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23. März 2007, 10:27 Uhr

Immer mehr Missionare für Totalverbot

Rauchen

Der von den Ländern ausgehandelte Kompromiss zum Rauchverbot stößt auf harsche Kritik. Berlins Bürgermeister Wowereit will den Bundesrat mobilisieren, einige SPD-Abgeordnete bringen das Arbeitsrecht in Stellung. Ihr Ziel: Keine Qualmerei in Gaststätten.

Will ein bundesweites, generelles Rauchverbot durchsetzen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit© Marcus Brandt/DDP

Mit Hilfe des Bundesrates will der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit doch noch ein bundesweit gültiges, generelles Rauchverbot durchsetzen. Nutze der Bund seine Kompetenz im Arbeitsschutzrecht nicht, "werden wir gegebenenfalls eine Bundesratsinitiative ergreifen", sagte der SPD-Politiker am Freitag. In Berlin wird es laut Wowereit eine strenge Regelung für die Gastronomie geben: Hier solle das Rauchen nur noch in abgetrennten Bereichen erlaubt sein, in denen es auch keine Bedienung geben solle. Auch Bundesverbraucherminister Horst Seehofer kritisierte den Kompromiss als nicht sinnvoll.

Detaillierte Gesetze bis Herbst Sachsen will das geplante Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten konsequent umsetzen. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sagte der "Sächsischen Zeitung": "Wir wollen keine Mogelpackungen." In Sachsen werde es keine reinen Raucherlokale geben. Rauchen werde in Gaststätten nur dann möglich bleiben, wenn Raucher- und Nichtraucherbereiche "räumlich sauber getrennt" würden. Mit den Verboten wolle Sachsen "den potenziellen Rauchern in der nächsten Generation das richtige Zeichen geben."

Das "Handelsblatt" berichtet, mehrere SPD-Abgeordnete wie zum Beispiel Lothar Binding wollten nun über das Arbeitsschutzrecht versuchen, ein Rauchverbot ohne Ausnahmen in Gaststätten durchzusetzen. Demnach solle die Arbeitsstättenverordnung so geändert werden, dass Arbeitnehmer an ihrer Arbeitsstelle vor den Gefahren des Rauchens geschützt werden.

Am Donnerstag hatten die Chefs der Bundesländer den Kompromiss beschlossen. Detaillierte Gesetze sollen bis zum Herbst vorlieben.

Hier darf nicht geraucht werden

In allen öffentlichen Gebäuden muss das Qualmen unterbleiben, also in Behörden, Schulen, Theatern, Museen, Bahnhöfen und Flughäfen. Gleiches gilt für öffentliche Verkehrsmittel. Auch in Diskotheken soll es ein striktes Rauchverbot geben.

Welche Ausnahmen gibt es?

Die Bundesländer entscheiden bis zum Herbst, ob auch die Gastronomie rauchfrei werden muss. Offenbar wird es einige Ausnahmen geben. Bayern will das Qualmen in Bierzelten gestatten, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Sachsen-Anhalt wollen den Gastwirten ermöglichen, Raucherkneipen zu führen.

Außerdem können Restaurant-Besitzer, die über ein eigenes Raucherzimmer verfügen, ihre Gäste dort qualmen lassen.

Welche Strafen erwarten Rauch-Sünder?

Das müssen die Länder festlegen. Möglich sind Bußgelder bis zu 1000 Euro.

Machen die Kneipen nun pleite?

Im Gegenteil: Das Rauchverbot scheint, wie Umfrage in anderen euopäischen Ländern belegen, eher positive wirtschaftliche Effekte zu haben. Plötzlich kommen auch Gäste, denen es früher zu verraucht war, außerdem machen die Raucher schneller ihre Tische frei, um draussen qualmen zu können.

KOMMENTARE (10 von 12)
 
atride (23.03.2007, 20:43 Uhr)
HAHAHAHA
ein Raucher hier spricht von "Diktatur" im Zusammenhang mit dem Rauchverbot. Gott, ist das dumm und billig. Ohne Worte! Liebe Raucher (hier im Forum), wir alle wissen das Ihr Nichtraucher bis zum Sankt Nimmerleinstag ohne jede Rücksichtnahme vollgequalmt hättet. Und deshalb gibt es jetzt ein Gesetz, dass eure Rücksichtslosigkeit verbietet. Zusammenhang verstanden?
barryallen (23.03.2007, 17:45 Uhr)
@ramteid
Faktisch falsch!!!
Der wirklich relevante Eingriff in die Privatsphäre stellt sich dar, wenn Nichtraucher sich bei gesellschaftlichen Verpflichtungen wie z.B. Geschäftsessen
zwangsberauchen lassen müssen oder aber Familien nicht mehr in Restaurants gehen, weil sie sich und ihre Kinder nicht dem Qualm aussetzen wollen. Aber das wird natürlich gerne mal unter den Teppich gekehrt. Statt dessen muss der vermeintliche Überwachungsstaat herhalten, nur weil es den Rauchern zuviel ist, mal vor die Tür zu gehen, wenn sich das Suchtbedürfnis meldet. Raucher inszenieren sich gerne als Verteidiger der Freiheit, dabei sind sie abhängig von der Droge Nikotin. Das ist einfach nur verlogene Polemik.
Spocks_Kommentar (23.03.2007, 17:22 Uhr)
Mene Tekel für den Föderalismus
Daß Rauchen verboten werden muß, wo der Körper unschuldiger verletzt wird ist unstrittig zwischen allen, die was davon verstehen. Soweit so gut. Daß die Bundesländer dies nicht umzusetzen schaffen ist erwartungsgemäß, so weit so schlecht.
Selbst in einer so einfachen Sache, wie dem Gesundheitsschutz in wissenschatlich klar entschiedener Situation ist der Föderalismus zu keiner einheitlichen Regelung in der Lage. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte (Pisa, Justiz und Polizei usw), hier ist er: Der deutsche Föderalismus ist gescheitert, was in den Händen der Bundesländer liegt gerät zum Chaos, die deutsche Kleinstaaterei drückt uns auf das Niveau eines Schwellenlandes, wenn nichts geschieht. Mene Tekel Phares - gewogen und zu leicht befunden. Es wird Zeit für eine ganz andere Reform: Weg mit den Bundesländern, damit Deutschland wieder regiert werden kann, was nicht heissen soll, daß wir wieder einen kleinen Adolf bräuchten, den brauchen wir ebenso wenig, wie 16 Bundesländer mit 16 Regierungen.
ramteid (23.03.2007, 17:00 Uhr)
Teile und Herrsche (Teil 2)
Man muß nur zwei Gruppen aueinander hetzen und schon spart man sich Arbeit und lenkt von den eigentlichen Problemen dieses Staates ab. Ich kann den Beiträgen, die dieses Rauchverbot ablehnen nur voll unterstützen. Es ist und bleibt ein Eingriff in ein privates Unternehmen. In wirklich öffentlichen Gebäuden kann der Staat natürlich Rauchen verbieten, aber alles andere ist ein nicht rechtlicher vertretbarer Eingriff in die Privatsphäre des Bürgers und der Unternehmen. Solange der Staat Milliarden damit verdient, als an den so schädlichen Zigaretten ist es ohnehin paradox so etwas zu beschliesen. Es beginnt die snfte Diktatur.
Randy007 (23.03.2007, 14:48 Uhr)
Freiheit nur zum Schein

Freiheit der Entscheidung schön und gut. Aber hat der Wirt einer kleinen Eckkneipe wirklich die Freiheit seinen Arbeitsplatz zur Nichtraucherzone zur erklären, wenn er es gerne würdeß Nein mit dieser Lösung hat er diese Möglichkeit gerade nicht. Denn jetzt wird es jeder seiner unverbesserlich rauchenden Gäste persönlich nehmen und seinen Laden wirklich boykottieren wenn er dort nicht mehr rauchen darf. Und was ist mit der Kellnerin, die wird schon garnicht mehr gefragt...Schade eine gute Chance ist vertan. Wie immer Politiker knicken vor den Lobbies ein nach einer Menge hohlen Geschwätz.
MarkusMcFly (23.03.2007, 14:47 Uhr)
Freiheitsrechte
Wo und Wer wird diskriminiert, wenn Raucher mal vor die Tür gehen sollen, um ihrer Sucht nachzugehen, ohne andere zu schädigen? Ausserdem sind Rauchern die Freiheitsrechte der Menschen, die diesen Giftqualm nicht einatmen wollen, doch egal. Es ist nunmal Zeit für einen Paradigmenwechsel und Zeit einzusehen, dass rücksichtsloses Suchtverhalten auf Kosten anderer eben nicht normal ist. Es ist mir ein Rätsel, weshalb von der Politik immer noch soviel Rücksicht auf die Bedürfnisse der Nikotinjunkies genommen wird? Es ist traurig, wie sich Nichtraucher jahrzehntelang dem Suchtverhalten von Rauchern untergeordnet haben.
@ Sanjoaquin
Selten so ein Schwachsinn gelesen. Sie hätten ja den Tisch wechseln können. Ausserdem ist Schweissgestank nicht gesundheitsgefährdend. Aber Hauptsache vom Thema ablenken, was auch auf den Rest Ihres Beitrages zutrifft.
Daniel-Duesentrieb (23.03.2007, 14:36 Uhr)
Es darf keine Ausnahmen geben.
Ich finde, es sollte keine Ausnahmen geben. Dafür gibt es mehrere Gründe.
1. Ausnahmen würden nur ausgenutzt es es gäbe wieder keinen richtigen Nichtraucherschutz. Kein Wirt wird freiwillig eine Nichtraucherkneipe machen, denn da würden alle Raucher nicht mehr hingehen. Die Nichtraucher sind da leider tolleranter und würden zu Liebe ihrer rauchenden Freunde dann auch nur in Raucherkneipen gehen. Somit gäbe es wieder nur Raucherkneipen und das ganze Gesetzt bringt nicht.
2. Die Angestellten wären dem Rauch weiterhin ausgesetzt. Das finde ich sowieso eine Zumutung.
3. Die Politiker behaupten ohne Ausnahmen würden manche benachteiligt. Ich denke aber, dass in diesem falle die Benachteiligt würden, bei denen die Ausnahmen nicht gelten. Die Leute würden lieber in ne Kneipe wo komplett geraucht werden darf gehen (wiel sie halt klein ist und deswegen eine Ausnahme) als in eine Große wo Raucher und Nichtraucher getrennt.
Wenn überall Rauchverbot ist und es keine Ausnahmen gibt, dann kann es acuh keine Benachteiligten geben. Und das raucher nicht einmal die Stunde zum rauchen vor die Tür gehen können ist ja wohl lächerlich. Tagsüber im Beruf rauchen die doch auch nicht eine Zigarette nach der anderen. Das sind doch nur deren Ausreden weil sie zu Faul sind.
Hochseeskipper (23.03.2007, 14:04 Uhr)
Aktionismus oder schlimme Zukunft..
Wenn ich das verfolge, wird mir Angst und bange. Da haben wir das bundeweite Rauchverbot zum Schutz der Nichtraucher, es sterben aber jährlich mehr Leute im Strassenverkehr durch Trunkenheit als durch Passivrauchen, unsere Jugentlichen veranstalten das beliebte "KOma-Saufen", es wird gekifft, geschnieft und anderes mehr, ebr wo wird der Staat die Kontrollen ansetzen, bei der Einhaltung des Rauchverbots. Hier ist demnächst die Einnahmequelle Nr. 1, weil die Autofahrer in den Bussgeldern stark rückläufig sind.
Aber die Raucher lernen gewiss genausoschnell wie die Autofahrer.
Ich bin für ein generelles Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden, Einrichtungen, Bussen und Bahnen, Flugzeugen usw. Bei den Kneipen sollte man es den Wirten überlassen, ob sie eine Raucherkneipe führen wollen oder eine Nichtraucherkneipe. Dann kann ich mich als Nichtraucher entscheiden, in welche Kneipe ich gehen will und werde. Da volkswirtschaftlich gesehen durch Alkohol ein fast genauso hoher Schaden entsteht wie durch Tabak muss man in Konsequenz auch über ein Alkoholverbot nachdenken. Nur das will niemand.
Und @papaleo:
Der Gedanke kam mir auch schon, eigentlich müsste der Weg umgekehrt laufen um die Rentenkassen zu entlasten:
Raucht was ihr könnt, trinkt was ihr wollt und esst was euch Spass macht, sonst braucht ihr hinterher noch Rente, die nicht für alle reicht.
Man erwartet vom Bürger, gesund zu leben, viel Sport zu machen, nicht zu rauchen, nicht zu schnell Auto zu fahren, keinen Stress zu haben und damit uralt zu werden. Dann aber kommt das Erwachen, keine Gelder für die Rente, zu hohe Gesundheitskosten, arbeiten bis 70 und länger.
Sanjoaquin (23.03.2007, 13:57 Uhr)
Schaden durch Passivrauchen
Die Feststellung der Todes- respektive Krankheitsursache durch Passivrauch erfolgte bislang nur durch Befragung und das ging so: Opa Pacholke starb mit 96 und gemäss Angabe von Oma Pacholke, derzeit 94, stand Opa Pacholke 1944 im Schützengraben neben einem, der erbeutete Machorkas geraucht hatte und schwuppdiwupp war Opa Pacholke zum Opfer des Passivrauchs mutiert.
Antiraucher fühlen sich vom Rauch belästigt, darum geht's und ich frag mich immer wieder, warum die so eine grosse Sehnsucht danach haben in Raucherkneipen zu gehen.
Entgegen den Behauptungen der Antiraucher gibt es in allen Ländern, die ein Rauchverbot erlassen haben, sehr wohl sehr gravierende Umsatzrückgänge. In Österreich ging das mit viel Pomp und Provenienz eröffnete erste Nichtraucherlokal innerhalb eines halben Jahres pleite. Und was noch dazukommt: Die Antiraucherorganisationen in den USA werden sehr stark von den Fast Food Ketten gesponsert mit dem Ziel die herkömmliche Gastronomie zu ruinieren. In Amerika sind mittlerweile mehr als 40 000 Menschen hauptberuflich bei Antiraucherorganisationen beschäftigt. Es geht hier nicht um den Schutz der Nichtraucher, es geht um Gängelung des Bürgers, es geht um überbordende Hysterie und es geht um Geld.
Letzthin war ich an einem schönen Sonntag im Biergarten und neben mir sassen vier durchgeschwitzte Fahrradfahrer mit ihren doofen Helmen und papageienfarbigen Trikots. Die haben derart nach Schweiss gestunken, dass mein Filet Wellington wie eine Essiggurke schmeckte. Soll ich jetzt ein Radfahrerverbot für die Gastronomie herbeijammern?
gelegenheitsposter (23.03.2007, 13:34 Uhr)
nur ein Verbot hilft

Ich habe selbst sehr viel zu lange geraucht .... Raucher sind nicht rücksichtsvoll und tolerant, schöner wird man davon auch nicht ....
Nur ein Verbot hilft wirklich weiter, alles andere ist die totale Blamage und Bananenrepublik.
Ich erwarte von der Politik schon lange nicht mehr viel, aber das generelle Rauchverbot in öffentlichen Räumen sollten sie schon packen.
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