Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Schröder will Babyklappen aus der Grauzone holen

Babyklappen gibt es seit mehr als zehn Jahren. Trotzdem gibt es keine gesetzliche Regelung für die längst etablierten Einrichtungen. Familienministerin Kristina Schröder will das nun ändern. Auch "vertrauliche Geburten" sollen raus aus der rechtlichen Grauzone.

  Ein Kind landet in einer Babyklappe (nachgestellte Szene): Familienministerin Schröder will den Einrichtungen endlich eine gesetzliche Grundlage geben

Ein Kind landet in einer Babyklappe (nachgestellte Szene): Familienministerin Schröder will den Einrichtungen endlich eine gesetzliche Grundlage geben

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will anonyme Geburten und sogenannte Babyklappen erstmals gesetzlich regeln. Dies sei nötig, weil sich die Angebote bislang "in einer rechtlichen Grauzone" bewegten, sagte Schröder der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Eine Abschaffung der Babyklappen schloss die CDU-Politikerin aus.

Bundesweit können heute Frauen in etwa 130 Kliniken ihr Kind anonym zur Welt bringen. Zudem gibt es rund hundert Babyklappen, in denen Säuglinge abgegeben werden können. Ein Teil dieser Kinder wird anschließend zum Beispiel an Adoptivfamilien weitervermittelt.

Herkunft eines Kindes nach zehn Jahren veröffentlichen

Ihr Ziel sei es, einen rechtlichen Rahmen für eine sogenannte vertrauliche Geburt zu schaffen, sagte Schröder. Nach ihren Vorstellungen sollte die Herkunft des Kinds erst nach einer Frist von etwa zehn Jahren veröffentlicht werden, "damit die Kinder ab einem gewissen Alter die Chance haben, ihre eigene Identität festzustellen".

Die Babyklappen sollen auch weiterhin bestehen bleiben. "Wir sind über jedes Kind glücklich, das durch eine Babyklappe gerettet wird", sagte Schröder. Es gehe darum, sich stärker den Müttern zuzuwenden, die sich in einer schweren Krise befänden. "Ich möchte die Frauen gewinnen, ihr Kind in einem Krankenhaus zur Welt zu bringen." Der dortige Kontakt mit den Frauen biete die Chance, ihnen persönliche Hilfsangebote zu machen.

Seit 1999 fast 1000 Kinder in Babyklappen

Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts, die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erarbeitet wurde, kam kürzlich zu dem Ergebnis, dass seit 1999 fast 1000 Kinder in Babyklappen abgelegt oder in Kliniken anonym geboren wurden. Laut Studie wurde aber auch deutlich, dass das ursprüngliche Ziel der Babyklappen und anonymen Geburten, die Tötung neugeborener Babys zu verhindern, weitgehend verfehlt wird.

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) begrüßte gleichwohl die Pläne für eine Gesetzesregelung. Frauen in Notlagen müsse endlich die Möglichkeit gegeben werden, "in einem Krankenhaus sicher ohne Angst zu gebären", erklärte sie in München. Nach Ansicht von Merk sollte eine gesetzliche Regelung gewährleisten, dass persönlichen Daten der Frauen bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres des Kindes unter Verschluss bleiben. Als ultima ratio sollte aber auch eine anonyme Geburt unter völliger Geheimhaltung der Identität möglich sein.

Die familienpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Miriam Gruss, nannte eine gesetzliche Regelung "überfällig". Zugleich müssten die Beratungsangebote für Schwangere in Konfliktsituationen verstärkt werden, erklärte Gruss in Berlin. Die Grünen-Politikerinnen Birgit Bender und Monika Lazar forderten, die Diskussion müsse auf Fachebene und nicht in den Medien geführt werden.

Babyklappen unter Experten umstritten

Babyklappen und anonyme Geburten sind unter Experten umstritten. Der Deutsche Ethikrat hatte sich bereits Ende 2009 mehrheitlich für eine Abschaffung dieser Angebote ausgesprochen, unter anderem weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzten.

Stattdessen empfahl der Rat, die Hilfsangebote für Schwangere in Notlagen auszubauen. Die Vizechefin des Ethikrates, Christiane Woopen, kritisierte vor Kurzem, den Frauen werde durch die anonymen Angebote nicht geholfen. Zudem sei in vielen Fällen der weitere Verbleib der Kinder nicht geklärt.

dho/AFP/AFP
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools