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1. August 2007, 08:12 Uhr

Startschuss für die Draußen-Qualmerei

In Baden-Württemberg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern treten mit Anfang August die neuen Nichtrauchergesetze in Kraft. Eine einheitliche Linie, wie mit den Rauchern in öffentlichen Räumen verfahren wird, gibt es allerdings nicht.

Ein Hinweisschild informiert in einem Cafe in der Stuttgarter Innenstadt über das Rauchverbot© Thomas Kienzle/AP

Raucher müssen sich die Zigarette ab dem ersten August vielerorts wohl unter freiem Himmel anstecken. Dann treten in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern die ersten umfassenden Nichtraucherschutzgesetze in Kraft. Dort ist der blaue Dunst aus Gaststätten, Krankenhäusern, Schulen und Landesbehörden verbannt. Es sei denn, es gibt noch eigens abgetrennte Raucherräume. In Mecklenburg-Vorpommern gilt das Verbot zunächst für Behörden, Schulen und Krankenhäuser, ab 1. Januar 2008 auch in Gaststätten.

"Gesundheitsschutz ist nicht teilbar"

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding sieht in den Regelungen der Bundesländer das falsche Signal. "Gesundheitsschutz ist nicht teilbar", sagte Binding der Berliner Tageszeitung "taz". "Ein Mensch in Stuttgart hat das gleiche Recht auf Gesundheitsschutz wie einer in Rostock." In Baden-Württemberg dürften beispielsweise Schulen entscheiden, ihren volljährigen Schüler ab der elften Klasse das Rauchen zu erlauben. "Gesundheit hängt nicht vom Alter ab", betonte Binding, der im vergangenen Jahr im Bundestag eine Initiative für umfassende Rauchverbote gestartet hatte. Solche Ausnahmen zeigten, dass eine Regelung des Bundes vorteilhafter gewesen wäre.

Nach Ansicht des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg ist dennoch ein guter Anfang gemacht. Die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ, Martina Pötschke-Langer, bezeichnete die Regelungen in den Bundesländern als einen wichtigen Fortschritt im Kampf gegen die Folgen des Passivrauchens. "Es ist ein hoffnungsvoller Beginn, dass ausgerechnet die Länder, die sich bei dem Thema zunächst sehr schwer getan haben, als Musterländer vorangehen", sagte sie.

Dass es in den Vorschlägen nicht wie zunächst vorgesehen eine Unterscheidung zwischen Eckkneipen und anderen Gaststätten gebe, sei der größte Erfolg der Nichtraucherschützer. Die Wirte rief Pötschke-Langer dazu auf, dem Beispiel italienischer Gastwirte zu folgen und keine Raucherräume einzuräumen. In Italien gibt es nach ihren Worten seit längerem eine ähnliche Regelung, es hätten aber nur zwei Prozent solche Extra-Räume zur Verfügung gestellt.

Regelungen in anderen Ländern in Arbeit

Mit Blick auf die noch ausstehenden Regelungen in den übrigen Bundesländern zeigte sich Pötschke-Langer zufrieden: "90 Prozent der Forderungen sind erreicht." Sollten die Regelungen in Baden-Württemberg und Niedersachsen in anderen Ländern Schule machen, wäre der Nichtraucherschutz einen Riesenschritt weiter. In den meisten anderen Bundesländern müssen sich die Raucher ab Anfang kommenden Jahres auf Änderungen einstellen. Entsprechende Regelungen sind bereits in Arbeit. Allerdings wollen Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen noch in diesem Jahr entsprechende Regelungen in Kraft treten lassen. Vom 1. September an gilt zudem ein Rauchverbot in Bundesbehörden, sowie in Bahnhöfen, Flughäfen, Bussen, Bahnen und Taxis.

Eine bundesweit einheitliche Lösung war auch am Widerstand der Länder gescheitert. Kritiker bemängeln unter anderem, dass es in den 16 Bundesländern nun jeweils unterschiedliche Regelungen geben werde.

AP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
MarkusMcFly (02.08.2007, 12:22 Uhr)
@ sportartmakler
Was hätte dagegen gesprochen? Alles natürlich- denn dann hätten Nichtraucher und Kinder weiterhin die Abgase Nikotinsüchtiger ertragen müssen und nichts hätte sich geändert. Was macht die Droge Nikotin so wichtig? Die jahrzehntelange Propagnda der Tabakindustrie? Das Gleichsetzen von freiheitlich, demokratischen Grundwerten mit der Lizenz Alles und Jeden ungefragt zuqualmen zu dürfen? Auch ich finde, dass es für ein Rauchverbot langsam Zeit wurde.
sportartmakler (02.08.2007, 10:57 Uhr)
wie
das in anderen ländern gehandhabt wird interessiert mich eigentlich gar nicht. was hätte dagegen gesprochen das den jeweiligen lokalen selbst zu überlassen? es hätten sich dann von selbst entsprechende kneipen und gaststätten gefunden in denen geraucht werden kann und in welchen eben nicht. als nichtraucher gehe ich dann halt in meine kneipe und der raucher in seine. hätte sich keiner aufgeregt, außer vielleicht wieder nichtraucher wegen diskriminierung weil in raucherkneipen geraucht wird.
UKARGIE (02.08.2007, 10:26 Uhr)
Rauchverbot
Es hat aber gedauert in Deutschland, and dann nut ein Flecketeppich mit Tausend Ausnahme-Regelungen!
Im Vereinigten Koenigreich funktionerts es prima, alle 4 Nationen der UK haben gleiche umfassende Rauchverbote:
Schottland, seit 26. Maerz 2006
Wales, seit 2. April 2007
Nord Irland, seit 30. April 2007
England, seit 1. Juli 2007
Republik Irland: 1. April 2004
Der Rauchverbor im Vereinigten Koenigreich ist wirklich umfassend: Racuhen is in allen oeffentlichen geschlossenen Raeumen, saemtlichen Arbeitsplaetzen, im gesmaten oeffentlichen Verkehr und deren Einrichtungen, inkl. Bahnsteigen, Banhfoefen und Bahnhofsvoerplaetzen, an allen Flughaefen, in allen Firmenwagen, alle Bars, Pubs, Restaurants, private Clubs, Discos, Bingo-Hallen, Casinos, etc.
Raucherraeumen oder Raucherecken in allen Gebaeden sind auch verboten, und Rauchecken im freien, duerfen maximal 50% eingeschlossen sein, gilt auch fuer Pubs-Aussenbereiche, wenn die ueber Markisse und 3 Seitenwaenden verfuegen, dann giulkt es als eingeschlssoner Bereich und ist das rauchen auch dort verboten. Eebenmso sind Raucherecken oder -bereiche am Bahnhoefen und allen Flughaefen entfernt worden. Rauchen im Aussenbereich der Terminals in Heathrow-Flugahafen ist auch verboten.
Einzige Ausnahmen sind: Irrenanstalten und Her Majesty's Gefaegnisse.
Im Grunde darf man nur im freien, aber bitten keine Kippe wegwerfen, das kostet 80 Pfund Strafe, oder im eigenem Wagen oder Heim, so lange diese keinen Arbeitsplatz darstellen.
Strafen sind von 50 Pfund on-the-spot fuer uneinsichtige Raucher und 2500 Pfund bis zur Liznezentzug und Lokalschliessung fuer den Bar/Disco/Restaurantbetreiber, der das Verbot in seinem Lokal nicht einhalten laesst.ES gibt annonyme Anzeigetelefon und under-cover Antirauch-Polizei, mit Vollmachten, Strafen zu erteilen und Photos und Videos zur Beweisaufnahem fuers Gericht aufzunehmen.
tweetymann (01.08.2007, 16:47 Uhr)
@ mupfeline
Nichtraucher werden schon seit Jahrzehnte diskriminiert.
barryallen (01.08.2007, 13:47 Uhr)
@ mupfeline
Wen soll denn das überzeugen? Wie man Steuereinahmen über Menschenleben stellen kann, ist mir ein Rätsel.
Wie gesagt, ich habe jahrzehntelange Passivqualmerei und die daraus resultierenden Einschränkungen ertragen. In Cafés wurde auch nicht davor haltgemacht, vor kleinen Kindern und Babys zu rauchen. Ein Rauchverbot ist schon lange überfällig.
dbreuer (01.08.2007, 12:17 Uhr)
problem nur verlagert
also auch wenn das hart (fuer die raucher) ist, waere die beste loesung das raucher nur noch in abgeschlossenen raeumen fuer raucher zu gestatten. etwa in anlehnung an druck-raeume fuer heroinabhaengige. ich als nichtraucher empfinde es als belaestigung, wenn kaum die u-bahn station verlassend ein raucher sich vor mir auf der treppe unbedingt eine zigarette anzuenden muss. ich stehe/gehe dann durch die abgase.
mupfeline (01.08.2007, 11:46 Uhr)
@barryallen
Quatsch! Der Staat kassiert die Tabaksteuer und gängelt die Raucher immer mehr - das ist eine Tatsache! Du wirst staunen wenn als nächstes ein Alkoholverbot kommt, wenn dir vorgeschrieben wird dass du nur noch "gesunde" Nahrungsmittel zu essen hast und und und! Die Raucher werden diskriminiert, nicht mehr und nicht weniger!
barryallen (01.08.2007, 11:21 Uhr)
mit Verlaub
Diese mit Verlaub "schwachsinnige" Argumentation wurde in diversen Internet-Foren schon unzählige Male widerlegt. Für mich gab es bisher immer nur die Gängelei von mündigen Nichtrauchern, (ausgehend von Rauchern), deshalb freue ich mich auf das Rauchverbot.
mupfeline (01.08.2007, 10:22 Uhr)
Und wo bleibt die Tabaksteuer?
Schon vergessen? Der Staat nimmt Tabaksteuer ein - und natürlich die Mehrwertsteuer auf Tabakprodukte! Und der Staat wird quietschen wenn sie weniger wird - denn die Tabaksteuer ist fest einkalkuliert im Haushalt des Staates. Ich selbst bin Nichtraucher - mich betrifft es Gott lob nicht - also verdient der Staat in dieser Hinsicht an mir nichts. Aber ich bin gespannt was als Nächstes kommt: Der Zucker? Der Wein? Der Kräuterlikör? Das Eis? Die Schokolade? Das Eisbein? Das Kotelett? Was werden sich die Damen und Herren aus der Politik als nächstes einfallen lassen wie die Bürger zu gängeln sind?! Und was werden wir später machen mit all diesen gesundheitlich topfitten Bürgern jenseits der 70 tun? Jobs gibt es schon für 50jährige nicht mehr ... So sie - die Supergeneration der supergesunden Alten - eine ordentliche Rente bekommen ist es ja egal - da hat der Staat etwas zum Schröpfen (siehe Rentenbesteuerung - doppelte Steuer nämlich!) aber was ist mit den ANDEREN? Die keine so gute Rente bekommen? Dürfen die weiterrauchen? Weiter ihre Haxe essen? Mann/Frau darf gespannt sein. Für mich ist es schlicht und einfach Gängelei von mündigen Bürgern!
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