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NPD schockt mit "Rückflugtickets"

In Berlin verschickt die NPD Hassbriefe an Bundestagskandidaten mit Migrationshintergrund. Es ist schon die zweite offen fremdenfeindliche Wahlkampfaktion innerhalb kurzer Zeit.

Von Timo Brücken

  Rassistisches Reisedokument: Dieses "Rückflugticket" verschickte die NPD an Berliner Bundestagskandidaten.

Rassistisches Reisedokument: Dieses "Rückflugticket" verschickte die NPD an Berliner Bundestagskandidaten.

Auch wenn Parteichef Holger Apfel seine NPD gern als harmlose Biedermeier-Partei darstellt - manchmal fällt die Maske und ihre rassistische Fratze kommt offen zum Vorschein. Jüngstes Beispiel: In Berlin hat die NPD Briefe an mehrere Bundestagskandidaten mit Migrationshintergrund verschickt, in denen sie diese zur Ausreise auffordert. Beigelegt ist ein fiktives "Rückflugticket" mit dem Ziel "Heimat" - "One Way" und "Sofort".

Der Brief beginnt mit dem Slogan "Heim wandern statt einwandern!" und soll wohl so etwas wie eine sprachwissenschaftliche Abhandlung sein. Das Wort Migrant komme von "migrare", schreibt der Neuköllner NPD-Politiker Jan Sturm, und das sei Latein für "wandern". Aber eben nicht nur: "Migrare heißt auch auswandern. Wir sehen darin eine patente Lösung." Dann droht Sturm den Kandidaten noch: Sie würden politisch Einfluss nehmen "auf die ethnische Gruppe der Deutschen", und das könne "aus menschenrechtlichen Überlegungen vielleicht sogar strafbar sein".

"Dieser Brief ist ein Schock für mich", sagte der Piraten-Politiker Fabricio do Canto, einer der Adressaten, den "Prenzlauer Berg Nachrichten". Der gebürtige Brasilianer fürchtet nun um seine Sicherheit: "Ich frage mich auch: Woher haben die meine Adresse?" Cansel Kiziltepe, SPD-Kandidatin mit türkischen Wurzeln, hat den Brief nach eigener Aussage noch nicht erhalten, will die NPD aber laut "taz" sofort anzeigen, sollte er bei ihr eintreffen. Der Grüne Özcan Mutlu sprach an gleicher Stelle von einem "unglaublichen Skandal", die NPD sei auf diesem Gebiet ein "Wiederholungstäter" und gehöre "knallhart bestraft".

  Menschenverachtung mit Humor gekontert: Der NPD-Brief und die humoristische Antwort darauf.

Menschenverachtung mit Humor gekontert: Der NPD-Brief und die humoristische Antwort darauf.

Kondome als Kampfmittel

Denn es ist nicht die erste offen rassistische Wurfsendung, die die NPD im Wahlkampf losschickt. Schon zur Bundestagswahl 2009 forderte die Partei Politiker mit Migrationshintergrund zur Heimreise auf. Damals ermittelte die Staatsanwaltschaft. Und vor der Berlin-Wahl 2011 gingen laut "taz" schon einmal "Rückflugtickets" raus. Vor zwei Wochen verschickte die NPD-Nachwuchsorganisation "Junge Nationaldemokraten" schließlich Kondome an "Ausländer und ausgewählte Deutsche". Die bitterböse Botschaft: Vermehrt euch bloß nicht.

Doch die Aktion ging gründlich nach hinten los: Aus Scham darüber, mit den rechtsradikalen in Verbindung gebracht zu werden, spendete der Kondomhersteller das eingenommene Geld an die Amadeu-Antonio-Stiftung. Die engagiert sich seit Jahren gegen Rechts, ihr Projekt "Mut gegen rechte Gewalt" wird auch vom stern unterstützt. Dadurch finanzierte die NPD am Ende indirekt einen ihrer größten Gegner mit.

Auf den aktuellen Hassbrief kursiert bei Twitter mittlerweile die humoristische Antwort eines "verantwortungsvollen und besorgten (türkischen) Deutschen": Statt am Begriff Migrant arbeitet er sich am Wort Idiot ab. Wer damit gemeint ist, ist ja klar.

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