31. Juli 2008, 15:51 Uhr

"Rauchen ist Teil unserer Kultur"

Das Bundesverfassungsgericht schützt mit seiner Entscheidung zum Rauchverbot die Bürger vor staatlicher Regulierungswut, meint Verfassungsrechtler Rupert Scholz. Im stern.de-Interview kritisiert er die schlampige Gesetzgebungsarbeit.

Darf weiterhin zur deutschen Gaststättenkultur gehören wie das Bier: die Zigarette©

Herr Scholz, ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bezüglich des Rauchverbots ein Sieg für die Freiheit?

In einem gewissen Sinne ja. Wir haben in unserer Rechtsordnung zunehmend die Tendenz, den Bürger duch "gut gemeinte" Verbote und Beschränkungen zu bevormunden. Das Rauchen ist seit Jahrhunderten ein Teil unserer Kultur - dem Wissen um die gesundheitlichen Folgen zum Trotz. Und dieses gesellschaftliche Dasein setzt dann auch staatlicher Regulierungswut Grenzen.

Muss das Rauchverbot in einem Bundesgesetz umgesetzt werden?

Nein, der Meinung bin ich nicht. Seit der Föderalismusreform ist ja ganz klar, dass das Gaststättengesetz Ländersache ist. Man hat es aus guten Gründen so geregelt, dass das Gaststättengesetz länderspezifische Unterschiede zulässt. Und dabei sollte es auch bleiben.

Überfordert das Rauchverbot also den Föderalismus?

Föderalismus bedeutet, ländersspezifische Unterschiede und Vielfalt in die Gesetzgebung aufnehmen zu können. Gerade das Gaststättenwesen hat ganz unterschiedliche Kulturen von Land zu Land. Dementsprechend sollte man die Gesetzgebung auch bei den Ländern belassen.

Bedeutet das Urteil eine komplette Aufhebung des Rauchverbotes?

Nein. Die Grundintention des Gesetzgebers, die Nichtraucher zu schützen, ist ja vom Bundesverfassungsgericht grundsätzlich bestätigt worden - und das auch mit Recht. Nur muss auch bei einer solchen Gesetzgebung der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden und zwar in diesem Fall eher im Hinblick auf die Gaststättenkultur. 60.000 bis 70.000 Betriebe der Kleingastronomie gibt es in Deutschland, die durch diese Regelung Umsatzeinbußen zwischen 30 und 40 Prozent zu befürchten haben und damit existenziell bedroht sind.

Was geschieht als nächstes?

Das werden die Länder zu entscheiden haben. Das Bundesverfassungsgericht hat den Ländern ja eine Frist bis Ende 2009 gesetzt. Ich nehme an, die Länder werden Lockerungen verfügen und es bei diesem relativen Rauchverbot mit entsprechenden Regelungen für die Kleingastronomie belassen. Ein generelles Rauchverbot wie es die Richter in Karlsruhe angedeutet haben, wird meiner Meinung nach nicht Realität werden. Man muss ja sehr klar sehen: Der Gesetzgeber hat abgewogen und sich für das mildere, relative Rauchverbot entschieden - es war nur handwerklich schlecht gemacht. Wenn die Länder nun ein absolutes Rauchverbot anstreben würden, wäre das ja eine neue, noch höhere Einschätzung der Gefahren durch das Rauchen. Und das sehe ich momentan nicht.

Warum ist es für den Gesetzgeber so schwierig, verfassungsgemäße Gesetze zu verabschieden, die vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben?

Der Gesetzgeber ist an die Verfassung gebunden und muss entsprechend sorgfältig arbeiten. In diesem Fall gibt es einfach handwerkliche Mängel. Man hat sich gar nicht überlegt, dass 60.000 bis 70.000 Gastronomiebetriebe aus baulichen oder wirtschaftlichen Gründen gar nicht in der Lage sind, abgetrennte Räume für Raucher zu schaffen. Das ist im Grunde eine etwas schlampige Gesetzgebungsarbeit.

Zur Person

Zur Person Rupert Scholz, Jg. 1937, ist Professor der Rechtswissenschaft und einer der renommiertesten deutschen Staats- und Verwaltungsrechtler. Er war - neben anderen politischen Ämtern - Bundesverteidigungsminister unter Bundeskanzler Helmut Kohl.

Interview: Thomas Krause
 
 
KOMMENTARE (10 von 58)
 
Administrator (01.08.2008, 09:00 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir schließen die Debatte an dieser Stelle, da Ihre Beleidigungen und beschimpfungen überhand genommen haben.
Wenn Sie Interesse an einer sachlichen Diskussion haben, können Sie gern auch in unserem Forum unter www.stern.de/forum weiter debattieren.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Sanjoaquin (01.08.2008, 08:56 Uhr)
@bebuquin
Zeig mir einen Passivrauchtoten respektive -geschädigten und ich zeig Dir zehn Leute, die über das Wasser wandeln. Die leierkastenartige Penentranz, mit der hier von einer Schädigung durch Passivrauch geschwafelt wird, ist modernes Sektierertum in Reinkultur. Bei 40 000 verschiedenen Substanzen, die wir täglich einatmen, ist es statistisch betrachtet unmöglich eine derartige Behauptung aufzustellen, es sei denn Leute fallen beim Anblick einer angezündeten Zigarre sofort tot um. Aber sogar dann besteht noch die Möglichkeit, dass es sich um einen Schlaganfall handelt, der auf geschwollene Zornesadern an der Schläfe zurückzuführen ist.
Knuffiman (01.08.2008, 08:48 Uhr)
omg
wie frustriert müssen doch menschen sein, die ihre mitmenschen als vollidioten oder erbärmliche wichte bezeichnen müssen. sachlichkeit oder besser mal scheuklappen absetzen wäre vllt. eine möglichkeit. intolleranz kann man beiden seiten vorwerfen. die übertriebenere kommt aber von der nichtraucherseite. man wird schon im biergarten angequatscht, das der rauch stört. da hört es für mich persönlich auch auf. drinnen ist nichtraucher mit viel platz. wenn der nr nun auch ein paar sonnenstrahlen abbekommen mag, muss er in kauf nehmen das draußen geraucht wird. wenns stört ist extra zu seinem schutz ein nichtraucherbreich eingerichtet worden. im winter ist der nr wieder im vorteil. somit gleicht es sich doch wieder aus. um auf die gefahren hinzuweisen, sollte jeder selbst wissen was er seinem körper zumutet. auch stelle ich mir vor das es passieren könnte, dass ein stark alkoholisierter nichtraucher einen schweren verkehrunfall verursacht. sollte man doch auch darüber nachdenken den alkohol zu verbieten ?? computer oder spielekonsolen dürften dann auch verpöhnt werden - machen dicke kinder.... also immer schön locker bleiben und vor inbetriebnahme der tastatur, hirn einschalten (falls vorhanden)
Bebuquin (01.08.2008, 08:45 Uhr)
@nese
"Und mich nerven soche Idioten, die ihre Wuensche um jeden Preis durchsetzen wollen. Von 'Toleranz' und 'Demokratie' ist in Ihren Beitraegen weit und breit nichts zu spueren."
Kann mir irgendjemand erklären, warum man für absichtliche Körperverletzung anderer Menschen Toleranz aufbringen sollte? Es gibt Grenzen der Toleranz und hier ist eine. Nur weil viele (d.h. nicht alle) Raucher in ihrem doch recht begrenzt denkenden Horizont nicht erkennen können oder wollen, dass sie mit ihrer Sucht/Kultur unbeteiligten Dritten schaden, muss man dies noch lange nicht um der reinen Toleranz willen ertragen.
Abgesehen davon wäre das so leicht über den Bund zu regeln:
Einfach über den Arbeitsschutz Rauchverbot an allen Arbeitsplätzen in geschlossenen Räumen...
Sanjoaquin (01.08.2008, 08:42 Uhr)
Preston bringt's auf den Punkt
Zwar setzt er seinen Dativ etwas veronesk in die Gegend, aber er hat das Problem auf den Punkt gebracht. RAUCHEN NERVT, darum geht's und darum ist auch jede noch so absurde Studie und jedes Totschlagargument nur rechtens, wenn nicht gar rechtslastig. Dinge, die nerven, müssen im Namen der Volksgesundheit ausgemerzt werden. Das hatten wir schon mal. Preston ist der vegetierende Beweis für meine Hypothese, dass es sich bei der Raucherdiskussion um eine Maschendrahtzaundiskussion handelt, die schön langsam zu einer Stacheldrahtzaundiskussion ausartet.
Alex64 (01.08.2008, 07:42 Uhr)
Aber preston
Keine "Gegendarstellung" auf die Richtigstellung deines uninformierten Gewäschs?
Hätte mich aber auch sehr gewundert ...
Dafür dieser Unfug:
"Redet mal mit einem "trockenen" Alkoholiker - über ein Glas Wein am Abend, dann wißt Ihr, was Fanatismus ist."
Richtig auf´s Thema umgesetzt heisst das, wenn ich mit einem ja jetzt so gesunden Exraucher über die Zigarre am Abend reden will, dann werde ich so fanatisch dumm angemacht wie von dir??
DIESER Fanatismus ist aus meiner Sicht erst richtig krank: ich bin ja so stolz auf mich, ich habe es geschafft, aufzuhören und jetzt mache ich alle anderen, die es noch geniessen aus purem Neid (mir bleibt meine Sucht verwehrt)an, egal wie, wo und wann, nur um denen die Lust richtig zu nehmen.
DAS ist eine echte psychische Störung und nennt sich krankhafter Neid ....
Und dann, wie zur Bestätigung:
"....und NOCH MEHR nerven die Idioten, die ihre Sucht als "Kultur", und ihre angebliche "Toleranz" als "Grundfesten" der Demokratie verteidigen.
Klar, wer will schon als erbärmlicher Wicht dastehen, der alle halbe Stunde an seiner Schnulle ziehen muß (wie ein Dreijähriger)."
Wenn du von deiner Störung loskommen willst, solltest du zunächst versuchen, von deinem Schwarz/Weiss-Denken wegzukommen. Dann wird´s vielleicht auch besser mit den Beleidigungsversuchen, und dann lässt dein Gegenüber vielleicht auch mit sich reden.
Aber - sprich mich in einer Kneipe auf diese Art an und du hast schneller einen Handabdruck im Gesicht als ich meine Zigarre weglegen kann....
Denn reden kann man mit fanatischen geistigen Aussetzern deiner Couleur nicht....
nese (31.07.2008, 22:19 Uhr)
@Preston
Und mich nerven soche Idioten, die ihre Wuensche um jeden Preis durchsetzen wollen. Von 'Toleranz' und 'Demokratie' ist in Ihren Beitraegen weit und breit nichts zu spueren. Nur so zur Information: ich rauche nicht und Alkohol trinke ich sehr selten.
Preston (31.07.2008, 22:02 Uhr)
2-Mann Diktatur am Tresen
Redet mal mit einem "trockenen" Alkoholiker - über ein Glas Wein am Abend, dann wißt Ihr, was Fanatismus ist. (Dabei stört das Glas Wein, zuhause oder am Tresen, niemanden außer dem, der es trinkt.)
Rauchen aber nervt - und NOCH MEHR nerven die Idioten, die ihre Sucht als "Kultur", und ihre angebliche "Toleranz" als "Grundfesten" der Demokratie verteidigen.
Klar, wer will schon als erbärmlicher Wicht dastehen, der alle halbe Stunde an seiner Schnulle ziehen muß (wie ein Dreijähriger).
nese (31.07.2008, 21:53 Uhr)
Ich finde es wirklich sehr 'ruehrend' von Preston
dass er sich so sehr um die Gesundheit der Raucher sorgt. Wissen Sie mit Ihrer Zeit nicht besserers anzufangen als gegen die Raucher zu hetzen? Ich finde es sowieso anmassend den Wirten vorzuschreiben, wie sie ihre eigenen vier Waende deklarieren sollen. Nur sie alleine wissen, welche Gaeste sie mehrheitlich haben. In einer freien 'Marktwirtschaft' regelt sich das sowieso von alleine. Wenn die 75% Nichtraucher die Raucherkneipen meiden, muessten demnaechst massenhaft Nichtraucherkneipen entstehen. Dann kann Preston endlich seine Kneipe um die Ecke 'besetzen'.
OK Alex, ich habe nichts dagegen, wenn er bei den radikalen Moslems 'Unterschlupf' findet. Mit seinen Ansichten passt er da auch wunderbar hin ;-)
Alex64 (31.07.2008, 21:14 Uhr)
Dummerle
http://www.lebertransplantation.de/alkoholtox.htm
In diesem Artikel werden die medizinischen Erfordernisse und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lebertransplantation und nicht die Kostenübernahmevoraussetzungen erklärt.
Entweder stellst du dich nur dumm oder ...
Ist wohl klar dass ein "teures" Spenderorgan nur dann verpflanzt wird, wenn Aussicht auf Erfolg besteht - und als medizinische Kontraindiktion für die Verpflanzung eines Organs kann auch z.B. eine unklare Infektion ausreichen.
Diskutier besser nicht mit Fakten, deren Zusammenhang mit deiner unmaßgeblichen Meinung du noch nicht mal marginal richtig einschätzen kannst.
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