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15. Dezember 2006, 17:25 Uhr

Kurt hat fünf Jobs für Henrico

Der Arbeitslose Punk Henrico Frank hatte gerade Kurt Becks umstrittenen Ratschlag befolgt, sich rasiert und gewaschen, schon scheint er sich die Jobs aussuchen zu können - zumindest will Beck schon fünf Angebote für ihn gesammelt haben.

Die Befolgung von Kurt Becks Ratschlag hat Henrico in die Zeitung gebracht© Marcus Brandt/DDP

Der zurzeit berühmteste Arbeitslose Deutschlands, Henrico Frank, hat Aussicht auf einen Job. Wie die rheinland-pfälzische Staatskanzlei mitteilte, hat Ministerpräsident und SPD-Chef Kurt Beck den 37-jährigen Wiesbadener per Brief für kommenden Dienstag nach Mainz eingeladen, um ihm die Arbeitsangebote mehrerer Unternehmen zu übermitteln. Becks Sprecher Walter Schumacher sagte, bislang hätten sich fünf Firmen bereit erklärt, den gelernten Baufacharbeiter einzustellen.

Darunter seien drei Baufirmen und ein Malerbetrieb aus Rheinland-Pfalz sowie ein Reinigungsunternehmen aus dem hessischen Kelkheim, sagte Schumacher. Es handele sich um seriöse und teils alteingesessene Firmen.

Frank, der nach eigenen Worten seit sechs Jahren arbeitslos ist, hatte Beck auf dem Weihnachtsmarkt der hessischen Landeshauptstadt wegen der Hartz-IV-Gesetze beschimpft. Daraufhin hatte der SPD-Chef den 37-Jährigen aufgefordert, sich zu waschen und zu rasieren. Dann werde er auch Arbeit bekommen. Der gelernte Baufacharbeiter hatte sich den Bart abnehmen und die Haare schneiden lassen. Er wolle dem SPD-Chef ein klares Zeichen geben, hatte Frank anschließend in Wiesbaden erklärt: "Ich bin bereit, mich zu verändern." Er sei bereit, jede Arbeit anzunehmen, weil er nicht mehr "von Almosen vom Amt" leben wolle.

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Pixelschubser (18.12.2006, 16:35 Uhr)
Mir fällt nichts mehr ein...
Am Freitag habe ich mich noch schwarz geärgert über Herrn Becks flapsigen Kommentar. Ich war sogar bereit, Herrn Frank kostenlos Bewerbungsunterlagen zur Verfügung zu stellen, um ihm bei seiner Stellensuche zu helfen, weil mich dieser Wandlungswille begeistert hat. Jetzt muss ich heute aus dem Radio erfahren, dass er das ganze abgelehnt hat, weil er "terminliche Schwierigkeiten" sah - da fällt mir echt nichts mehr ein! Eben noch Hartz-IV-Empfänger, jetzt Medienstar und gleich erst mal alle guten Ideen, Vorschläge und Aktionen über Bord werfen und die besten Ansätze im Keim ersticken.... Und dann zum Überfluss noch rummeckern, es wäre nicht genug mit ihm abgesprochen! Die Frisur, die man ihm spendiert hat, sei nicht gut genug! Ja was will denn der werte Herr Frank nun? Sieht zumindest nicht so aus, als wolle er ernsthaft für seinen Lebensunterhalt arbeiten!
Ich für meinen Teil sehe jedenfalls keinen Grund, mein Angebot aufrecht zu erhalten. Auf den Arm nehmen darf er gerne andere...
RobDN (18.12.2006, 10:35 Uhr)
Populismus pur
Das Auftreten von Herrn Frank und seinen Beratern ist purer Populismus. Jetzt hat er sogar den angesetzten Termin abgesagt weil er "verhindert" ist. Da sieht man doch wieder welche Ernsthaftigkeit dahinter steht.
Ich persönlich wäre froh wenn Hr. Beck mir nur 2 anstatt 5 Stellenangebote unterbreiten würden. Stattdessen fahre ich für umgerechnet 1,80 € die Stunde Schulkinder durch die Lande und freue mich das ich eine Aufgabe habe.
Als selbst von H4 betroffener kann ich nur bestätigen das viele Bezieher der Leistungen von Hartz IV gar nicht arbeiten wollen. Ich habe diesen Job seit 9 Monaten und in der Zeit sage und schreibe 12 Beifahrer verschlissen denen es einfach zu wenig war was sie verdient haben und sie ihre Zeit lieber auf dem heimischen Sofa verbringen.
Dem ein oder anderen war auch das Wort Seife oder Friseur gänzlich fremd. Vielleicht muß man nur lange genug in einem "Klischee" leben um selbst eins zu werden.
Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und werde garantiert nächstes Jahr mal den Weihnachtsmarkt in Mainz und Wiesbaden besuchen vielleicht habe ich ja auch das Glück und begegne Kurt Beck.
uwe1 (17.12.2006, 09:23 Uhr)
..für wie lange?
Nach sechs Jahren wieder einen Job.
Ok...aber für wie lange?
Langfristige Sicherheit kann man nicht zwischen Tür und Angel, in einer politischen Werbeaktion, erzeugen.
relo (16.12.2006, 16:42 Uhr)
Direkte Anrede
Herr Beck hat einen Menschen in Not in deutscher ( deutlicher )Sprache
eien Rat gegeben . Wenn jetzt 5 Leute
eine Stelle bekommen , prima . Was hat Herr Beck falsch gemacht, in der Politik bestimmt vieles, in diesem Fall aber nicht.
flooene (16.12.2006, 11:33 Uhr)
Ich fand die Aussage von Herrn Beck ganz okay, er hatte seine Aussage ja nicht allgemein bezogen sondern nur auf diese Person und damit hatte er auch recht. So wie der Mann aussah hätte ihn keiner in einer höheren Position eingestellt. Ja man muss sich anpassen, damit hat er auch recht nur allgemein zu sagen, wenn sich alle Arbeitslosen mal waschen bekommen sie auch einen Job ist Schwachsinn, das müsste hier jeder wissen. Es gibt halt nicht genügend Jobs für jeden, sonst hätten wir auch nicht das große problem
RomanTicker (16.12.2006, 10:58 Uhr)
Der Spruch gilt nicht für alle...
Immer wieder hört man den Vorwurf, Kurt Beck hätte allen Arbeitslosen unterstellt, sie würden sich nicht ausreichend bemühen, müssten sich nur waschen, etc. Das ist doch Unsinn. Die ganze Geschichte wurde mal wieder vollkommen überflüssig aufgebauscht. Beck hatte Recht damit, dass man sich in dieser Gesellschaft schon anpassen muss, damit man einen Job bekommen kann. So wie der Arbeitslose vorher aussah, hätte er garantiert keinen Job gefunden. Also was soll die Aufregung? Wer sich so gehen lässt, hat fast keine Chance mehr und dieser Arbeitslose, Herr Frank, hat enormes Glück, dass durch die Äußerungen von Herrn Beck und dem anschließenden Pressewirbel er nun eine neue Chance bekommt. Mich würde nur interessieren, ob er auch engagiert am Ball bleibt.
Ma_Dalton (16.12.2006, 10:52 Uhr)
Nur mal am Rande:
Wie kommen Sie eigentlich darauf, den Mann als Punk zu bezeichnen? Wir sind doch hier nicht bei der ....-"Zeitung"?
corehead (16.12.2006, 01:15 Uhr)
Was jetzt passieren müsste:
Sollte er eine der fünf Stellen antreten, sollten die restlichen vier auch an Langzeitarbeitslose vermittelt werden, soviel könnte Herr Beck noch tun.
Der Fall war ja optimal, weil halt nur eine Haarschnitt und eine Rasur aus einem Zausel einen "normal aussehenden" gemacht haben. Viel schlimmer sind die geistig verwahrlosten Arbeitslosen, die eigentlich mehr oder weniger normal rumlaufen. Da war mal ein Artikel in Stern oder Spiegel über Teile des Ruhrgebiets, wo ganze Familien (Eltern und erwachsene Kinder) von Transferleistungen leben, und das nicht mal schlecht. Solche Kreise, die überhaupt keine Perspektive mehr haben, weil definitiv keine Arbeitsplätze vor Ort verfügbar sind, sind einfach nur noch frustriert und haben sich mit ihrem vermeintlichen Schicksal schon längst abgefunden. Die sind doch innerhalb der Arbeitlosen das eigentliche Problem. Denn Enrico hatte sich ja noch nicht aufgegeben, selbst nach sechs Jahren. Was sagt uns das? Das der Wille vorhanden sein muss, das der Mut, sich von eingespielten Gewohnheiten zu verabschieden, vorhanden sein muss, das der Wunsch nach einem eigenverantwortlichen, selbstbestimmten Leben vorhanden sein muss. Denn vielen Arbeitslosen wird ein kleines, aber selbstverdientes, Gehalt lieber sein, als staatliche Gelder. Es muss nur mehr dabei rumkommen, als der Staat zahlt. Vielleicht dient das Beispiel von Hr. Frank ja dem ein oder anderen als Vorbild, das mit persönlichem Engagement und dem Mut sich, nicht nur äußerlich, zu verändern, man mehr Chancen hat, als durch Resignation und abwarten.
Dietmar_Brach (15.12.2006, 19:25 Uhr)
und die restlichen Arbeitslosen ?
Herr Beck hat mit seinen Worten zum Ausdruck gebracht, dass alle Langzeitarbeitslosen an ihrem Problem selbst schuld seien. Deshalb sollten am besten alle Langzeitarbeitslosen am Dienstag bei Herrn Beck gewaschen und rasiert auf der Matte stehen.
Übrigens im Hinblick auf die derzeitigen Umfragewerte der SPD ein Tipp für Herrn Beck: Viele Arbeitgeber stellen auch keine Bewerber mit Übergewicht ein, da dies ein Gesundheitsrisiko ist und somit die Gefahr eines krankheitsbedingten Ausfalls größer ist.
bR4iNST0RM (15.12.2006, 18:11 Uhr)
Es geht doch!
Wundervoll! Ich bin wirklich begeistert, wie Dinge laufen lernen, die zuvor nur gestolpert sind!
Herr Beck, Herr Frank: Hut ab! Beide Seiten haben hier super reagiert. Warum kann solch ein Beispiel nicht auch in die generell verzwickte Politiksoap einfliessen?! Es könnte vieles besser gemacht werden. Ich hoffe das war der lang ersehnte Startschuss! Frau Merkel: Haben sie was gehört? ;)
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