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7. Oktober 2009, 10:03 Uhr

"Die FDP schafft die Praxisgebühr ab"

Wolfram Richter hat den Gesundheitsfonds erfunden. Im Interview mit stern.de erklärt der Professor, was das Gute am Milliarden-Defizit ist - und warum die FDP das System nicht richtig verstanden hat.

Wolfram Richter Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Dortmund gilt als geistiger Vater des deutschen Gesundheitssystems. Er hat das Konzept des Gesundheitsfonds, der Anfang 2009 von der Großen Koalition eingeführt wurde, entworfen.

Herr Richter, den Krankenkassen droht ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro. Die FDP wettert erneut gegen den Gesundheitsfonds und sagt, er gehöre abgeschafft. Hat sie recht?

Nein, das Defizit hat mit dem Fonds nichts zu tun. Die Ausgaben steigen vor allem , weil die Politik den niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern Milliarden Euro zusätzlich gewährt. Und die Kasseneinnahmen brechen wegen der Wirtschaftskrise ein. Das wäre in jedem Fall passiert, aber ohne die Reform wäre die Entwicklung vermutlich noch dramatischer. Der Gesundheitsfonds sorgt für verschärften Wettbewerb unter den Krankenkassen, und den brauchen wir, um die steigenden Kosten in den Griff zu bekommen. Wir sollten mehr Geduld haben und die Reform wirken lassen.

Das dramatische Defizit bringt jetzt nicht das ganze System ins Wanken?

Die Sorge teile ich nicht. Die Krankenkassen werden lediglich Zusatzbeiträge erheben müssen. Da diese sich von Kasse zu Kasse unterscheiden werden, kommt endlich Wettbewerb in Gang. Dieser zwingt die Krankenkassen, sich mehr Gedanken über Kosten und Nutzen der Gesundheitsausgaben zu machen.

Eine weitere Kritik der FDP: Der Gesundheitsfonds sei ein bürokratisches Monster. Können Sie das nachvollziehen?

Da liegt ein grobes Missverständnis vor. Der Fonds verwaltet derzeit rund 168 Milliarden Euro und beschäftigt dennoch lediglich 21 Menschen. Im Grunde ist der Fonds nur ein Computerprogramm. Bürokratie gibt es da nicht.

Der Fonds wurde Anfang 2009 von SPD und Union eingeführt. Was waren die Hauptziele der Gesundheitsreform?

Er sollte vor allem die Form des Wettbewerbs unter den Krankenkassen verändern. Früher haben sie sich einen Wettbewerb über die Höhe der Beitragssätze geliefert. Das machte den Preis der nachgefragten Ware abhängig vom Einkommen - ein Kuriosum. Stellen Sie sich mal vor, Geringverdiener könnten im Restaurant verlangen, dass ihr Steak nur zwei Euro kostet. So funktioniert Marktwirtschaft nicht, das verzerrt den Wettbewerb. Im Gesundheitswesen ging das nur über Zwangsmitgliedschaft.

Was hat der Gesundheitsfonds daran geändert?

Die Reform fußt auf zwei Säulen. Erstens: Die Kassen haben größere Vertragsfreiheiten im Verhältnis mit den medizinischen Leistungserbringern bekommen. Zweitens: Sie konkurrieren nicht mehr bei den Beitragssätzen, weil der Staat jetzt einen Einheitssatz festlegt. Den Wettbewerb müssen sie sich nun über attraktive Wahltarife, Zusatzbeiträge und Boni liefern.

Wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten neun Monaten aus?

Tatsächlich hatte ich gehofft, dass der Wettbewerb schneller in Gang kommt. Aber bei so einer umfassenden Neuordnung müssen alle erst einmal lernen. Die Krankenkassen waren im Grunde öffentliche Behörden, die plötzlich unternehmerisch denken sollen. Diese Umstellung kann man nicht von heute auf morgen erwarten. Aber die große Fusionswelle, die die Krankenkassenlandschaft erfasst hat, ist ein erstes Zeichen, dass der Wettbewerb wie gewünscht anspringt.

Was halten Sie von den Forderungen der FDP und der CSU, den Gesundheitsfonds wieder abzuschaffen?

Das wäre fatal, wenn man jetzt alles wieder rückgängig machte. Ich weiß nicht, wie die Alternative aussehen sollte.

Wo sehen Sie zumindest Nachbesserungsbedarf?

Am wichtigsten ist der Krankenhaussektor. Der verschlingt rund ein Drittel der Kasseneinnahmen. Deutschland hat da viel zu üppige Kapazitäten. Hierzulande gibt es in der Akutversorgung 5,7 Betten pro 1000 Einwohner, der OECD-Schnitt liegt bei 3,8. Schweden und die USA kommen mit deutlich weniger aus. Wir haben noch keinen Weg gefunden, die Kapazitäten auf ein vernünftiges Maß zurückzufahren. Das liegt vor allem an den Bundesländern, die hier bei der Reform gemauert haben.

Glauben Sie, dass die neue Regierung diesen Bereich angehen wird?

Nein, das ist wohl ein zu großes Rad. Das werden sich Union und FDP nicht trauen.

Sollte die schwarz-gelbe Koalition die Trennung zwischen privater und gesetzlicher Versicherung aufheben?

Langfristig sollte es nicht mehr die herkömmliche Unterscheidung zwischen privater und gesetzlicher Versicherung geben. Stattdessen sollte es eine Basis- und Zusatzversicherung geben. Die Basisversicherung ist Pflicht, deckt das medizinisch Notwendige ab und wird über den Fonds solidarisch finanziert. Der Wettbewerb wird über Zusatzbeiträge und Boni ausgetragen. Daneben gibt es Zusatzversicherungen, die man freiwillig abschließen kann; sie sollten so funktionieren wie die Privatversicherungen heute. In beiden Segmenten sollten gesetzliche und private Anbieter gleichberechtigt um Mitglieder konkurrieren können.

Da decken sich doch Ihre Vorstellungen grob mit denen der FDP?

Die Richtung stimmt, aber das ist ein sehr schwieriger Prozess, den man mit Bedacht angehen muss - und nicht so überstürzt, wie es die Liberalen offenbar wollen. Mich irritieren Passagen aus dem Regierungsprogramm und die Aussagen von einzelnen FDP-Politikern. Da bekommt man den Eindruck, dass die eine vage Vorstellung von dem Gebäude haben, aber sie begreifen nicht, welche Bausteine tragend sind und welche nur zur Dekoration.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ja klargestellt, dass der Gesundheitsfonds nicht grundsätzlich zur Disposition steht. Was glauben Sie, wo sich die FDP durchsetzen könnte?

Die FDP wird auf die Abschaffung der sogenannten Überforderungsklausel drängen, was die meisten Ökonomen begrüßen. Die Klausel begrenzt zur Zeit die Zuzahlungen für Geringverdiener. Das ist zwar sozial, aber für den Wettbewerb unter den Krankenkassen kontraproduktiv. Außerdem erwarte ich, dass man die Praxisgebühr abschafft. Das kann die FDP dann als Bürokratieabbau und soziale Errungenschaft verkaufen.

Interview: Sönke Wiese
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
VolkerRockel (08.10.2009, 10:28 Uhr)
Es gilt die tatsächlichen Ursachen zu diskutieren!
Es wäre mit Sicherheit falsch, die zu erwartenden Defizite bei den gesetzlichen Krankenkassen, der Einführung des Gesundheitsfonds zuzuschreiben und falsch wäre es mit Sicherheit auch, nun zu versuchen alles der Finanz- u. Wirtschaftskrise aufzubürden! Dem ist mitnichten so und man sollte nunmehr erwarten können, das sich die Politik endlich mit den tatsächlichen Ursachen auseinandersetzt!

Und eine wesentlichen Ursache resultiert aus der inzwischen unangemessenen Höhe des Beitragsaufkommen, das dem Gesundheitsfond zufließt! Wobei diese Diskussion nicht wieder in der Höhe des Beitragssatzes enden darf, sondern die Frage zwingend beantwortet werden muss, warum dieses absehbar derzeit nicht der Fall ist und wie ein angemessenes Beitragsaufkommen generiert werden kann!


Es bleibt voranzustellen; das Beitragsaufkommen steht in einem gesetzlich klar definierten Verhältnis zur Einkommenshöhe der ArbeitnehmerInnen insgesamt; die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in einem Verhältnis zu der Leistungserbringung gegenüber allen gesetzlich Versicherten.

Wobei sich die absolute Ausgabenhöhe, unabhängig von den sich verändernden Kostenstrukturen der Leistungserbringer, durch die sich verändernde Nachfragesituation nach Leistungen ergibt! Sprich, die Ausgabenhöhe der gesetzlichen Krankekassen hat sich, ob ihrer Qualität, ihres Umfangs und einhergehend mit der sich verändernden demographischen Entwicklung, real nach oben entwickeln müssen!

Demgegenüber steht eine Entwicklung der Realeinkommen der gesetzlich versicherten ArbeitnehmerInnen, wie auch der gesetzlich versicherten Rentner, die einen gegenläufigen Trend aufweist.


Entscheidend hierbei; diese auseinanderklaffende Schere, zwischen den Ausgaben des Gesundheitssystem und den zur Ausgabendeckung zur Verfügung stehenden Beiträgen der gesetzlich Versicherten, ist aber nicht nur begründet durch die rückläufige Einkommensentwicklung bei den ArbeitnehmerInnen respektive Rentnern, sondern auch durch die strukturellen Veränderungen im Arbeitsmarkt selbst!

Und diese strukturellen Veränderungen sind im Wesentlichen beeinflußt durch das Fehlend flächendeckender gesetzlichen Mindestlöhne, durch die Verdrängung von Vollzeitbeschäftigung zu Gunsten geringfügiger Beschäftigung und Teilzeitbeschäftigung sowie Leih- u. Zeitarbeit.

D.h., im Ergebnis führt die Verhinderung flächendeckender gesetzlicher Mindestlöhne und die fehlenden Begrenzung der Stundenzahl bei geringfügiger Beschäftigung, zu einer Verdrängung von Vollzeitbeschäftigung, mithin zu Lohndumping, mit der Konsequenz das damit auch eine angemessene gesamtwirtschaftliche Lohn und Einkommensentwicklung verhindert wird!

Wird aber eine adäquate gesamtwirtschaftliche Einkommensentwicklung durch fehlende gesetzliche Regelungen konterkariert, wird zwangsläufig auch eine adäquate Entwicklung des Beitragsaufkommens zu den steigenden Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung ad absurdum geführt!


Der gesunde Menschenverstand kann erkennen: Wenn eine adäquate gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Arbeitnehmereinkommen nicht sichergestellt werden kann und diese mit den Ausgaben des Gesundheitssystems nicht Schritt hält, bedeutet dieses zwangsläufig, durch die Umverteilung der steigenden Ausgaben für die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, eine höhere Belastung der gesetzlich Versicherten!


Dieses müßte in der Tat nicht sein, wenn die Politik selbstkritischer und umfänglicher mit den Entscheidungen der Vergangenheit umgehen würde!

D.h., allein durch die Tatsache einer stufenweise Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns (wie in Europa und den USA inzwischen üblich) auf 9,00 Euro brutto Std. würden, aus den rund 11,7 Milliarden an zusätzlichen Arbeitnehmereinkommen, den gesetzlichen Krankenkassen bis zu 1,8 Milliarden Euro an zusätzlichen Beiträgen zufließen. Ein verminderter MwSt. Satz auf Medikamente, wie in fast allen andern Ländern der EU üblich, würde zu einer Entlastung der gesetzlichen Krankenkassen von rund 2,5 Milliarden Euro führen; und wäre man nunmehr konsequent, würde man im Sinne der Versicherten und zur Entlastung der gesetzlichen Krankenkassen (wie ebenfalls in anderen europäischen Länder üblich), Preisobergrenzen für verschreibungspflichtige Medikament einführen!- Warum tut man das nicht?


Für den Bürger bleibt festzustellen: Keines der derzeitigen von der Politik zu bewältigenden Probleme steht für sich allein,- d.h. es gilt immer auf die Ursachen des Problems zuzugehen, und gerade bei der Problematik der Finanzierung des Gesundheitswesen sind die Ursachen, wie dargestellt, nur temporär durch das Gesundheitswesen selbst verursacht.

Und warum sich Deutschland immer wieder sperrt sich ein Beispiel an anderen europäischen Länder zu nehmen und einfach nur das Gleiche zu tun, scheint einer Irrationalität deutscher Politik geschuldet zu sein, die man als Bürger immer weniger begreift!
SethusCalvisius (07.10.2009, 23:47 Uhr)
Der Gesundheitsfond
versucht ein Problem zu beheben, dass ja real existiert: Welchen Grund soll es geben, warum Menschen für die gleiche medizinische Leistung völlig verschieden Beiträge zahlen müssen. Die Zuzahlungen aber bringen das Problem gleich wieder zurück. D.h. es ändert sich nichts, außer dass die Zuzahlungen die Arbeitgeber nicht belasten, sondern nur die Arbeitnehmer.

Was spricht eigentlich gegen diese einfache System:
Alle (!) zahlen in die GKV je nach Höhe des Gehaltes ein und bekommen dafür alle notwendigen medizinischen Leistungen.
Für Firlefanz wie Chefarztbehandlung oder Einzelzimmer kann man sich ja extra versichern. Da können die Privaten ja in den Wettbewerb treten.
Wettbewerb bei medizinisch notwendigen Leistungen ist dagegen absurd. Eine Kasse kann ja nur den Beitragssatz niedrig halten, wenn sie entweder bei den Leistungen spart oder sich nur Gutverdiener an Land zieht. Wo soll da der Sinn sein?
knilch_59 (07.10.2009, 23:03 Uhr)
Marktwirtschaft im Gesundheitswesen
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Worum geht es? Um den größten Wirtschaftszweig des Landes. Alleine die gesetzlichen Kassen schleusen 170 Milliarden durch, dazu kommen noch die Privaten Kassen und die sonstigen Ausgaben der Privaten Haushalte. Es geht um Millionen Arbeitsplätze in Konzernen und kleinen Betrieben und Praxen, im Öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft. Na ja, und ein bißchen geht es auch um kranke Menschen. Die sind Motor für einen Riesen-Durchlauferhitzer für Geld. Gesundheit hat natürlich auch etwas mit Ökonomie zu tun, Krankheit muss man sich leisten können.
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Ausdrücklich: die Leistungsanbieter sollen ordentlich verdienen, zu erwarten, dass die in selbstloser Aufopferung ihren Job machen, ist einfach nur blöde! Aber was ist "ordentlich"? In allen anderen Wirtschaftszweigen haben wir marktwirtschaftliche Elemente, um das zu regulieren, nur im Gesundheitswesen nicht. Das Grundprinzip heißt "wer bestellt, bezahlt"! Bedeutet: Versicherter bestellt sich eine Kasse und bezahlt dafür den Beitrag. Kasse hat einen bestimmten Leistungsumfang und muss jeden nehmen. Dafür organisiert sie die Leistungen. Systemfeindlich ist dann freie Arztwahl und Therapiefreiheit des Arztes. Arzt wird nämlich von der Kasse bestellt und bezahlt. Die Kasse entscheidet, ob sie die Leistung selbst anbietet, oder externe Dienstleister beauftragt. Warum soll die AOK keine eigene Klinik betreiben, angestellte Vertragsärzte und die eigene Versandapotheke? Wenn es bei gleicher Servicequalität billiger ist, dann regelt der Markt die angemessene Honorierung - fairer als heute! Warum wohl kommen CDU/CSU und FDP niemals auf eine solche Idee?
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Aber eins ist auch klar: Im Gesundheitswesen schlummern auch auf der Patientenseite noch einige Milliarden an Einsparungsmöglichkeiten: Wenn die Kasse die Therapiehoheit bekommt, kann sie bei nicht therapiegerechtem Verhalten auch die Bezahlung verweigern. Es ist schon eine Zumutung an die Versichertengemeinschaft, die Kosten für 25-jährige mit 200 Kilo tragen zu müssen, die angeblich nicht abnehmen können. Es ist dreist Zahnbehandlung zu erwarten, wenn man als ausgewiesene Oralsau zu faul zum Zähneputzen ist. Und nicht jede Schwangere braucht jede Woche das Ultraschallbild in Farbe, mit Ton und in 3D - jedenfalls nicht auf Kosten der Allgemeinheit. Weitere Beispiele über unser Anspruchsniveau auf Anfrage!
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Der Selbstbedienungsladen Gesundheitswesen muss auf beiden Seiten geschlossen werden, dann reicht auch das Geld! Aber genau das will ja in Wahrheit keiner: nicht die Ärzte, nicht die Patienten, also erst recht nicht die Politik!
babylon (07.10.2009, 19:31 Uhr)
@endbenutzer
Ich bin ja meist nicht ihrer Meinung, aber in diesem Punkt stimme ich ihnen zu.
Herr Westerwelle hat noch nie etwas von Sozialpolitik verstanden,ebensowenig von Marktwirtschaft. Wohin die Politik der FDP führt hat uns jüngst die Finanzkrise gezeigt. Gelernt hat doch aus dieser Krise keiner etwas, sonst hätte diese Partei nicht so viele Stimmen bekommen.

dentix07 (07.10.2009, 19:01 Uhr)
Wirklich Professor?
Mir scheint eher der Herr "Professor" (für VWL!) hat so einiges nicht verstanden! Über was konkurrieren die kranken Kassen denn, wenn nicht mehr über den Preis (Beitragssatz)? Die Leistungen sind zu fast 100% gesetzlich festgelegt, der Beitragssatz ebenfalls per Gesetz. Was bleibt da als "Wettbewerb"? Wieviele nette Broschüren verteilt werden, wer die beste Werbung in die Medien bringt?
Abschaffung der Praxisgebühr wäre schon mal was. Kostet die Praxen einen Haufen Verwaltung, die Regeln sind undurchsichtig, die Ärzte wurden zu Geldeintreibern für die kranken Kassen gemacht und bekommen für diese Arbeit nix/null/nothing und müssen auch noch die Kosten tragen. Erzählt mal einem DB-Schaffner er solle seinen dienstlichen Geldbeutel, seine Ticketmaschine, seinen Knipser etc. selbst bezahlen, aber das Geld schön brav abgeben! Der zeigt euch 'nen (berechtigten) Vogel!!!!
Die Idee mit der gesetzlichen Grundsicherung wäre eventuell ok, aber, haltet die Politik draußen! Und bei den Zusatzversicherungen sollte der Staat (via GKV) eben NICHT mitmischen, sonst gibt's wieder Wettbewerbsverzerrungen weil die GKV Dumpingbeiträge anbietet die sie über die Grundversorgungsbeiträge quer subventioniert, und dann kommen sie wieder mit dem Geld nicht aus.
Und für was anderes als die Grundabsicherung sind die gesetzlichen Kassen denn da? Schließlich ist die Leistung, die Anspruchberechtigung und die Leistungsbezuschußung auf WANZ begrenzt (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig; steht so im Sozialgesetzbuch V). Der GKV-Patient hat eben KEINEN Anspruch auf optimale/maximale Versorgung!
Außerdem frage ich mich ob bei der Behandlung/Betreuung/Versorgung kranker Menschen tatsächlich wirtschaftliche Fragen allein ausschlaggebend sein dürfen? Wo bleibt da die Menschenwürde?
Herr Professor, ich wünsche Ihnen wirklich nichts Schlechtes, aber einmal so richtig krank sein und dann durch ein VEB Krankheitsversorgungskombinat (wie es Ihnen und U. Schmidt ja wohl vorschwebt) so richtig fließbandmäßig durchgeschleust zu werden, würde Ihnen die Augen öffnen.
Oder sind Sie Privat versichert? ;)
kaisergarten (07.10.2009, 18:19 Uhr)
Schwätzer!
Wiedermal erklärt uns ein Ökonom die Welt und wiedermal völlig falsch. Krankenhäuser und Ärzte sollen wirtschaftlich handeln? Das geht NUR über Leistung und zwar über weniger, statt mehr. Dafür gibt es unzählige Beispiele (s.h. Post, Bahn, Energie....). Wieso war der Beitragssatz als Wettbewerbsmittel schlecht??? Weil der Starke für die gleiche Leistung mehr zahlt als der Schwache!!! Aha, ein typisches Denken für die Herrn "Ökonomen" - das ist ASOZIAL! Noch leben wir in einen Sozialstaat nach dem Solidaritätsprinzip! Kein Wort des Herrn darüber das die einzigen Kosten, die im Gesundheitssystem wiedermal gestiegen sind, die Aufwendungen für die Pharmaindustrie waren. Aber von denen wird er ja gesponsert. Ökonomen sind keine Ärzte! keine Pfleger! etc... - schaut Euch doch mal die Kosten im Krankenhaus genau AN. Ärzte und Schwestern werden nach Tarif gezahlt und wer bekommt den fetten Anteil - der Verwaltungsrat - und wer hockt da??? Klingelts!
domit (07.10.2009, 17:39 Uhr)
Hochpreisland
Wahlgewinner ist die Pharmaindustrie, die ihre Phanatsiepreise in abtenteuerliche Höhen geschraubt hat. Bei allen politischen Überlegungen werden längst fällige Gegenmaßnahmen nicht einmal ansatzweise in Erwägung gezogen.Eine dankbare Aufgabe für sämtliche Oppositionsparteien.
cybertanne (07.10.2009, 17:37 Uhr)
Dieser Professor
legt ja eine eigentümliche Argumentation an den Tag. Wettbewerb über die Beitragssätze ist RICHTIG und so funktioniert auch Marktwirtschaft, wo ja auch der Kunde den Preis vergleicht. Komplizierte Wahltarife und Boni, wie sie der Professor anpreist, schaffen eine unübersichtliche Intransparenz, bei der niemand mehr wirklich vergleichen kann, welche Krankenkasse DIE BESTE für ihn ist.
GustavMahler (07.10.2009, 16:51 Uhr)
Alle die grundsätzlichen Überlegungen
hätte man auch ohne den Fonds umsetzen können. der Fonds ist und bleibt ein überflüssiges Monstrum. Warum gefällt der Fonds Frau Merkel? Ganz einfach. In der DDR hat man auch immer Fonds gegründet. Damit konnte man wenigstens auf dem Papier produzieren. An den Problemen wurde nichts geändert. Wir haben mittlerweile durch Frau Merkel zuviel DDR. Wohin das geführt hat....?
endbenutzer (07.10.2009, 15:23 Uhr)
Zitat:
"....Die Klausel begrenzt zur Zeit die Zuzahlungen für Geringverdiener. Das ist zwar sozial, aber für den Wettbewerb unter den Krankenkassen kontraproduktiv...."+++++Na prima, weg damit! Dann sollte Herr Westerwelle aber auch den Mut haben sich vor die Bürger zu stellen und sagen: "Liebe Geringverdiener, ab heute bekommt ihr noch weniger Leistungen im Gesundheitssystem, weil ihr armen Schlucker ja nichts zuzahlen könnt. Also sammelt Kräuter und behandelt eure Krankheiten wie im Mittelalter. Das Gesundheitssystem ist künftig nur noch für finanzkräftige Bürger da."...
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