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7. Mai 2007, 12:46 Uhr

Köhler lehnt Gnadengesuch Klars ab

Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar wird nicht vorzeitig aus der Haft entlassen. Bundespräsident Köhler lehnte sein Gnadengesuch ab. Konservative Politiker begrüßten Köhlers Entscheidung, Grünen-Chefin Roth hingegen nennt sie eine "vertane Chance".

Bundespräsident Köhler hat es abgelehnt, den ehemaligen RAF-Terroristen Klar zu begnadigen

Das seit mehr als 24 Jahren inhaftierte frühere RAF-Mitglied Christian Klar wird vorerst nicht aus dem Gefängnis entlassen. Bundespräsident Horst Köhler entschied nach mehrmonatiger Prüfung, einem Gnadengesuch des 54-Jährigen nicht nachzukommen.

Eine Begründung nannte das Präsidialamt nicht. Köhler lehnte auch ein Gnadengesuch von Birgit Hogefeld ab, die ebenfalls wegen RAF-Morden seit fast 14 Jahren im Gefängnis sitzt, sich aber anders als Klar deutlich von den Taten der RAF distanziert hat. Das Begnadigungsverfahren für Klar im 30. Jahr nach einigen der spektakulärsten Verbrechen der linksradikalen Untergrundgruppe im so genannten Deutschen Herbst hatte eine hitzige Debatte quer durch die Parteien ausgelöst. Besonders aus der CSU war massiv Druck auf den Präsidenten ausgeübt worden. Zuletzt hatten CSU-Politiker sogar eine zweite Amtszeit Köhlers in Frage gestellt, sollte er von seinem Gnadenrecht Gebrauch machen.

In ersten Reaktionen begrüßten konservative Politiker und die FDP die Entscheidung des Bundespräsidenten. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, er begrüße die Entscheidung, weil für ihn zur Gnade auch der Aspekt der Reue gehöre. "Die Entscheidung des Bundespräsidenten, die er heute bekannt gegeben hat, wird von uns mit Respekt entgegen genommen", sagte Pofalla.´

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hat die Ablehnung der Begnadigung begrüßt. Er halte die Entscheidung für richtig, sagte Stoiber in München. "Sie steht auch in Einklang mit dem Gerechtigkeitsempfinden einer großen Mehrheit in Deutschland."

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bewertete Köhlers Entscheidung nicht inhaltlich, sondern betonte, der Bundespräsident habe eine souveräne Entscheidung getroffen, die zu respektieren sei. Wie vor der Entscheidung Druck auf Köhler unangemessen gewesen sei, solle auch die Entscheidung nicht Gegenstand von Kritik an dem Staatsoberhaupt sein, sagte Heil.

FDP-Chef Guido Westerwelle sprach von einer "klugen und weisen" Entscheidung Köhlers. Ein Serienmörder, der keine Reue zeige und sich nicht an der Aufklärung seiner Verbrechen beteilige, dürfe

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat das Nein von Köhler zum Gnadengesuch als "vertane Chance" bezeichnet. Eine Begnadigung hätte ein Signal sein können, dass der "Rechtsstaat eben nicht auf Rache setzt", sagte sie am Montag in Berlin. Dennoch respektiere sie die Entscheidung Köhlers. Dieser hatte zuvor verkündet, dass er eine Begnadigung Klars ablehnt. Der ehemalige Top- Terrorist der Roten Armee Fraktion (RAF) hatte schon vor Jahren ein solches Gesuch eingereicht.

Roth kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die CDU-Chefin hätte ihrer Ansicht nach in der Diskussion über die Begnadigung Klars verhindern müssen, dass Politiker von CDU und CSU durch ihre Versuche, Köhler zu erpressen, das Amt des Präsidenten beschädigen. nicht begnadigt werden, sagte Westerwelle in Bremen.

Klars Anwalt Heinz-Jürgen Schneider wollte sich erst nach Rücksprache mit seinem Mandanten äußern.

"Der Bundespräsident hat entschieden, von einem Gnadenerweis für Herrn Christian Klar abzusehen", heißt es in der Mitteilung des Bundespräsidialamts, in der keine Begründung genannt wird. Klar hatte das Gnadengesuch bereits an Köhlers Vorgänger Johannes Rau gerichtet. Das Präsidialamt erklärte lediglich, der Entscheidung Köhlers hätten unter anderem Stellungnahmen des Bundesjustizministeriums, des Gerichts, das Klar verurteilt hatte, der Gefängnisleitung sowie ein kriminalprognostisches Gutachten zu Grunde gelegen. Köhler habe darüber hinaus zahlreiche Gespräche mit Hinterbliebenen von Opfern der linksradikalen Rote-Armee-Fraktion (RAF) geführt und abschließend in der vergangenen Woche auch mit Klar selbst gesprochen, erklärte das Präsidialamt.

Klar sitzt seit November 1982 in Haft, seine Mindesthaftzeit läuft im Januar 2009 aus. Er wurde unter anderem wegen Beteiligung an der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer, Generalbundesanwalt Siegfried Buback und dem Bankier Jürgen Ponto zu fünf Mal lebenslang verurteilt. Sein Anwalt versucht parallel zum Gnadenverfahren weiter, Hafterleichterungen wie Freigang und Hafturlaub zu erreichen.

Keine Gnade für Hogefeld

Köhler lehnte auch ein Gnadengesuch von Hogefeld ab, die ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt ist. Er sehe sich "derzeit" nicht in der Lage, dem Gnadengesuch zu entsprechen, erklärte das Präsidialamt. Hogefeld sitzt im 14. Haftjahr im Gefängnis. Köhler werde aber zu gegebener Zeit erneut über das Gesuch befinden. Hogefeld zählt anders als Klar zu den RAF-Mitgliedern, die sich öffentlich von ihren Taten distanziert haben. Während ihres Prozesses hatte sie umfassende Selbstkritik geübt und sich für das Leid der Opfer entschuldigt.

Um die Begnadigung Klars hatte es eine wochenlange erbitterte Debatte gegeben, die zuletzt das Ansehen des Amtes des Bundespräsidenten zu schädigen drohte. Köhler war vor allem aus der CSU massiv unter Druck gesetzt worden, den Gefangenen nicht zu begnadigen. CSU-Generalsekretär Markus Söder nannte eine Entscheidung Köhlers zu Gunsten des Häftlings eine schwere Hypothek für seine Wiederwahl. Der CSU-Politiker Andreas Scheuer forderte die Bundesregierung auf, eine Freilassung Klars zu verhindern, indem sie eine Gnadenentscheidung des Präsidenten nicht gegenzeichne. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert hatten sich die nach dem Präsidenten hochrangigsten Vertreter der Verfassungsorgane zu Zurückhaltung und Respekt vor Köhler aufgerufen, um eine Beschädigung des höchsten Staatsamtes zu verhindern.

Die Entscheidung von Köhler im Wortlaut:

"Der Bundespräsident hat entschieden, von einem Gnadenerweis für Herrn Christian Klar abzusehen. Der Gnadenentscheidung betreffend Herrn Christian Klar lagen u.a. Stellungnahmen der Bundesministerin der Justiz, des erkennenden Gerichts, der Generalbundesanwältin und der für den Strafvollzug verantwortlichen Justizvollzugsanstalt sowie ein kriminalprognostisches Gutachten zu Grunde. Der Bundespräsident führte darüber hinaus zahlreiche Gespräche, auch mit Hinterbliebenen der Opfer. Abschließend sprach der Bundespräsident am 4. Mai 2007 mit Herrn Klar.

Der Bundespräsident sieht sich nicht in der Lage, dem Gnadengesuch von Frau Birgit Hogefeld, rechtskräftig verurteilt seit dem 6. Januar 1999 zu lebenslanger Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe, derzeit - im vierzehnten Haftjahr - zu entsprechen. Der Bundespräsident wird jedoch zu gegebener Zeit erneut und von Amts wegen über das Gesuch befinden. Frau Birgit Hogefeld wurde durch Urteil des OLG Frankfurt vom 29. Juni 1998, rechtskräftig seit dem 6. Januar 1999, zu lebenslanger Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe unter anderem wegen mehrfachen Mordes und Mordversuches verurteilt. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Frau Hogefeld ist seit dem 27. Juni 1993 in Haft."

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
ganzbaf (08.05.2007, 21:08 Uhr)
Komisch...
dass das gerade dir so gefällt, dass Klar durch das ganze Tam-Tam jetzt wirklich zu´eine Art Märtyrer wird und der ganzen Angelegenheit nochmal einen Anschub gibt.;-P
gudrun13 (08.05.2007, 12:52 Uhr)
Ach Leute, nun tragt es doch mit Fassung!
In 2 - 3 Jahren habt ihr doch euren
Christian leibhaftig zum Anfassen. Dann könnt ihr ihn als Märtyrer der
ach so bösen Politik dieser Bundesrepublik immer noch zum Helden hochstilisieren. Solange werdet ihr doch noch warten können.
Ich für mich persönlich: Danke, Herr Köhler.
ganzbaf (08.05.2007, 12:30 Uhr)
Gefühlte Schwere der Schuld
Worin lag denn die vorgebliche besondere Schwere der Schuld eines z.B. "Klar"?
Dass sie es aus ideologischen Motiven getan haben?
Oder dass man die Opfer gefoltert, gar hat verhungern lassen?...
Oder ware es einfach nur die "staatstragende Prominenz" der Opfer, die so eine Art "gefühlter Schwere der Schuld" hinterließ
Spocks_Kommentar (07.05.2007, 15:30 Uhr)
Thema verfehlt, Herr Präsident
Ich mag Klar nicht und Hogefeld auch nicht. Sie sind Mörder und einen Menschen töten darf niemand (übrigens auch kein Soldat). Das ist das eine.
Klar sitzt wahrscheinlich zu Unrecht und die Behörden wissen es seit über 20 Jahren, das ist das andere.
Und zu allem Überdruß haben konservativ religiöse Ultras aus CDU und CSU versucht, den Präsidenten zu nötigen, ein mit besonderer Strafe bedrohtes Vergehen.
Selbst wenn seine Entscheidung unter den anderen beiden Gesichtspunkten gerechtfertigt gewesen wäre (woran wegen des wahrscheinlichen Fehlurteils große Zweifel bestehen): In dem Moment, in dem die Nötigung kam, hätte er Klar sofort begnadigen müssen, mit der Begründung, daß das deutsche Staatsoberhaupt nicht erpressbar ist, egal von wem.
Das hat er nicht getan. Er ist eingeknickt, er hat getan, was von ihm verlangt wurde, wie ein kleines Kind, dem man Prügel androht.
Köhler ist deutschstämmiger Pole. Wäre er in Polen geblieben, er wäre doppelt weise. Sicher wäre er heute in einer Regierungsposition in Polen und hätte damit zumindest einen Kaczyński verhindert. Damit hätte er Polen einen großen Gefallen getan und Europa einen noch größeren. Und er wäre nicht Bundespräsident und damit hätte er Deutschland den größten Dienst erwiesen, den er ihm hätte erweisen können.
Für Köhler gilt das Peters-Prizip: Jeder erreicht die Stufe seiner Unfähigkeit, wenn man ihn nur oft genug befördert. Die Kraft, Größe und Fähigkeit zum Bundespräsidenten hat er nicht.
Deutschland bleibt nichts erspart. Eine Kanzlerin, deren einzige Fähigkeit im Ausklammern besteht, einen (leider) behinderten Innenminister, der die Bodenhaftung verliert und ein Präsident, der es auch nicht kann - von den "unteren Chargen" wie unserer Minister-Vorzeigemutter gar nicht erst zu reden und eine SPD, die die Kraft zur nötigen Konsequenz nicht aufbringt. Aber wie heißt doch das Sprichwort: Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient.
userin07 (07.05.2007, 14:41 Uhr)
Endgültige Demontage
Für mich hat sich das politische System der Bundesrepublik nun endgültig selbst demontiert.
Erst wird ein Mensch aufgrund von Indizien zu 24 Jahren Haft verurteilt. Obwohl in einem anderen Fall genau diese Verurteilung aufgrund von Mutmaßungen zu einem relativ offensichtlichen Fehlurteil geführt hat, schreien Vertreter konservativer Regierungsparteien, der Verurteilte sei gegenüber "anderen" (sic!) Mördern begünstigt, sollte er begnadigt werden. Dass die "anderen" (sic!) Mörder zum Teil gar nicht oder nur zu zwei, drei Jährchen für wesentlich mehr und besser bewiesene Morde verurteilt wurden, bleibt ungesagt. Ebenso unerwähnt bleiben die miesen Haftbedingungen, die der Veruteilte zu Beginn seiner Haftzeit zu durchleiden hatte.
Begründet wird die abstruse Verweigerung von Gnade noch abstruser: nämlich damit, dass der Verurteilte ein anti - kapitalistisches Grußwort verfasst habe. Dieses ist eigentlich von der Meinungsfreiheit gedeckt - was die Konservativen nicht im Mindesten interessiert - und wird obendrein von der überwiegenden Mehrheit der Ostdeutschen geteilt.
Der Bundespräsident, der eine unabhängige Entscheidung zu treffen hat, wird von den Gegnern einer Begnadigung mit dem Verlust seines Amtes bedroht. Seine Entscheidung verkommt somit zum bloßen Postenschacher.
Flankiert wird das Ganze von einer beispiellosen Medienkampagne, die allerdings - zum Leidwesen einiger sich in Regierungsgewänder kleidender Gegner des Rechtsstaats - nach hinten los geht und den Verurteilten eine nie gekannte Aufmerksamkeit zuteil werden lässt.
An der tatsächlichen Aufklärung der Morde scheint der Staat nicht interessiert zu sein. Der Mordfall Buback macht dies deutlich. Die dennoch gefällten Urteile tragen einen rein politischen Charakter und sind eine Schande für die Demokratie.
tagora-sagittara (07.05.2007, 14:34 Uhr)
blah, blahblah,...
blahblubblub,...wir kennen doch die Einlassungen Ihrer Parteifreunde, Herr Köhler,...ich hatte keine andere Entscheidung von Ihnen erwartet. Blut ist halt dicker als Einsicht....
Diaula (07.05.2007, 14:03 Uhr)
Deutschland ....
... ein Land der Gnadenlosen.
Armes Deutschland.
iovialis (07.05.2007, 13:59 Uhr)
Entscheidung zu respektieren
Die Entscheidung von Herrn Köhler ist zu respektieren. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, wie solche Entscheidungen zustande kommen und was sich oftmals dahinter verbirgt. In diesem Fall hat niemand das Recht, über Herrn Köhler oder Herrn Klar zu urteilen. Hier ging es um eine "heikle" politische Entscheidung im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte.
Ich will mich nicht über die Richtigkeit der Entscheidung äußern, respektiere sie allerdings und glaube auch, daß sie auf einem gesunden Fundament steht. Dem Amt des Bundespräsidenten hat es jedenfalls nicht geschadet.
manndernichtdaist (07.05.2007, 13:54 Uhr)
Entscheidung
Eine Entscheidung die natürlich dankbar von den CSU'lern (Christliche Stasi Union) angenommen wird. Heute werden wir Sprüche wie: "Die einzig logische Entscheidung" und "Das Tamtam hätte man sich sparen können" zu genüge hören.
Die Entscheidung Köhlers ist demokratisch korrekt und wohlüberlegt gewesen. Hut ab. So sieht wahre Demokratie aus. Wären nur alle Politiker so wie er.
HeinzManfred (07.05.2007, 13:44 Uhr)
Demokratie ist ein hohes Gut
aber gerade einige Politiker treten Sie mit Füssen . Die Entscheidung von Herrn Köhler ist akzeptiert aber das das Ganze auf dem Bild Niveau abgelaufen ist hat sehr geschadet .Jetzt fühlen sich die Kauderwelschs und Söders bestätigt Ihr Erpressungsversuch ist gelungen .
Ich werde bald das Zeitliche segnen aber die armen Leute die nach mir kommen wenn mal so ein Söder oder sein kleiner Nachahmer aus Bremen der Röwekamp Macht bekommen . Die Republick macht wieder einen Rechtsruck Und wenn es wieder im Untergrund rumort dann braucht man wenigstens die Gründe nicht suchen , denn Die haben dann einen Namen : Kauderwelsch , Söder und Co
Mfg Manfred Joho
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