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27. November 2006, 17:02 Uhr

"Das soll in der Fraktion beerdigt werden"

Links? Bei den Liberalen? In der Mitte? Wo steht die CDU doch gleich noch mal? Am Montag hat Angela Merkel eine wegweisende Rede gehalten - stern.de hat einfache Delegierte gefragt, ob sie jetzt schlauer sind als zuvor. Von Florian Güßgen

Gut gemacht? Die Delegierten loben Angela Merkel, aber die Stimmung bleibt gedrückt© AP/Markus Schreiber

Sie haben ihr ein überwältigendes Wahl beschert: 93,06 Prozent gegenüber 88,41 Prozent im Jahr 2004. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis der rund 1000 Delegierten in der Dresdner Messehalle für ihre alte und neue Chefin. Aber wo führt Merkel die Partei hin? Wie ist die Stimmung in der Partei? Was halten die Delegierten von der Rede Merkels vom Vormittag?

"Die Rede hat Schärfen an den Ecken vermieden"

Im Kern, so scheint es, sind die Delegierten vor allem froh, dass Merkel sich als integrative Moderatorin profiliert hat. "Die Rede hat Schärfen an den Ecken vermieden", sagt etwa Werner Raab aus Ettlingen in Baden-Württemberg. "Die CDU ist eine große Volkspartei, die ein breites Spektrum hat und viele Gedanken in ihr Programm hineinbringen muss. Wir sind keine 11-Prozent-Partei, die ein Klientel befriedigt. Wir müssen zusehen, dass wir als Volkspartei eine Zukunft behalten. Das machte es schwierig, einen Wirtschaftsflügel und einen Sozialflügel zu haben. Aber wenn die CDU für Deutschland eine Aufgabe hat, dann ist es die, dass sie diese Spannung aushalten muss." Ähnlich sieht das Michael Hörter aus Koblenz: "Es war eine engagierte Rede, in der es gelungen ist, die Dinge noch einmal zusammenzuziehen, die momentan in der Diskussion ist", sagte er. "Es war wichtig, dass man noch einmal den Unterschied zwischen der Regierungsarbeit und der programmatischen Arbeit der Partei herausgearbeitet hat."

Die Richtung ist nicht irgendeine Richtung

Überhaupt das mit der Regierungsarbeit. Die Unverbindlichkeit der Merkelschen Aussagen entschuldigen viele der Delegierten mit den Koalitionszwängen in Berlin, nicht mit möglicherweise fehlendem Mut der Chefin. Die Sozen sind schuld!, die "Ganoven", wie eine Gesandte aus einem großen, westdeutschen Bundesland sagt, die namentlich nicht genannt werden will. Die Kanzlerin hätte in der Hauptstadt zu viel kaputt gemacht, wenn sie hier und jetzt zu klar Position bezogen hätte, mutmaßt die Delegierte. "Immer dann, wenn es ins Konkrete reingehen muss, ist die Kanzlerin natürlich in diesen Koalitionsvertrag eingebunden", sagt auch der Koblenzer Hörter. Angesichts dieser vermeintlichen Zwänge ist auch Gabriele Kordowski aus Unna zufrieden. Die Kanzlerin habe der Partei die Orientierung wieder gegeben: "Wir wissen jetzt, in welche Richtung es gehen soll, nämlich nicht in irgendeine Richtung, sondern dahin, dass wir an unseren Grundwerten festhalten und versuchen, unsere Politik, für die wir 60 Jahre in diesem Land stehen, auch weiterhin so geradlinig durchziehen können. Das ist ein gutes Signal."

"Es war eine nüchterne Rede"

Emotional, warm, da sind sich alle einig, ist Merkel an diesem Tag nicht. "Es war eine nüchterne Rede", sagt Patricia Allgayer-Reetze aus Niedersachsen. "Emotional begeistert hat sie die Delegierten nicht in dem Ausmaß wie früher", sagt sie. "Nein, eine Aufbruchstimmung habe die Rede nicht erzeugt", sagt Kordowski. Überhaupt, fragt man nach der Stimmung in der Partei, erhält man ernüchterte, desillusionierte Antworten. Nein, gut sei die nicht, heißt es. Ingolf Wappler, Delegierter aus dem sächsischen Lengefeld, sieht den Parteitag entsprechend mit einem Schuss Pragmatismus. Zwar lobt auch er die Merkel-Rede, sagt, die Kanzlerin habe im Zielstreit zwischen Freiheit und Gerechtigkeit klar gemacht habe, dass Freiheit wichtiger sei. Aber im Richtungsstreit positioniert, das habe sie sich nicht. "Die ganze Parteitagsregie läuft darauf heraus, den Streit nicht ausbrechen zu lassen", sagt Wappler. "Die beiden Anträge sollen durch gewunken und dann in der Fraktion beerdigt werden." Aber im Prinzip sei das auch kein Problem. Der Rüttgers-Antrag sei ohnehin bis zur Unkenntlichkeit entstellt. "Keiner kann mehr unterscheiden, was es ausdrückt, wenn man dafür oder dagegen stimmt. Das ist völlig sinnlos", sagt Wappler.

Von Florian Güßgen
 
 
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