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8. März 2010, 14:47 Uhr

EU will Arbeitslose zu Unternehmern machen

Vergabe von Mikrokrediten

Die EU geht einen neuen Weg bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: In den kommenden Jahren will sie rund 45.000 Arbeitslosen mit sogenannten Mikrokrediten unter die Arme greifen, damit ihnen der Sprung in die Selbstständigkeit gelingt. Wer sie bekommt, wie man sie beantragt und wie viel Geld es gibt.

Erfunden wurden sie für die Dritte Welt, doch in Zeiten der Krise setzt auch Europa darauf: Mikrokredite für Arme. Von dem erfolgreichen Konzept des Friedensnobelpreisträgers und Gründers der Mikrokreditbank Grameen, Muhammad Yunus, lernen auch die Industrieländer. Die EU hat 2010 zum Jahr der Armutsbekämpfung ausgerufen. In den kommenden Jahren will Europa rund 45.000 Arbeitslosen mit Mini-Darlehen unter die Arme greifen, damit sie den Sprung in die Selbstständigkeit schaffen.

Welches Ziel hat die EU?

Ganz oben auf der Prioritätenliste in Zeiten der Wirtschaftskrise steht das Ziel, die Arbeitslosigkeit zu senken. Deshalb will die EU benachteiligten Menschen, die von der Wirtschaftskrise getroffen wurden und nur schwer wieder eine Arbeit finden, beim Sprung in die Selbstständigkeit helfen. Das würde neue Jobs schaffen.

Wer kann einen Mikrokredit bekommen?

Jeder, der arbeitslos oder von Jobverlust bedroht ist, und ein Unternehmen gründet. Also Existenzgründer, die bei einer Bank keine Chance haben, einen klassischen Kredit zu bekommen, weil die Banken das Risiko scheuen. Der Mikrokredit soll eine Starthilfe sein. Aber auch bestehende Kleinstunternehmen - vor allem solche im Sozialbereich - können davon profitieren.

Wer ist ein Kleinstunternehmer?

Dazu zählt jeder, der eine Firma mit weniger als zehn Mitarbeitern führt, die weniger als zwei Millionen Euro Umsatz macht. Nach Angaben der EU-Kommission sind das 91 Prozent aller europäischen Firmen. Auch wer schon einen Mini-Betrieb besitzt und sich vergrößern möchte, kann einen Mikrokredit beantragen.

Wie viel Geld gibt es ?

Antragsteller erhalten ein Darlehen von bis zu 25.000 Euro. Für das gesamte Programm stellt die EU bis 2014 insgesamt 100 Millionen Euro für Menschen aus allen 27 Mitgliedstaaten bereit - inklusive nationaler und europäischer Hilfen könnte der Betrag 500 Millionen Euro Kreditvolumen mobilisieren. Das Geld ist als Kredit, Bürgschaft oder Beteiligungskapital vorgesehen. Ein Unternehmer kann sich auch eine Fortbildung finanzieren lassen.

Nach welchen Kriterien werden Kredite vergeben?

Die Vergabe soll "unkonventionell" erfolgen - genau definiert ist das nicht. Sicher ist aber, dass der Antragsteller weniger Kriterien erfüllen muss als bei klassischen Bankkrediten. Zum Beispiel muss er keine Sicherheiten vorweisen, um Geld zu bekommen.

Ab wann und wo kann man Kredite beantragen?

Im Prinzip ab sofort. EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor sagte, ab Juni werde das Geld bereitstehen. Dabei gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Existenzgründer müssen den Antrag bei einer Bank oder Sparkasse stellen, die ihn dann an die EU weiterreicht. Die Europäische Investitionsbank (EIB) und der Europäische Investitionsfonds stellen die Mittel bereit. Geplant sind auch nationale Kontaktstellen, die die Kreditvergabe koordinieren.

Wie wird das Darlehen zurückgezahlt?

Auch das ist noch nicht entschieden. Mikrokredite werden üblicherweise auf eine sozialverträgliche Weise zurückgezahlt - also zu geringen Zinssätzen über lange Zeit. Die EU-Länder müssen ihre Regelungen noch festlegen.

Gibt es in Deutschland Ähnliches?

Ja, die Bundesregierung hat einen Mikrokreditfonds Deutschland aufgelegt mit einem Volumen von insgesamt 100 Millionen Euro. Dort erhalten Existenzgründer Kleinstkredite von bis zu 20.000 Euro. Da man auf nationaler Ebene schon aktiv ist, stimmte Deutschland im EU-Ministerrat gegen den Beschluss.

KOMMENTARE (5 von 5)
 
henkersknecht (08.03.2010, 19:48 Uhr)
Hier kreist der Pleitegeier
Die gehen nicht nur reihenweise pleite wie die Ich-AG`s, sondern sie sind hinterher auch noch hoch verschuldet.

Na dann viel Spaß!
Corazito3333 (08.03.2010, 17:18 Uhr)
Die Ich-AG als Europa-Konzept
super - Idee, es wird wie bei H4 - die Verwaltung wird viel Steuergelder verschlingen und alles für nichts, denn das wird nichts. Eine Ich-AG die den Job dann unter 1.-- Euro macht??? oder wie???
knilch_59 (08.03.2010, 16:03 Uhr)
Ich-AG als Europakonzept?!
Was bei uns grandios gescheitert ist, soll jetzt wiederkommen und als Heilmittel für die Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit dienen? Bockmist - wir sind nicht in Indien!
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Für`s Scheitern sorgt die EU schon selbst, mit detaillierten Auflagen für die Produktion usw. Man dürfte ja noch nicht mal Topflappen stricken und verkaufen, ohne sich mit EU-Kennzeichnungspflichten und Produktsicherheitshinweisen auszukennen!
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Zugegeben: In Ausnahmefällen kann das auch funktionieren, aber als Konzeption? Ich sehe die hierfür aufgewendeten Beträge schon an selbständige Kurierdienste versickern, die ihr Geld damit verdienen als Drogenkuriere der Mafia zu dienen usw. Das nächste Milliardengrab, das in Brüssel ausgehoben wird!
theobaldtiger (08.03.2010, 16:02 Uhr)
Lächerlich, das ist ja ....
.... in Deutschland schon gescheitert. Die Idee, dass jeder jedem eine Pizza ins Haus liefert, funktioniert eben nicht.
ecomen (08.03.2010, 15:54 Uhr)
als "alter Finanzhase" ...
hmmm, Kreditrückzahlung bedingt dennoch immer auch ein tragfähiges Konzept. Angesicht nahezu nicht wirklich vorhandener Binnennachfrage (mit Ausnahme des allgegenwärtigen notwendigen Verbrauchskonsums) durch ständig "moderate" Lohnpolitik und Ausbau des Niedriglohnsektors ... wieviele Unternehmer soollen denn geschaffen werden? 1.000, 100.000, 1.000.000 .... Die dann genauso pleite gehen wie vor 3-5 Jahren die von der ARGE gestützen/unterstützen Ich-AG`s? Schon jetzt können viele Kurzarbeiter kaum noch laufende Kredite bedienen, im Sozialen wird gekürzt, Kosten steigen. Viele haben =, wirklich 0 Ahnung, wie eine Firma zu führen ist. Mit der Konsequenz von Pfändungen etc., weil die Mehrwertsteuer "vergessen" wurde zurückzulegen oder die Sozialabgaben buchhalterich schlichtweg vergessen wurden. So etwas funktiert nicht als dauerhafte und große Lösung ... es kostet im Nachhinein viel, viel Steuergeld ...
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