19. Juli 2009, 20:19 Uhr

Carstensen gibt falsche Angaben zu

Hat die Kieler SPD der umstrittenen Millionenzahlung an den HSH-Nordbank-Chef zugestimmt? Ja, hatte CDU-Regierungschef Peter Harry Carstensen bis zuletzt behauptet. Doch nun räumt der CDU-Politiker ein, dass diese Formulierung falsch war. Im Landtag will er sich nun der Vertrauensfrage stellen.

Kiel, Carstensen, Stegner, Große Koalition

Wird sich wohl der Vertrauensfrage stellen: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen©

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat erstmals eingeräumt, dass er zu der umstrittenen Millionen-Zahlung an den Chef der HSH Nordbank eine falsche Angabe gemacht hat. Er hatte in einem Brief geschrieben, die Zuwendung an den Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher sei mit vorherigem Einverständnis "der Spitzen der die Regierung tragenden Fraktionen" beschlossen worden. Diese Formulierung sei nicht richtig gewesen, sagte Carstensen nun. "Das ist eine Formulierung, über die ich vielleicht ein bisschen flott hinweggegangen bin." Er sei aber nicht davon ausgegangen, dass sie falsch war. Da es seitens der SPD keine Reaktion gegeben habe, sei er von deren Zustimmung ausgegangen, so Carstensen. Auch habe es Einvernehmen mit SPD-Innenminister Lothar Hay gegeben.

Nach dem Bruch der großen Koalition entscheidet der Kieler Landtag am Montag über seine Auflösung, der Neuwahlen am 27. September ermöglichen würde. Die SPD habe dann noch die Möglichkeit, über den weiteren Fortgang mitzuentscheiden, sagte Carstensen. "Dann behalte ich mir alles Andere vor." Die SPD hat angekündigt, geschlossen gegen die Auflösung zu stimmen, was die nötige Zwei- Drittel-Mehrheit verhindern würde.

Der Landeschef der Sozialdemokraten, Ralf Stegner, sagte der "Welt am Sonntag", das Parlament müsse sich nicht auflösen, es habe ordentliche Arbeit gemacht: "Der Ministerpräsident ist gescheitert, soll er doch zurücktreten." SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte im ZDF, Carstensen wolle aus taktischen Gründen gleichzeitig mit der Bundestagswahl abstimmen lassen. Es gebe aber keinen Grund für die CDU, "mitten im Galopp aus der Kutsche auszusteigen". Auf die Frage, ob er dann am gleichen Tag die Vertrauensfrage stellen werde, sagte Carstensen: "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß."

Einer Umfrage zufolge können CDU und FDP derzeit auf eine Mehrheit hoffen. Laut Infratest-Dimap sprechen sich mehr als die Hälfte der Bürger für Neuwahlen aus. Würde sofort gewählt, käme die CDU auf 36 Prozent der Stimmen - 4,2 Punkte weniger als bei der Wahl 2005. Die FDP klettert dagegen um 8,4 Punkte auf 15 Prozent. Zusammen reicht das für eine Mehrheit im Landtag. Die SPD würde von 38,7 auf 24 Prozent abrutschen. Die Grünen liegen bei 14 Prozent, ein Plus von 7,8 Punkten. Die Linke würde mit fünf Prozent erstmals in den Landtag einziehen. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), für den die Fünf-Prozent-Hürde nicht gilt, käme auf drei Prozent. Carstensen erklärte, die Umfrage zeige, dass die Menschen vor allem Vertrauen zu einer bürgerlichen Regierung hätten.

Der ehemalige Wirtschafts- und Verkehrsminister Werner Marnette warf Carstensen vor, die Wähler durch Neuwahlen über die Risiken bei der HSH Nordbank hinwegtäuschen zu wollen. "Die Wahrheit über die HSH Nordbank wird bis nach der Wahl zurückgehalten", sagte er dem "Handelsblatt". Marnette war Ende März aus Protest gegen Carstensens Krisenmanagement bei der Landesbank zurückgetreten.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 48)
 
REINI2 (21.07.2009, 17:36 Uhr)
Jeder Nichtwähler macht sich schuldig...
Allein schon um diesen Lobbyisten-Politikern einen Knüppel zwischen die Füße zu werfen MUSS man LINKS wählen!!
-
Die verscherbeln sonst den ganzen Staat! Bald werden die ersten maroden Schulen einfallen..... und keiner hat was gewusst!
Milliarden für Pleitebanken, das Volk zahlt und der Sozialstaat geht vor die Hunde!!
Merkt ihr eigentlich IMMER NOCH NICHTS??
REINI2 (21.07.2009, 17:34 Uhr)
Lüge... ist nicht gleich Lüge!
Wisst ihr noch, wie man über Ypsilanti hergefallen ist, nur weil sie sich erdreistete mit „Tolerierung“ der Linken, Politik FÜR DAS VOLK ZU MACHEN!!
Leider konnten nur die Studiengebühren abgeschafft werden..... und das wars dann!
Die Medien hatten bewiesen, dass sie allesamt von der Wirtschaft abhängig sind!
Wessen Brot ich ess.... dessen Lied ich sind!
Pfui Teufel kann man da nur sagen!
lazarus06 (21.07.2009, 08:32 Uhr)
Wieder mal ein Kommentar geloescht :-)
Und ein moderater dazu ..Liebe Stern Admins auf e-mails an sie reagieren sie nicht und ansonsten waehre es schoen zu erfahren warum man geloescht wird. Oder machen sie es wie FOKUS da wird erst zensiert und dann veroeffentlicht.
nightmare_online (20.07.2009, 14:28 Uhr)
@janus55
Tschuldigung, aber WIR, die Bürger, wir erzeugen diese Art Politiker. Wir WÄHLEN sie. Und in SH wird der Mann - jede Wette - wiedergewählt werden. Diese Art von Politikertyp gibt es, weil WIR solche Leute mehrheitlich wählen. Das ist die bittere Realität.
Mile (20.07.2009, 14:01 Uhr)
Tempelhofer,
ich schrieb auch von der Sternsuche.
Sie können es gerne selber versuchen aber ich habe es mit "SPD, Heuchler, Kiel" versucht und keinen Treffer gelandet.
REINI2 (20.07.2009, 13:23 Uhr)
Geld, Macht und Gier.... Wie die Wirtschaft, so die Politik
Wundert sich noch einer? Nicht wirklich, oder?
Politik und Wirtschaft, wer führt wen? Die Wirtschaft führt eindeutig die Politiker vor! Durch ihre Abhängigkeit von Spenden und anderen „Zuwendungen“ Sind die Politiker längst zur Lobbyisten-Fraktion verkommen!
-
Ob es die Milliardengeschenke an die Banken sind, oder Steuersenkungen für Reiche und Unternehmen, Rente mit 67, hatz4, Dumpinglöhne.... usw. ,alles hat die Wirtschaft verlangt und bekommen! Die Globalisierung hat sich als gigantischen Ausbeuterei entlarvt....... und trotzdem, wird schwarz-gelb von den Wählern favorisiert!
Oder, sind es nur die Medien, die sich für Konstellation stark machen?
-
Doch diese Medien sind nichts anderes als Wahlkampfmaschinen, der Neoliberalen Machthaber! Spd und grüne haben auch längst bewiesen, dass sie Musterknaben in Sachen Ausbeutung sind!
„Bertl“ hat zurecht erkannt, dass NUR die Linke von den Medien verteufelt wird! Alle anderen haben den Freibrief zur Dummheit und Gier....
solange sie die Reichen und Mächtigen schonen!
Ist auch logisch, denen gehören ja die Medien, oder sind von ihrer „Zuneigung“ (Werbung) abhängig!
-
Nun muss ich lesen, dass die Linken bei Neuwahlen nur um die 5% bekommen würden. Geht’s noch?
Die sind die EINZIGEN, die sich für den Bürger einsetzen und den Sozialstaat stärken wollen!!
Geld für „Notleidende“ Banken!! Habt ihr alle diesen Skandal schon abgehakt??
-
Seid ihr alle so beLämmert und wählt wieder eure SCHLÄCHTER??
Was glaubt ihr wohl, WARUM die Linken so bekämpft werden? Die wollen das Geld von OBEN nach UNTEN verteilen...... und welchem Reichen gefällt das schon? Also …... Hirn einschalten!
waldi22 (20.07.2009, 12:55 Uhr)
Stern-Redaktion--oje oje!
Werner Marnette war Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr - mitnichten Landwirtschaftsminister. In seiner Funktion hatte er mit den Geschehnissen um die HSH-Nordbank zu tun und ist aus diesen Kenntnissen heraus unter Protest aus der Landesregierung ausgetreten. Seitdem ist Carstensen eigentlich angezählt und jetzt trickst er, um aus seiner Lage herauszukommen.
janus55 (20.07.2009, 09:31 Uhr)
Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß
konnte man mögen oder hassen. Auch diese beiden haben getrickst. Aber es waren Persönlichkeiten! Ganz im Gegensatz zu diesen allglatten und schmierigen Nichtskönner aller Parteien, die jetzt in unserem Land das Sagen haben. Dieser SPD-Genosse Stegner ist mir hochgradig unsympathisch. Aber für den glatten Herrn Carstensen kann ich mich genau so wenig begeistern. Man müßte sie beide zum Teufel jagen. Aber was käme dann? Vermutlich würden wir den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Es ist ein Trauerspiel.
Tempelhofer (20.07.2009, 09:13 Uhr)
@ Mile
Zum jetzigen Zeitpunkt steht der "Heuchler"-Kommentar ganz normal hier drin. Einfach nur durchklicken unter "Politik" und "Deutschland". Ältere Kommentare rutschen ganz normal nach hinten, wenn sie durch neuere Berichte verdrängt werden.
Also bitte erst mal nachdenken, bevor man losschimpft.
Mile (20.07.2009, 08:08 Uhr)
Heuchler-Kommentar
Interessant finde ich es ja schon, dass man mit der Sternsuche diesen Kommentar nicht mehr findet.
Aber dank Google findet man ihn dann doch noch.
http://www.stern.de/politik/deutschland/:Schleswig-Holstein-Die-Heuchler-SPD/706435.html?id=706435&rendermode=comment
MEHR ZUM ARTIKEL
Regierungskrise in Schleswig-Holstein "Die Große Koalition ist zum Abgewöhnen"

Chaos in Kiel. Die Ehe zwischen CDU und SPD ist gescheitert. Zwar steht die Auflösung des Parlaments noch aus, aber eins scheint jetzt schon sicher: Die Zeit der Liberalen ist gekommen. Martina Fietz hat sich in "Fitz fragt", der Interview-Reihe des Magazins "Cicero", mit dem Fraktionschef der FDP, Wolfgang Kubicki, darüber unterhalten, wie es jetzt weitergehen soll.

Ministerpräsident Carstensen "Rücktritt? Das ist Quatsch!"

Taktieren an der Förde: Ministerpräsident Peter Harry Carstensen will keine vorgezogenen Neuwahlen herbeiführen, indem er selbst zurücktritt. "Das ist Quatsch", sagte Carstensen. Seine Hoffnung: ein Einlenken des Noch-Koalitionspartners SPD. Und dann ist da noch eine andere Möglichkeit.

Koalitions-Krise in Schleswig-Holstein Die Auswege aus der Kieler Misere

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen will nur eins: Raus aus der ungeliebten Koalition mit Ralf Stegners Sozialdemokraten - und zwar sofort. Dumm nur, dass die SPD sich gegen eine Auflösung des Landtags sperrt. Wie Carstensen sein Ziel dennoch erreichen könnte.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?