Wer ist Stefan Wisniewski?

24. April 2007, 12:09 Uhr

Es wird viel darüber spekuliert, ob der RAF-Terrorist Stefan Wisniewski die tödlichen Schüsse auf Generalbundesanwalt Buback abgegeben hat. Sicher ist: Er war zumindest an der Ermordung Schleyers beteiligt. In der RAF nannte man ihn "Furie", weil er so ungestüm war.

Die Fahndungsfotos von Stefan Wisniewski aus dem Jahr 1978©

War er Bubacks Mörder?

Stefan Wisniewski, 54, wurde bislang vor allem mit der Ermordung von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer in Verbindung gebracht. Er war Mitglied des verantwortlichen RAF-Kommandos, 1981 wurde er zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt. Am 1. März kam er aus der Haft frei, dem Gericht zufolge hat er sich glaubwürdig von Gewalt distanziert. Seitdem tingelt Wisniewski über Antifa-Kongresse und lässt sich zu linker Politik interviewen. Innterhalb der RAF trug er den Spitznamen "Fury" - weil er "immer ein bisschen ungestüm" gewesen sei, so die Ex-Terroristin Silke Maier-Witt.

Durch Hungerstreik politisiert

Wisniewski wird 1953 bei Freudenstadt im Schwarzwald geboren. Sein Vater, ein früherer polnischer Zwangsarbeiter, stirbt kurz nach seiner Geburt. Eine Lehre als Elektroinstallateur bricht Wisniewski ab, er fährt dann eine Weile zur See und lernt "das Elend der Dritten Welt" kennen, wie er später sagt. Anfang der 70er Jahre kommt Wisniewski in Kontakt mit linksextremistischen Studengruppen, offenbar wird auch er - wie so viele andere - durch die Kampagne gegen die "Isolationsfolter" der RAF-Gefangenen politisiert. Als der Terrorist Holger Meins im Hungerstreik 1974 stirbt, reiht sich Wisniewski bei RAF ein.

Beim Anschlag auf die deutsche Botschaft in Stockholm soll Wisniewski 1975 bereits zur so genannten Eingreif-Reserve der RAF gehört haben. Ein Jahr später trainiert er in Camps der palästinensischen Volksbefreiungsfront im Südjemen den Guerilla- Kampf. Ein halbes Jahr nach der Ermordung Schleyers wird Wisniewski im Mai 1978 auf dem Pariser Flughafen Orly gefasst. Er versucht, mit gefälschten Papieren einen Flug nach Zagreb anzutreten.

Konsequenz bis zum "bitteren Ende"

1997 erläuterte Wisniewski in einem Interview mit der "tageszeitung" die Motive für die Ermordung Schleyers. "Eine Freilassung ohne politische Gegenleistung wäre nicht als eine menschliche Geste verstanden worden, sondern als Eingeständnis der Niederlage." Inzwischen habe er aber auch die verpassten Chancen erkannt, bei der Schleyer-Entführung menschliche Stärke und Großzügigkeit zu zeigen. "In der Logik der Aktion war dann auch das bittere Ende konsequent. Aber für unsere menschlichen und politischen Ziele war es ein Desaster", sagte er 1997.

Peter Jürgen Boock, ebenfalls Ex-Terrorist, beschuldigt Wisniewski, die tödlichen Schüsse auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback abgegeben zu haben. Nach Informationen des "Spiegel" soll dies auch das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz gewusst und über Jahrzehnte verheimlicht haben. Richard Meier, Ex-Chef des Verfassungsschutzes dementiert dies jedoch. Innenminister Wolfgang Schäuble will den Fall nun von einer Komission untersuchen lassen,

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