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23. Januar 2007, 07:47 Uhr

Witwe warnt vor rascher Begnadigung

Um die Freilassung von inhaftierten RAF-Terroristen ist eine heftige Debatte entbrannt. Hergard Rohwedder, Witwe des ermordeten Treuhand-Chefs, appellierte an Bundespräsident Köhler. Eine Freilassung Christian Klars sei das falsche Signal.

Ehemalige Fahndungsfotos der seit 24 Jahren in Haft sitzenden Terroristen Christian Klar, links, und Brigitte Mohnhaupt© DPA

In der Debatte um die Begnadigung von inhaftierten RAF-Terroristen haben sich Angehörige der Opfer zu Wort gemeldet. Sowohl Hergard Rohwedder, Witwe des ermordeten Treuhand-Chefs Detlev Karsten Rohwedder, als auch Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, verlangten von den Tätern Reue. Rohwedder warnte Bundespräsidenten Köhler im Fall des Terroristen Christian Klar vor einer falschen Entscheidung. Horst Köhler müsse "sehr sorgfältig überlegen, ob man nicht für die Öffentlichkeit ein falsches politisches Signal setzt, wenn man jetzt begnadigen würde, ohne dass die rechtlichen Voraussetzungen dafür auch nur entfernt gegeben sind", sagte Rohwedder der "Rheinischen Post".

"Die Begnadigung lebenslang inhaftierter Mörder ist eine ganz große Ausnahme. Dabei ist es eine Hauptfrage, ob der Täter sein Handeln bereut. Das hat keiner dieser früheren Terroristen getan", betonte Rohwedder. Michael Buback verlangt von Christian Klar ein Eingeständnis seiner Schuld. "Wenn man jetzt über Gnade redet, sollte man auch über ein Bekenntnis und Reue reden", sagte Buback dem "Spiegel". Ähnlich äußerte er sich auch in verschiedener Zeitungen. Der Berliner "B.Z." sagte er zudem: "Für uns wäre es sehr wichtig, endlich zu erfahren, wer genau meinen Vater erschossen hat."

Bosbach warnt vor Beeinflussung Köhlers

Auch der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach sagte der "Berliner Zeitung", eine Begnadigung setze Reue voraus. Zugleich warnte er vor Versuchen, Bundespräsident Horst Köhler bei seiner Gnadenentscheidung zu beeinflussen. Er allein müsse die Entscheidung treffen und diese verantworten.

Der grüne Vize-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Hans-Christian Ströbele, befürwortete die Begnadigung sowie die außerdem diskutierte vorzeitige Entlassung der Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt. Sie hätten die Bedingungen für eine vorzeitige Haftentlassung offenbar erfüllt, sagte er der der hannoverschen "Neuen Presse". Außerdem habe die RAF vor Jahren ihre Auflösung glaubhaft erklärt, so dass von ihrer Seite keine Gefahr mehr ausgehe.

Der Gefängnisleiter von Brigitte Mohnhaupt plädiert für die vorzeitige Entlassung der 57-Jährigen auf Bewährung. "24 Jahre sind eine sehr lange Zeit und als Strafe ausreichend", sagte Wolfgang Deuschl, Leiter der Vollzugsanstalt im bayerischen Aichach stern.de. "Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass sie nie wieder etwas Vergleichbares machen wird. Sie wird keinen Menschen mehr töten, nicht mehr straffällig werden. Diese Zeiten sind vorbei", so Deuschl: Aus der ehemals fanatischen Terroristin sei ein ruhiger, selbstbewusster hilfsbereiter Mensch geworden. "Sie ist anerkannt unter den Häftlingen. Und ich kann sagen, dass sie mir durchaus nicht unsympathisch ist."

Ströbeles Parteifreundin, die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, sagte im Bayerischen Rundfunk, ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und eine Distanzierung von der RAF sei wünschenswert, könne aber nicht Voraussetzung für die Freilassung sein.

Staatsanwalt fordert Bewährung für Mohnhaupt

In einer nichtöffentlichen Anhörung des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart hatte der Vertreter der Bundesanwaltschaft am Montag beantragt, Mohnhaupts Strafe zur Bewährung auszusetzen. Damit könnte die 57-Jährige frühestens am 26. März freikommen. Das OLG will seine Entscheidung in der ersten Februarhälfte bekannt geben. Zugleich mehrten sich Forderungen nach Begnadigung ihres Komplizen Klar. Auch er sitzt seit über 24 Jahren in Haft.

Abstimmung

Sollen die Terroristen aus dem Gefängnis frei kommen?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
Mai/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
JadotA (23.01.2007, 22:43 Uhr)
mehrmals lebenslänglich...
"Mehrmals lebenslänglich..." schon das ist lächerlich!
Aus Altersgründen werden RAF-Rebellen nach 24 Jahren als "ungefährlich" eingestuft. Bankiers, Politiker und sonstige Parasiten dagegen nicht. Sie brauchen keine neue Existenz mit 60 zu gründen, die vielen, die sie zerstört haben kompensiert das "mehrmals lebenslänglich"
gebenec (23.01.2007, 21:40 Uhr)
Gegen RAF Begnadigung
Wer die 70er und 80er miterlebt hat,kann sich nur an die GNADENLOSE RAF erinnern. Kein Opfer hatte irgendeine Art der Gnade zu erwarten.
Deswegen meine Meinung, lasst sie im Knast.
steinomelette (23.01.2007, 16:54 Uhr)
Mohnhaupt
Frau Mohnhaupt sitzt seit 24 Jahren im Gefängnis und ist sicher schon hundert Tode gestorben.Ich denke das reicht,lasst sie frei.Um ihr brauche ich mir bestimmt keine Sorgen zu machen.Eher muss ich mir Sorgen machen über diese Kommentare hier zu diesen Fall.Die Einstellung mancher Leute die es heute bedauerlicherweise noch gibt, hat unser Land schon einmal in den Abgrund getrieben.Ein Staat muss auch Gnade vor Recht walten lassen können sonst währe er ein Unrechtsstaat wie damals....in der braunen Scheiße.
padollo (23.01.2007, 16:16 Uhr)
Eiskalte Mörder
Aufgrund der anhängenden Diskussion habe ich hier auf stern.de noch einmal die Artikel über den 'deutschen Herbst' und die Möder-Kommandantin Mohnhaupt gelesen. Es lief mir nur eiskalt den Rücken runter. Genauso eiskalt und entseztlich wie ich die Nachrichten über andere terroristische Greueltaten empfand. Und umso schlimmer das noch viele Attentate dieser Mördertruppe unaufgeklärt sind. Wie kann man da überhaupt über eine Freilassung auch nur nachdenken? Aufgrund juristischer Arithmetik? Die Konsequenz aus terroristischem Handeln kann nur heißen die komplette Strafe abzusitzen.
gudrun13 (23.01.2007, 15:21 Uhr)
Unverständnis
Von Joachim Weidner:
Laut den Worten von Frau Vollmer, dass keine Abschwörung von der Gewalt oder Mitgliedschaft in einer gewaltbereiten Oranisation kein Hindernis für eine Freilassung sein können, fragt man sich, warum Terroristen überhaupt verurteilt werden!?
gudrun13 (23.01.2007, 15:13 Uhr)
Na immerhin einige Jahre pro Menschenleben ...
DER Witz ist besonders gelungen - Auszug aus dem Link:

Ströbeles Parteifreundin, die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, sagte im Bayerischen Rundfunk, ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und eine Distanzierung von der RAF sei wünschenswert, könne aber nicht Voraussetzung für die Freilassung sein.

Aber so eine Einschätzung von Frau Vollmer zeigt wieder einmal wes Geistes Kind die Grünen sind ... pro Menschenleben immerhin einige Jahre! Ich bin sicher, die Verwandten werden vollstes Verständnis haben! Ginge es nach mir, dann käme die Bande erst frei wenn sie mit den Füßen voraus aus dem Knast getragen würden!
gudrun13 (23.01.2007, 15:12 Uhr)
Na immerhin einige Jahre pro Menschenleben ...
DER Witz ist besonders gelungen - Auszug aus dem Link:


Aber so eine Einschätzung von Frau Vollmer zeigt wieder einmal wes Geistes Kind die Grünen sind ... pro Menschenleben immerhin einige Jahre! Ich bin sicher, die Verwandten werden vollstes Verständnis haben! Ginge es nach mir, dann käme die Bande erst frei wenn sie mit den Füßen voraus aus dem Knast getragen würden!
Bawer0958 (23.01.2007, 13:56 Uhr)
Es muss ein Ende haben.....
Grundsätzlich bleibt Mord ein Mord, da gibt es nichts zu deuten. Allerdings sei angemerkt, dass gerade in der deutschen Geschichte mit der Vergangenheit politisch motivierter Mörder, gar Massenmörder, immer sehr unterschiedlich umgegangen wird.
Bei Linksradikalen kennt man keine Toleranz, bei Kriegsverbrechern und faschistischen und nationalistischen Massenmördern war die Toleranz schier grenzenlos. Noch heute sind Straßen und Kasernen nach Verbrechern des ersten Weltkrieg benannt, Kriegsverbrecher des 2. Weltkrieges bis auf das absolute Spitzenpersonal der Nazis (Nürnberger Prozeße)nach wenigen Jahren allesamt freigelassen, die Verfassungsschutzorgane scheinen auf dem rechten Auge immer schlechter zu sehen als auf dem Linken....Alles Fragen und Tatbestände, welche auch Bader, Enslin und andere beschäftigten und nie eine Antwort erhielten. Ein anderer Umgang mit der deutschen Vergangenheit hätte diesen Menschen eine andere Perspektive eröffnet, doch im deutschen Herbst gab der Staat den Illegalen keine Chance.
Nach 24 Jahren Haft sollten die Inhaftierten freigelassen werden. Wer Verbrechen von Mohnhaupt, Klar und Anderer verurteilt, muss auch dafür eintreten, dass Massenmörder wie George W. Bush beim betreten deutschen Bodens sofort verhaftet werden und als Massenmörder vor den Gerichtshof in Den Haag gestellt werden.
Ich bin mir bewußt, dass dadurch das individuelle Leid der Familien Bubak, Schleyer und Anderer nicht gelindert wird, aber Rechtsstaatlichkeit sollte Verhältnismäßigkeit gelten lassen.
blendaxx (23.01.2007, 13:54 Uhr)
Niemals !
Zu Baader-Meinhoff Zeiten wurde über die Wiedereinführung der Todesstrafe debattiert. Das gilt heute mit recht zu suspekt, aber ich meine Terroristen sind Terroristen die bewußt Menschenleben geopfert haben um ihre Ideologien zu publizieren!
Burner (23.01.2007, 12:42 Uhr)
@joee
Die gute Frau hat mehrmals lebenslänglich bekommen, dann soll sie ihre Strafe auch absitzen. Das Urteil war "idividuell" für sie !
Hier werden grausame Taten herunter gespielt und verharmlost.
Terroristen sind Menschen, denen anderer Menschen Leben nichts wert ist und eine Tötung nur Mittel zum Zweck ist. Wenn man das unterstützen und für gut halten will ?! Bitte !
Aber es geht nicht nur um Terroristen, jeder Mörder sollte seine gerechte Strafe erhalten und die Konsequenzen auch ertragen können. Meiner Meinung nach zeigt es keine Größe, wenn man Mörder früher entlässt. Es zeigt nur, dass man nicht in der Lage ist eigene Maßstäbe (Gesetzte) zu befolgen. Wenn jeder früher freigelassen würde, müsste sich niemand mehr fürchten einen Mord zu begehen, die eigenen Regeln würden wertlos ! Und die billige Anspielung auf das Bibelzitat ist nur ein Ausweg aus unfähiger Argumentation !!!
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