köppl selbst stellt nach der Aufregung die Frage: "Die Bildzeitung scheint etwas verklemmt zu sein?!" In einem Kommentar zur Sache auf Facebook geht er locker mit der Panne um: "Ja, ich habe die betreffenden Seiten besucht. Die Publikation [...] auf Eurer Seite ist mir auch nicht peinlich oder so", schreibt er.

Ja, gut, er versucht zunächst, sich aus der Sache herauszureden. Er habe "eine Gruppe junger Männer" im Skilift über "BDSM" (Bondage und Sado-Maso) sprechen hören und habe dann recherchiert, was es denn damit auf sich habe. Das gehört aber doch zum Pornogucken dazu - Ausreden sind seit jeher ein fester Bestandteil des Pornokonsums.

Hat er tatsächlich recherchiert oder doch mit Freude zugesehen: Wen kümmert's? Und wieso überhaupt? Mit Humor äußert Köppl in seinem Kommentar: "Im Übrigen dürften auch im Browserverlauf einiger Bildredakteure und einiger User spätestens jetzt Spuren entsprechender Seiten vorhanden sein" - denn er war so frei, auch den Namen einer der Seiten zu nennen.

AfD stänkert prüde auf Twitter

Freilich tritt allen voran die AfD nach, um die es Köppl in dessen ursprünglichem Post eigentlich ging. "Die CDU hat es derzeit auch nicht leicht, aber muss man gleich den Frust über die eigene Kanzlerin mit SM-Filmchen abbauen?", fragt deren Landesverband Schleswig-Holstein hämisch auf Twitter. Nein, man muss nicht. Aber man kann. Und man darf. Erst recht im Urlaub. Außerdem hat Sex doch ohnehin sehr viel mehr mit Lust zu tun als mit Frust.

"Der CDU Bürgermeister von Quickborn macht sich zum Gespött im Netz", verbreitet die AfD außerdem via Twitter und Facebook. Aber nein, man macht sich wirklich nicht zum Gespött, wenn man in seiner Freizeit Pornos schaut. Versuchen Sie's doch auch mal! 


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