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11. Juni 2010, 06:15 Uhr

Die Ampel fällt aus

SPD, Grüne und FDP tagten zehn Stunden, dann war klar: Mit einer Ampel-Koalition in Nordrhein-Westfalen wird es nichts. Die Schulpolitik war der größte Streitpunkt. Für SPD-Chefin Hannelore Kraft wird es nun eng, will sie Regierungschefin werden - Ministerpräsident Jürgen Rüttgers dringt auf eine Große Koalition.

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Letzter Ausweg Rüttgers: Viele Optionen bleiben Nordrhein-Westfalens SPD-Chefin Hannelore Kraft nicht mehr© Federico Gambarini/DPA

Die Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen lässt weiter auf sich warten. Einen Monat nach der Landtagswahl scheiterten in der Nacht zum Freitag Verhandlungen über eine sogenannte Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grünen. Die SPD-Landesvorsitzende Hannelore Kraft wird am Nachmittag dem Landesvorstand Bericht über ihre bisherigen Sondierungen erstatten. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der CDU regte neue Gespräche über eine Große Koalition an.

Die Sondierungsgespräche von Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen wurden nach knapp zehnstündiger Dauer erfolglos beendet. "Die FDP-Verhandlungsgruppe hat, ähnlich wie die Grünen, keine hinreichend tragfähige Grundlage erkennen können, um in Koalitionsverhandlungen eintreten zu können", sagte FDP-Landeschef Andreas Pinkwart nach Abschluss der Gespräche in Düsseldorf. "Die Kernauseinandersetzung besteht in der Schulfrage." SPD und Grüne wollen Gemeinschaftsschulen für alle; die FDP will unbedingt die Gymnasien erhalten.

Gegenseitige Schuldzuweisungen von FDP und Grüne

Pinkwart bedauerte, dass es nicht gelungen sei, Brücken zu bauen. "Ich hatte bei Frau Kraft das gute Gefühl, dass sie einen Anlauf nehmen wollte, ob man nicht darüber weiterreden könnte", bescheinigte er der SPD-Landeschefin. Bei den Grünen sei dies nicht der Fall gewesen. Eine Ampel-Koalition wäre für Kraft die einzige sichere Möglichkeit gewesen, zur Ministerpräsidentin gewählt zu werden.

Kraft sagte, sie habe während der Gespräche zeitweise den Eindruck gehabt, dass eine gemeinsame Regierung mit FDP und Grünen möglich sein könnte. In vielen Punkten sei erkennbar gewesen, dass Bewegung möglich sei. Grüne und Sozialdemokraten hätten daher auch vorgeschlagen, die Gespräche bei einem dritten Treffen fortzusetzen. Dies habe die FDP jedoch abgelehnt.

Grünen-Verhandlungsführerin Sylvia Löhrmann warf der FDP vor, gespalten zu sein und nicht klar geäußert zu haben, zu welchen Kompromissen sie bereit sei. Zugleich nannte sie die Gespräche jedoch "insgesamt wertvoll" und betonte, sie hoffe, dass die Parteien in der neuen Legislaturperiode "an der ein oder anderen Stelle" zusammenarbeiten könnten.

Die SPD hat nun alle Sondierungsoptionen ausgeschöpft. Eine rot-rot-grüne Koalition mit der Linkspartei hatten die Sozialdemokraten schon zu Beginn der Sondierungen ausgeschlossen. Möglich sind noch eine Große Koalition, eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen. Die Gespräche zwischen SPD und CDU hatten in der vergangenen Woche allerdings keinen Durchbruch gebracht.

Rüttgers will die Große Koalition

Rüttgers versucht nun, die SPD zu neuen Gesprächen zu bewegen. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, sagte Rüttgers bereits vor dem Scheitern der Ampel-Gespräche seine für heute geplante Polen-Reise ab und erneuerte seine Bereitschaft, mit der SPD über eine Große Koalition zu verhandeln. "Nordrhein-Westfalen braucht jetzt eine stabile Regierung", sagte der amtierende Ministerpräsident. Rüttgers habe Entgegenkommen in der zwischen SPD und CDU besonders umstrittenen Schulpolitik angedeutet, berichtet das Blatt.

Sollte es zu keiner Regierungsbildung kommen, bliebe Rüttgers weiterhin geschäftsführend im Amt. Neuwahlen dürften dann aber nur noch eine Frage der Zeit sein.

DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 36)
 
tannebaum (11.06.2010, 18:31 Uhr)
@erichmonika
ich lach mich tot. und die linken sind keine klientelpartei und eine absolute minderheit in diesem land??? muhahahhahahaha
erichmonika (11.06.2010, 15:39 Uhr)
FDP - gleich unsozial
Es beweist sich immer mehr, diese FDP ist die Partei einer Minderheit, die ohne Rücksicht auf andere ihre Privilegien verteidigt. Es wird über kurz oder lang zu Neuwahlen in NRW kommen, weil da zusammen kommt, was nicht zusammen passt. Ich wäre, wenn es möglich ist, für kurz, damit diese FDP dann hoffentlich nicht mehr im Landtag von NRW ist.
Bayernstammler (11.06.2010, 15:14 Uhr)
@ medienbeobachter
Lieber m,

Ihnen zuliebe muss die SPD aber keine Hure werden, die um der Macht willen mit Jedem ins Bett steigt, oder?
tannebaum (11.06.2010, 15:09 Uhr)
zu einem anderen thread...
sarrazin hat mal wieder recht. warum darf das keiner hier schreiben? ist die feststellung von verdummung etwa rassistisch? alle schulstatistiken zeigen ganz offen, dass der muslimische anteil der schulabbrecher und hauptschüler führend ist. und im gegendsatz zu allen migranten sonst ist deren anteil der gymnasiasten erschreckend gering.

und diese statistiken sind selbst dann noch eine katastrophe, auch wenn man viele schon eingedeutscht hat, damit es nicht noch schlimmer aussieht...

klar, der stern kann dazu schweigen. aber davon wird sich das problem wohl kaum auflösen, oder?!

und wenn wir es nicht kommentieren dürfen, so mal der herr asyl oder schütz. aber nicht auf die gehässige art, sondern ernsthaft. denn das ist nicht zum lachen. nicht mal ein bisschen...
FraGeZ (11.06.2010, 12:59 Uhr)
NRW
Eigentlich war die SPD in NRW mit dem Ziel zu den Wahlen angetreten die schwarz-gelbe Koalition zu stürzen. Der Eiertanz um mögliche Koalitionen nervt tierisch. Die linken Parteien sollen doch endlich mal aufhören sic zu bekriegen. Aber anscheinend hat die SPD nicht von den Vorfälloen vor 1933 gelernt, als sich SPD und KPD bis aufs Messer bekämpft haben. Hätten diese zwei Parteien zusammen gehalten, wäre meines Erachtens "GröFaZ" nie an die Macht gekommen. Aber scheinbar hat die SPD nichts dazu gelernt.
nightmare_online (11.06.2010, 11:42 Uhr)
@dimpflmoser ; Schulformen
Es gibt Untersuchungen, die belegen das die Empfehlungen in fast 50% der Fälle falsch sind. Und ehrlich gesagt: Niemand der auch nur halbwegs seine Sinne beieinander hat, kann ernsthaft behaupten das man bei einem Kind mit 10 sehen kann, wie seine Leistungen mit 15 oder 16 sind.
Entsprechend ist das Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem schlicht albern. Was übrigens auch das Schulsystem jener Länder zeigt, die bei PISA vorne lagen.
Es existiert aber bei FDP und CDU traditionell eine extrem starke Lobby (ich sag nur Philologenverband), die entsprechende Positionsänderungen verhindert.
dimpflmoser (11.06.2010, 11:10 Uhr)
"ordentliches" Abitur

Ein Abitur auf einer Gesamtschule in NRW findet unter exakt den gleichen Bedingungen statt wie an einem Gymnasium !
Es müssen die selben Aufgaben gelöst werden - und die erfahren die Lehrer erst am Morgen der Prüfung.

Der Unterschied liegt im Weg zum Abitur ! Manche Schüler brauchen eben länger, um den Wert einer qualifizierten Schulausbildung zu erkennen. Und zu dieser Erkenntnis kann man ihnen verhelfen !

Ich selbst kenne einige Beispiele von Mitschülern meiner Kinder, die zunächst eine Hauptschul-Empfehlung hatten, dann aber erfolgreich an einer Gesamtschule Abitur machen konnten.
Ein Junge mit Migrationshintergrund und Hauptschulempfehlung auf Grund der mangelnden Sprachkenntnisse der Eltern ( ! ) studiert nun mit einem 1er Schnitt Medizin !

Das Gespenst der Gesamtschule reicht nicht, um eine Koalition abzulehnen !


- - -


aber mal ganz davon ab : Rüttgers will keiner mehr !

Neuwahlen statt Rüttgers !
rockyciano (11.06.2010, 10:58 Uhr)
@ nerventanz
Ihre Sorgen sind unberechtigt. Bis auf Rheinland-Pfalz gibt es bereits das Zentral(Einheits)-Abitur.
Medienbeobachter (11.06.2010, 10:48 Uhr)
Neues von Politikwechselverhinderungspartei
Liebe Frau Kraft, liebe SPD-Führung, werden sie eigentlich dafür bezahlt, dass sie mit den Linken keine Regierung bilden? Die SPD wird gewählt, die SPD hat die Möglichkeit zu regieren, aber die SPD-Führung boykottiert sich selber. In Hamburg hatte die CDU vor einigen Jahren keine Probleme mit der Schill-Partei zu koalieren. In NRW kommt die SPD über Scheinverhandlungen mit der Linken nicht hinaus. Die SPD ist mittlerweile eine Politikwechselverhinderungspartei.
enneos (11.06.2010, 10:43 Uhr)
@ Josef2
Aber eine Minderheitsregierung - vulgo: eine Duldung durch die LINKE - war genau DAS, was Kraft ausgeschlossen hatte.
Und falls Sie jetzt nach der standhaft wie ein Grashalm im Wind schwankenden FDP (nein - ja - nein) der (durchaus richtigen) Meinung sind, dass man auf Ausschließeritis nichts geben oder sich darauf verlassen sollte, kann ich mir den Hinweis auf Ypsilanti (geht nicht gegen Sie) nicht verkneifen, die man damals dafür noch wochenlang durch die Medien geprügelt und in der Luft zerrissen hat.
Hat es auch nur eine annähernd scharfe Reaktion auf die 3-prozentige Mehrwertsteuerlüge oder aktuell auf den Schlingerkurs der Mövenpicker gegeben oder auf die aktuellen Überlegungen der NRW-SPD, sich trotz gegenteiliger Beteuerungen vielleicht doch tolerieren zu lassen? Nein, natürlich nicht.

Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass einige in der NRW-SPD ihren Gesinnungstest, den sie mit der LINKEn veranstaltet hatten, schon bitter bereuen.

Und falls es zu einer Tolerierung kommt, erinnere ich schon mal unsere Freunde hier, die bei der ersten Abstimmung, bei der es Gegenstimmen von der LINKEn gibt, von Verrat und undemokratischem Verhalten faseln werden, vorsorglich daran, dass eine Tolerierung eben keine Koalition ist und der Tolerierende daher in seinem Abstimmungverhalten nicht an die tolerierte Minderheitskoalition gebunden ist.
Die Minderheitskoalitionäre müssen entscheiden, ob sie sich darauf einlassen wollen.

Ich finde solche Konstellationen viel interessanter, da dann die Regierenden ernsthaft überzeugen müssen und nicht alles Kraft ihrer zahlenmäßigen Wassersuppe durchdrücken können.

Darin liegt für die SPD natürlich ein enormes Risiko, da dann das bisherige Spielchen links zu blinken und dann doch wieder rechts abzubiegen nicht mehr funktioniert, da sie dann für den Abbiegeversuch keine Stimmen von der LINKEn bekommt.

Wie schön könnte Politik wieder sein, wenn Entscheidungen nicht mehr vorher feststehen, sondern wirklich wieder in den Parlamenten um Zustimmung gerungen werden müßte.

Aber der Deutsche mags gern harmonisch. Statt einer guten Entscheidung, die mühsam errungen werden muss, ist ihm eine schlechte, aber schnelle lieber - denn da weiß man, was man hat. Schließlich hat uns schon der Alte vom Rhein eingebläut: "Keine Experimente!" - und das wirkt noch heute nach.
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